
© Foto: Redaktion, mithilfe von KI generiert
Monatelang hat sich Berlin gegen die Übernahme gestemmt. Jetzt knickt die Regierung offenbar ein. Der Bund könnte seine 12,7 Prozent an der Commerzbank tatsächlich an UniCredit verkaufen. Für Andrea Orcel wäre das der entscheidende Schritt zur vollen Kontrolle. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Es gibt Bedingungen, es gibt Risiken, und es gibt eine Notenbank, die vor einem ruckeligen Weg warnt. Sollte jetzt noch etwas schiefgehen, könnte der Kurs schnell wieder unter Druck geraten. Wir haben uns die aktuelle Lage genauer angeschaut.
Zwischen Widerstand und Gesprächsbereitschaft
Lange war die Linie aus Berlin klar: Kein Verkauf der Bundesanteile! Kein Entgegenkommen gegenüber UniCredit! Doch jetzt bewegt sich etwas. Mehrere Regierungsvertreter zeigten sich laut Bloomberg grundsätzlich offen dafür, über einen Verkauf der 12,7-Prozent-Beteiligung zu sprechen. Die Bedingung ist, dass sich die Commerzbank und die UniCredit sich zuerst auf eine gemeinsame Strategie einigen müssen. Käme der Deal zustande, würde UniCredit von aktuell rund 47,6 Prozent auf über 60 Prozent aufstocken. Auch die Commerzbank selbst hat ihren Widerstand offenbar schon aufgegeben. Vorstandschefin Bettina Orlopp setzt inzwischen auf direkte Gespräche mit Orcel. Der wiederum lässt wenig Zweifel daran, dass er seinen im Frühjahr vorgestellten Umbauplan weitgehend durchziehen will und das mit Kosteneinsparungen von rund 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro und dem Abbau tausender Stellen. Die EZB hat intern offenbar keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Übernahme, warnt aber vor einem "herausfordernden und langwierigen Integrationsprozess". Genau hier liegt die Krux, denn sollte die Integration holprig verlaufen oder die Verhandlungen zwischen Bund, Commerzbank und UniCredit doch noch scheitern, könnte die aktuelle Kursfantasie schnell wieder verpuffen.

Charttechnik
Die Commerzbank-Aktie hat zuletzt in kleinen Schritten, aber insgesamt spürbar zugelegt. Zuletzt wurde die Marke von 40 Euro überschritten, aktuell pendelt der Kurs um die 38 bis 39 Euro. Auf Monatssicht steht ebenfalls ein Plus da, auf Jahressicht sind es über 10 Prozent. Damit bewegt sich die Aktie deutlich in einem intakten Aufwärtstrend. Kleinere Rücksetzer an einzelnen Handelstagen wirken dabei eher wie normale Verschnaufpausen als wie ein Trendbruch. Entscheidend wird jetzt sein, ob der Kurs die charttechnisch wichtige 40-Euro-Marke nachhaltig zurückerobern kann. Gelingt das, könnte der Weg für weitere Kursgewinne frei sein. Scheitert die Aktie mehrfach an dieser Hürde, könnte das kurzfristig für etwas Ernüchterung sorgen. Aber insgesamt wird die Aktie nur noch marginal von der Charttechnik getrieben. Hier geht es wirklich nur noch um die Übernahmeverhandlungen und die harten Fakten.
Was tun?
Der Gewinn der Commerzbank lag zuletzt über den Erwartungen, die Erträge sind gestiegen, und auch die Analysten haben ihre Kursziele zuletzt eher angehoben als gesenkt. Dazu kommt die Übernahmefantasie, die dem Kurs seit Monaten Auftrieb gibt. Genau das könnte aber auch das große Risiko sein. Ein Großteil der positiven Kursentwicklung hängt inzwischen an einem erfolgreichen Abschluss der Übernahme. Bleibt Berlin bei seiner Öffnung, einigen sich Orlopp und Orcel auf eine gemeinsame Linie, und segnet die EZB den Deal im Herbst ab, spricht vieles für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Kommt es dagegen zu neuen Streitigkeiten, politischem Gegenwind oder Verzögerungen, dürfte die Aktie einen Teil ihrer Übernahmeprämie wieder abgeben. Es bleibt spannend bis zuletzt!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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