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China dominiert weite Teile der globalen Batterie-Lieferkette. Doch selbst der größte Batteriemarkt der Welt steht vor einer entscheidenden Frage: Woher sollen langfristig die Rohstoffe kommen, die Elektroautos und immer größere Energiespeicher benötigen?
Lithium bleibt dabei ein strategischer Baustein. Während Australien, Chile und Argentinien seit Jahren im Fokus stehen, entsteht in Afrika eine neue Lieferkette. Nigeria will seine bislang kleine Bergbauindustrie ausbauen und gleichzeitig verhindern, dass wertvolle Rohstoffe lediglich unverarbeitet das Land verlassen. Chinesisches Kapital spielt dabei bereits eine zentrale Rolle.
Reuters berichtete 2025 über eine Lithium-Verarbeitungsanlage im Volumen von 600 Millionen US-Dollar nahe der Grenze zwischen Kaduna und Niger sowie eine weitere, rund 200 Millionen US-Dollar schwere Raffinerie nahe Abuja. Mehr als 80 Prozent der Finanzierung von insgesamt vier genannten Anlagen stammten laut nigerianischen Regierungsangaben von chinesischen Unternehmen.
Damit stellt sich eine neue Frage: Wenn Verarbeitungskapazitäten entstehen, woher kommt künftig das Lithium, das diese Anlagen benötigen?
CATL zeigt, wie strategisch die Lieferkette geworden ist
Wie wichtig der Zugriff auf funktionierende Lieferketten geworden ist, zeigt CATL (ISIN: CNE100003XXX). Der chinesische Batteriekonzern gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Batterien für Elektrofahrzeuge und Energiespeicher.
Für die Nigeria-Geschichte ist dabei eine Verbindung besonders interessant: Bereits 2021 schloss CATL eine strategische Kooperationsvereinbarung mit der chinesischen C&D Group. Die Zusammenarbeit sollte unter anderem Batterieanwendungen, die New-Energy-Vehicle-Industrie und Supply-Chain-Themen umfassen.
CATL ist nicht an dem nun bekanntgegebenen Nigeria-Projekt beteiligt. Die frühere Kooperation zeigt jedoch, in welcher Liga sich C&D innerhalb der chinesischen New-Energy-Lieferkette bewegt.
Und genau C&D taucht jetzt in Nigeria auf.
Vom chinesischen Handelskonzern zum nigerianischen Lithiumprojekt
Chariot Resources (ISIN: AU0000294498) hat eine Vereinbarung mit C&D (Hainan), Hong Kong ZhongNuo Energy und C&C Minerals über ein mögliches partnerfinanziertes Lithiumprogramm in Nigeria geschlossen.
Chariot selbst steht dabei noch am Anfang. Das Unternehmen arbeitet an der Übernahme einer 66,667-prozentigen Beteiligung an einem nigerianischen Hartgesteins-Lithiumportfolio. Nach der zuletzt erweiterten Struktur umfasst dieses rund 257 Quadratkilometer in den Bundesstaaten Kwara und Oyo und enthält die Projektcluster Fonlo, Gbugbu, Iganna und Saki.
Interessant ist weniger eine einzelne Unternehmensmeldung als vielmehr die geplante Struktur der Zusammenarbeit.
Zunächst gilt eine 90-tägige Exklusivitäts- und Evaluierungsphase. Die Parteien wollen Standorte prüfen, eines der Projekte auswählen und anschließend über endgültige Vereinbarungen verhandeln.
Danach könnte ZhongNuo mindestens 1.500 Meter Diamantbohrungen finanzieren und durchführen.
Das ist für einen kleinen Explorer relevant: Chariot müsste dieses erste Bohrprogramm nach der derzeit vorgesehenen Struktur nicht selbst finanzieren.
Warum die Zahl 240.000 Tonnen entscheidend ist
Sollten die Bohrungen entsprechende Ergebnisse liefern und alle notwendigen Vereinbarungen und Genehmigungen vorliegen, könnte anschließend ein Trial-Mining-Programm folgen. Auch dieses soll nach dem vorgeschlagenen Modell von ZhongNuo finanziert und betrieben werden.
Die Obergrenze: 240.000 Tonnen Direct Shipping Ore (DSO).
C&D würde das Recht erhalten, qualifiziertes Material abzunehmen. Der Preis soll dabei nicht frei ausgehandelt werden, sondern über eine marktbezogene Formel an die Preise für Batterie-Lithiumcarbonat am Shanghai Metals Market gekoppelt werden.
Damit entsteht zumindest auf dem Papier eine ungewöhnlich klare Kette:
Exploration ? Bohrungen ? Testabbau ? Verarbeitung ? Abnahme.
ZhongNuo verfügt laut Chariot bereits über eine Spodumen-Flotationsanlage in erreichbarer Lkw-Distanz zu den Projekten und hat zuvor Lithiumminen in Nigeria betrieben. Sollte aus einem der Projekte tatsächlich förderfähiges Material hervorgehen, könnte damit ein potenzieller regionaler Verarbeitungsweg vorhanden sein.
C&D hat Chariot zudem bereits eine rückzahlbare Exklusivitätsgebühr von 100.000 US-Dollar gezahlt. Bei Abschluss einer endgültigen Vereinbarung ist zusätzlich eine zinsfreie Vorauszahlung von 500.000 US-Dollar vorgesehen, die später mit DSO-Rechnungen verrechnet werden soll.
Nigerias Vorteil: Lithium ist bereits sichtbar
Warum beschäftigen sich chinesische Partner überhaupt mit diesen Projekten?
Chariots Portfolio liegt in einem Gebiet mit lithiumführenden Pegmatiten und einer Historie handwerklichen Abbaus. Besonders Fonlo liefert dafür erste Hinweise. Dort wurden spodumenführende Pegmatite identifiziert. Chariot berichtet bei historischen beziehungsweise bisherigen Gesteinsproben über Lithiumgehalte von bis zu 6,46 Prozent Li2O.
Auch bei Iganna wurde Spodumen bestätigt.
Diese Werte sollten jedoch nicht mit einer Lagerstätte oder gar einer wirtschaftlich abbaubaren Ressource verwechselt werden. Die Projekte wurden bislang nicht durch ein systematisches Bohrprogramm zu einer Mineralressource entwickelt. Genau das ist der entscheidende nächste Schritt.
China baut Kapazitäten - jetzt wird der Rohstoff interessant
Damit schließt sich der Kreis.
Nigeria versucht, aus seinen kritischen Rohstoffen mehr Wert im eigenen Land zu schaffen. Chinesische Unternehmen investieren bereits hunderte Millionen Dollar in Verarbeitungskapazitäten. C&D, ein Konzern mit bestehenden Verbindungen zu Schwergewichten der chinesischen Batterieindustrie wie CATL, prüft nun gemeinsam mit Chariot und ZhongNuo einen Weg von der Exploration bis zur möglichen Abnahme von Lithiumerz.
Noch ist daraus keine Mine geworden. Die Übernahme des nigerianischen Portfolios muss abgeschlossen werden, ein Projekt muss ausgewählt werden, die Bohrungen müssen überzeugen und endgültige Verträge sowie Genehmigungen müssen folgen. Für einen Explorer wie Chariot bleiben die Risiken entsprechend hoch.
Doch die größere Geschichte ist bereits sichtbar: China investiert nicht nur in Batteriefabriken. Der Wettbewerb verlagert sich zunehmend dorthin, wo die Rohstoffe der nächsten Generation gewonnen und verarbeitet werden könnten.
Wenn Nigeria tatsächlich zu einem neuen afrikanischen Lithiumstandort heranwächst, dürfte die entscheidende Frage deshalb nicht nur lauten, wer die Verarbeitungsanlagen besitzt.
Sondern auch: Wer liefert ihnen künftig das Lithium?

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Quellen:
https://www.reuters.com/business/energy/nigeria-open-two-chinese-backed-lithium-processing-plants-this-year-2025-05-26/
https://www.theaustralian.com.au/business/stockhead/content/chariot-lines-up-partnerfunded-path-for-nigerian-lithium-dso-opportunity/news-story/b960400e9128bdb9f6aa5c581c3538ec
https://businessday.ng/news/article/nigerias-lithium-rush-accelerates-as-strategic-mineral-attracts-global-investors/
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