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Die Aktie von Thyssenkrupp kratzt am Mehrjahreshoch, Analysten überbieten sich mit neuen Kurszielen, und aus dem Konzern kommen fast im Wochentakt gute Nachrichten. Ein indischer Milliardär will bei der Stahltochter einsteigen, die Rüstungssparte boomt, und auch die Zahlen stimmen wieder zuversichtlich. Reicht das, um den Aufwärtstrend fortzusetzen? Oder ist jetzt schon zu viel Euphorie im Kurs? Wir schauen genauer hin und sagen, worauf es jetzt ankommt.
Der Konzernumbau zahlt sich aus
Bei Thyssenkrupp poltern gerade die guten Nachrichten nur so rein. Der indische Unternehmer Naveen Jindal hat ein Angebot für 60 Prozent der Stahlsparte Steel Europe vorgelegt. Die Prüfung läuft bis Jahresende, ein Abschluss wäre frühestens Anfang 2027 möglich. Für Anleger ist das ein tolles Signal, denn die seit Jahren gesuchte Lösung für das schwächelnde Stahlgeschäft rückt näher. Auch die Zahlen passen ins Bild. Im dritten Quartal wuchs der Umsatz um 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis kletterte um 18 Prozent. Unter dem Strich stand sogar wieder ein kleiner Gewinn, geholfen hat dabei ein Buchgewinn aus dem Verkauf der Anteile an den Hüttenwerken Krupp Mannesmann. Der Konzern hat seine Jahresprognose deshalb angehoben.
Zusätzlichen Schwung liefert die Marinesparte TKMS. Sie rechnet nun mit einem Umsatzplus von 10 bis 12 Prozent statt der bisher erwarteten 2 bis 5 Prozent. Grund ist die steigende Nachfrage nach Rüstungsgütern. Ein Milliardendeal über 6 U-Boote für die indische Marine steht kurz vor der Genehmigung. Nicht alles läuft aber so rund, denn die Wasserstofftochter Nucera bleibt eine Baustelle. Doch insgesamt überwiegt der positive Trend, und genau das honorieren auch die Analysten: DZ Bank, BofA und Citigroup haben ihre Kursziele zuletzt kräftig angehoben, teilweise auf bis zu 22 Euro.

Charttechnik
Der Chart spricht momentan eine klare Sprache. Die Aktie notiert nahe ihrem Mehrjahreshoch. Seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von fast 50 Prozent zu Buche, das ist ordentlich. Setzt sich die Dynamik fort, wäre der Weg in Richtung der Analystenziele von 15 bis 20 Euro oder noch gar darüber hinaus durchaus vorstellbar. Wichtig ist aber dabei die Marke von 10 Euro. Fällt der Kurs darunter zurück, würde das charttechnische Bild sich nicht nur eintrüben, sondern kippen, und mit ihm vermutlich auch die Stimmung der Anleger. Danach sieht es aktuell aber nicht aus. Solange sich die Aktie oberhalb dieser Schwelle hält, bleibt der Trend intakt.
Was tun?
Die Mischung stimmt bei Thyssenkrupp. Das sind zum einen die besseren Zahlen, ein möglicher Einstieg bei der Stahlsparte und zum anderen eine boomende Marinesparte und Analysten, die reihenweise ihre Kursziele erhöhen. Charttechnisch befindet sich die Aktie in einer starken Verfassung nahe dem Mehrjahreshoch, fundamental untermauert der Konzernumbau die Fantasie. Wer eine Position hält, könnte als Not-Stopp die10-Euro-Marke als Absicherung im Blick behalten. Interessenten könnten auf kleinere, leichte Rücksetzer warten, um nicht direkt am Hoch zu kaufen. Die Richtung stimmt, das Chance-Risiko-Verhältnis bleibt aber, wie bei jeder Aktie, mit Unsicherheiten verbunden. Eine Einbahnstraße gibt es an der Börse nicht!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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