
© Foto: Redaktion, mithilfe von KI generiert
Was für ein Sommer für SAP-Aktionäre. Erst der Absturz auf noch etwas über 120 Euro, dann eine Rally, die schon richtig heftig abging. Über 40 Prozent ging es seit Ende Juli nach oben. Jetzt steht die Aktie kurz vor der 200-Euro-Marke und so langsam mehren sich die Zweifel. Reicht die Kraft noch für den nächsten Schritt, oder war es das erstmal mit der Party? Wir schauen auf Zahlen, Chart und die Frage, die sich gerade jeder stellt: Einsteigen oder lieber Kasse machen?
Wachstumsstory und Warnsignale
Die Zahlen von SAP lesen sich eigentlich gut und nicht nur eigentlich, sondern auch uneigentlich. Der Cloud-Auftragsbestand kletterte im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, der Cloud-Umsatz legte währungsbereinigt um 24 Prozent zu. Auch das Kerngeschäft, Cloud-ERP, wuchs mit 27 Prozent kräftig. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern weiter mit 23 bis 25 Prozent Plus beim Cloud-Umsatz. All das klingt nach einer super Sache und trotzdem bleibt ein Stachel im Fleisch stecken, nämlich die Sorge, dass Künstliche Intelligenz das klassische Softwaregeschäft überflüssig macht. Genau diese Angst trieb die UBS dazu, ihr Votum von "Kaufen" auf "Neutral" zurückzunehmen. Das Kursziel wanderte zwar gleichzeitig von 164 auf 201 Euro nach oben, doch der Dämpfer saß. Die Aktie gab zuletzt wieder etwas nach. SAP-Chef Christian Klein lässt sich davon offenbar aber nicht beirren. Mit dem neuen "Industry AI"-Portfolio will er zeigen, dass der Konzern beim Thema KI-Agenten mitmischt statt nur hinterherzulaufen. Passend dazu holte sich SAP mit NTT Data gerade einen prominenten Neukunden für seine KI-Lösungen ins Boot. Nach eigenen Angaben ein Vertrauensbeweis nach über 36 Jahren Partnerschaft. Auch abseits der Bilanzen tut sich einiges. Die Übernahmen von Dremio und Prior Labs sollen die KI-Kompetenz stärken, das Aktienrückkaufprogramm läuft munter weiter. Die EU-Kommission hat ihre Untersuchung zu SAPs Wartungsrichtlinien eingestellt. Ein Unsicherheitsfaktor weniger.

Charttechnik
Der Chart zeigt eindrucksvoll, wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Von unter 130 Euro ging es binnen weniger Wochen auf über 190 Euro. Der Widerstand bei 171 Euro wurde einfach durchbrochen, fast ohne zu zögern. Jetzt liegt die 200-Euro-Marke in Reichweite, dahinter wartet eine härtere Zone zwischen 205 und 220 Euro. Doch die Geschwindigkeit lässt langsam nach. Der RSI steht bei rund 81 und das ist schon ordentlich überkauft. Solche Werte sind zwar generell kein Todesurteil für eine Aktie, aber sie sind eine klare Warnung. Die Luft wird dünner, die Dynamik bröckelt dahin und rutscht der Kurs unter die 180-Euro-Marke, wird es schnell weiter ungemütlich. Fällt er noch mehr, rückt schnell die Marke um 160 Euro oder sogar darunter Richtung 150 Euro wieder in den Blick. Ein Rücksetzer wäre nach dieser Rally eigentlich auch gesund und unproblematisch für den Trend. Die Frage ist nur, wie heftig er ausfällt.
Was tun?
Die operative Entwicklung von SAP schont gut zu laufen. Das Cloud-Geschäft wächst zweistellig, und mit der Industry-AI-Offensive reagiert der Konzern direkt auf die Kritik der Analysten. Der Rückhalt großer Investoren und die laufenden Rückkäufe sprechen ebenfalls für Vertrauen ins eigene Geschäft. Charttechnisch sieht die Lage dagegen zerbrechlicher aus. Ein RSI von 81 ist ein nicht zu unterschätzendes Überhitzungssignal und nach einem Plus von rund 40 Prozent in wenigen Wochen wäre eine Verschnaufpause nichts Ungewöhnliches. Ob der Sprung über 200 Euro gelingt oder der Kurs erstmal Richtung 160 Euro zurückfällt, lässt sich seriös nicht vorhersagen. Daher ist für Neueinsteiger wichtig, dass es stärker schwanken könnte. Eventuell wartet man auf einen Rücksetzer, bevor man jetzt dem Kurs blindlings hinterherläuft.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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