
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Mit viel Tamtam hatte Tesla-CEO Elon Musk Werbung für den Launch des Cybercab gemacht. Daraus wurde die für das Unternehmen und seine Aktie übliche Enttäuschung.
Robotaxis sollen Tesla schon seit Jahren profitabler machen
Sogenannte Robotaxis, also autonom agierende Fahrzeuge für den Passagiertransport, sind schon seit Jahren eines der großen Versprechen von Elon Musk und dem von ihm gegründeten Fahrzeughersteller Tesla - auch im Hinblick auf das Erschließen neuer Erträge, mit denen das Unternehmen endlich in seine astronomische Bewertung hineinwachsen könnte. Gegenwärtig ist der Börsenwert von Tesla so hoch wie derjenige aller übrigen Automobilkonzerne zusammen.
Gebrochene Versprechen und immer neue Verzögerungen haben allerdings dazu geführt, dass aus dem vermeintlichen Pionier ein Nachzügler wurde. Technologisch hat sich Tesla in den zurückliegenden Jahren von Mitbewerbern wie der Alphabet-Tochter Waymo oder der Selbstfahrplattform Apollo vom chinesischen Technologie- und Internetkonzern Baidu überholen lassen. Dahinter folgt eine ganze Reihe mittelgroßer Konkurrenten wie Pony.AI.
Enttäuschender Cybercab-Launch sorgt für hohe Kursverluste
In der vergangenen Woche sollte nach langen Feld- und Erprobungsversuchen der offizielle Startschuss für das "Cybercab" mit ersten kommerziellen Fahrten in der Texas-Metropol Austin, dem Firmensitz von Tesla, erfolgen. Dafür wurde im Vorfeld mächtig die Werbetrommel gerührt. Doch wie schon zahlreiche Events in der Vergangenheit wurde der Launch zu einem Non-Event.
Es gab weder einen Live-Stream, noch einen Auftritt von Musk, noch genauere Details zum weiteren Rollout. Entsprechend groß fiel die Enttäuschung am Aktienmarkt aus. Die Aktie verlor am Freitag fast 6 Prozent an Wert, nachdem die Vorfreude auf das Event viele Anlegerinnen und Anleger noch zum Kauf der Anteile motiviert hatte. Das erneut gebrochene Versprechen könnte für Investoren jetzt noch kostspielig werden, wie der Blick in den Chart zeigt.

Die kurzzeitige Erholung der Aktie steht bereits wieder auf dem Spiel
Gegenüber dem Jahresauftakt handelt die Tesla-Aktie nach den Verlusten vom Freitag mit einem Minus von 21,3 Prozent. Gegenüber dem Stand vor einem Jahr steht ein Plus von mageren 2,2 Prozent gegenüber. Damit underperformt das Unternehmen, dass nicht nur Fahrzeughersteller, sondern auch Robotikvorreiter und KI-Profiteur sein will, den US-Gesamtmarktindex S&P 500 deutlich. Die schwache Kursentwicklung spiegelt vor allem operativ schwächere Ergebnisse wider. Trotz zweistellig steigender Erlöse ist der Nettogewinn von fast 15 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2023 auf rund 3,9 Milliarden US-Dollar in den zurückliegenden 12 Monaten eingebrochen.
Entsprechend der schwachen Geschäftsentwicklung befindet sich die Aktie seit dem Jahreswechsel und einem Verlaufshoch bei 500 US-Dollar in einem volatil verlaufenden Abwärtstrend. Im Zuge der Schwäche von Technologieaktien fielen die Tesla-Anteile im Juli, nachdem sie bereits im Juni unter die gleitenden Durchschnitte gefallen waren, auf unter 300 US-Dollar und damit den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr.
Nur das Aufsetzen auf der bei 300 US-Dollar liegenden Unterstützung und einem Rebound an der Abwärtstrendunterkante konnte in Kombination mit einem überverkauften Relative-Stärke-Index (RSI) schlimmeres verhindern. In den vergangenen Wochen kletterte Tesla in einem kurzfristigen Aufwärtstrend wieder über die 50-Tage-Linie und konnte die Widerstandszone zwischen 380 und 400 US-Dollar erreichen. Für einen Anstiegs- und Ausbruchsversuch fehlte anschließend jedoch die Kraft. Das enttäuschend verlaufene Cybercab-Event tat am Freitag dann sein Übriges.
Fällt diese Unterstützung, drohen Kurse von 250 US-Dollar
Jetzt droht der Tesla-Aktie die Wiederaufnahme des mittelfristigen Abwärtstrends, denn die Kursverluste vom Freitag führten zum Unterschreiten der 50-Tage-Linie, womit ein erstes Verkaufssignal vorliegt. Gleichzeitig droht der Ausbruch aus dem kurzfristigen Aufwärtstrendkanal nach unten sowie die Aufgabe der bei 350 US-Dollar gelegenen Unterstützung. Verstärkt werden könnten Verkaufstendenzen außerdem durch den Trendstärkeindikator MACD.
Der hatte sich zuletzt mühsam wieder über seine Nulllinie geschoben, womit die Chance auf einen neuen Aufwärtstrend der Aktie bestand. Jetzt droht aber bereits der nächste Vorzeichenwechsel, was den übergeordneten Abwärtstrend bestätigen würde. Damit ist ein erneutes Anlaufen der bei 300 US-Dollar gelegenen Unterstützung so gut wie sicher. Sollte die Aktie auch diesen Support reißen, dürfte Tesla Kurs auf 250 US-Dollar und damit die Tiefs aus dem vergangenen Jahr nehmen. Für dieses Szenario spricht der anhaltende Abwärtstrend im RSI.
Ihre Chancen zur Oberseite hat die Tesla-Aktie allerdings noch nicht gänzlich vertan. Ein Aufsetzen auf der Unterkante des kurzfristigen Aufwärtstrendkanals kann selbstverständlich auch mit einem Rebound zurück auf 380 US-Dollar einhergehen, was die Chance eines weiteren Ausbruchsversuch eröffnen würde. Allerdings beginnt hier ein sehr starkes Widerstandscluster bis 410 US-Dollar. Erst das Verlassen dieser Zone würde übergeordnet für technische Entspannung und neue Aufwärtschancen sorgen. Gleichzeitig ist dieses Szenario mit Blick auf die technischen Indikatoren das weniger wahrscheinlicher.
Fazit: Aktie short, gebrochene Versprechen long!
Auch fundamental ist für Tesla eigentlich nichts mehr zu holen. Die Betonung liegt auf "eigentlich", weil sich die Aktie schon seit Jahren konventionellen Bewertungsmaßstäben entzieht. Die Anteile profitieren vor allem davon, in zahlreichen ETFs enthalten zu sein, sodass Anlegerinnen und Anleger die Aktie kaufen, obwohl sie das vielleicht eigentlich gar nicht möchten.
Für 2026 ist Tesla mit einem KGVe von 200 bewertet. Das liegt um Längen über den oft einstelligen Gewinnvielfachen traditioneller Fahrzeughersteller. Selbst für 2027 steht ein KGVe von 164 zu Buche. Die Unterseite ist daher auch mit Blick auf die Bewertung das zu bevorzugende Szenario. Die einzige Wette, mit der man bei Tesla allerdings niemals falsch liegt, ist diejenige auf leere Versprechen.
Gastautor: Max Gross
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