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41 Milliarden Euro für neue Energieinfrastruktur: Warum Fortum und EVN jetzt auf Wärmenetze setzen

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Deutschland will den Ausbau seiner Wärmeinfrastruktur beschleunigen. Erst am 26. August hat das Bundeskabinett Eckpunkte für ein neues Wärmenetzgesetz beschlossen. Versorger sollen dadurch mehr Planungssicherheit erhalten, wenn sie in den Ausbau und die Dekarbonisierung ihrer Wärmenetze investieren. Gleichzeitig stehen seit Anfang August neue Kreditprogramme zur Verfügung, über die in den kommenden zehn Jahren bis zu 41 Milliarden Euro an Finanzierungen für Wärme- und Kältenetze sowie Stromverteilnetze ermöglicht werden sollen. Der Investitionsbedarf in diesen Bereichen wird allein in Deutschland auf rund 180 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren beziffert.

Damit rückt ein Teil der Energieinfrastruktur stärker in den Fokus, der an der Börse bislang häufig weniger Aufmerksamkeit erhält als Stromnetze, Windparks oder Batteriespeicher: Fernwärme. Wie groß die technologischen Möglichkeiten inzwischen sind, zeigt Fortum (ISIN: FI0009007132). Der finnische Energiekonzern investiert rund 300 Millionen Euro in sein Wärmeprogramm in der Region Espoo. Neue Großwärmepumpen, Elektrokessel und Wärmespeicher sollen dort künftig unter anderem die Abwärme von Microsoft-Rechenzentren nutzen. Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) baut ihr Wärmegeschäft aus. Rund 80 Biomasseanlagen gehören bereits zum Portfolio, in St. Pölten ging im März ein neues Biomasseheizkraftwerk mit einem Investitionsvolumen von rund 50 Millionen Euro in Betrieb. Gleichzeitig investiert die EVN in Wärmespeicher und erschließt mit Großwärmepumpen zusätzliche Wärmequellen. Zukünftig soll auch die Tiefen-Geothermie einen Beitrag zur Fernwärmeversorgung leisten. In diesem Herbst startet die EVN eine umfangreiche Untersuchungskampagne, durch die geeignete Standorte für diese heimische, erneuerbare Energiequelle gefunden werden sollen.

Wärmenetze werden zum Investitionsthema

Fernwärme ist technisch kein neues Konzept. Neu ist vielmehr die Geschwindigkeit, mit der bestehende Systeme erweitert und auf zusätzliche Wärmequellen vorbereitet werden sollen. In Deutschland hat die Bundesregierung deshalb am 26. August die Eckpunkte für ein neues Wärmenetzgesetz beschlossen. Ziel ist unter anderem, Versorgungsunternehmen mehr Rechtssicherheit zu geben, wenn sie in den Netzausbau oder in Maßnahmen zur Verringerung fossiler Wärmequellen investieren.

Dabei geht es um erhebliche Summen. Bereits Anfang August starteten unter dem Dach des Deutschlandfonds zwei neue Kreditinstrumente für Energieversorgungsunternehmen. Der Bund stellt der KfW dafür Garantien von 16,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Damit sollen innerhalb der kommenden zehn Jahre Kredite von insgesamt bis zu 41 Milliarden Euro ermöglicht werden.

Finanziert werden können Investitionen in Wärme- und Kältenetze einschließlich Erzeugung und Speicherung sowie in Stromverteilnetze. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums müssen in diesen Bereichen in Deutschland in den kommenden zehn Jahren rund 180 Milliarden Euro investiert werden. Für Versorger entsteht damit ein zusätzlicher langfristiger Infrastrukturmarkt.

Fortum investiert rund 300 Millionen Euro in Wärme

Wie stark sich moderne Wärmenetze vom klassischen Bild eines zentralen Heizwerks unterscheiden können, zeigt Fortum. Der finnische Konzern investiert im Rahmen seines Programms "Espoo Clean Heat" insgesamt rund 300 Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Fernwärmeversorgung von Espoo und angrenzenden Gebieten. Ein wesentlicher Bestandteil sind Großwärmepumpen, Elektrokessel und Wärmespeicher. Im Mai meldete Fortum die Inbetriebnahme zweier großer Wärmepumpenanlagen in Espoo und Kirkkonummi. Allein die dort installierten Wasser-Wasser-Wärmepumpen können künftig bis zu 180 MW Fernwärme erzeugen. Hinzu kommen Elektrokessel mit insgesamt 200 MW Leistung sowie ein Wärmespeicher mit einem Volumen von 20.000 Kubikmetern beziehungsweise einer Kapazität von 800 MWh. In die beiden Wärmepumpenstandorte investiert Fortum nach eigenen Angaben rund 225 Millionen Euro. Besonders interessant ist jedoch die geplante Wärmequelle.

Microsoft-Rechenzentren sollen Wohnungen mitheizen

Fortum will künftig Abwärme aus zwei großen Microsoft-Rechenzentren in das Fernwärmesystem integrieren. Die Nutzung soll schrittweise beginnen. Nach vollständiger Umsetzung erwartet Fortum, dass die Rechenzentrumsabwärme etwa 40 Prozent des jährlichen Fernwärmebedarfs von rund 250.000 Wärmekunden in der Region decken kann. Damit entsteht eine Verbindung zwischen zwei Infrastrukturtrends, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Rechenzentren benötigen große Mengen Strom und erzeugen gleichzeitig erhebliche Mengen Wärme. Wärmenetze können einen Teil dieser Energie nutzbar machen, statt sie ungenutzt an die Umgebung abzugeben. Für Versorger eröffnet das zusätzliche Möglichkeiten. Wärme kann künftig aus Biomasse oder Geothermie stammen, über Großwärmepumpen erzeugt oder aus Industrieanlagen und Rechenzentren übernommen werden. Speicher ermöglichen es zusätzlich, Erzeugung und Nachfrage zeitlich besser aufeinander abzustimmen.

Fortum zeigt damit, dass Wärmenetze zunehmend zu Plattformen für unterschiedliche Energiequellen werden können.

Auch die EVN investiert kontinuierlich in Naturwärme

Eine ähnliche Entwicklung findet in kleinerem Maßstab in Niederösterreich statt. Bei der EVN heißt Fernwärme "Naturwärme". Bereits heute stammen nach Angaben des Unternehmens mehr als 80 Prozent davon aus erneuerbaren Energiequellen. Bis 2035 soll dieser Anteil auf mehr als 90 Prozent steigen.

Dabei dominiert die Biomasse. Die EVN betreibt gemeinsam mit Partnern aus Landwirtschaft und Sägeindustrie rund 80 Biomasseanlagen in Niederösterreich und Teilen Oberösterreichs.

Das Unternehmen will das Wärmeportfolio künftig jedoch breiter aufstellen. Neben Biomasse sollen unter anderem Großwärmepumpen, Solarthermie und Tiefengeothermie eine stärkere Rolle übernehmen. Damit folgt die EVN einem ähnlichen Grundprinzip wie Fortum: Nicht eine einzelne Technologie soll die Wärmeversorgung bestimmen. Vielmehr können unterschiedliche regional verfügbare Wärmequellen über die Netzinfrastruktur miteinander verbunden werden.

50 Millionen Euro für St. Pölten

Wie kapitalintensiv solche Projekte sein können, zeigt das neue Biomasseheizkraftwerk in St. Pölten, das Ende März in Betrieb genommen wurde. Die geplanten Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 50 Millionen Euro. Die Anlage verfügt über mindestens 30 MW thermische und sechs MW elektrische Leistung. Nach Angaben der EVN kann sie Naturwärme für umgerechnet bis zu 30.000 Haushalte sowie Strom für rund 15.000 Haushalte liefern. Das Projekt ergänzt ein bereits umfangreiches Fernwärmesystem. Das Netz in St. Pölten ist inzwischen rund 78 Kilometer lang. Etwa 40 Prozent der Haushalte und öffentlichen Gebäude der Stadt sind angeschlossen. Rund zwei Drittel des Wärmebedarfs werden über eine Fernwärmetransportleitung mit Abwärme aus der Müllverbrennungsanlage Dürnrohr gedeckt.

Damit zeigt St. Pölten gleichzeitig einen wesentlichen Vorteil großer Wärmenetze: Unterschiedliche Wärmequellen können in einem gemeinsamen System zusammengeführt werden.

Wärmespeicher erhöhen die Flexibilität

Zur Wärmeinfrastruktur gehören deshalb zunehmend auch Speicher. Anfang Juli nahm die EVN in Wiener Neudorf zwei neue Fernwärme-Pufferspeicher für das Naturwärmenetz Thermenregion in Betrieb. Jeder Speicher fasst 250 Kubikmeter Fernwärmewasser. Nach Angaben der EVN lässt sich mit den beiden Speichern über das Jahr gerechnet Naturwärme in einer Größenordnung für rund 1.000 Haushalte zwischenspeichern. Die Investition beträgt rund 1,5 Millionen Euro. Entscheidend ist dabei weniger die absolute Größe des Projekts als seine Funktion. Die Speicher können Wärme aufnehmen und bei höherer Nachfrage wieder in das Netz abgeben. Dadurch lassen sich Lastspitzen abfedern und Gas-Spitzenlastkessel seltener einsetzen.

Das Prinzip ähnelt damit Batteriespeichern im Stromsystem: Erzeugung und Verbrauch müssen nicht mehr in jedem Moment exakt zusammenfallen. Das Naturwärmenetz Thermenregion erstreckt sich inzwischen über 13 Gemeinden von Perchtoldsdorf bis Baden und ist nach Angaben der EVN Österreichs größtes überregionales Naturwärmenetz auf Biomassebasis. Gerade diese überregionale Vernetzung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor: Sie erhöht die Versorgungssicherheit, verbessert die Auslastung der Anlagen und ermöglicht Synergien im Betrieb, die zu einer effizienteren und wirtschaftlicheren Wärmeversorgung im Versorgungsgebiet der EVN beitragen.

Nach Biomasse könnte Geothermie wichtiger werden

Die EVN plant bereits den nächsten technologischen Schritt. Im Herbst soll eine Untersuchungskampagne beginnen, um geeignete Standorte für Tiefengeothermie zu identifizieren. Dabei wird heißes Wasser aus tiefen Gesteinsschichten genutzt, dessen Wärme über Wärmetauscher an das Fernwärmesystem übertragen werden kann. Anschließend wird das Wasser wieder in den Untergrund zurückgeführt.

Für bestehende Wärmenetze kann eine solche Wärmequelle interessant sein, weil große Mengen Wärme kontinuierlich zur Verfügung stehen können. Gleichzeitig erfordern Geothermieprojekte erhebliche Vorleistungen und bergen insbesondere in der Erkundungsphase geologische Risiken. Auch deshalb sind Wärmenetze langfristige Infrastrukturprojekte. Leitungen, Heizwerke, Speicher und Wärmequellen müssen aufeinander abgestimmt und über viele Jahre geplant werden.

Wärme wird flexibler - aber nicht automatisch profitabler

Für Energieversorger eröffnet der Ausbau von Wärmenetzen langfristige Geschäftsmöglichkeiten. Bestehende Netze können verdichtet, zusätzliche Kunden angeschlossen und neue Wärmequellen integriert werden. Gleichzeitig können Wärmepumpen und Speicher eine stärkere Verbindung zwischen Strom- und Wärmesystem herstellen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes neue Projekt automatisch hohe Renditen erzielt. Wärmenetze benötigen erhebliche Vorabinvestitionen. Leitungsbau ist teuer, Genehmigungsverfahren können langwierig sein und die Wirtschaftlichkeit hängt stark von Anschlussdichte, Wärmebedarf, Finanzierungskosten und regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Genau deshalb ist die aktuelle Entwicklung in Deutschland bemerkenswert. Mit den neuen Kreditprogrammen und dem geplanten Wärmenetzgesetz versucht die Politik, Finanzierung und Investitionssicherheit gleichzeitig zu verbessern.

Für etablierte Energieversorger könnte dies die Attraktivität eines Geschäftsbereichs erhöhen, der auf sehr lange Nutzungszeiträume ausgerichtet ist.

Fazit

Wärmenetze entwickeln sich zu einem wichtigen Investitionsfeld der europäischen Energieinfrastruktur. Deutschland will über neue Finanzierungsinstrumente Kredite von bis zu 41 Milliarden Euro für Wärme- und Kältenetze sowie Stromverteilnetze ermöglichen. Gleichzeitig soll ein neuer Rechtsrahmen Investitionen in Fernwärme erleichtern. Fortum zeigt in Finnland, wohin sich der Markt technologisch entwickeln kann. Rund 300 Millionen Euro fließen in das Wärmeprogramm in Espoo, in dem Großwärmepumpen, Elektrokessel, Wärmespeicher und künftig die Abwärme von Microsoft-Rechenzentren miteinander kombiniert werden.

Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) investiert langfristig in ihre Wärmeinfrastruktur. Rund 80 Biomasseanlagen, das neue 50-Millionen-Euro-Heizkraftwerk in St. Pölten und neue Wärmespeicher in der Thermenregion zeigen die Bandbreite. Gleichzeitig sollen künftig weitere Technologien wie Großwärmepumpen und Tiefengeothermie hinzukommen.

Damit verändert sich auch die Rolle von Fernwärmenetzen: Sie verteilen nicht mehr nur Wärme aus einer zentralen Anlage. Sie können unterschiedliche regionale Energiequellen, Speicher und Verbraucher miteinander verbinden - und werden dadurch selbst zu einem zunehmend wichtigen Teil der Energieinfrastruktur.


Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".

Quellen:

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Fortum

EVN

  • EVN - Zwei neue Fernwärmespeicher, 5. Juli 2026
    https://www.evn.at/home/presse/zwei-neue-fernwarmespeicher
  • EVN Wärme - Naturwärme und zukünftiger Wärmemix
  • https://www.evn.at/home/waerme

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