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55 Milliarden Euro in regulierten Netzen: Warum Iberdrola, E.ON und EVN auf stabile Infrastruktur setzen

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Strompreise können schwanken, Wind- und Solarproduktion hängt vom Wetter ab und neue Kraftwerksprojekte benötigen häufig Jahre, bis sie Erträge liefern. Ein Geschäftsbereich rückt bei Europas Energieversorgern deshalb immer stärker in den Mittelpunkt: regulierte Stromnetze. Wie groß die Dimension inzwischen ist, zeigt Iberdrola (ISIN: ES0144580Y14). Der spanische Energiekonzern verfügte zum Ende des ersten Halbjahres 2026 über eine regulierte Netzvermögensbasis von rund 55 Milliarden Euro - elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allein in den ersten sechs Monaten investierte Iberdrola knapp 4,4 Milliarden Euro in Netze, 42 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Auch E.ON (ISIN: DE000ENAG999) setzt massiv auf diesen Bereich. Von den bis 2030 geplanten Investitionen von rund 48 Milliarden Euro sollen etwa 40 Milliarden Euro in Energienetze fließen. Die regulierte Vermögensbasis der E.ON-Netzgesellschaften lag Ende 2025 bereits bei rund 48 Milliarden Euro. Und auch bei der EVN AG (ISIN: AT0000741053) bilden Netze den größten einzelnen Investitionsschwerpunkt. Rund 50 bis 55 Prozent der bis 2030 geplanten jährlichen Investitionen von etwa einer Milliarde Euro sollen auf diesen Bereich entfallen. Gleichzeitig soll die regulierte Vermögensbasis in Österreich von 2,9 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2024/25 auf 3,8 Milliarden Euro 2029/30 wachsen - ein Plus von rund 30 Prozent. Für Anleger stellt sich deshalb eine interessante Frage: Warum investieren Europas Versorger gerade so viel Kapital ausgerechnet in Stromnetze?

Netze funktionieren wirtschaftlich anders als Stromerzeugung

Der entscheidende Unterschied liegt im Geschäftsmodell. Wer Strom an den Großhandelsmärkten verkauft, ist grundsätzlich stärker von Strompreisen, Produktionsmengen und Marktbedingungen abhängig. Netzbetreiber bewegen sich dagegen in einem regulierten Umfeld. Die zuständigen Regulierungsbehörden legen Rahmenbedingungen fest, innerhalb derer Investitionen, Kosten und zulässige Erträge berücksichtigt werden. Eine zentrale Kennzahl ist dabei die sogenannte Regulated Asset Base, kurz RAB. Vereinfacht beschreibt sie den regulatorisch anerkannten Wert der Vermögenswerte eines Netzbetreibers.

Investiert ein Unternehmen in neue Leitungen, Umspannwerke oder andere anerkannte Netzinfrastruktur, kann dadurch langfristig auch diese Vermögensbasis wachsen. Auf Grundlage des jeweiligen regulatorischen Systems können daraus vergleichsweise planbare Erträge entstehen. Das bedeutet nicht, dass Netzgeschäft risikolos ist. Regulierung, Finanzierungskosten, Baukosten und politische Entscheidungen können die Renditen beeinflussen. Im Vergleich mit stärker marktpreisabhängigen Teilen des Energiegeschäfts besitzen regulierte Netze aber eine andere Ertragsstruktur. Genau diese Kombination aus enormem Investitionsbedarf und vergleichsweise hoher Planbarkeit macht Netze für viele Energieunternehmen derzeit besonders interessant.

Iberdrola macht aus Netzen einen Wachstumsmotor

Wie konsequent ein Energiekonzern sein Geschäftsmodell darauf ausrichten kann, zeigt Iberdrola. Der Konzern will zwischen 2025 und 2028 insgesamt 58 Milliarden Euro investieren. Davon sind 37 Milliarden Euro für Netze vorgesehen. Iberdrola beschreibt die eigene Transformation ausdrücklich als Entwicklung hin zu einem stärker regulierten Unternehmen, bei dem Netze als Wachstumstreiber dienen sollen. Diese Strategie wird inzwischen auch in den Geschäftszahlen sichtbar. Im ersten Halbjahr 2026 investierte Iberdrola insgesamt rund sieben Milliarden Euro. Davon entfielen knapp 4,4 Milliarden Euro beziehungsweise rund 63 Prozent auf Netze. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Netzinvestitionen um 42 Prozent.

Die regulierte Netzvermögensbasis erreichte dadurch rund 55 Milliarden Euro. Davon entfielen 40 Milliarden Euro auf Verteilnetze und 15 Milliarden Euro auf Übertragungsnetze. Besonders stark wuchs letzterer Bereich: Die entsprechende Vermögensbasis erhöhte sich innerhalb eines Jahres um 30 Prozent.

Auch beim Ergebnis sind die Netze inzwischen von großer Bedeutung. Das bereinigte EBITDA des Netzgeschäfts erhöhte sich im ersten Halbjahr um 13 Prozent. Das gesamte bereinigte EBITDA des Konzerns stieg um sieben Prozent auf 8,05 Milliarden Euro. Iberdrola verwies dabei unter anderem auf höhere Beiträge aus dem Netzgeschäft in Großbritannien und den USA sowie verbesserte regulatorische Rahmenbedingungen in mehreren Märkten.

55 Milliarden Euro könnten erst der Anfang sein

Iberdrola baut diese Position weiter aus. Allein die geplanten 37 Milliarden Euro für Netze bis 2028 zeigen, welche Größenordnung der Konzern für diesen Geschäftsbereich vorsieht. Dabei konzentriert sich Iberdrola bewusst auf Länder mit stabilen und planbaren regulatorischen Rahmenbedingungen. Insgesamt sollen 85 Prozent der Investitionen des Transformationsplans in Ländern mit A-Rating und nach Einschätzung des Konzerns stabilen, vorhersehbaren und attraktiven regulatorischen Rahmenbedingungen erfolgen. Die jüngsten Unternehmensmeldungen zeigen, dass der Ausbau praktisch kontinuierlich weitergeht. Am 10. August kündigte die Iberdrola-Tochter ScottishPower beispielsweise eine Investition von 110 Millionen Pfund zur Modernisierung einer wichtigen Netzverbindung zwischen Glasgow und Edinburgh an. Und auch außerhalb Europas expandiert der Konzern. Erst am 20. August verwies Iberdrola erneut auf das starke Investitionstempo seiner brasilianischen Tochter Neoenergia. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 wurden in Brasilien Investitionen von 50 Milliarden brasilianischen Real, umgerechnet knapp neun Milliarden Euro, angekündigt.

Damit ist die Netzstrategie längst kein europäisches Einzelprojekt mehr, sondern ein wesentlicher Bestandteil des weltweiten Iberdrola-Geschäfts.

E.ON geht noch konsequenter auf Netze

Bei E.ON ist die Konzentration auf regulierte Infrastruktur sogar noch ausgeprägter. Der Konzern plant bis 2030 Investitionen von insgesamt rund 48 Milliarden Euro. Davon sollen etwa 40 Milliarden Euro in das Segment Energy Networks fließen. Damit entfallen mehr als vier Fünftel des Investitionsprogramms auf Netzinfrastruktur. Ende 2025 verfügten die E.ON-Netzgesellschaften in Deutschland und Europa zusammen über eine regulierte Vermögensbasis von rund 48 Milliarden Euro. Diese soll weiter wachsen. E.ON plant, die Investitionen in seine Stromverteilnetze bis 2030 jährlich um rund eine Milliarde Euro zu erhöhen. Dadurch erwartet das Unternehmen ein durchschnittliches Wachstum der regulierten Vermögensbasis von rund neun Prozent pro Jahr. Dahinter steht ein struktureller Trend: Immer mehr Verbraucher und Erzeuger benötigen einen Netzanschluss. Allein an den deutschen E.ON-Netzen hängen inzwischen fast zwei Millionen dezentrale Erzeugungsanlagen. Nach Unternehmensangaben entspricht das rund der Hälfte der gesamten erneuerbaren Erzeugungskapazität in Deutschland. Jede zusätzliche Photovoltaikanlage, jeder Batteriespeicher, jede Wärmepumpe und viele neue Ladepunkte erhöhen die Anforderungen an diese Infrastruktur.

Europa braucht mehr als eine Billion Euro für seine Stromnetze

Die Investitionsprogramme von Iberdrola und E.ON sind deshalb Teil einer wesentlich größeren Entwicklung. Nach Angaben der Europäischen Kommission werden bis 2040 rund 1,2 Billionen Euro für die europäischen Stromnetze benötigt. Allein auf die Verteilnetze sollen davon rund 730 Milliarden Euro entfallen. Die Herausforderung besteht dabei nicht nur darin, neue Leitungen zu errichten. Netze müssen gleichzeitig modernisiert, digitalisiert und auf neue Lastflüsse vorbereitet werden. Früher wurde Strom überwiegend in großen Kraftwerken erzeugt und anschließend zu den Verbrauchern transportiert. Heute speisen Millionen kleiner Photovoltaikanlagen dezentral ein. Batteriespeicher können innerhalb kürzester Zeit vom Verbraucher zum Einspeiser werden. Elektroautos und Wärmepumpen erzeugen zusätzliche Lasten. Hinzu kommen neue Großverbraucher wie Rechenzentren. Damit wächst nicht nur die Menge des transportierten Stroms. Auch die Steuerung des Netzes wird komplexer.

EVN macht Netze zum größten Investitionsschwerpunkt

Genau diese Entwicklung findet auch beim niederösterreichischen Versorger EVN statt. Die EVN plant bis 2030 jährliche Investitionen von rund einer Milliarde Euro. Der größte einzelne Anteil entfällt auf Netze: Nach der aktuellen Investitionsaufteilung sind hierfür etwa 50 bis 55 Prozent vorgesehen. Damit könnten in den kommenden Jahren rechnerisch mehr als die Hälfte der jährlichen Investitionen in diesen Bereich fließen. Bereits im Geschäftsjahr 2024/25 investierte die EVN 392,6 Millionen Euro allein in ihre Stromnetze. Im Jahr davor waren es 329,1 Millionen Euro gewesen. Die Investitionen erhöhten sich damit innerhalb eines Jahres um 19,3 Prozent.

Die Dimension des Ausbaus zeigt sich aber besonders an der regulierten Vermögensbasis. Im Geschäftsjahr 2024/25 lag die österreichische RAB der EVN bei rund 2,9 Milliarden Euro. Bis 2029/30 soll sie auf 3,8 Milliarden Euro steigen. Das entspricht einem Wachstum von rund 30 Prozent. Für die langfristige Entwicklung des Unternehmens ist das eine wichtige Kennzahl. Denn sie zeigt nicht nur, wie viel Geld in Netze investiert wird, sondern wie stark die regulatorisch anerkannte Vermögensbasis, die gleichzeitig die Ertragsbasis ist, wachsen soll.

6.000 MW Netzkapazität bis 2030

Hinter diesen Investitionen stehen konkrete Anforderungen an die Infrastruktur. Netz Niederösterreich, die Netz-Tochter der EVN, will ihre Netzkapazität bis 2030 auf 6.000 MW verdoppeln. Hintergrund sind unter anderem der Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten im Netzgebiet, veränderte Verbrauchsmuster sowie neue Anschlussanfragen von Batteriespeichern und Rechenzentren. Dafür sollen bis 2035 55 Umspannwerke neu gebaut oder erweitert werden. Der Ausbau schafft wiederum die Grundlage für andere Investitionen des Konzerns. Die EVN will ihre Windkraftleistung bis 2030 erhöhen, Photovoltaik ausbauen und ein Batteriespeicherportfolio von 300 MW aufbauen. All diese Anlagen benötigen entsprechende Netzkapazitäten. Damit werden Netze zur Infrastruktur, auf der ein wachsender Teil der übrigen Unternehmensstrategie aufbaut.

Regulierte Infrastruktur kann Stabilität schaffen

Aus Sicht von Anlegern entsteht dadurch eine interessante Kombination. Auf der einen Seite erfordern Stromnetze erhebliche Vorabinvestitionen. Leitungen, Transformatoren und Umspannwerke sind kapitalintensiv und werden über Jahrzehnte betrieben. Auf der anderen Seite hängt das Geschäftsmodell nicht unmittelbar von schwankenden Energiepreisen ab. Das macht regulierte Infrastruktur zu einem stabilisierenden Bestandteil eines Energieportfolios. Iberdrola verfolgt diese Strategie besonders offensiv und richtet sein Geschäftsprofil bewusst stärker auf regulierte Aktivitäten aus. E.ON konzentriert bereits mehr als vier Fünftel seines geplanten Investitionsprogramms auf Netze. Und auch bei der EVN stellen Netze mit 50 bis 55 Prozent den größten Investitionsblock dar. Für Anleger ist deshalb nicht nur interessant, wie hoch die Investitionen sind. Entscheidend ist, welche Vermögenswerte dadurch entstehen und welche regulatorisch zulässigen Erträge langfristig damit verbunden sein können.

Mehr Netze bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn

Trotzdem sollte die Rechnung nicht zu einfach gemacht werden. Hohe Netzinvestitionen bedeuten zunächst einen erheblichen Kapitalbedarf. Steigende Zinsen können Finanzierungskosten erhöhen. Bauprojekte können teurer werden und regulatorische Entscheidungen beeinflussen, welche Renditen Netzbetreiber letztlich erwarten können. Auch die Europäische Kommission weist auf das Finanzierungsproblem hin. Da Netzinfrastruktur größtenteils über Netzentgelte finanziert wird, stellt der enorme Investitionsbedarf auch Verbraucher und Regulierung vor Herausforderungen. Für Energieunternehmen wird deshalb Kapitaldisziplin entscheidend bleiben. Die große Chance liegt darin, dass die Investitionen in zukunftsgerichtete Infrastruktur erfolgen und über Jahrzehnte verwendet werden können. Die Herausforderung besteht darin, diese Projekte zu finanzieren und gleichzeitig angemessene Renditen zu erwirtschaften.

Fazit

Stromnetze entwickeln sich zu einem der wichtigsten Investitionsfelder der europäischen Energiebranche. Iberdrola verfügt inzwischen über eine regulierte Netzvermögensbasis von rund 55 Milliarden Euro und investierte allein im ersten Halbjahr 2026 knapp 4,4 Milliarden Euro in diesen Bereich. E.ON plant bis 2030 rund 40 Milliarden Euro Netzinvestitionen und erwartet ein jährliches Wachstum seiner regulierten Vermögensbasis von etwa neun Prozent. Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) setzt auf dieses Modell. Netze sollen rund 50 bis 55 Prozent der jährlichen Investitionen bis 2030 ausmachen. Gleichzeitig soll die österreichische regulierte Vermögensbasis von 2,9 auf 3,8 Milliarden Euro steigen. Der milliardenschwere Netzausbau ist deshalb nicht nur eine technische Notwendigkeit, für Versorger kann er zugleich eine langfristige wirtschaftliche Basis schaffen.

Je stärker Stromerzeugung und Verbrauch elektrifiziert werden, desto wertvoller könnte genau jene Infrastruktur werden, ohne die weder Windparks noch Batteriespeicher, Rechenzentren, Wärmepumpen oder Elektroautos funktionieren: das Stromnetz.


Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".

Quellen:

EVN

EVN Factsheet 12/2025 - Strategie, Investitionsaufteilung und Wachstum der regulierten Vermögensbasis
https://www.evn.at/getmedia/26b0c5d2-8823-47b3-bd28-2ca1deb15f54/Factsheet_12_2025.pdf

EVN Konzernlagebericht 2024/25
https://www.evn.at/getmedia/fa6d89eb-e40b-4f4b-8415-b23692701ffb/Management-report_Group-and-EVN-AG_2024_25.pdf

EVN Bilanzpressekonferenz 2024/25 - Netzausbau und Kapazitätsplanung
https://www.evn.at/getmedia/383c54a0-77c6-410f-aaea-bf9dbc2552ab/EVN-Bilanzpressekonferenz-2024-25.pdf

Iberdrola

Ergebnisse erstes Halbjahr 2026 - 22. Juli 2026
https://www.iberdrola.com/press-room/news/detail/investment-uk-us-brazil-electricity-networks-drives-increase-iberdrolas-reported-net-profit-4-point-34bn-h1-2026-22

Iberdrola Networks - aktuelle Kennzahlen und Strategic Plan 2025-2028
https://www.iberdrola.com/about-us/networks

Iberdrola Transformation Plan 2026-2028
https://www.iberdrola.com/about-us/iberdrola-strategic-plan/transformation-plan-ltip-2026-2028

Iberdrola/Neoenergia - Investitionen in Brasilien, 20. August 2026
https://www.iberdrola.com/press-room/news/detail/iberdrola-consolidates-position-as-benchmark-brazil-electricity-sector-with-seven-awards-association-of-distribution-companies

E.ON

E.ON Sustainability Factbook 2025 - Investitionsprogramm, RAB und Netzausbau
https://annualreport.eon.com/content/dam/eon-annualreport/documents/en/EON%20Sustainability%20Factbook%202025.pdf

Europäische Kommission

European Grids Package - Investitionsbedarf europäischer Stromnetze
https://energy.ec.europa.eu/document/download/869c0537-3fcb-4d0a-bd05-e8b0c3696c12_en?filename=COM_2025_1005_1_EN_ACT_part1_v6.pdf

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