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Iberdrola setzt beim Ausbau seiner Stromerzeugung auf große Dimensionen. Ende August meldete der spanische Energiekonzern, dass sein neuer Offshore-Windpark vor der Küste des US-Bundesstaats Massachusetts nach Investitionen von rund vier Milliarden Euro in Betrieb genommen wurde. Die installierte Offshore-Windleistung des Konzerns ist im ersten Halbjahr 2026 um 16,2 Prozent auf 2.621 MW gestiegen. Gleichzeitig investiert Iberdrola (ISIN: ES0144580Y14) weiterhin in Onshore-Windkraft und andere Erzeugungstechnologien.
Warum eine breite Aufstellung interessant sein kann, zeigt der Blick nach Österreich. Bei VERBUND (ISIN: AT0000746409) sank die Stromerzeugung aus Wasserkraft im ersten Halbjahr 2026 wegen einer außergewöhnlich schwachen Wasserführung um 9,8 Prozent. Gleichzeitig ging das EBITDA - zusätzlich belastet durch niedrigere Absatzpreise - um 24,9 Prozent zurück. Die EVN AG (ISIN: AT0000741053) war zuletzt ebenfalls mit ungünstigen Wind- und Wasserbedingungen konfrontiert, konnte die Auswirkungen auf ihre erneuerbare Stromproduktion aber durch zusätzliche Windkraft- und Photovoltaikkapazitäten großteils ausgleichen. Die Beispiele zeigen: Für Energieversorger wird nicht nur entscheidend, wie viel Erzeugungsleistung sie aufbauen - sondern auch, wie diese über Technologien und Standorte verteilt ist.
Iberdrola nimmt Milliardenprojekt in Betrieb
Der jüngste Ausbau von Iberdrola findet vor der Küste von Massachusetts statt. Ende August bestätigte der Konzern die Inbetriebnahme des Offshore-Windparks Vineyard Wind 1. Das Projekt verfügt über eine installierte Leistung von 806 MW und kann nach Unternehmensangaben rechnerisch mehr als 400.000 Haushalte und Unternehmen in Neuengland mit Strom versorgen. Iberdrola bezifferte die Investition in seiner aktuellen Mitteilung auf rund vier Milliarden Euro.
Vineyard Wind ist dabei nur ein Teil eines erheblich größeren Offshore-Portfolios. Zum Ende des ersten Halbjahres verfügte Iberdrola weltweit über 2.621 MW installierte Offshore-Windleistung - 16,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zwischen 2025 und 2028 will das Unternehmen seine Offshore-Kapazität um weitere 3,5 GW erhöhen und dafür weltweit brutto rund acht Milliarden Euro investieren.
Die Investitionen beschränken sich allerdings nicht auf Offshore-Wind. Im ersten Halbjahr 2026 investierte Iberdrola insgesamt rund sieben Milliarden Euro. Mehr als 2,2 Milliarden Euro flossen in Erzeugung, davon wiederum mehr als 70 Prozent in Onshore- und Offshore-Windkraft.
Größe allein schützt nicht vor Wetterschwankungen
Die wirtschaftliche Herausforderung erneuerbarer Stromerzeugung liegt allerdings nicht allein im Ausbau neuer Kapazitäten. Windkraft bleibt vom Windaufkommen abhängig, Photovoltaik von Sonneneinstrahlung und Wasserkraft von Niederschlägen und Wasserführung. Wie deutlich sich solche Schwankungen bemerkbar machen können, zeigen die Halbjahreszahlen von VERBUND. Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke lag im ersten Halbjahr bei 0,68 und damit 32 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Insgesamt sank die Stromerzeugung aus Wasserkraft gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1.210 GWh beziehungsweise 9,8 Prozent auf 11.191 GWh. Gleichzeitig sank das EBITDA des Konzerns um 24,9 Prozent von 1,413 Milliarden auf rund 1,062 Milliarden Euro.
Dabei wäre es allerdings zu kurz gegriffen, den Ergebnisrückgang ausschließlich auf die geringe Wasserführung zurückzuführen. VERBUND nennt zusätzlich deutlich niedrigere Absatzpreise für die eigene Wasserkrafterzeugung. Der durchschnittlich erzielte Preis ging um 31 Euro je MWh auf 86,2 Euro je MWh zurück. Das Beispiel zeigt dennoch, welche Bedeutung natürliche Erzeugungsbedingungen für einen stark von Wasserkraft geprägten Konzern haben können.
VERBUND baut Wind und Photovoltaik aus
Parallel zur Wasserkraft baut VERBUND zugleich andere erneuerbare Erzeugungsformen aus. Im ersten Halbjahr erhöhte sich die Stromproduktion aus Windkraft und Photovoltaik gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 109 GWh auf 1.173 GWh. Das konnte den Rückgang der Wasserkrafterzeugung nicht kompensieren, verbreitert aber langfristig die Erzeugungsbasis. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Speicherfähigkeit.
Erst am 2. September meldete VERBUND einen neuen Meilenstein bei der Erhöhung der Limbergsperre am Hochgebirgsstausee Wasserfallboden in Kaprun. Die bestehende 120 Meter hohe Staumauer soll bis Ende 2027 um 8,7 Meter erhöht werden. Dadurch steigt der Nutzinhalt des Stausees von 81,2 auf 93,9 Millionen Kubikmeter. Die Speicherkapazität soll dadurch um rund 30 GWh wachsen. Das Projekt macht einen wesentlichen Unterschied zwischen verschiedenen erneuerbaren Technologien sichtbar. Während Wind- und Solarstrom vom jeweiligen Wetterangebot abhängen, kann gespeichertes Wasser innerhalb der technischen Grenzen gezielter zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Für ein Stromsystem mit zunehmender wetterabhängiger Erzeugung gewinnt solche Flexibilität an Bedeutung.
Auch die EVN verbreitert ihre Erzeugungsbasis
Bei der EVN ist die Größenordnung etwas kleiner, die grundlegende Herausforderung ist jedoch ähnlich. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 lag die gesamte Stromerzeugung mit 2.173 GWh um 4,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die erneuerbare Erzeugung erhöhte sich dagegen leicht von 1.789 auf 1.805 GWh. Das ungünstige Wind- und Wasserdargebot konnte nach Angaben der EVN durch zusätzliche Kapazitäten bei Windkraft und Photovoltaik großteils ausgeglichen werden. Genau darin zeigt sich der Vorteil einer breiteren Erzeugungsbasis.
Die EVN produziert Strom zum Großteil aus Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik. Gleichzeitig werden die erneuerbaren Kapazitäten weiter ausgebaut. Durch die Inbetriebnahme beziehungsweise das Repowering der Windparks Gnadendorf und Ebenfurth stieg die Windkraftleistung zuletzt auf 570 MW. Bis 2030 soll sie auf 770 MW wachsen. Bei Photovoltaik liegt das Ausbauziel bei 300 MWp.
Speicher ergänzen Wind und Photovoltaik
Hinzu kommen Batteriespeicher. Bis 2030 plant die EVN ein Speicherportfolio von 300 MW. Dabei geht es zunehmend darum, Erzeugungstechnologien und Speicher miteinander zu kombinieren. Ein Beispiel sind sogenannte Hybridparks. Windkraft- und Photovoltaikanlagen können dort einen gemeinsamen Netzanschluss nutzen und um Batteriespeicher ergänzt werden. Das ist wirtschaftlich interessant, weil vorhandene Infrastruktur besser ausgelastet werden kann. Gleichzeitig können unterschiedliche Erzeugungsprofile kombiniert werden: Photovoltaik produziert vor allem tagsüber und im Sommer, während Windkraft andere zeitliche Erzeugungsmuster aufweist. Ein Speicher schafft zusätzlich die Möglichkeit, die Vermarktung von Strom zeitlich zu verschieben. Generell entwickelt sich das Flexibilitätsmanagement, also die Vermarktung und Steuerung von Erzeugung und Verbrauch zur Vermeidung von Angebots- und Nachfragespitzen, zu einer Schlüsselkompetenz der Energiewirtschaft. Diversifikation bedeutet damit nicht zwangsläufig, möglichst viele unterschiedliche Technologien zu besitzen. Entscheidend ist vielmehr, ob sich die einzelnen Anlagen innerhalb des Portfolios sinnvoll ergänzen.
Diversifikation beseitigt Risiken nicht
Für Anleger bleibt trotzdem ein wichtiger Unterschied: Eine breitere Erzeugungsbasis kann Risiken verteilen, aber nicht beseitigen. Auch mehrere erneuerbare Technologien können gleichzeitig unter ungünstigen Bedingungen leiden. Im ersten Halbjahr lag bei VERBUND beispielsweise nicht nur die Wasserführung deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Auch der Erzeugungskoeffizient für Windkraft und Photovoltaik blieb unter dem Planwert. Daneben wirken Strompreise, Finanzierungskosten, regulatorische Vorgaben und Baukosten auf die Profitabilität.
Große Offshore-Windparks zeigen das besonders deutlich. Sie können über Jahrzehnte erhebliche Strommengen produzieren, erfordern aber Milliardeninvestitionen und lange Entwicklungs- und Bauzeiten. Wasserkraftwerke besitzen sehr lange Nutzungsdauern, sind jedoch von hydrologischen Bedingungen abhängig. Wind- und Solarparks lassen sich schneller ausbauen, produzieren dafür wetterabhängig.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, welche einzelne Technologie die beste ist. Für integrierte Energieunternehmen kann vielmehr die Kombination unterschiedlicher Erzeugungsformen, Regionen und Flexibilitätsoptionen wirtschaftlich relevant sein.
Fazit
Iberdrolas neues Offshore-Projekt vor Massachusetts zeigt die Dimension, die der Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung inzwischen erreicht. Rund vier Milliarden Euro wurden nach aktuellen Unternehmensangaben in den neuen Windpark investiert. Weltweit verfügt Iberdrola inzwischen über 2.621 MW Offshore-Windleistung und will diese Kapazität weiter deutlich ausbauen. Gleichzeitig zeigt VERBUND, wie stark natürliche Erzeugungsbedingungen weiterhin auf das Geschäft eines Energieversorgers wirken können. Die Wasserkrafterzeugung sank im ersten Halbjahr um 9,8 Prozent. Parallel baut das Unternehmen Windkraft, Photovoltaik und Speicherkapazitäten weiter aus.
Auch bei der EVN wird die Erzeugungsbasis breiter. Trotz ungünstiger Wind- und Wasserbedingungen stieg die erneuerbare Stromproduktion in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 leicht auf 1.805 GWh, weil zusätzliche Wind- und Photovoltaikkapazitäten die schwächeren Bedingungen großteils ausgleichen konnten. Bis 2030 sollen 770 MW Windkraft, 300 MWp Photovoltaik und 300 MW Batteriespeicher aufgebaut werden.
Für Anleger bleibt damit nicht nur die absolute Erzeugungsleistung relevant. Ebenso wichtig ist, wie unterschiedlich diese Leistung über Technologien verteilt ist - und wie gut ein Energieunternehmen mit schwankenden Erzeugungsbedingungen umgehen kann. Genau darauf richtet die EVN AG (ISIN: AT0000741053) ihr Erzeugungs- und Speicherportfolio zunehmend aus.
Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".
Quellen:
Iberdrola
· Iberdrola - "Management Committee and Executive Committee review outlook for the rest of the year in Bilbao", 25. August 2026 - Inbetriebnahme Offshore-Windpark Massachusetts / Investition rund 4
Mrd. Euro
https://www.iberdrola.com/press-room/news/detail/iberdrola-management-committee-and-executive-committee-review-outlook-for-the-rest-of-year-in-bilbao
· Iberdrola - Ergebnisse erstes Halbjahr 2026 - Investitionen von rund 7 Mrd. Euro; mehr als 2,2 Mrd. Euro in Erzeugung
https://www.iberdrola.com/press-room/news/detail/investment-uk-us-brazil-electricity-networks-drives-increase-iberdrolas-reported-net-profit-4-point-34bn-h1-2026-22
· Iberdrola - Offshore Wind Energy - 2.621 MW Offshore-Kapazität / Ausbauplan 2025-2028
https://www.iberdrola.com/about-us/power/offshore-wind-energy
· Iberdrola - Vineyard Wind 1 - Projektinformationen
https://www.iberdrola.com/about-us/power/offshore-wind-energy/vineyard-wind-offshore-wind-farm
· CNMV - Iberdrola Aktie / ISIN ES0144580Y14
https://internet.cnmv.es/portal/otra-informacion-regulada-corporativa/derechos-voto-capital?Nif=A-48010615
VERBUND
· VERBUND - "Ergebnis Quartale 1-2/2026", 30. Juli 2026
https://www.verbund.com/de/konzern/news-presse/presseaussendungen/2026/7/30/corporate-news-ergebnis-quartale-1-22026
· VERBUND - "Nächster Meilenstein bei der Erhöhung der Limbergsperre in Kaprun erreicht", 2. September 2026
https://www.verbund.com/de/konzern/news-presse/presseaussendungen/2026/9/2/meilenstein-limbergsperre-kaprun
· VERBUND Investor Relations - Aktie / ISIN AT0000746409
https://www.verbund.com/de/konzern/investor-relations/aktienkurs-und-information
EVN
· EVN - "Geschäftsverlauf in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025/26", 27. August 2026
https://www.evn.at/home/presse/geschaftsverlauf-in-den-ersten-drei-quartalen-des-geschaftsjahres-2025-26
· EVN - "Starker Windkraft- und PV-Ausbau" - Ausbauziele Wind und Photovoltaik
https://www.evn.at/home/presse/starker-windkraft-und-pv-ausbau
· EVN - "Zwischen Windspitzen und Dunkelflauten" - Wind-/PV-Ausbau und Netzintegration
https://www.evn.at/home/presse/zwischen-windspitzen-und-dunkelflauten
· EVN - Company Presentation, Januar 2026 - Ausbauziele Erzeugung und Batteriespeicher
https://www.evn.at/getmedia/f2fc8de2-27f9-4347-b252-7242b77f8973/company-presentation_january-2026.pdf
· EVN - Hybridparks: Kombination aus Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeichern
https://www.evn.at/home/evn-blog/energie/hybridparks-evn
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