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RWE baut 400MW-Großspeicher - EVN plant 300 Megawatt bis 2030

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Der Ausbau von Batteriespeichern in Europa gewinnt an Tempo. RWE (ISIN: DE0007037129) hat Ende September den Bau eines Großspeichers mit 400 Megawatt Leistung und 1.100 Megawattstunden Kapazität in den Niederlanden beschlossen. Wenige Tage später meldete der US-amerikanische Speicheranbieter Fluence Energy Inc. (ISIN: US34379V1035) eine mehrjährige Liefervereinbarung mit dem Batteriehersteller EVE Power. Die beiden Nachrichten zeigen, dass neben dem Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung zunehmend auch deren flexible Nutzung in den Mittelpunkt der Investitionsplanung rückt.

Diese Entwicklung ist auch für die EVN AG (ISIN: AT0000741053) relevant. Der niederösterreichische Energiekonzern hat beim Capital Markets Day am 1. Oktober sein Ziel bestätigt, bis 2030 ein Batteriespeicherportfolio mit insgesamt 300 Megawatt Leistung aufzubauen. Damit ergänzt die EVN ihre Investitionen in Windkraft und Photovoltaik um eine Technologie, die Stromerzeugung und Verbrauch zeitlich besser aufeinander abstimmen kann.

RWE investiert in einen Großspeicher mit fast drei Stunden Entladedauer

RWE hat am 21. September die endgültige Investitionsentscheidung für einen Batteriespeicher am bestehenden Kraftwerksstandort Moerdijk getroffen. Die Anlage soll aus 208 Lithium-Ionen-Batteriecontainern bestehen und im zweiten Quartal 2028 in Betrieb gehen.

Mit einer Leistung von 400 Megawatt und einer Speicherkapazität von 1.100 Megawattstunden könnte sie rechnerisch rund 2,75 Stunden lang ihre volle Leistung abgeben. RWE will die Batterie unter anderem einsetzen, um regionale Netzengpässe in der niederländischen Provinz Noord-Brabant zu entschärfen. Über den bestehenden Kraftwerksanschluss soll der Speicher mit dem Stromnetz verbunden werden. Darüber hinaus ist das Projekt Bestandteil des Flexibilitätskonzepts rund um OranjeWind, einen Offshore-Windpark mit 795 Megawatt Leistung, den RWE gemeinsam mit TotalEnergies entwickelt. Der Batteriespeicher soll dazu beitragen, die wetterabhängige Stromerzeugung besser mit dem tatsächlichen Verbrauch in Einklang zu bringen.

Moerdijk ist dabei kein Einzelprojekt. Bereits Ende Juli hatte RWE einen weiteren Großspeicher am ehemaligen Braunkohlestandort Hambach angekündigt. Dort soll bis 2027 eine Anlage mit 236 Megawatt Leistung und 470 Megawattstunden Kapazität entstehen. Zusammen stehen beide Vorhaben für 636 Megawatt Leistung und 1.570 Megawattstunden Speicherkapazität.

Europas Stromsystem benötigt zusätzliche Flexibilität

Der Hintergrund dieser Investitionen ist der wachsende Anteil wetterabhängiger Stromerzeugung. Wind- und Photovoltaikanlagen liefern meistens nicht dann besonders viel Strom, wenn die Nachfrage am höchsten ist. Gleichzeitig können Phasen mit hoher erneuerbarer Erzeugung und geringer Nachfrage zu einem temporären Stromüberschuss führen. Wie deutlich sich das Stromsystem bereits verändert hat, zeigt der Sommerausblick 2026 des europäischen Übertragungsnetzbetreiberverbands ENTSO-E. Demnach hatte sich die installierte Batteriespeicherleistung in Europa gegenüber dem vorherigen Sommer auf rund 29 Gigawatt verdoppelt. Gleichzeitig waren 126 Gigawatt zusätzliche erneuerbare Erzeugungsleistung hinzugekommen, überwiegend Photovoltaik. Batteriespeicher können kurzfristige Überschüsse aufnehmen und die gespeicherte Energie später wieder abgeben. Abhängig von ihrer technischen Auslegung können sie zudem Regelenergie und weitere Systemdienstleistungen bereitstellen. Sie ersetzen damit weder Stromnetze noch zusätzliche Erzeugungskapazitäten, können deren Zusammenspiel aber verbessern.

Für Energieunternehmen entsteht daraus ein weiteres Investitionsfeld. Die Wirtschaftlichkeit hängt allerdings nicht allein von der installierten Speicherleistung ab. Entscheidend sind unter anderem die Anschaffungskosten, die Speicherdauer, der Netzanschluss sowie die Möglichkeiten, Strom zu unterschiedlichen Marktpreisen zu kaufen und zu verkaufen.

Fluence sichert sich langfristig Batterielieferungen

Parallel zum Ausbau einzelner Speicherprojekte verändert sich auch die industrielle Lieferkette. Fluence Energy gab am 24. September eine mehrjährige Liefervereinbarung mit EVE Power bekannt. Der Batteriehersteller soll künftig Batterien für die Energiespeichersysteme von Fluence bereitstellen.

Nach Unternehmensangaben soll die Vereinbarung insbesondere die Planbarkeit von Liefermengen und Preisen verbessern. Ein konkretes Vertragsvolumen wurde nicht veröffentlicht. Der Ausbau stellt damit nicht nur die Energieversorger vor neue Aufgaben. Auch Systemanbieter müssen ihre Lieferketten auf größere Projektvolumina ausrichten.

EVN verbindet Speicher mit der eigenen Stromerzeugung

Die EVN arbeitet ebenfalls am Aufbau eines größeren Speicherportfolios. Im Juli berichtete das österreichische Unternehmen über die Inbetriebnahme eines Batteriespeichers in Probishtip in Nordmazedonien, wo die EVN seit 20 Jahren als landesweite Verteilnetzbetreiberin und Energieversorgerin tätig ist. Die Anlage wurde im Frühjahr 2026 in Betrieb genommen, und nach einer im Sommer abgeschlossenen Erweiterung wurde die Kapazität auf 40 Megawattstunden verdoppelt. Beim Capital Markets Day Anfang Oktober bestätigte die EVN anschließend ihr langfristiges Ziel von insgesamt 300 Megawatt Batteriespeicherleistung bis 2030. Vorgesehen sind unter anderem Anlagen an bestehenden Kraftwerksstandorten sowie Kombinationen mit Wind- und Photovoltaikparks. Parallel dazu will der Konzern seine installierte Windkraftleistung bis 2030 von aktuell 570 auf 770 Megawatt und die Photovoltaikleistung von 133 auf 300 Megawattpeak erhöhen. Der Speicherausbau ist damit Teil einer umfassenderen Zielsetzung für die eigene Stromerzeugung.

Bei dem von der EVN kommunizierten Batteriespeicherziel geht es aber um deutlich mehr als die reine Bereitstellung von Infrastruktur. Neben den physischen Anlagen gewinnt auch deren Steuerung an Bedeutung. Die EVN will zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten durch das Flexibilitätsmanagement ihrer erneuerbaren Stromerzeugung erschließen. Dazu gehört die Möglichkeit, Erzeugung und Speicherbetrieb auf die jeweiligen Marktbedingungen abzustimmen. Die EVN setzt bei ihrer Batteriestrategie auf ehemalige thermische Kraftwerksstandorte ebenso wie auf Co-Locations, also der Errichtung von Batterien neben Photovoltaik- und Windparks. Im Idealfall finden sogar alle drei Technologien zusammen, in diesem Fall spricht die EVN von Super-Hybridparks. Die Vorteile dieser Standortstrategie liegen auf der Hand, denn Kraftwerksstandorte verfügen bereits über den erforderlichen Netzzugang. Dies spart einerseits Kosten bei der Errichtung der Batterien und die Speicher können rascher in Betrieb genommen werden. Die EVN optimiert übrigens auch je Standort die Ladezeiten. Aktuell kommen Batterien mit einer maximalen Kapazität von sowohl zwei als auch vier Stunden zum Einsatz.

Für Anleger zählt die wirtschaftliche Nutzung der Anlagen

Der Speicherausbau ist Bestandteil eines umfangreichen Investitionsprogramms. Bis 2030 plant die EVN jährliche Investitionen von rund einer Milliarde Euro. Gleichzeitig strebt der Konzern ein EBITDA von rund 1,2 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2029/30 an. Ob Batteriespeicher einen wesentlichen Beitrag zur Ergebnisentwicklung leisten werden, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören die tatsächlichen Investitionskosten, die Entwicklung der Strompreisunterschiede im Tagesverlauf, die Nachfrage nach Flexibilitätsleistungen und die erfolgreiche Integration der Anlagen in das bestehende Erzeugungsportfolio. Die jüngsten Meldungen von RWE und Fluence verdeutlichen, dass sich der europäische Speichermarkt sowohl auf Projekt- als auch auf Zuliefererebene weiterentwickelt. Für die EVN liegt die wirtschaftliche Aufgabe darin, ihre geplanten Anlagen nicht nur zu errichten, sondern auch effizient einzusetzen.

Mit dem Ausbau auf 300 Megawatt bis 2030 will die EVN AG (ISIN: AT0000741053) ihre Möglichkeiten zur flexiblen Vermarktung erneuerbarer Stromerzeugung erweitern. Wie stark sich diese Investitionen im Ergebnis niederschlagen, wird sich mit der schrittweisen Inbetriebnahme und Vermarktung der Anlagen zeigen.


Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".

Quellen:

RWE - RWE baut in Moerdijk eines der größten Batteriespeichersysteme der Niederlande

https://www.rwe.com/presse/rwe-generation/2026-09-21-rwe-baut-in-moerdijk-eines-der-groessten-batteriespeichersysteme-der-niederlande

RWE - RWE to build large-scale storage at Hambach mine

https://www.rwe.com/en/press/rwe-generation/2026-07-28-rwe-to-build-large-scale-storage-at-hambach-mine

Fluence - Fluence Secures Long-Term Battery Supply Through Multiyear Agreement with EVE Power

https://ir.fluenceenergy.com/news-releases/news-release-details/fluence-secures-long-term-battery-supply-through-multiyear

ENTSO-E - ENTSO-E releases 2026 Summer Outlook Report

https://www.entsoe.eu/news/2026/05/29/entso-e-releases-2026-summer-outlook-report

EVN - Die EVN erzielt wesentliche Fortschritte bei der Umsetzung ihrer Batteriespeicherstrategie

https://www.evn.at/home/investor-relations/news/ir-mitteilungen/die-evn-erzielt-wesentliche-fortschritte-bei-der-umsetzung-ihrer-batteriespeicherstrategie

EVN - Capital Markets Day 2026

https://www.evn.at/getmedia/b1846423-8b2e-471e-8d61-27a34275da65/Capital-Markets-Day_FINAL.pdf

EVN - EVN Capital Markets Day 2026: Erfolgreich im Energiemarkt von morgen agieren

https://www.eqs-news.com/de/news/corporate/evn-capital-markets-day-2026-erfolgreich-im-energiemarkt-von-morgen-agieren/0d894fca-0e5c-4f26-82cc-a0a3d178c73f_de

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