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Europas Versorger investieren für künftige Generationen - Milliardenschwere Investitionsprogramme am Beispiel von Iberdrola und EVN

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Europas Energieversorger stehen vor umfangreichen Infrastrukturinvestitionen. Der spanische Energiekonzern Iberdrola (ISIN: ES0144580Y14) hat für den Zeitraum bis 2028 ein Investitionsprogramm von 58 Milliarden Euro vorgestellt. Rund 37 Milliarden Euro davon sollen in Stromnetze fließen. Gleichzeitig erfordern der Ausbau erneuerbarer Energien, zusätzliche Speicherkapazitäten und die Modernisierung bestehender Versorgungssysteme weiteren Kapitaleinsatz. Die Herausforderung besteht darin, unterschiedliche Infrastrukturprojekte mit teilweise langen Realisierungszeiträumen parallel umzusetzen und zu finanzieren.

Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) hat ihre mittelfristige Investitionsplanung konkretisiert. Beim Capital Markets Day am 1. Oktober bestätigte der niederösterreichische Energieversorger ein jährliches Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro bis 2030. Etwa 80 Prozent der Mittel sollen in Niederösterreich eingesetzt werden. Das Programm umfasst Stromnetze, erneuerbare Erzeugungsanlagen, Batteriespeicher, Wärmeversorgung, Ladeinfrastruktur und regionale Trinkwasserversorgung.

Iberdrola setzt auf 58 Milliarden Euro bis 2028

Iberdrola hatte seinen aktualisierten Strategieplan im September 2025 vorgestellt. Von den geplanten Bruttoinvestitionen in Höhe von 58 Milliarden Euro entfallen 37 Milliarden Euro auf regulierte Stromnetze. Davon sollen rund 25 Milliarden Euro in Verteilnetze und zwölf Milliarden Euro in Übertragungsnetze fließen. Weitere 21 Milliarden Euro sind für die Geschäftsbereiche Erzeugung und Kunden vorgesehen.

Der geografische Schwerpunkt liegt auf Großbritannien und den USA. Insgesamt sollen nach Unternehmensangaben 85 Prozent der geplanten Investitionen in Länder mit einem A-Rating und aus Sicht des Konzerns stabilen regulatorischen Rahmenbedingungen fließen.

Die Verteilung verdeutlicht, dass umfangreiche Infrastrukturprogramme unterschiedliche wirtschaftliche Anforderungen erfüllen müssen. Während regulierte Netzinvestitionen auf einer behördlich festgelegten Vergütungssystematik beruhen, hängen die Ergebnisse von Erzeugungsanlagen stärker von Strompreisen, Produktionsmengen und Vermarktungsbedingungen ab.

EVN investiert jährlich eine Milliarde Euro in unterschiedliche Infrastrukturbereiche

Die EVN verfolgt einen regional konzentrierten Investitionsansatz. Für die Jahre bis 2030 sieht die Unternehmensplanung jährliche Investitionen von rund einer Milliarde Euro vor. Im Geschäftsjahr 2024/25 hatte der Konzern rund 910 Millionen Euro investiert.

Der größte Anteil des künftigen Programms entfällt auf die Netzinfrastruktur. Dafür sind nach der beim Capital Markets Day vorgestellten Planung rund 50 bis 55 Prozent vorgesehen. Weitere rund 15 Prozent entfallen auf erneuerbare Energien. Auch die Wärmeversorgung, das Geschäft in Südosteuropa, die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität und die regionale Wasserversorgung sind Bestandteil des Programms.

Die Geschäftsbereiche verfolgen unterschiedliche Ausbauziele: Im Stromnetz stehen zusätzliche Anschlusskapazitäten und die Modernisierung bestehender Infrastruktur im Vordergrund. Bei Windkraft und Photovoltaik geht es um neue Erzeugungsleistung, während Batteriespeicher die zeitliche Nutzung und Vermarktung von Strom ergänzen sollen.

Netzgeschäft soll wirtschaftlich an Bedeutung gewinnen

Einen wesentlichen Teil der EVN-Planung bildet der Ausbau des niederösterreichischen Stromverteilnetzes. Die regulierte Kapitalbasis, die sogenannte Regulatory Asset Base (RAB), soll von rund zwei Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2024/25 auf etwa 3,9 Milliarden Euro bis 2030 steigen.

Die RAB umfasst vereinfacht jene Vermögenswerte, die nach den geltenden regulatorischen Regeln für die Berechnung der zulässigen Vergütung anerkannt werden. Neue Investitionen erhöhen diese Kapitalbasis. Für die tatsächliche Ergebnisentwicklung ist allerdings nicht allein deren Höhe entscheidend. Ebenso relevant sind die regulatorisch festgelegte Kapitalverzinsung, anerkannte Kosten und weitere Vorgaben der zuständigen Behörde. Für Neuinvestitionen im österreichischen Stromverteilnetz wird für 2026 einen regulatorischer Kapitalkostensatz (WACC) vor Steuern von 6,1 Prozent gewährt. Für die bestehende Kapitalbasis beträgt der entsprechende Wert 4,2 Prozent.

Mit dem geplanten Ausbau soll das Netzsegment im Jahr 2030 ein EBITDA von rund 560 Millionen Euro erreichen. Bezogen auf das angestrebte Konzern-EBITDA von rund 1,2 Milliarden Euro entspricht dies rechnerisch einem Anteil von knapp 47 Prozent.

Speicher und erneuerbare Energien erfordern andere Investitionsentscheidungen

Parallel zum Netzgeschäft plant die EVN den Ausbau ihrer eigenen Stromerzeugung. Bis 2030 soll die installierte Windkraftleistung auf 770 Megawatt steigen. Für Photovoltaik nennt das Unternehmen ein Ziel von 300 Megawattpeak. Hinzu kommt der geplante Aufbau eines Batteriespeicherportfolios mit insgesamt 300 Megawatt elektrischer Leistung. Anders als im regulierten Netzgeschäft hängen die wirtschaftlichen Ergebnisse dieser Anlagen von Marktpreisen, Produktions- und Speichermengen und Vermarktungsmöglichkeiten ab. Aber auch eine netzdienliche Bewirtschaftung der Batterien ist möglich. Dabei wird der gespeicherte Strom gezielt so abgerufen, dass er dem Netzbetreiber als Ausgleichsenergie dient. Für die Bereitstellung von Ausgleichsenergie erhält der Betreiber der Batterie ein Entgelt.

Bei Batteriespeichern spielt zudem deren technische Auslegung und Steuerung eine wesentliche Rolle. Die EVN setzt deshalb auf die Kombination unterschiedlicher Technologien. Und die EVN passt ihre Batteriespeicherprojekte an die ehemaligen thermischen Kraftwerksstandorte oder an sogenannte Co-Location Standorte mit Windkraft- und Photovoltaikanlagen an. Vorhandene Netzanschlüsse können dabei genützt werden und somit das Investitionserfordernis reduzieren, womit die Umsetzung neuer Projekte erleichtert wird.

Regionale Wasserversorgung bleibt Teil des Programms

Neben der Energieinfrastruktur führt die EVN ihre Investitionen in die regionale Trinkwasserversorgung fort. Bis 2030 sind dafür nach Unternehmensangaben rund 100 Millionen Euro vorgesehen. Die Mittel dienen unter anderem dem Ausbau von Transportleitungen, der Sicherung verfügbarer Wasserressourcen und der Verbesserung der Trinkwasserqualität. Ein Beispiel ist die Naturfilteranlage Reisenberg. Für das Projekt nennt die EVN ein Investitionsvolumen von rund 9,4 Millionen Euro. Nach der vorgesehenen Inbetriebnahme soll die Anlage rund 20.000 Menschen in sieben Gemeinden mit aufbereitetem Trinkwasser versorgen.

Mit der regionalen Trinkwasserversorgung fokussiert die EVN auf den Heimmarkt in Niederösterreich. Verbindendes Element zum Energiegeschäft ist hier das seit mehr als 100 Jahren bestehende Know-how, Infrastruktur für die Daseinsvorsorge zu errichten und zu betreiben.

Finanzplanung verbindet Investitionen und Ergebnisziele

Mit dem Investitionsprogramm hat die EVN zugleich ihre mittelfristigen Finanzziele konkretisiert. Ausgehend von einem Konzern-EBITDA von 909 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024/25 strebt das Unternehmen für 2029/30 rund 1,2 Milliarden Euro an. Das Konzernergebnis soll nach der veröffentlichten Planung von 437 Millionen Euro auf rund 500 Millionen Euro steigen. Für die Rendite auf das eingesetzte Kapital, den Return on Capital Employed (ROCE), nennt die EVN einen Zielwert von mehr als sechs Prozent. Dieser soll über dem in der Unternehmensplanung angesetzten gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensatz von fünf Prozent liegen.

Nach Unternehmensangaben werden die hohen Investitionen der nächsten Jahre das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Funds from Operations (FFO) vorübergehend auf rund 2,2 ansteigen lassen. Im Geschäftsjahr 2024/25 lag dieser Wert bei 1,3 - einem im europäischen Branchenvergleich sehr soliden Wert, der im Fall der EVN durchaus Spielraum für zusätzliche Verbindlichkeiten zur Finanzierung der sich bietenden organischen Wachstumsmöglichkeiten gibt.

Infrastrukturinvestitionen reichen über 2030 hinaus

Die Investitionsprogramme von Iberdrola und EVN unterscheiden sich in ihrer Größenordnung und geografischen Ausrichtung. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass der Ausbau der Energieinfrastruktur über mehrere Jahre hinweg erhebliche Mittel bindet. Für die EVN endet diese Planung nicht mit dem Jahr 2030. Beim Capital Markets Day stellte das Unternehmen für die Zeit danach ein jährliches Investitionsniveau von rund 900 Millionen Euro in Aussicht - somit sollte 2030 der Höhepunkt im aktuellen Investitionszyklus überschritten werden. Die Schwerpunkte sollen weiterhin auf Netzinfrastruktur, erneuerbarer Stromerzeugung und Flexibilitätslösungen liegen.

Für die EVN AG (ISIN: AT0000741053) besteht die Aufgabe darin, die geplanten Investitionen in unterschiedlichen Geschäftsbereichen zeitlich und finanziell aufeinander abzustimmen. Maßgeblich für die weitere Entwicklung werden der tatsächliche Projektfortschritt, die Finanzierung und die wirtschaftlichen Beiträge der einzelnen Infrastrukturbereiche sein.


Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".

Quellen:

Iberdrola - Iberdrola will invest €58bn to 2028 to accelerate growth in US and UK networks, 24.09.2025
https://www.iberdrola.com/press-room/news/detail/iberdrola-invest-58-bn-to-2028-accelerate-growth-networks-us-uk

Iberdrola - Strategic Plan 2025-2028
https://www.iberdrola.com/about-us/iberdrola-strategic-plan

EVN - Capital Markets Day 2026, Präsentation vom 01.10.2026
https://www.evn.at/getmedia/b1846423-8b2e-471e-8d61-27a34275da65/Capital-Markets-Day_FINAL.pdf

EVN - EVN Capital Markets Day 2026: Erfolgreich im Energiemarkt von morgen agieren, 01.10.2026
https://www.eqs-news.com/de/news/corporate/evn-capital-markets-day-2026-erfolgreich-im-energiemarkt-von-morgen-agieren/0d894fca-0e5c-4f26-82cc-a0a3d178c73f_de

EVN - EVN investiert in die Zukunft, 25.08.2026
https://www.evn.at/home/presse/evn-investiert-in-die-zukunft

EVN - Naturfilteranlage Reisenberg, aktuelle Projektinformation
https://www.evn.at/home/wasser/aktuelles/nfa-reisenberg

EVN - EVN und STRABAG schließen den Verkauf der WTE ab, 03.03.2026
https://www.evn.at/home/presse/evn-und-strabag-schlie-en-den-verkauf-der-wte-ab

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