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Lange waren die Rollen am Energiemarkt klar verteilt: Energieunternehmen erzeugten und verkauften Strom, private Haushalte verbrauchten ihn. Der Ausbau privater Photovoltaikanlagen hat diese Rollenteilung verändert. Die Grenzen verschwimmen, denn immer mehr Haushalte produzieren selbst Strom, speichern ihn in Batterien und speisen Überschüsse ins Netz ein. Aus Verbrauchern werden damit Prosumer und aktive Energiemanager. Nun steht der nächste Entwicklungsschritt bevor: Die Vermarktung des selbst erzeugten Stroms - gemeinsam mit anderen in Energiegemeinschaften oder direkt an andere Verbraucher. Dies verändert zunehmend auch die Strukturen des Strommarkts, und somit entwickelt sich das sogenannte Energy Sharing zu einem neuen Aufgabenfeld für Energieunternehmen und digitale Dienstleister. Während der deutsche Energiekonzern EnBW Energie Baden-Württemberg AG (ISIN: DE0005220008) die Möglichkeiten entsprechender Angebote prüft, verfügt die EVN AG (ISIN: AT0000741053) mit ihrer Tochtergesellschaft E.GON bereits über eine Plattform für die Verwaltung und Abrechnung von Energiegemeinschaften.
EnBW sieht neue Möglichkeiten beim Energy Sharing
In Deutschland schafft die seit Juni 2026 geltende Regelung zum Energy Sharing neue Möglichkeiten, Strom aus erneuerbaren Anlagen gemeinschaftlich zu nutzen. Der Energiekonzern EnBW erläutert, dass dabei nicht nur technische Messsysteme, sondern auch vertragliche Vereinbarungen, die Zuordnung von Strommengen und eine rechtssichere Abrechnung erforderlich sind. Nach eigenen Angaben bietet EnBW Energy Sharing derzeit noch nicht als eigenständiges Produkt oder als Abwicklungsdienstleistung an. Das Unternehmen prüft jedoch, ob und in welcher Form entsprechende Angebote künftig bereitgestellt werden können.
Die Entwicklung zeigt, dass sich neben der klassischen Stromlieferung ein Markt für digitale Dienstleistungen herausbildet. Denn je mehr Menschen selbst Strom erzeugen und mit anderen teilen, desto wichtiger werden Plattformen, die diese Vorgänge organisieren.
EVN-Tochter E.GON betreut rund 500 Energiegemeinschaften
In Österreich ist die gemeinschaftliche Nutzung erneuerbarer Energie bereits weit verbreitet. Die EVN AG ist mit ihrer Tochtergesellschaft E.GON GmbH in diesem Bereich aktiv. Die digitale Plattform unterstützt Energiegemeinschaften bei der Organisation ihrer Mitglieder, der Zuordnung von Strommengen und der Abrechnung. Nach Angaben von E.GON vom Oktober 2026 nutzen bereits rund 500 Energiegemeinschaften mit mehr als 65.000 Nutzerinnen und Nutzern die angebotenen Dienstleistungen. Das Geschäftsmodell unterscheidet sich damit von der klassischen Stromversorgung. E.GON stellt vor allem digitale Infrastruktur bereit, mit der Energiegemeinschaften ihre organisatorischen und kaufmännischen Aufgaben abwickeln können. Dazu gehören automatisierte Abrechnungen, digitale Vollmachten und papierlose Verwaltungsprozesse. Für die EVN eröffnet dies die Möglichkeit, auch dort Dienstleistungen anzubieten, wo Strom dezentral erzeugt und innerhalb einer Gemeinschaft geteilt wird. Damit erweitert die EVN ihr Geschäftsmodell und erschließt zusätzliche Ertragspotenziale in einem zunehmend dezentralen Energiesystem.
Neue Regeln ermöglichen direkten Stromhandel
Eine weitere Entwicklung könnte den Markt für solche Plattformen vergrößern. Seit Oktober 2026 ist in Österreich nach Angaben von E.GON auch der sogenannte Peer-to-Peer-Stromhandel möglich. Dabei können einzelne Stromerzeuger und Verbraucher unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen Vereinbarungen über die gemeinsame Nutzung von Strom treffen, ohne dafür zwingend eine eigene Energiegemeinschaft als Rechtsperson gründen zu müssen. E.GON bietet dafür nach eigenen Angaben bereits eine digitale Funktion an. Sie soll es ermöglichen, Strom zwischen einzelnen Teilnehmern zuzuordnen und die erforderlichen Prozesse zu vereinfachen. Physikalisch wird der Strom dabei weiterhin über das bestehende Stromnetz transportiert. Die gemeinsame Nutzung erfolgt auf Grundlage von Messdaten und einer entsprechenden bilanziellen Zuordnung. Auch der bestehende Stromliefervertrag bleibt für den nicht durch Energy Sharing gedeckten Bedarf relevant. Damit entstehen neue Anforderungen an Software, Datenverarbeitung und Abrechnung. Zugleich können spezialisierte Plattformanbieter zusätzliche Dienstleistungen anbieten, sofern die regulatorischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Digitalisierung wird zum neuen Geschäftsfeld für Energieversorger
Für Energieunternehmen bedeutet die Entwicklung eine Erweiterung ihrer bisherigen Aufgaben. Während Strom früher überwiegend zentral erzeugt und an Verbraucher geliefert wurde, müssen künftig immer mehr dezentrale Anlagen und unterschiedliche Marktteilnehmer miteinander verbunden werden. Die EVN hat diesen Trend bereits früh als Chance erkannt und entwickelt softwaregestützte Dienstleistungen für ihre Kunden . Die Basis dafür sind neben der geeigneten Software intelligente Stromzähler, zuverlässige Messdaten und funktionierende Abrechnungsprozesse. Die Digitalisierung wird dadurch zu einem Bindeglied zwischen erneuerbarer Stromerzeugung und neuen Geschäftsmodellen.
Allerdings ist Energy Sharing nicht automatisch günstiger als ein herkömmlicher Stromtarif. Ob Verbraucher tatsächlich sparen, hängt unter anderem von den vereinbarten Strompreisen, Verwaltungsgebühren, Netzentgelten und der zeitlichen Übereinstimmung von Erzeugung und Verbrauch ab.
EVN positioniert sich in einem wachsenden digitalen Energiemarkt
Der Vergleich zwischen EnBW und EVN verdeutlicht unterschiedliche Entwicklungsstände innerhalb eines neuen Marktsegments. Während EnBW mögliche eigene Dienstleistungen rund um Energy Sharing noch prüft, ist die EVN über ihre Tochter E.GON bereits mit einer digitalen Plattform aktiv.
Für die EVN AG (ISIN: AT0000741053) ergänzt dieses Geschäftsfeld die traditionellen Aktivitäten in der Stromerzeugung, im Netzbetrieb und in der Energieversorgung. Mit der zunehmenden Zahl dezentraler Erzeugungsanlagen könnte auch der Bedarf an digitaler Organisation, Abrechnung und automatisierter Steuerung wachsen. Wie sich die Ergebnisbeiträge aus diesen Angeboten entwickeln, hängt u. a. von der weiteren Verbreitung des Energy Sharing, dem Wettbewerb und der Wirtschaftlichkeit der angebotenen Dienstleistungen ab. Die bisherigen Aktivitäten von E.GON zeigen jedoch, dass die EVN bereits heute an einem Bereich des Energiemarktes beteiligt ist, dessen Bedeutung mit der fortschreitenden Digitalisierung zunehmen könnte.
Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".
Quellen:
EnBW - Energy Sharing erklärt: Voraussetzungen, Umsetzung und Rolle der EnBW
https://www.enbw.com/service/faq/energy-sharing
EVN - Energy Sharing: Regionaler Motor der Energiezukunft, 09.12.2025
https://www.evn.at/home/presse/energy-sharing
EVN - Energiegemeinschaften in Niederösterreich und E.GON
https://www.evn.at/home/energiegemeinschaften
E.GON - Herbstangebot 2026 und aktuelle Plattformzahlen, 02.10.2026
https://egon.energy/herbstangebot-2026/
E.GON - Energy Sharing: Gemeinsam in die Zukunft, 06.03.2026
https://egon.energy/energy-sharing-gemeinsam-zukunft/
E.GON - Plattform und Peer-to-Peer-Stromhandel
https://egon.energy/
EVN - Konzern- und AG-Lagebericht 2024/25
https://www.evn.at/getmedia/0c5a7fe8-80fd-45c9-9112-3b2d53d28a3c/Konzern-und-AG-Lagebericht-2024-25.pdf
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