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Zu wenig Wasser kann für eine Mine zum Problem werden - zu viel aber ebenfalls. Wie komplex das Wassermanagement im modernen Bergbau inzwischen geworden ist, zeigen ausgerechnet zwei der größten Rohstoffkonzerne der Welt. BHP (ISIN: AU000000BHP4) erwartet bei seinen gewaltigen Eisenerzaktivitäten in Western Australia künftig steigende Mengen an Wasser, die abgepumpt werden müssen, weil zunehmend unterhalb des Grundwasserspiegels gefördert wird. Rio Tinto (ISIN: GB0007188757) wiederum treibt gemeinsam mit der Regierung von Western Australia eine Meerwasserentsalzungsanlage mit einem Baubudget von 1,1 Mrd. AUD voran, um die Versorgung in der Pilbara langfristig abzusichern und den Druck auf wichtige Grundwasservorkommen zu reduzieren. Zwei unterschiedliche Probleme, aber dieselbe Botschaft: Wasser wird für den Bergbau immer stärker zu strategischer Infrastruktur. Genau in diesem Markt ist auch der wesentlich kleinere Wasserspezialist De.mem (ISIN: AU000000DEM4) aktiv.
BHP bekommt immer mehr Wasser aus seinen Minen
Die jüngste Entwicklung bei BHP klingt zunächst paradox. Während Wasserknappheit in vielen Bergbauregionen ein großes Thema ist, muss der Konzern bei seinen Western Australia Iron Ore-Aktivitäten zunehmend überschüssiges Wasser managen. Der Grund liegt tief unter der Erde: BHP geht davon aus, dass seine Eisenerzaktivitäten künftig stärker auf Erz unterhalb des Grundwasserspiegels angewiesen sein werden. Um dort abbauen zu können, muss Wasser aus den betreffenden Bereichen abgepumpt werden. Mit zunehmender Förderung unterhalb des Grundwasserspiegels erwartet BHP deshalb höhere Entwässerungsmengen und damit auch mehr Wasser, das über den eigenen operativen Bedarf hinausgeht. Dieses überschüssige Wasser soll nicht einfach als unvermeidbares Nebenprodukt betrachtet werden. BHP hat sich für seine WAIO-Aktivitäten vorgenommen, bis zum Geschäftsjahr 2030 mindestens 50 Prozent des überschüssigen Wassers vorrangig einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, um regionale Grundwasserressourcen nachhaltiger zu bewirtschaften oder gesellschaftlichen Nutzen zu schaffen.
Dafür braucht es neue Wasserinfrastruktur
Hinter diesem Ziel steckt erheblicher technischer Aufwand. BHP nennt unter anderem große Wasserverteilungsnetze und sogenannte Managed-Aquifer-Recharge-Bohrfelder. Dabei kann überschüssiges Wasser gezielt wieder in geeignete Grundwasserleiter eingebracht werden. Für den Konzern ist Wassermanagement damit längst nicht mehr nur eine Frage des Verbrauchs. Wasser muss abgepumpt, transportiert, verteilt und je nach Verwendungszweck entsprechend gemanagt werden. BHP hat für die Central Pilbara bereits zusätzliche Kapazitäten für die sinnvolle Nutzung von Überschusswasser vorgesehen; weitere Kapazitäten für die Eastern Pilbara sollen folgen, jeweils vorbehaltlich notwendiger Genehmigungen. Die Größenordnung des Problems dürfte mit der weiteren Entwicklung der Minen eher steigen als sinken. BHP meldete für das Geschäftsjahr 2026 eine Rekordproduktion und Rekordverschiffungen bei Western Australia Iron Ore. Die Pilbara bleibt damit eines der industriellen Zentren des globalen Eisenerzmarktes.
Rio Tinto hat das umgekehrte Problem
Nur wenige hundert Kilometer entfernt zeigt Rio Tinto, dass die Wasserfrage gleichzeitig genau in die andere Richtung gehen kann. In der West Pilbara lagen Niederschläge und Wasserzuflüsse in den vergangenen Jahren häufig unter dem langfristigen Durchschnitt. Dadurch ging die Neubildung wichtiger Grundwasserressourcen zurück. Rio Tinto und die Regierung von Western Australia treiben deshalb gemeinsam die Dampier Seawater Desalination Plant voran. Das Projekt verfügt über ein Baubudget von 1,1 Mrd. AUD und soll nach vollständiger Inbetriebnahme jährlich acht Gigaliter - also acht Milliarden Liter - entsalztes Wasser in das Versorgungssystem der West Pilbara einspeisen. Die erste Stufe soll vier Milliarden Liter jährliche Kapazität liefern, die zweite weitere vier Milliarden. Rio Tinto plant langfristig, vier Milliarden Liter pro Jahr aus der Anlage zu beziehen und damit insbesondere die Entnahme aus dem Bungaroo-Aquifer zu reduzieren.
Zu viel hier, zu wenig dort: Das eigentliche Wasserproblem des Bergbaus
Genau darin liegt die interessante übergeordnete Geschichte. Das Wasserproblem des Bergbaus besteht nicht einfach darin, dass Minen grundsätzlich zu wenig Wasser haben. Entscheidend ist vielmehr, ob Wasser in der richtigen Menge, am richtigen Ort und in der notwendigen Qualität verfügbar ist. Eine Mine kann an einem Standort große Mengen Grundwasser abpumpen müssen, während eine andere industrielle Anlage gleichzeitig auf zusätzliche Wasserquellen angewiesen ist. Hinzu kommen Prozesswasser, Abwasser und Wasser aus Bergbau- und Aufbereitungsprozessen. Je komplexer und größer die Minen werden, desto wichtiger wird deshalb die Infrastruktur zum Behandeln, Verteilen, Wiederverwenden und Bereitstellen von Wasser. Die aktuellen Projekte von BHP und Rio Tinto machen sichtbar, welchen Stellenwert dieses Thema inzwischen für zwei der größten Bergbauunternehmen der Welt besitzt.
Genau hier setzt De.mem an
Für De.mem ist diese Entwicklung interessant, obwohl das Unternehmen weder am neuen BHP-Programm noch an Rio Tintos Dampier-Projekt beteiligt ist. Eine solche Verbindung wäre nach derzeit verfügbaren Informationen nicht belegbar. Das Geschäftsmodell des Unternehmens setzt jedoch genau an der Schnittstelle zwischen Industrie und Wasser an. De.mem entwickelt und betreibt dezentrale Wasser- und Abwasseraufbereitungssysteme und verkauft darüber hinaus Membranen, Filter, Verbrauchsmaterialien und Spezialchemikalien. Anders als bei riesigen zentralen Infrastrukturprojekten liegt ein Schwerpunkt auf flexiblen Lösungen, die direkt an Industrie- und Kundenstandorten eingesetzt werden können. Gerade im Bergbau können solche Anwendungen relevant sein, weil Wasser an weit abgelegenen Standorten aufbereitet und Anlagen dauerhaft betrieben und gewartet werden müssen.
De.mem kennt die Anforderungen großer Minenkonzerne bereits
Die Verbindung zum Bergbau ist dabei nicht nur theoretischer Natur. De.mem hat bereits für große Rohstoffunternehmen gearbeitet. In früheren Unternehmensunterlagen führte De.mem unter anderem Rio Tinto, South32, Northern Star Resources und Pilbara Minerals als Kundenreferenzen im Bergbausegment auf. Mit Rio Tinto schloss De.mem beispielsweise einen Operations-&-Maintenance-Vertrag für Wasseraufbereitungsanlagen an einem Minenstandort in Queensland ab. Der über drei Jahre laufende Vertrag wurde seinerzeit mit rund 1,7 Mio. AUD angegeben. Solche Referenzen sind für ein kleines Unternehmen wichtig: Sie zeigen nicht, dass aus den aktuellen Milliardenprojekten automatisch neue Aufträge entstehen, wohl aber, dass De.mem bereits Erfahrung mit den Anforderungen großer Bergbauunternehmen besitzt.
Vom Wasseraufbereiter zum breiteren Minenzulieferer
Seit Ende 2025 hat De.mem seine Position im Bergbausektor zusätzlich erweitert. Durch die Übernahme von Core Chemicals kamen Prozesschemikalien für Goldminen und Raffineriekunden zum Portfolio hinzu. Damit kann das Unternehmen Bergbaukunden inzwischen an mehreren Stellen bedienen: von Wasser- und Abwasseraufbereitung über Betrieb und Wartung bis zu Verbrauchsmaterialien und Spezialchemikalien. Für Anleger ist diese Kombination interessant, weil viele dieser Leistungen nicht nur einmal beim Bau einer Anlage benötigt werden. Chemikalien werden verbraucht, Membranen und Filter müssen ersetzt und Wasseranlagen dauerhaft betrieben und gewartet werden. Genau daraus entsteht ein Geschäftsmodell mit einem hohen Anteil wiederkehrender Umsätze.
29 Quartale Wachstum in Folge
Operativ hat De.mem zuletzt weitere Fortschritte gemeldet. Im Juni-Quartal 2026 erreichten die Zahlungseingänge rund 9,6 Mio. AUD und lagen damit 24 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresquartal. Im gesamten ersten Halbjahr kamen die Zahlungseingänge auf rund 20 Mio. AUD. Damit hat De.mem inzwischen 29 Quartale in Folge höhere Zahlungseingänge als im jeweiligen Vorjahreszeitraum erzielt. Mehr als 90 Prozent der Umsätze stammen nach Unternehmensangaben aus wiederkehrenden Bereichen. 2025 hatte De.mem mit 29,9 Mio. AUD bereits einen Rekordumsatz erzielt, die Bruttomarge auf 43 Prozent gesteigert und mit 1,6 Mio. AUD erstmals über ein vollständiges Kalenderjahr ein positives bereinigtes EBITDA erreicht. Die positive Ergebnishistorie ist damit noch vergleichsweise kurz, die operative Entwicklung zeigt jedoch zunehmend Skalierung.
Die großen Milliardenprojekte sind kein automatischer Auftrag
Für Anleger ist trotzdem eine klare Trennung wichtig. De.mem ist ein kleines Unternehmen, während BHP und Rio Tinto globale Rohstoffkonzerne mit Milliardenbudgets sind. Aus BHPs Wassermanagement oder der 1,1 Mrd. AUD schweren Dampier-Anlage entsteht nicht automatisch Umsatz für De.mem. Gerade große Infrastrukturprojekte werden von zahlreichen internationalen Anlagenbauern, Ingenieurunternehmen und Wasserkonzernen umkämpft. Die Investmentthese für De.mem liegt deshalb weniger darin, eines Tages selbst eine Milliardenanlage zu bauen. Interessanter ist die Vielzahl kleinerer und wiederkehrender Aufgaben, die mit einem wachsenden Bergbausektor verbunden sind: dezentrale Wasseraufbereitung, Betrieb und Wartung, Membranersatz, Verbrauchsmaterialien und Spezialchemikalien.
Fazit: Ohne Wasser läuft auch der Rohstoffboom nicht
BHP und Rio Tinto zeigen zwei Seiten desselben Problems. BHP muss mit zunehmendem Abbau unterhalb des Grundwasserspiegels größere Mengen überschüssigen Wassers managen und will bis 2030 mindestens die Hälfte davon vorrangig einer sinnvollen Nutzung zuführen. Rio Tinto investiert gemeinsam mit Western Australia in eine Milliardenanlage, um jährlich bis zu acht Milliarden Liter Meerwasser zu entsalzen und regionale Grundwasserressourcen zu entlasten. Für Anleger wird damit sichtbar, dass hinter dem globalen Rohstoffboom ein zweiter Infrastrukturmarkt wächst. Wasser muss gewonnen, behandelt, transportiert, wiederverwendet und dauerhaft gemanagt werden. De.mem (ISIN: AU000000DEM4) ist deutlich kleiner als die beiden Bergbauriesen, verfügt aber bereits über Erfahrungen mit Minenkunden und erzielt den Großteil seiner Umsätze mit wiederkehrenden Leistungen. Ob daraus langfristig ein größerer Wachstumstreiber entsteht, muss sich erst zeigen. Mit zunehmender Komplexität der Wasserprobleme in Minen könnten jene Technologien und Dienstleistungen an Bedeutung gewinnen, auf die sich De.mem spezialisiert hat.
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De.mem
ISIN: AU000000DEM4
https://www.demembranes.com
Land: Australien
Quellen:
BHP - Pilbara surplus water scheme
https://www.bhp.com/news/case-studies/2023/08/pilbara-water-scheme-success
BHP - Shared Water Challenges
https://www.bhp.com/sustainability/environment/shared-water-challenges
BHP - BHP Results for the full year ended 30 June 2026
https://www.bhp.com/news/media-centre/releases/2026/08/bhp-results-for-the-full-year-ended-30-june-2026
Rio Tinto - Rio Tinto and WA Government sign agreements with Yindjibarndi WaterCo for proposed sale of Dampier Seawater Desalination Plant
https://www.riotinto.com/en/news/releases/2026/rio-tinto-and-wa-government-sign-agreements-with-yindjibarndi-waterco-for-proposed-sale-of-dampier-seawater-desalination-plant
Rio Tinto - Rio Tinto and WA Government partner to expand Dampier Seawater Desalination Plant
https://www.riotinto.com/en/news/releases/2026/rio-tinto-and-wa-government-partner-to-expand-dampier-seawater-desalination-plant
De.mem - June Quarter 2026 Quarterly Activities Report / Appendix 4C
https://financialfilings.com/filings/demem-limited/interim-quarterly-report/2026/49596450/
De.mem - 2025 Appendix 4E and Annual Report
https://company-announcements.afr.com/asx/dem/8afb4fe5-1374-11f1-afe3-ce9fdc684290.pdf
De.mem - Investor Presentation / Mining Customer References
https://announcements.asx.com.au/asxpdf/20220728/pdf/45c87vhwzl0sn7.pdf
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