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Das menschliche Nervensystem schützt sein empfindlichstes Organ mit einer außergewöhnlich wirksamen Barriere. Eine häufig zitierte wissenschaftliche Übersichtsarbeit schätzt, dass mehr als 98 Prozent der kleinen Wirkstoffmoleküle und praktisch alle großen biologischen Wirkstoffe die Blut-Hirn-Schranke nicht ohne Weiteres passieren. Für die Arzneimittelentwicklung ist das ein gewaltiger Engpass: Ein Wirkstoff kann im Labor hochwirksam sein - wenn er sein Zielgewebe nicht in ausreichender Konzentration erreicht, bleibt sein therapeutischer Nutzen begrenzt.
Die Blut-Hirn-Schranke besteht aus eng verbundenen Gefäßzellen und weiteren biologischen Schutzmechanismen. Sie hält Krankheitserreger und viele schädliche Substanzen fern, blockiert dabei aber auch potenzielle Medikamente. Im Rückenmark übernimmt die Blut-Rückenmark-Schranke eine vergleichbare Funktion. Deshalb arbeiten große Pharmakonzerne, spezialisierte Biotech-Unternehmen und junge Plattformgesellschaften an unterschiedlichen Transportsystemen. Roche, Denali Therapeutics und NurExone stehen beispielhaft für drei Ansätze.
Roche schickt Antikörper per "Shuttle" ins Gehirn
Roche Holding AG (ISIN: CH1499059XXX) entwickelt mit Trontinemab einen bispezifischen Antikörper gegen Amyloid-beta für die Alzheimer-Krankheit. Ein Teil des Moleküls bindet an den Transferrinrezeptor 1, der wie eine molekulare Eintrittsstelle genutzt werden soll. Die sogenannte Brainshuttle-Technologie soll den Antikörper effizienter über die Blut-Hirn-Schranke transportieren.
In einer frühen klinischen Studie lagen die Amyloidwerte nach 28 Wochen bei 91 Prozent der Teilnehmer der 3,6-mg/kg-Gruppe unter dem definierten PET-Schwellenwert. Das ist ein Biomarkerergebnis und noch kein Beweis für einen klinischen Nutzen. Roche prüft Trontinemab deshalb in Phase-III-Studien, in denen Kognition und Alltagsfunktion entscheidend werden.
Denali zeigt, dass aktiver Transport bis zur Zulassung kommen kann
Denali Therapeutics Inc. (ISIN: US24823R1059) nutzt ebenfalls den Transferrinrezeptor, koppelt daran aber je nach Programm unterschiedliche biologische Wirkstoffe. Im März 2026 erhielt AVLAYAH eine beschleunigte FDA-Zulassung für neurologische Manifestationen des Hunter-Syndroms bei bestimmten pädiatrischen Patienten.
Nach Unternehmensangaben ist es das erste zugelassene Medikament einer entstehenden Wirkstoffklasse, die den Transferrinrezeptor zur Überwindung der Blut-Hirn-Schranke einsetzt. Im ersten vollständigen Verkaufsquartal erzielte das Produkt 3,6 Millionen US-Dollar Nettoumsatz. Für die Liefertechnologie ist das ein wichtiger Realitätscheck - aber keine Abkürzung für andere Plattformen, Indikationen oder Wirkstoffe.
NurExone setzt auf natürliche Transportvesikel
NurExone Biologic Inc. (ISIN: CA67059R1091) verfolgt einen anderen Weg. Die ExoTherapy-Plattform nutzt aus mesenchymalen Stammzellen gewonnene Exosomen, also natürliche Vesikel, die biologische Fracht zwischen Zellen transportieren. Sie werden nach ihrer Herstellung gezielt mit einem Wirkstoff beladen.
Der führende Kandidat ExoPTEN wird für akute traumatische Rückenmarksverletzungen entwickelt und enthält eine gegen PTEN gerichtete siRNA. Die Einordnung des Unternehmens bleibt dennoch klar: Im Zentrum steht eine Exosomen-basierte Transport- und Therapieplattform, nicht die Zugehörigkeit zur Gruppe klassischer RNA-Unternehmen.
In einer 2024 gemeldeten präklinischen Untersuchung wurden markierte ExoPTEN-Partikel nach der Verabreichung am verletzten Rückenmark von Ratten nachgewiesen - auch bei einer Gabe mehrere Tage nach der Verletzung. Diese Verteilung liefert einen Hinweis auf die Fähigkeit der Vesikel, das geschädigte Gewebe zu erreichen. Sie belegt jedoch weder Sicherheit noch Wirksamkeit beim Menschen.
Auch unterscheidet sich NurExones vorgesehene intrathekale Verabreichung, bei der das Präparat in den Liquorraum gegeben werden soll, deutlich von einer systemischen Passage durch die Blut-Hirn-Schranke.
Drei Plattformen, dieselbe Kernfrage
Roche und Denali konstruieren molekulare Shuttles, die einen vorhandenen Rezeptor als Eingang nutzen. NurExone untersucht Exosomen als natürliche Transportkörper in Verbindung mit einer lokalen Verabreichung. Die Unternehmen sind daher keine direkten Wettbewerber. Sie illustrieren vielmehr, wie unterschiedlich dasselbe Problem gelöst werden kann: Nicht allein die biologische Fracht entscheidet, sondern auch deren Weg zum Ziel.
Für NurExone folgt daraus ein anspruchsvoller Prüfplan. Das Unternehmen muss zeigen, dass Exosomen reproduzierbar hergestellt und beladen werden können, dass sie den Wirkstoff am vorgesehenen Ort abgeben und dass ExoPTEN in klinischen Studien sicher ist und einen messbaren Nutzen bietet.
Denali zeigt, dass Transporttechnologie regulatorisch relevant werden kann. Roche zeigt, welche klinische Tiefe anschließend erforderlich ist. Für NurExone beginnt dieser Nachweisweg erst noch.
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NurExone Biologic Inc.
ISIN: CA67059R1091
Land: Israel & Kanada
www.nurexone.com
Quellen / Sources
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2756824
https://www.roche.com/media/releases/med-cor-2025-07-28
https://clinicaltrials.gov/study/NCT07169578
https://investors.denalitherapeutics.com/news-releases/news-release-details/denali-therapeutics-reports-second-quarter-2026-financial
https://nurexone.com/nurexone-demonstrates-extended-therapeutic-window-of-exopten-post-spinal-cord-injury-in-preclinical-study/
https://nurexone.com/wp-content/uploads/2026/05/NRX-Initiating-Coverage_-A-Novel-Exosome-Platform-at-the-Frontier-of-CNS-Regeneration-May-21-2026.pdf
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