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500 Tonnen, 25 Kunden, US-Drohnen: First-Graphene-CEO Michael Bell über die nächsten 12 Monate

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First Graphene hat in wenigen Monaten mehrere neue Türen geöffnet. In den USA kommen nach der Übernahme von MITO Material Solutions inzwischen erste Wiederholungsbestellungen herein. Mehr als 25 übernommene Kundenprojekte befinden sich in fortgeschrittenen Testphasen. In China markieren 200 und 500 Tonnen PureGRAPH CEM konkrete Schwellen auf dem Weg zu einer möglichen lokalen Produktion. Gleichzeitig führt CEO Michael Bell Gespräche mit US-Herstellern von Drohnenbauteilen und sieht bei DARPA Interesse an graphenverstärkten Verbundwerkstoffen.

Im Interview mit Dr. Reuter Investor Relations beschreibt Bell damit keine einzelne große Wette. Vielmehr entstehen drei unterschiedlich schnelle Wachstumspfade: kurzfristigere Umsätze mit etablierten Produkten, ein potenziell großvolumiges Zementgeschäft in China und deutlich kleinere, dafür höherpreisige Anwendungen in Luftfahrt und Verteidigung.

Aus der MITO-Übernahme kommen bereits weitere Bestellungen

First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) hat mit MITO nicht nur Technologie und Produktlinien übernommen. Der vielleicht wichtigere Teil der Transaktion war ein bestehender Kundenstamm, der die Materialien bereits getestet oder sogar in fertige Produkte integriert hatte.

Nach Bells Aussage zeigt sich nun, dass diese Beziehungen den Eigentümerwechsel teilweise überstanden haben. "Wir haben inzwischen einige Bestellungen aus der MITO-Übernahme erhalten", erklärt der CEO. Besonders weit seien Anwendungen bei Sportgeräten wie Skiern, Snowboards und Angelruten.

Noch wichtiger ist ein zweiter Satz: "Eine Reihe dieser Kunden kauft einfach kontinuierlich weiter." Für Bell validieren die Bestellungen damit den übernommenen Kundenstamm und liefern First Graphene zusätzliche Umsätze, die in den kommenden Monaten stärker sichtbar werden sollen.

Das ist keine Umsatzexplosion über Nacht. Der strategische Unterschied ist jedoch erheblich: First Graphene muss bei diesen Kunden nicht mehr beweisen, dass Graphen grundsätzlich funktioniert. Das Material befindet sich bereits in validierten Anwendungen.

25 Kunden sind nicht 25 gleich schnelle Chancen

Neben den bestehenden Abnehmern brachte MITO eine Pipeline mit mehr als 25 Kunden in fortgeschrittenen Testphasen mit. Doch Bell warnt im Interview indirekt davor, diese Zahl wie ein Auftragsbuch zu behandeln.

Ein Teil der Projekte betrifft weitere Sportprodukte wie Lacrosse- oder Eishockeyschläger. Dort seien die Entwicklungszyklen vergleichsweise kurz, weil die Anwendungen weniger sicherheitskritisch sind. Für diese Gruppe erwartet der CEO bereits in der frühen Phase der kommenden zwölf Monate Fortschritte von Tests hin zur Produktion.

Ganz anders sieht es bei Transport, Luftfahrt und Verteidigung aus. Hier müssen neue Materialien deutlich umfangreichere Prüf- und Freigabeprozesse durchlaufen. Dafür können diese Anwendungen langfristig eine andere wirtschaftliche Qualität besitzen.

Hinzu kommt eine technische Besonderheit. First Graphene entscheidet bei jedem übernommenen Projekt neu, ob das funktionalisierte PureGRAPH E-GO aus dem MITO-Portfolio oder klassisches PureGRAPH besser geeignet ist. Beide Materialien erfüllen unterschiedliche Aufgaben und bewegen sich nach Bell auch in unterschiedlichen Preissegmenten.

Die Übernahme erweitert deshalb nicht nur die Zahl der Kunden. Sie vergrößert auch den Werkzeugkasten, mit dem First Graphene einzelne Anwendungen adressieren kann.

Bei 200 Tonnen beginnt in China die nächste Stufe

Noch größer sind die möglichen Mengen im Zementgeschäft. First Graphene hat mit Sixth Element Material Technology eine Vereinbarung für den chinesischen Markt geschlossen. Anders als bei vielen frühen Absichtserklärungen enthält sie konkrete Mengenschwellen. Zunächst soll Sixth Element die bereits vorliegenden Ergebnisse mit PureGRAPH CEM selbst validieren. Anschließend wäre der Übergang zu einer Vertriebsvereinbarung vorgesehen.

Danach wird es interessant. "Sobald 200 Tonnen unseres Zementprodukts gekauft und vertrieben wurden, beginnen wir mit den Verhandlungen über eine Lizenz- oder Joint-Venture-Struktur für die Produktion in China", erklärt Bell. Bei 500 Tonnen würde diese nächste Stufe nach dem derzeitigen Plan aktiviert und eine lokale Fertigung aufgebaut.

Die Schwellen besitzen damit eine doppelte Funktion. Sie testen die reale Nachfrage, bevor First Graphene Kapital und Ressourcen für eine neue Produktionsstruktur bindet. Gleichzeitig geben sie dem Unternehmen einen klaren Punkt vor, ab dem ein reines Exportmodell nicht mehr ausreichen soll.

"500 Tonnen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein"

Besonders interessant ist Bells Einordnung der Größenordnung: "200 oder 500 Tonnen sind im Zement- und Betonbereich nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt der CEO. In einer Industrie, die ihre Rohstoffe in Millionen und Milliarden Tonnen misst, seien solche Mengen vergleichsweise klein.

Für First Graphene wären sie dagegen erheblich. Das Unternehmen weist für sein Werk im australischen Henderson derzeit eine etablierte Produktionskapazität von rund 100 Tonnen Graphen pro Jahr aus. Bell bestätigt im Interview deshalb offen, dass 200 oder 500 Tonnen über der aktuellen Kapazität liegen würden.

Nach seiner Einschätzung wären Anpassungen notwendig, um diese Größenordnung bedienen zu können. Gerade deshalb soll der chinesische Markteintritt stufenweise erfolgen. First Graphene möchte die Kapazität erst dann erweitern beziehungsweise Produktion lokalisieren, wenn sich Nachfrage und Partnerschaft als belastbar erwiesen haben.

Dieser Punkt macht die China-Strategie deutlich konkreter als die bloße Aussicht auf den größten Zementmarkt der Welt. 200 und 500 Tonnen werden zu messbaren Schwellen, an denen sich Fortschritte nachvollziehen lassen.

Von Sportgeräten zu US-Drohnen

Während China potenziell ein Volumengeschäft darstellt, verfolgt First Graphene im US-Verteidigungsmarkt fast die entgegengesetzte Logik.

Bell berichtet von Gesprächen mit Herstellern struktureller Komponenten für Drohnen. Dort geht es nicht um hunderte Tonnen eines möglichst günstigen Additivs, sondern um kleine Mengen hoch spezialisierter Materialien, bei denen mechanische Leistung und Zuverlässigkeit wesentlich stärker ins Gewicht fallen.

"Das stärkste Interesse sehen wir derzeit bei strukturellen Verbundbauteilen im Aerospace-Bereich", erklärt Bell. Graphen könne dort insbesondere Festigkeit und Haltbarkeit der Verbundmaterialien verbessern.

Die MITO-Übernahme passt in diese Strategie. Funktionalisiertes Graphen kann gezielt an Harzsysteme und Composite-Materialien angepasst werden, wie sie in anspruchsvollen Leichtbaustrukturen eingesetzt werden.

Bell beschreibt das Geschäftsmodell entsprechend klar: Bei solchen Anwendungen gehe es um "kleinere Mengen von Produkten mit einem hohen Dollarwert". Ein Zementkunde und ein Defence-Kunde könnten damit kaum unterschiedlicher sein - obwohl beide Graphen einsetzen.

DARPA ist noch kein Kunde - aber ein Türöffner

First Graphene hat darüber hinaus eine Bewerbung bei der Defense Advanced Research Projects Agency eingereicht. Bell stellt im Interview ausdrücklich klar, dass DARPA in erster Linie eine Forschungsorganisation ist und eine Einreichung nicht mit einem kommerziellen Auftrag gleichgesetzt werden darf.

Die Beziehung sei allerdings nicht neu. First Graphene habe in den vergangenen drei bis vier Jahren wiederholt auf Informationsanfragen der Behörde reagiert und DARPA die möglichen Eigenschaften seiner Materialien vorgestellt.

Der aktuelle Fokus liege besonders auf strukturellen Aerospace-Composites. Parallel dazu führten Bells jüngste Reisen in die USA zu direkten Gesprächen mit Herstellern von Drohnenstrukturen. Forschung und kommerzielle Industrie könnten sich damit zunehmend überschneiden.

"Diese beiden Bereiche werden sich verbinden und sich in den kommenden sechs bis zwölf Monaten weiterentwickeln", erwartet Bell.

Auch das ist bewusst keine Umsatzprognose. Es liefert aber einen weiteren Zeitraum, an dem sich die Entwicklung künftig messen lässt.

Die nächsten zwölf Monate werden konkreter

Das Interessante an Bells Aussagen ist weniger eine einzelne spektakuläre Prognose als die zunehmende Messbarkeit des Geschäfts.

In den USA lässt sich beobachten, ob aus den mehr als 25 fortgeschrittenen MITO-Projekten weitere Serienkunden entstehen und bestehende Kunden erneut bestellen. In China markieren 200 Tonnen den Beginn möglicher Lizenz- oder Joint-Venture-Verhandlungen und 500 Tonnen die Schwelle zu einer lokalen Produktion. Im Verteidigungs- und Luftfahrtgeschäft muss sich zeigen, ob aus DARPA-Kontakten und Gesprächen mit Drohnenherstellern konkrete Entwicklungsprogramme hervorgehen.

Die drei Märkte könnten unterschiedlicher kaum sein. Sportartikel können innerhalb weniger Monate den Weg in die Produktion finden. Zement benötigt enorme Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen. Defence und Aerospace verlangen lange Qualifizierungsprozesse, erlauben dafür aber höherwertige Spezialprodukte.

Genau darin liegt die eigentliche Aussage des Interviews: First Graphene versucht nicht mehr, für Graphen den einen großen Markt zu finden. Das Unternehmen baut parallel unterschiedliche kommerzielle Wege auf - und für mehrere davon hat Michael Bell inzwischen Zahlen und Zeitfenster genannt, an denen sich der Fortschritt überprüfen lässt.


Quellen:

https://www.prnewswire.com/apac/news-releases/fgr-accelerates-usa-expansion-defence-sector-exposure-with-strategic-acquisition-of-mito-material-solutions-302790896.html
https://www.eqs-news.com/news/corporate/fgr-to-launch-puregraph-cem-into-china/8b20d669-44f8-4183-9fd6-993d54407b05_en
https://firstgraphene.net/about-us/
https://firstgraphene.net/investors/investor-presentations/

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First Graphene Limited
Land: Australien
ISIN: AU000000FGR3
First Graphene - First Graphene

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Enthaltene Werte: AU000000FGR3

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