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Korrosionsschutz gilt als klassisches Materialgeschäft. Stahlplatte, Beschichtung, Salz, Feuchtigkeit - und am Ende entscheidet ein Labortest darüber, welche Formulierung besser schützt. Doch ausgerechnet bei der Auswertung dieser hochentwickelten Beschichtungen arbeitet die Industrie teilweise noch mit Verfahren, die sich seit mehr als 25 Jahren kaum verändert haben.
Sparc Technologies (ISIN: AU0000115750) will genau dort ansetzen. Gemeinsam mit dem Australian Institute for Machine Learning entwickelt das Unternehmen eine Software, die mithilfe von Computer Vision und maschinellem Lernen Korrosion auf Testplatten automatisch erkennen und vermessen soll. Nach Angaben von Sparc benötigt ein erfahrener Techniker für die manuelle Auswertung eines einzelnen Ergebnisses derzeit rund 40 Minuten. Die KI soll dieselbe Aufgabe innerhalb von Sekunden erledigen können.
Warum ausgerechnet die Messung zum Flaschenhals wird
Bei standardisierten Korrosionstests wird eine Beschichtung häufig gezielt eingeritzt. Anschließend kommt die Probe über Wochen oder Monate in eine aggressive Testumgebung, damit sich Korrosion beschleunigt entwickelt. Gemessen wird schließlich, wie weit sich der Rost von dieser künstlichen Beschädigung unter die Beschichtung ausgebreitet hat.
Das Problem liegt in der Auswertung. Die Grenze zwischen intakter und korrodierter Beschichtung wird heute häufig visuell beurteilt und anschließend manuell vermessen. Damit fließen zwangsläufig menschliche Einschätzungen in das Ergebnis ein. Sparc beschreibt den Prozess als arbeitsintensiv, zeitaufwendig und teilweise subjektiv.
Für ein Unternehmen wie Sparc besitzt das direkte Bedeutung. ecosparc wurde über Jahre in zahlreichen Epoxidbeschichtungen getestet. Allein die aktuelle Datenbasis umfasst neun Runden zyklischer Korrosionstests nach ISO-Standards und mehr als 4.000 Testplatten. Je größer dieser Datensatz wird, desto stärker wächst auch der Aufwand bei Auswertung und Dokumentation.
AkzoNobel zeigt, wohin digitale Beschichtungsprüfung führt
Dass die Branche zunehmend auf digitale Analyse setzt, zeigt AkzoNobel (ISIN: NL0013267909). Im Aerospace-Geschäft hat der niederländische Konzern sein Aerofleet Coatings Management um ein drohnenbasiertes Inspektionssystem erweitert. Hochauflösende Bilder und Sensoren erfassen unter anderem Schichtdicke, Glanz und Farbwerte; Software verarbeitet diese Informationen anschließend zu einem umfassenderen Bild über den Zustand einer Flugzeugbeschichtung.
Die Idee dahinter ähnelt Sparcs Ansatz, obwohl die konkrete Anwendung eine andere ist. Statt lediglich auf regelmäßige manuelle Kontrollen zu vertrauen, werden standardisierte Daten erzeugt und digital ausgewertet. Dadurch soll besser entschieden werden können, wann eine Beschichtung tatsächlich erneuert werden muss.
Für AkzoNobel geht es um Flugzeugwartung, für Sparc zunächst um Forschung und Entwicklung im Labor. Beide Beispiele zeigen jedoch denselben Trend: Beschichtungen werden zunehmend nicht nur chemisch verbessert, sondern auch digital gemessen, bewertet und vorhergesagt.
PPG macht Daten ebenfalls zum Teil des Beschichtungsgeschäfts
Auch PPG Industries (ISIN: US6935061076) erweitert sein klassisches Farbengeschäft um Software. Mit AiM Digital und AiM Automate bietet der Konzern digitale Systeme für Lackier- und Beschichtungsprozesse an. Sensoren überwachen dabei beispielsweise Leitfähigkeit, Temperatur, Viskosität oder Feststoffgehalt von Elektrotauchlackierungen, während Software Abweichungen erkennen und Warnungen ausgeben kann.
Zusätzlich arbeitet PPG an automatisierter Fehlererkennung. Kameras, Robotersysteme und Software sollen Oberflächendefekte identifizieren, klassifizieren und deren Entwicklung verfolgen. Damit wird aus einem traditionell chemischen Industrieprodukt zunehmend ein datengetriebenes System.
Diese Entwicklung ist für Sparc bemerkenswert. Das Unternehmen arbeitet bereits mit mehreren großen Beschichtungsherstellern und besitzt dadurch direkten Zugang zu einem Markt, in dem solche digitalen Werkzeuge eingesetzt werden können. Die KI-Software wäre deshalb kein völlig fremdes neues Geschäftsfeld, sondern eine Erweiterung der vorhandenen Beschichtungsexpertise.
850 Labore könnten der adressierbare Markt sein
Sparc schätzt, dass weltweit etwa 850 Labore bei Beschichtungsherstellern, Testhäusern, Forschungseinrichtungen und Endkunden relevante Korrosionsprüfungen durchführen. Der Proof-of-Concept wurde bereits anhand der ISO-12944-Korrosionsauswertung demonstriert. Mehrere Unternehmen aus der Beschichtungsindustrie haben nach Sparc-Angaben Unterstützung für das Projekt signalisiert.
Die geplante Software soll dabei nicht lediglich das bisherige Messergebnis schneller liefern. Computer Vision kann eine große Anzahl Bildpunkte auswerten und damit deutlich mehr Daten erzeugen als eine einzelne manuelle Messung. Sparc erwartet dadurch konsistentere Ergebnisse, statistische Analysen und eine bessere Vergleichbarkeit verschiedener Testreihen.
Die geplante Kommerzialisierung unterscheidet sich ebenfalls grundlegend von ecosparc. Statt Kilogramm eines Additivs zu verkaufen, könnte Sparc die Software perspektivisch an Testlabore und Beschichtungsunternehmen lizenzieren. Das Unternehmen hat erklärt, dass die Entwicklung gemeinsam mit Industriepartnern erfolgen und anschließend über Softwarelizenzen skaliert werden soll.
KI könnte am Ende auch ecosparc schneller machen
O'Loughlin erklärte bei Bekanntgabe des Projekts, Sparc wolle auf seinem wachsenden Wissen über die Schutzbeschichtungsindustrie aufbauen und Forschung beschleunigen, die bislang auf "Testmethoden basiert, die seit mehr als 25 Jahren unverändert sind". Für ecosparc könnte ein solches Werkzeug unmittelbar nützlich sein.
Wenn neue Graphenqualitäten, Dosierungen oder Beschichtungsformulierungen getestet werden, muss Sparc immer wieder große Mengen an Testdaten auswerten. Je schneller und objektiver dieser Schritt funktioniert, desto schneller können weniger geeignete Varianten aussortiert und vielversprechende Formulierungen weiterentwickelt werden. Aus einer vermeintlich kleinen Prozessverbesserung könnte damit ein eigener Technologiebaustein entstehen.
Sparc würde nicht nur versuchen, bessere Schutzbeschichtungen zu ermöglichen, sondern gleichzeitig die Art verändern, wie deren Leistungsfähigkeit gemessen wird. 40 Minuten gegenüber wenigen Sekunden klingt zunächst nach einem Produktivitätsproblem im Labor. Für eine Industrie, in der einzelne Tests Monate dauern und Hunderte Formulierungen gegeneinander geprüft werden, kann genau diese Beschleunigung jedoch erhebliche Bedeutung bekommen.
Quellen:
https://data-api.marketindex.com.au/api/v1/announcements/XASX%3ASPN%3A3A686399/pdf/inline/sparc-partner-with-aiml-on-ai-corrosion-assessment
https://www.akzonobel.com/en/media/media-releases/akzonobels-new-drone-inspection-tool-lifts-aircraft-paint-maintenance-to-next-level
https://www.ppg.com/en-US/autocoatings/solutions/aim-digital
https://sparctechnologies.com.au/
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