
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Zum Wochenauftakt zeigt sich die zuletzt arg gebeutelte Infineon-Aktie erholt, doch technisch sind die Anteile von SUSS MicroTec noch etwas besser aufgestellt.
Halbleiter-Aktien: Den Bärenmarkt, den niemand kommen sehen wollte!
Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte gehörten in der ersten Hälfte es Börsenjahres zu den erfolgreichsten Wetten, die der Aktienmarkt zu bieten hatte. Davon profitierten auch deutsche Unternehmen stark - DAX-Wert Infineon konnte sogar seinen uralten Kursrekord, erzielt auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, übertreffen, doch auch kleinere Chip-Werte, wie Aixtron, Elmos Semiconductor und SUSS MicroTec legten deutlich zu.
Diese Begeisterung hat sich in den vergangenen Wochen spürbar gelegt. Dafür gab es einerseits technische sowie andererseits fundamentale Gründe. Neben einer heiß gelaufenen Rallye hatte die Branche mit stark gestiegenen Unternehmensbewertungen und gleichzeitig wachsenden Sorgen, was die finanzielle Nachhaltigkeit des KI-Booms betrifft, zu kämpfen. Verluste von 40 Prozent und mehr waren die Folge. Insgesamt ging es für die Branche, gemessen am vielbeachteten Philadelphia Semiconductor Index, um mehr als 20 Prozent bergab - das entspricht technisch einem Bärenmarkt!
Erholung läuft an, vor allem SUSS MicroTec ist jetzt aussichtsreich
In den vergangenen Tagen haben Anlegerinnen und Anleger wieder neuen Mut geschöpft. Gefragt waren vor allem die Hersteller von Speicherchips, wie Micron, SanDisk und SK Hynix, sowie die CPU-Entwickler AMD und Intel, die von einer lange unterschätzten Nachfrage profitieren. Für deutsche Halbleiterwerte gestaltete sich die Ausgangslage hingegen weiterhin schwierig. Doch das könnte sich mit dem vielversprechenden Wochenauftakt ändern, neben Infineon überzeugt jetzt vor allem die Aktie von SUSS MicroTec mit einem technisch aussichtsreichen Setup.

Hohe Kursverluste nach Blow-Off-Top ...
Der Kursverlauf entspricht überwiegend dem der gesamtem Halbleiterbranche. Nach einer sich im vergangenen Jahr beschleunigten Entwicklung zündete die Aktie nach dem Jahreswechsel - durch den Beginn des Iran-Krieges nur kurzzeitig unterbrochen - den Kursturbo und konnte bis Ende Mai dynamisch auf Allzeithochs deutlich über 100 Euro ansteigen. Im Chart ist allerdings deutlich ein sogenanntes Blow-Off-Top und damit eine starke Übertreibung zu erkennen.
Die forderte in den zurückliegenden Monaten ihren Tribut. Eingeleitet von bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren, welche die Rekordnotierungen nicht mit eigenen Hochs bestätigen konnten, legte die SUSS-MicroTec-Aktie den Rückwärtsgang ein. Dabei unterschritt sie nicht nur wichtige Unterstützungen, wie die gleitenden Durchschnitte, sondern büßte gegenüber ihrem Allzeithoch bis zu 39 Prozent an Wert ein. Fundamental hat sich für das Unternehmen jedoch nur wenig geändert, vor allem die Aussichten für das kommende Jahr sind stark.
... doch die Weichen für eine Erholung sind längst gestellt
In der vergangenen Woche kam es kurzzeitig zum Unterschreiten der 200-Tage-Linie sowie einem Aufsetzen auf der Trendkanalunterkante. Das führte zu einem Rebound, der am Montag nach starken Vorgaben aus Asien sowie von US-Futures deutlich im Plus an Fahrt gewinnt. Mit einem Plus von zeitweise mehr als 6 Prozent setzte sich SUSS MicroTec an die Spitze nicht nur des TecDAX, sondern auch des deutschen Gesamtmarktindex HDAX.
Das könnte den Beginn einer anhalten Erholung markieren, denn in den technischen Indikatoren liegen bereits seit geraumer Zeit bullishe Divergenzen vor. Sowohl der Relative-Stärke-Index (RSI) als auch der Trendstärkeindikator MACD befinden sich in gegen den Trend der Aktie gerichteten Aufwärtstrends. In Kombination mit zuletzt überverkauften Zuständen, dem erfolgreichen Test der 200-Tage-Linie sowie einem MACD, der sich zumindest wieder über seine Signallinie schieben konnte, spricht das jetzt für die Chance auf eine Trendwende.
Am Montag konnte mit der Marke von 70 Euro außerdem bereits ein erster Widerstand zurückerobert und als neue Unterstützung gewonnen werden. Damit hellt sich das Chartbild auf und die Aktie dürfte sich wenigstens bis zur Abwärtstrendoberkante und damit um weitere 13 Prozent erholen können. Gelingt ihr dann der Ausbruch aus Trendkanal, dürfte eine neue Rallye in Richtung 100 Euro starten. Vollständig aus dem Schneider ist das Papier allerdings noch nicht. Das nachhaltige Unterschreiten der 200-Tage-Linie sowie ein Ausbruch nach unten bei etwa 60 Euro könnte für weitere Verluste sorgen.
Fazit: Attraktive Bewertung, vor allem gegenüber dem Branchendurchschnitt
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung präsentiert sich SUSS MicroTec vorteilhafter als Infineon. Für 2026 sind beide Werte nicht günstig - bei Infineon steht ein KGVe von 43,5 und für SUSS MicroTec von 38,5 zu Buche - doch die Gewinne sollen im kommenden Jahr dynamisch anwachsen. Hier verfügt SUSS MicroTec mit einem KGVe 2027 von 17,3 (Infineon: 23,2) deutliche Bewertungsvorteile. Gegenwärtig liegt der Branchendurchschnitt bei 22,9.
Angesichts der kerngesunden Unternehmensfinanzen mit faktischer Schuldenfreiheit ist SUSS MicroTec auch beim EV/EBITDA-Verhältnis als sehr günstig einzuschätzen, dieses liegt für 2027 bei 10,2 und damit fast um 40 Prozent unter dem Branchendurchschnitt von 14,3. Solange SUSS MicroTec die Erwartungen der Analystinnen und Analysten wenigstens treffen und die Aktie ihr gegenwärtig aussichtsreiches Setup nutzen kann, dürfte es für die Aktie mittelfristig wieder bergauf gehen.
Gastautor: Max Gross
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