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Im Bergbau entscheiden oft unscheinbare Komponenten über Millionenbeträge. Siebe, Verschleißauskleidungen, Fördersysteme, Pumpen oder Rohrleitungen müssen permanent Abrieb, Hitze und hohen mechanischen Belastungen standhalten. Fällt eine solche Komponente aus, können Stillstand und Reparaturen schnell teuer werden.
Genau hier könnte sich für Graphen ein neuer industrieller Markt öffnen. First Graphene verkauft sein PureGRAPH inzwischen an Pacific Urethanes, das den Werkstoff in Polyurethanformulierungen für Hersteller von Bergbau- und Mineralverarbeitungsanlagen integriert. Far East Capital sieht darin einen möglichen Zugang zu einem weltweiten Markt für Urethan-Bergbauprodukte von rund 2,6 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Das Interessante daran: Graphen muss damit nicht mehr nur beweisen, was es im Labor kann. Es muss zeigen, ob sich seine Eigenschaften in einem großen, anspruchsvollen Industriemarkt wirtschaftlich nutzen lassen.
Warum der Bergbau ein interessanter Testmarkt ist
Polyurethan kommt im Bergbau unter anderem dort zum Einsatz, wo Materialien starken Belastungen ausgesetzt sind. First Graphene zufolge kann die Zugabe von PureGRAPH Eigenschaften wie Abriebfestigkeit, Haltbarkeit und Feuerbeständigkeit verbessern.
Gerade der Brandschutz ist relevant. Far East Capital verweist darauf, dass Polyurethan-Siebe bei Wartungsarbeiten durch heiße Metallteile entzündet werden können. In Tests habe die Zugabe von Graphen die Entzündungsbedingungen deutlich verändert und zugleich den Verschleiß reduziert.
Für Bergbauunternehmen liegt die wirtschaftliche Logik auf der Hand: Längere Lebensdauer und höhere Feuerbeständigkeit könnten Wartungsaufwand und Ausfallrisiken reduzieren. Ob und in welchem Umfang sich diese Vorteile im großflächigen kommerziellen Einsatz realisieren lassen, muss sich allerdings erst zeigen.
Und genau hier liegt die eigentliche Graphen-Geschichte.
Das Problem war bislang nicht das Material
Graphen wird seit Jahren wegen seiner außergewöhnlichen Eigenschaften diskutiert. Trotzdem verlief die kommerzielle Einführung langsamer, als es die frühen Erwartungen vermuten ließen.
Far East Capital bringt das Problem auf einen einfachen Nenner: Technische Vorteile allein reichen nicht. Kunden müssen bereit sein, neue Materialien in bestehende Prozesse zu integrieren. Bei früheren Ansätzen von First Graphene sei gerade diese Hürde ein Problem gewesen.
Die Zusammenarbeit mit Pacific Urethanes setzt deshalb an einer anderen Stelle der Wertschöpfungskette an. PureGRAPH wird bereits vom Polyurethanhersteller in die Formulierung integriert. Hersteller beziehungsweise Endkunden erhalten damit ein graphene-modifiziertes Material, ohne selbst einen zusätzlichen Graphen-Verarbeitungsschritt etablieren zu müssen.
Sollte dieses Modell funktionieren, könnte genau diese Einfachheit wichtiger sein als manche technische Rekordzahl.
First Graphene hat die Produktionsbasis bereits aufgebaut
First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) befindet sich dabei nicht mehr ausschließlich in der Forschungsphase. Laut Unternehmenspräsentation verfügt das Unternehmen über eine kommerzielle Graphen-Produktionsanlage mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 100 Tonnen pro Jahr.
First Graphene nennt außerdem mehr als 35 aktive kommerzielle Kunden und ein Vertriebsnetz in über 20 Ländern. PureGRAPH wird für Anwendungen in Zement und Beton, Elastomeren, Polymeren, Beschichtungen, Verbundwerkstoffen sowie Energieanwendungen entwickelt beziehungsweise bereits eingesetzt.
Der Auftrag von Pacific Urethanes ist deshalb besonders interessant: Er verbindet vorhandene Produktionskapazität mit einem konkreten industriellen Absatzkanal.
Allerdings sollte die Größenordnung des Endmarktes nicht mit dem Umsatzpotenzial von First Graphene gleichgesetzt werden. Die von Far East Capital genannten 2,6 Milliarden US-Dollar beziehen sich auf den globalen Markt für Urethan-Bergbauprodukte - nicht auf einen für First Graphene erreichbaren Umsatz. Entscheidend wird sein, welche PureGRAPH-Mengen tatsächlich benötigt werden und ob weitere Kunden folgen.
10 Millionen US-Dollar für einen weiteren Graphen-Spezialisten
Parallel dazu kommt ein weiteres Signal aus Australien. Graphene Manufacturing Group (ISIN: AU0000139990) hat eine Privatplatzierung über rund 10 Millionen US-Dollar vereinbart. Ein privater Investor will 6.465.336 Aktien zu 2,15 C$ je Aktie zeichnen.
GMG plant, das Kapital unter anderem für die Skalierung seiner Graphen- und Flüssiggraphen-Produktion, den Ausbau der Batteriezellkapazität und die Kommerzialisierung flüssiger Graphenprodukte einzusetzen. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung der TSX Venture Exchange.
Zwischen GMG und First Graphene besteht auf Basis der vorliegenden Informationen keine kommerzielle Verbindung. Für First Graphene ist die Finanzierung deshalb kein direkter wirtschaftlicher Vorteil. Sie liefert jedoch einen weiteren Datenpunkt dafür, dass Investoren bereit sind, erhebliches Kapital in die industrielle Skalierung von Graphen zu investieren.
Fazit
Ein neuer "Goldrausch" wäre für den Graphenmarkt noch ein großes Wort. Doch im Bergbau entsteht derzeit ein interessanter kommerzieller Testfall. First Graphene liefert PureGRAPH an Pacific Urethanes, das den Werkstoff in Polyurethanformulierungen für Anwendungen wie Siebe, Verschleißauskleidungen, Pumpen und Rohrleitungen integriert. Far East Capital sieht damit einen Zugang zu einem globalen Urethan-Bergbaumarkt von rund 2,6 Milliarden US-Dollar jährlich.
Gleichzeitig zeigt die 10-Millionen-US-Dollar-Finanzierung von GMG, dass auch andernorts Kapital in die Skalierung und Kommerzialisierung von Graphen fließt. Eine direkte Verbindung zu First Graphene besteht daraus nicht.
Für First Graphene beginnt nun die entscheidende Phase: Aus einem Produktionsauftrag müssen wiederkehrende Bestellungen, größere Mengen und zusätzliche Anwendungen entstehen. Die Produktionskapazität ist vorhanden - jetzt muss der Markt zeigen, wie viel davon tatsächlich gebraucht wird. Genau dort entscheidet sich, ob der Graphen-Boom im Bergbau mehr wird als nur eine spannende Materialgeschichte.
Quellen:
http://www.fareastcapital.com.au/newsletter.asp?id=753&pv=1
https://firstgraphene.net/category/news
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