Die deutschen Immobilienaktien geraten erneut massiv unter Druck. Der DAXsubsector All Real Estate ist von seinem Jahreshoch bei 162,50 Punkten Ende Februar inzwischen um rund ein Drittel auf unter 110 Punkte eingebrochen. Allein innerhalb eines Monats summiert sich das Minus auf 11 Prozent. Auslöser ist vor allem die Zinsentwicklung: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte zuletzt mit 3,57 Prozent den höchsten Stand seit 2009. Gleichzeitig erhöhte die EZB ihren Einlagenzins auf 2,50 Prozent, während die US-Notenbank den Leitzins auf 3,75 bis 4,00 Prozent anhob.
Selbst operativ solide Unternehmen können sich diesem Umfeld kaum entziehen. Vonovia steigerte das bereinigte EBITDA im ersten Halbjahr bei einem organischen Mietwachstum von 3,6 Prozent und lediglich 2,3 Prozent Leerstand um 2 Prozent auf 1.456,5 Mio. Euro. Wegen der höheren Finanzierungskosten sank das bereinigte Vorsteuerergebnis dennoch um 3 Prozent auf 962 Mio. Euro. Die Aktie verlor innerhalb von drei Monaten fast 14 Prozent. Neben dem Zinsdruck belasten zudem die erneut aufflammende Forderungen nach einer Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Von diesen abstrusen Bestrebungen, die nach der Berliner Wahl weiteren Auftrieb erfahren dürften, wäre Vonovia mit dem umfangreichen Berliner Portfolio besonders betroffen.
Noch stärker erwischte zuletzt es Aroundtown. Die Aktie des Gewerbeimmobilienkonzerns büßte in drei Monaten rund 25 Prozent ein, obwohl das Unternehmen seine im Frühjahr angehobene Prognose nach dem Halbjahr bestätigte. Allerdings sank der FFO I trotz stabiler Mieteinnahmen um 4 Prozent auf 143,8 Mio. Euro. Gleichzeitig erschweren die höheren Zinsen die laufende Entschuldung und die geplante Portfoliobereinigung. Ausschlaggebend ist hier wohl das im Portfolio stark vertretene Bürosegment, in dem die Nachfrage am Vermietungs- und Investmentmarkt schwach bleibt.
Dass die Börse durchaus differenziert, zeigt die HAMBORNER REIT AG. Zwar entfallen auch hier noch rund 40 Prozent des Portfoliowerts auf Büroimmobilien, doch der Schwerpunkt soll künftig stärker auf Einzelhandelsobjekten und insbesondere Nahversorgern liegen. Mit einem Loan-to-Value von 45,2 Prozent und einer Eigenkapitalquote von 53,9 Prozent kann HAMBORNER zudem diesen Umbau ohne übermäßigen Zeitdruck vorantreiben. Der FFO sank im ersten Halbjahr zwar um 4 Prozent auf 23,8 Mio. Euro, auf Dreimonatssicht gab die Aktie aber lediglich 6 Prozent nach. Analysten bestätigten nach den Zahlen ihre Kaufempfehlungen mit deutlich höheren Kurszielen.
Eine der wenigen Wachstumsstorys im Sektor bietet BENO Holding. Der Spezialist für Light-Industrial-Immobilien will sein Portfolio von rund 90 auf 300 Mio. Euro ausbauen. Neben Mieteinnahmen setzt das Unternehmen auf die Neupositionierung seiner Objekte und zusätzliche Erlösquellen wie Photovoltaik. Ein entsprechendes Projekt trug im letzten Jahr maßgeblich zur Verbesserung des FFO von -0,07 auf 2,25 Mio. Euro bei. Auch der jüngste Erwerb in Roth bei Nürnberg erscheint mit dem 8,6-Fachen der vereinbarten Jahresnettokaltmiete attraktiv kalkuliert.
Der Kursrückgang hat zahlreiche Immobilienaktien optisch verbilligt und die Dividendenrenditen steigen lassen. Entscheidend bleibt aber, ob die Ausschüttungen bei längerfristig hohen Zinsen tragfähig sind. Vonovia verfügt über ein stabiles Kerngeschäft, während Aroundtown mit Entschuldung und Büromarktschwäche kämpft. HAMBORNER punktet mit seiner Bilanz, BENO mit Wachstumspotenzial. Gerade in der aktuellen Marktphase dürfte eine sorgfältige Auswahl deshalb wichtiger sein als eine pauschale Wette auf eine Erholung des Sektors.
(aktien-global.de, erstellt 24.09.26, 13:37 Uhr, veröffentlicht 24.09.26, 14:42 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/newssystem/impressum/)
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