28.09.2026 -
Der September zeigt mal wieder sein Gesicht als schlechter Börsenmonat. Die Anleger sind angesichts möglicher weiterer Zinserhöhungen, einem nach wie vor hohen Ölpreis und weiterhin hohen Inflationsraten verunsichert.
Fed: Nur begrenzte Fortschritte bei der InflationsbekämpfungSo signalisiert der jüngste Konjunkturbericht der US-Notenbank, das Beige Book, nur begrenzte Fortschritte im Kampf gegen die Inflation. Unternehmen berichten weiterhin von Kostendruck durch höhere Energiepreise, Zölle und steigende Ausgaben für betriebliche Krankenversicherungen. Gleichzeitig zeigt sich die US-Wirtschaft robust: Vor allem das verarbeitende Gewerbe und der Nichtwohnungsbau profitieren von Investitionen in Rechenzentren.
Europa: Hohe Gewinnexpansion erwartetUnd in Europa? Hier ist die Aktienrisikoprämie auf den niedrigsten Stand seit 2007 gefallen. Hintergrund ist der Anstieg langfristiger Staatsanleiherenditen, der den erwarteten Renditevorsprung von Aktien gegenüber Anleihen auf weniger als 3,5 Prozentpunkte reduziert hat. Das höhere Zinsniveau könnte den Bewertungsspielraum begrenzen, da steigende Kapitalmarktzinsen den Wert zukünftiger Erträge mindern. Gleichzeitig signalisiert der Renditeanstieg ein Umfeld höherer Inflation, robusten Wachstums und expansiver Fiskalpolitik, das Nachfrage, Investitionen und Unternehmensgewinne stützen kann. Analysten erwarten für die STOXX-600-Unternehmen in den Jahren 2026 bis 2028 ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von gut zwölf Prozent. Das wäre die stärkste dreijährige Gewinnexpansion in 20 Jahren.
Secunet mit Großauftrag über 1,7 Milliarden EuroDie Aussichten sehen also gar nicht so schlecht aus. Das gilt auch für ein Schwergewicht unseres Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen: secunet Security Networks. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat das IT-Sicherheitsunternehmen, das wir schon seit vielen Jahren begleiten, einen Großauftrag der Bundesregierung erhalten. Für bis zu 1,7 Milliarden Euro soll secunet die Bundeswehr mit neuer Verschlüsselungstechnik ausstatten. Das katapultiert Deutschlands führendes Cybersecurity-Unternehmen in eine ganz neue Liga. Der Kurs der Aktie legte um gut 15 Prozent zu.
Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value - 3 rein, 3 rausAnsonsten haben wir das Portfolio unseres Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value neu geordnet. Im Rahmen des quartalsweisen Rebalancings mussten Recordati, bioMérieux und Computacenter den Index und damit den ETF verlassen. Dafür wurden Air Liquide, Bureau Veritas und Amazon neu aufgenommen.
Jedes Quartal werden die 25 Titel des Index auf Basis des zu erwarteten Total Shareholder Returns (TSR) neu bewertet. Und dabei sind der italienische Pharmakonzern Recordati, der französische Spezialist für Infektionsdiagnostik bioMérieux und das britische IT-Systemhaus Computacenter aus den TOP-25 gefallen.
Bureau Veritas, die unspektakuläre PerleNeu dabei ist das weitgehend unbekannte Bureau Veritas. Das Unternehmen verkauft kein Produkt, sondern Konformität. Der französische Prüfkonzern kontrolliert in 140 Ländern Produkte, Anlagen und Schiffe auf Vorschriften und Normen. Die Nachfrage entsteht aus Gesetzen, nicht aus Konjunktur - auch in Krisenjahren blieb das Geschäft stabil. Das Unternehmen wächst, ohne viel Kapital zu binden, und verbessert seine Kapitalrendite seit Jahren kontinuierlich.
Air Liquide, der Quasi-MonopolistAir Liquide steht für eines der stabilsten Geschäftsmodelle, die es gibt. Der französische Industriegasekonzern baut seine Anlagen direkt beim Kunden, sichert sich Abnahmeverträge über viele Jahre und kann gestiegene Energiekosten weitergeben. Eine faktische Monopolstellung für jeden Standort, gebundene Kunden, kaum wegbrechende Nachfrage - rundum ein Geschäftsmodell, wie wir es lieben.
Amazon: Trump verkauft, wir greifen zuUnd finally Amazon. Der Titel war schon einmal im Index und damit im ETF. Der weltgrößte Online-Händler vereint zwei Burggräben, die wir mögen: ein Logistiknetz, das kaum nachzubauen ist, und mit AWS hohe Wechselkosten in der Cloud. Zurück in den Index kommt der Titel nicht, weil sich am Unternehmen groß etwas geändert hätte, sondern weil sich die relative Attraktivität wieder deutlich verbessert hat.
Übrigens: Mit dem Kauf von Amazon-Anteilen stehen wir im starken Kontrast zu US-Präsident Donald Trump. So hat der US-Präsident eigene Aktien von Amazon zumindest zum Teil aus seinem Portfolio geworfen. Das Volumen belief sich in einer Spanne von fünf bis 25 Millionen US-Dollar. Nun, Trump ist halt nicht gerade als Value-Investor bekannt.




