
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Die Allianz-Aktie stand in den vergangen Tagen unter erheblichem Verkaufsdruck, dadurch kam es zu ersten Verkaufssignalen. Setzt sich die Talfahrt jetzt fort?
Allianz-Aktie: Abverkauf am Anleihemarkt belastet
Für die Anlegerinnen und Anleger des Münchner Versicherungsriesen Allianz ist das Börsenjahr bislang zufriedenstellend verlaufen. Seit dem Jahresbeginn stehen Kursgewinne von etwa 6 Prozent zu Buche. Zeitweise waren es zwar deutlich mehr, doch die fielen einem empfindlichen Kurseinbruch in den vergangenen zwei Wochen zum Opfer.
Galt die Allianz lange als Profiteur steigender Anleiherenditen, entwickelte sich der hartnäckige Abverkauf insbesondere bei Staatsanleihen jetzt zum Bumerang für Unternehmen und Aktie. Neu eingenommene Versicherungsprämien können zwar zu deutlich höheren Zinsen angelegt werden, dafür aber sinkt der Wert des bereits bestehenden Anleiheportfolios. Dass Anleihen in den vergangenen Tagen auf den niedrigsten Stand seit vielen Jahren gefallen sind, traf die Allianz daher gleich doppelt, weil Tochter PIMCO einer der weltweit größten Anleiheinvestoren ist und ebenfalls mit Buchwertverlusten zu kämpfen hatte.
Aus technischer Perspektive verlief der jüngste Kursrutsch folgenreich, weil sich im Chart ein Top ergeben hat und erste wichtige Unterstützungen unterschritten wurden. Jetzt steht sogar der Aufwärtstrend zur Diskussion. Wie es weiter gehen könnte, dazu der Blick auf den Kursverlauf:

Gerät jetzt auch der langfristige Aufwärtstrend in Gefahr?
Übergeordnet befindet sich die Allianz-Aktie in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Der bildet die globale Zinswende mit steigenden Zinsen ab, welche zu deutlich höheren Unternehmenserträgen geführt haben. Gleichzeitig blieb die Schadensquote insgesamt überschaubar, auch mit Blick auf besonders teure Großschäden. Dadurch konnten sich die Anteile in den vergangenen 4 Jahren fast verdreifachen.
In diesem Jahr performte die Aktie trotz eines schwachen Jahresauftaktes und zwischenzeitlicher Volatilität im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg ebenfalls stark. Die Allianz trug angesichts ihres hohen Index-Gewichts lange zur ansprechenden Performance des deutschen Leitindex DAX bei. Schon vor dem jüngsten Kursrutsch handelte das Papier allerdings mit zunehmenden technischen Schwierigkeiten.
Grundsätzlich bedeuten Allzeithochs zwar starke Kaufsignale, doch die konnten sich bei der Allianz nicht mehr durchsetzen, da in den Indikatoren RSI und MACD schon seit Anfang Juli Abwärtstrends vorliegen, während die Aktie noch im September auf ein neues Rekordhoch klettern konnte, das mit aber unvollständig und technisch nicht bestätigt war. Solche bearishen Divergenzen gelten als Vorboten von Trendwenden.
Die Bären haben aktuell die besseren Karten
Ein solche hat sich dann nach einer Top-Bildung von Bereich von 440 bis 455 Euro umgehend eingestellt, nachdem die Aktie unter die Unterstützung bei 440 Euro und damit auch unter die 50-Tage-Linie gefallen ist, deren Unterschreiten ein erstes Kaufsignal bedeutete. Umgehend für ein zweites sorgte dann der Trendstärkeindikator, der unter die Nulllinie gefallen ist und damit jetzt einen Abwärtstrend anzeigt. Dass er gleichzeitig weit auch unter seiner Signallinie liegt, zeigt außerdem, dass der Abwärtstrend gegenwärtig an Fahrt gewinnt.
Diese Konstellation könnte sich noch als folgenreich erweisen, weil gegenwärtig die Aufwärtstrendlinie der Anfang März gestarteten Kaufwelle zur Diskussion steht. Sollte diese nachhaltig, also mindestens auf Wochenschlusskursbasis, unterschritten werden, was noch am Freitag der Fall sein könnte, dürfte die Allianz-Aktie bis zum nächsten Unterstützungsbereich bei etwa 400 Euro durchgereicht werden. Hier kommt es entweder zu einem Rebound oder weiteren Kursverlusten bis in den Bereich von 370 bis 375 Euro, wo sich das Schicksal der Aktie auch langfristig entscheiden dürfte.
Da neben dem MACD auch der Relative-Stärke-Index (RSI) gegenwärtig schwach notiert, sind weitere Verluste der Aktie das gegenüber einer zeitnahen Erholung wahrscheinlichere Szenario - auch weil gegenwärtig noch keine bullishen Divergenzen vorliegen. Die derzeit beste Hoffnung der Bullen ist, dass es zu einer Entspannung auf dem Anleihemarkt kommt, ohne dass die Renditen einbrechen und für geringere Kapitalrenditen sorgen.
Fazit: Hier ist jetzt Geduld und nicht Eile gefragt
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht auch nach der jüngsten Korrektur ein Gewinnvielfaches über dem historischen Durchschnitt zu Buche. Für 2026 ist die Allianz mit einem KGVe von 13,4 bewertet, für 2027 sind 12,4 veranschlagt. Das liegt über dem 10-Jahres-Durchschnitt von 12,0 und außerdem gleichzeitig über dem Branchenmittel von 11,5. Das zeigt, dass weitere Abgaben auch von fundamentaler Seite her möglich sind.
Auch wenn die Allianz-Aktie vielen Anlegerinnen und Anlegern als unverzichtbares Basisinvestment gilt, ist Vorsicht gegenwärtig angebraucht. Bestehende Positionen müssen zwar nicht zwingend verkauft werden, für neue oder aufgestockte Positionen sollte jedoch abgewartet werden, bis die Lage wieder etwas übersichtlicher geworden ist. Das ist entweder nach einem erfolgreichen Test der Unterstützung bei 400 Euro der Fall oder nach einem prozyklischen Anstieg zurück über die 50-Tage-Linie sowie 440 Euro.
Gastautor: Max Gross
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