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Die USA wollen im Fiskaljahr 2026 rund 1,012 Billionen US-Dollar für die nationale Verteidigung bereitstellen. Allein das US-Verteidigungsministerium kommt in der Budgetanfrage inklusive der angenommenen zusätzlichen Mittel aus dem Reconciliation-Verfahren auf rund 961,6 Mrd. US-Dollar. Diese Summe ist kein adressierbarer Markt für einzelne Zulieferer. Sie zeigt aber, welche industrielle Dimension hinter dem Versuch steht, Produktion, Wartung und technologische Fähigkeiten der amerikanischen Streitkräfte auszubauen.
Interessanterweise versuchen gleich mehrere kleinere australische Technologieunternehmen, einen Platz in dieser Wertschöpfungskette zu finden. Titomic repariert und fertigt Metallteile mit Cold-Spray-Technologie. AML3D druckt große Metallkomponenten für die maritime Industrie und die US Navy. First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) setzt eine Stufe früher an und will Hochleistungsmaterialien für Verbundwerkstoffe, Aerospace und Defence liefern.
Australien exportiert damit längst nicht mehr nur Eisenerz, Lithium oder LNG in die Welt. Einige seiner Technologieunternehmen versuchen inzwischen, Teil der amerikanischen Verteidigungsindustrie zu werden.
Titomic bringt die Fabrik näher an das defekte Bauteil
Titomic (ISIN: AU000000TTT3) hat im September einen Auftrag über 5 Mio. US-Dollar von der US Air Force erhalten. Das Unternehmen soll am Tinker Air Force Base in Oklahoma ein Hochdruck-Cold-Spray-System installieren und in Betrieb nehmen.
Beim Cold Spray werden Metallpartikel mit hoher Geschwindigkeit auf eine Oberfläche geschossen. Die Partikel verbinden sich, ohne dass das Ausgangsmaterial vollständig geschmolzen werden muss. Dadurch lassen sich beispielsweise verschlissene Flächen wieder aufbauen, Korrosionsschäden reparieren oder neue metallische Strukturen erzeugen.
Für das Militär ist dabei nicht nur die Fertigung neuer Teile interessant. Flugzeuge, Fahrzeuge oder andere Systeme bleiben teilweise über Jahrzehnte im Einsatz. Ersatzteile können teuer, schwer verfügbar oder überhaupt nicht mehr regulär produziert werden. Eine Technologie, mit der sich ein vorhandenes Bauteil reparieren oder lokal neu herstellen lässt, kann deshalb direkt auf Verfügbarkeit und Wartungszeiten wirken.
Der Air-Force-Auftrag ist zudem kein isoliertes Ereignis. Titomic meldete Ende September, innerhalb von nur vier Wochen neun neue US-Aufträge im Gesamtwert von 6,1 Mio. US-Dollar beziehungsweise rund 8,7 Mio. AUD gewonnen zu haben. Darunter befinden sich Verteidigungs-, Forschungs- und Energieanwendungen.
AML3D druckt bereits für Atom-U-Boote
AML3D (ISIN: AU0000079212) sitzt ebenfalls nicht mehr nur im Entwicklungslabor. Das australische Unternehmen hat seine Wire-Arc-Additive-Manufacturing-Technologie inzwischen tief in Teile der amerikanischen Marine-Lieferkette gebracht.
Im September erhielt AML3D über Austal USA einen ersten Produktionsauftrag über etwa 0,5 Mio. AUD für drei große Hochdruck-Komponenten aus Kupfer-Nickel. Sie sollen in Atom-U-Booten der US Navy eingesetzt werden. Statt die Teile konventionell herzustellen, werden sie mit AML3Ds ARCEMY-Technologie additiv gefertigt.
Noch deutlicher wird die Position bei Newport News Shipbuilding. Die HII-Tochter ist der größte Militärschiffbauer der USA und baut unter anderem nuklear angetriebene Flugzeugträger und U-Boote. Zwei speziell angepasste ARCEMY-X-Systeme aus einem Auftrag von rund 4,5 Mio. AUD sind dort bereits in Betrieb. Vier weitere Anlagen im Wert von ungefähr 9,9 Mio. AUD sollen folgen.
AML3D löst dabei ein sehr ähnliches Problem wie Titomic: Die US-Verteidigungsindustrie benötigt mehr Produktionskapazität, kürzere Lieferzeiten und Alternativen für schwer verfügbare Komponenten. Bei einem weiteren Auftrag über 2,61 Mio. AUD produziert AML3D beispielsweise U-Boot-Ersatzteile, die vom ursprünglichen Hersteller nicht mehr angeboten werden.
First Graphene will nicht die Maschine, sondern das Material liefern
First Graphene steht in dieser Entwicklung deutlich früher. Das Unternehmen besitzt bislang keinen vergleichbaren Großauftrag des US-Verteidigungsministeriums. Genau deshalb wäre es falsch, Titomics Air-Force-Vertrag oder AML3Ds Navy-Aufträge mit First Graphenes Defence-Pipeline gleichzusetzen.
Die technologische Rolle ist aber ebenfalls interessant. Mit der Übernahme der Vermögenswerte von MITO Material Solutions hat First Graphene 2026 eine direkte Plattform in den USA aufgebaut. MITO brachte funktionalisierte Graphen- und Graphenoxid-Produkte, bestehende Umsätze und mehr als 25 Kunden in fortgeschrittenen Testphasen mit. Besonders Composite-Systeme spielen in der neuen Produktpalette eine größere Rolle.
First Graphene verfolgt außerdem Möglichkeiten mit der Defense Advanced Research Projects Agency. Das Unternehmen hat eine Bewerbung für graphenbasierte Aerospace-Composites eingereicht. CEO Michael Bell erklärte zuletzt, dass sich das stärkste Interesse dort derzeit auf strukturelle Verbundbauteile konzentriere, bei denen Graphen Festigkeit und Haltbarkeit verbessern soll.
Ein neuer Carbonfaser-Partner bringt zusätzliche Substanz
Seit Anfang Oktober existiert noch ein weiterer Baustein. First Graphene hat mit dem Prepreg-Hersteller Aeropreg eine dreijährige Entwicklungs- und Kommerzialisierungsvereinbarung abgeschlossen.
Prepregs sind bereits mit Harz getränkte Faserhalbzeuge, aus denen hochwertige Composite-Bauteile gefertigt werden. Sie spielen gerade in Aerospace, Defence, Motorsport und anderen Anwendungen eine wichtige Rolle. First Graphene und Aeropreg wollen PureGRAPH in entsprechende Carbonfaser-Systeme integrieren und daraus ein kommerzielles Produkt entwickeln.
Aeropreg besitzt nach Unternehmensangaben eine AS9100-Zertifizierung für das Aerospace-Qualitätsmanagement. Der Mutterkonzern Spinteks wurde zudem 2026 in die Lieferantenliste von Turkish Aerospace aufgenommen.
Für First Graphene geht es damit nicht mehr nur darum, in einem Labor zu zeigen, dass Graphen Carbonfaserverbundwerkstoffe verbessern kann. Der nächste Schritt besteht darin, daraus ein reproduzierbares Prepreg zu entwickeln, das über bestehende industrielle Vertriebskanäle vermarktet werden kann.
Drei Technologien gegen dasselbe industrielle Problem
Titomic, AML3D und First Graphene verkaufen völlig unterschiedliche Produkte. Trotzdem adressieren sie einen ähnlichen Wandel in der Verteidigungsindustrie.
Titomic versucht, Metallteile schneller zu reparieren und direkt dort wiederherzustellen, wo sie benötigt werden. AML3D bringt großformatigen 3D-Metalldruck in die Lieferkette der US Navy. First Graphene möchte Materialien liefern, mit denen Composite-Strukturen leichter, stärker oder langlebiger werden können.
Dabei unterscheiden sich auch die kommerziellen Reifegrade. Titomic besitzt einen 5-Mio.-US-Dollar-Vertrag der US Air Force. AML3D hat bereits Systeme bei Newport News Shipbuilding installiert und fertigt erste Teile für Atom-U-Boote. First Graphene arbeitet noch daran, Entwicklungsprogramme und Materialpartnerschaften in konkrete Defence-Aufträge zu verwandeln.
Gerade dieser Unterschied macht die drei Unternehmen interessant. Sie zeigen drei Ebenen derselben Wertschöpfung: Material, Fertigung und Reparatur.
Die 1,012 Billionen US-Dollar der amerikanischen Verteidigungs-Budgetanfrage bedeuten nicht, dass diese kleinen australischen Unternehmen automatisch stark wachsen. Sie zeigen jedoch, wie groß das industrielle System ist, in das sie sich hineinzuarbeiten versuchen.
Australien könnte damit künftig nicht nur kritische Rohstoffe für seine Verbündeten liefern. Unternehmen wie Titomic, AML3D und First Graphene versuchen, zunehmend auch das technologische Werkzeug und die Materialien für deren Verarbeitung zu liefern.
Datencheck: Die US-Budgetunterlagen nennen für FY2026 einen National-Defense-Gesamtbetrag von 1.011,9 Mrd. US-Dollar. Titomics Air-Force-Auftrag liegt bei 5 Mio. US-Dollar; insgesamt meldete Titomic neun US-Aufträge im Wert von 6,1 Mio. US-Dollar innerhalb von vier Wochen. AML3Ds erster Produktionsauftrag über Austal USA liegt bei rund 0,5 Mio. AUD. First Graphenes MITO-Übernahme brachte nach Unternehmensangaben mehr als 25 Kunden in späten Testphasen; Anfang Oktober folgte die dreijährige Aeropreg-Vereinbarung für graphenverstärkte Carbonfaser-Prepregs.
Quellen:
https://comptroller.defense.gov/Portals/45/Documents/defbudget/FY2026/FY2026_Budget_Request.pdf
https://titomic.com/2026/09/15/titomic-awarded-us5-0-million-u-s-defense-contract-for-next-generation-cold-spray-system/
https://titomic.com/2026/09/29/titomic-secures-au752000-in-new-u-s-orders-across-defense-and-energy/
https://aml3d.com/aml3d-usa-signs-initial-parts-order-for-us-navy-submarines
https://aml3d.com/arcemy-systems-operational-at-us-military-shipbuilder
https://aml3d.com/aml3d-order-for-us-navy-submarine-parts
https://www.prnewswire.com/apac/news-releases/fgr-accelerates-usa-expansion-defence-sector-exposure-with-strategic-acquisition-of-mito-material-solutions-302790896.html
https://www.prnewswire.com/news-releases/fgr-advances-carbon-fibre-commercialisation-with-aeropreg-agreement-302897732.html
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