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Stromnetze und Rechenzentren im Duett: Wo Microsoft Rechenzentren baut - und wie die EVN Stromnetze ausbaut

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Europas Rechenzentrumsboom trifft auf eine Infrastrukturfrage: Wo neue Cloud- und Rechenkapazitäten entstehen, müssen leistungsfähige Stromnetze, Umspannwerke und Energieinfrastruktur Schritt halten. Microsoft (ISIN: US5949181045) erweitert sein geplantes Rechenzentrums-Cluster im Rheinischen Revier um einen weiteren Standort in Grevenbroich. Microsoft hat Anfang Juli angekündigt, zusätzlich zu den bereits geplanten Standorten in Nordrhein-Westfalen einen weiteren Rechenzentrumsstandort in Grevenbroich entwickeln zu wollen. Der Konzern hatte zuvor in Bergheim den Spatenstich für sein Rechenzentrums-Cluster im Rheinischen Revier gesetzt. Siemens (ISIN: DE0007236101) investiert gleichzeitig in die Produktion elektrischer Infrastruktur für den Rechenzentrumsmarkt. Für Netzbetreiber wie die EVN AG (ISIN: AT0000741053) wird damit ein Trend wichtiger, der weit über die IT-Branche hinausreicht.

Die Projekte zeigen, dass digitale Infrastruktur nicht isoliert entsteht. Ein Rechenzentrum benötigt nicht nur Server und Gebäude, sondern vor allem einen leistungsfähigen Netzanschluss. Beim Microsoft-Cluster in Nordrhein-Westfalen baut Westnetz deshalb eine neue Umspannanlage in Bergheim und erweitert die Versorgungsinfrastruktur.

Vom Erzeugungsstandort zum Lastschwerpunkt

Microsoft beschreibt den Standort im Rheinischen Revier ausdrücklich als Beispiel für den Strukturwandel vom früheren Erzeugungs- zum neuen Lastschwerpunkt. Für die Energiewirtschaft ist das ein entscheidender Unterschied: Zusätzlicher Strombedarf entsteht konzentriert an einzelnen Standorten und muss sicher in die Netze integriert werden.

Dabei darf Strombedarf nicht mit Stromerzeugung verwechselt werden. Rechenzentren erhöhen zunächst die Nachfrage nach elektrischer Leistung und Energie. Wie dieser Bedarf gedeckt wird, hängt von Strommarkt, Erzeugungsportfolio, Netzkapazitäten und gegebenenfalls Stromabnahmeverträgen ab. Der Ausbau der Netzinfrastruktur bleibt davon getrennt eine zentrale Voraussetzung für den Anschluss großer Verbraucher.

Microsoft plant nach eigenen Angaben, seine europäische Rechenzentrumskapazität deutlich auszubauen und bis 2027 mehr als 200 Rechenzentren auf dem Kontinent zu betreiben. Das erhöht den Druck, digitale und energetische Infrastruktur gemeinsam zu planen.

Siemens investiert in die elektrische Infrastruktur

Auch Siemens positioniert sich für diesen Ausbau. Der Konzern investiert mehr als 165 Mio. US-Dollar in Produktionskapazitäten in North und South Carolina, um unter anderem Niedrig- und Mittelspannungstechnik für den wachsenden US-Rechenzentrumsmarkt bereitzustellen.

Parallel arbeitet Siemens mit Rittal an standardisierten Stromverteilungslösungen für Rechenzentren mit steigenden Leistungsdichten. Der Hintergrund ist klar: Mit leistungsfähigeren Chips und dichter gepackten Rechenanlagen wachsen die Anforderungen an Stromverteilung, Kühlung, Überwachung und Ausfallsicherheit.

Damit verschiebt sich der Blick auf Rechenzentren. Die entscheidende Infrastruktur endet nicht am Serverrack. Sie beginnt bereits beim Netzanschluss und reicht über Umspannwerke, Verteilnetze und Energiemanagement bis in das Gebäude.

EVN verdoppelt die regulatorische Netzbasis nahezu

Für die EVN AG ist die fortschreitende Elektrifizierung von Gesellschaft und Wirtschaft ein übergeordneter Trend - sichtbar insbesondere in der E-Mobilität, bei Wärmepumpen und zunehmend auch im Rechenzentrumsboom: Neue Verbraucher, Elektrifizierung und erneuerbare Erzeugung erhöhen die Anforderungen an leistungsfähige Verteilnetze. Auf dem Capital Markets Day 2026 hat die EVN deshalb kürzlich den massiven Netzausbau bis 2030 bestätigt. Die regulatorische Vermögensbasis des Stromverteilnetzes in Niederösterreich soll von rund 2,0 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2024/25 auf rund 3,9 Mrd. Euro im Jahr 2030 steigen. Das EBITDA des Netzsegments soll 2030 rund 560 Mio. Euro erreichen.

Insgesamt plant EVN bis 2030 jährliche Investitionen von rund einer Milliarde Euro. Rund 80 Prozent sollen in Niederösterreich erfolgen. Netze bilden dabei einen der zentralen Investitionsschwerpunkte.

Digitale Infrastruktur wird zur Energiefrage

Der Microsoft-Standort in Nordrhein-Westfalen liefert dafür ein anschauliches Beispiel: Bevor ein großer digitaler Verbraucher sicher betrieben werden kann, muss die elektrische Infrastruktur vorhanden sein. Dass dort eigens ein Umspannwerk errichtet wird, zeigt, wie eng Standortentscheidungen und Netzkapazität miteinander verbunden sind. Für europäische Netzbetreiber erhöht diese Entwicklung den Investitionsdruck. Netze müssen nicht nur mehr erneuerbare Erzeugung aufnehmen, sondern gleichzeitig wachsende und teils stark konzentrierte Lasten versorgen. Batteriespeicher und Flexibilitätslösungen können dabei helfen, ersetzen jedoch nicht den notwendigen Netzausbau.

Die EVN plant bis 2030 neben dem Netzausbau auch 300 MW Batteriespeicherleistung. Damit entstehen zusätzliche Möglichkeiten, Erzeugung und Verbrauch zeitlich besser auszubalancieren.

Der Engpass entscheidet über den Standort

Für die nächste Generation europäischer Rechenzentren könnte deshalb immer häufiger die verfügbare Energieinfrastruktur darüber entscheiden, wo Projekte realisiert werden können. Microsoft investiert in zusätzliche Rechenkapazität, Siemens in die dafür benötigte elektrische Technik - und Netzbetreiber müssen die physische Verbindung schaffen.

Für die EVN AG (ISIN: AT0000741053) liegt die Relevanz nicht in einem direkten Vergleich mit Hyperscalern, sondern in der Infrastruktur dahinter: Je stärker Wirtschaft und Gesellschaft elektrifiziert und digitalisiert werden, desto wichtiger werden belastbare Netze, Speicherkapazitäten und leistungsfähige Anschlüsse.


Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".

Quellen:

Microsoft - Zusätzlicher Rechenzentrumsstandort in Grevenbroich

https://news.microsoft.com/source/emea/2026/07/die-cloud-und-ki-region-nordrhein-westfalen-waechst-microsoft-kuendigt-zusaetzlichen-rechenzentrumsstandort-in-grevenbroich-an/?lang=de

Microsoft - Spatenstich für Rechenzentrums-Cluster in Nordrhein-Westfalen

https://news.microsoft.com/source/emea/2026/03/spatenstich-fuer-rechenzentrums-cluster-in-nordrhein-westfalen-microsoft-staerkt-die-digitale-infrastruktur-fuer-deutschlands-ki-zukunft/?lang=de

Microsoft - Jahresbilanz zu den Digitalen Zusagen für Europa

https://news.microsoft.com/source/emea/2026/06/jahresbilanz-wie-wir-unsere-digitalen-zusagen-fuer-europa-umsetzen/?lang=de

Siemens - Investition von mehr als 165 Mio. US-Dollar für Rechenzentrums-Infrastruktur

https://news.siemens.com/de-de/siemens-invests-165m-carolinas-supports-data-centers

Siemens - Siemens und Rittal entwickeln Rechenzentrums-Infrastruktur

https://press.siemens.com/global/en/pressrelease/siemens-and-rittal-partner-design-data-center-infrastructure-future

EVN AG - Capital Markets Day 2026

https://www.evn.at/getmedia/b1846423-8b2e-471e-8d61-27a34275da65/Capital-Markets-Day_FINAL.pdf

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