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Der Mainzer Biotechnologiekonzern BioNTech (ISIN: US09075V1026) und der US-Pharmariese Bristol Myers Squibb (ISIN: US1101221083) haben zum Wochenstart neue Hoffnungen auf einen künftigen Krebsblockbuster geweckt. Am Sonntag, dem 25. Oktober, präsentierten die Partner auf dem europäischen Krebskongress ESMO in Madrid neue Studiendaten zu ihrem gemeinsam entwickelten Wirkstoff Pumitamig. Bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs, deren Erkrankung trotz vorheriger Immuntherapie und Chemotherapie weiter fortgeschritten war, erreichte die experimentelle Kombinationstherapie eine Krankheitskontrollrate von 90 Prozent. Hinter dem Wirkstoff steht eine Partnerschaft mit einem möglichen Gesamtvolumen von mehr als elf Milliarden US-Dollar. Die Nachricht zeigt, wie viel Kapital große Pharmakonzerne inzwischen auf innovative Behandlungstechnologien setzen. Für Anleger stellt sich damit auch die Frage, welche kleineren Biotechnologieunternehmen den Übergang von der Forschung zur kommerziellen Vermarktung schaffen können. Ein Beispiel ist Mesoblast (ISIN: AU000000MSB8), dessen erste zugelassene Zelltherapie bereits dreistellige Millionenumsätze erzielt.
90 Prozent Krankheitskontrolle bei schwer behandelbarem Lungenkrebs
Die neuen Ergebnisse stammen aus der globalen Phase-II-Studie ROSETTA Lung-107. Untersucht wird Pumitamig in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Docetaxel bei Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Alle Teilnehmer hatten zuvor eine Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie erhalten, unter der ihre Erkrankung fortgeschritten war. In dieser Behandlungssituation sind die verbleibenden Möglichkeiten häufig begrenzt. Zum Stichtag der Datenanalyse am 10. Juli waren 50 Patienten behandelt worden. Bei 30 Patienten ließ sich das Tumoransprechen bereits auswerten. In dieser Gruppe erreichte die Kombination eine bestätigte objektive Ansprechrate von 36,7 Prozent. Die Krankheitskontrollrate lag bei 90 Prozent. Das bedeutet, dass bei neun von zehn auswertbaren Patienten entweder ein Rückgang der Tumoren oder zumindest eine Stabilisierung der Erkrankung festgestellt wurde. Eine Heilungsrate von 90 Prozent lässt sich daraus ausdrücklich nicht ableiten.
6,9 Monate ohne Fortschreiten der Erkrankung
Auch beim progressionsfreien Überleben meldeten BioNTech und Bristol Myers ermutigende Ergebnisse. In der gesamten behandelten Studienpopulation von 50 Patienten betrug die geschätzte mediane Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder Tod 6,9 Monate. Zum Vergleich verwiesen die Unternehmen auf historische Daten zur Standardbehandlung mit Docetaxel, bei der je nach Tumortyp etwa 3,6 bis 3,9 Monate erreicht wurden. Dieser Vergleich ist medizinisch interessant, aber noch kein Beweis für eine Überlegenheit. Die vorgestellte Phase-II-Studie enthielt keinen randomisierten Kontrollarm, und die mediane Nachbeobachtungszeit lag zum Auswertungsstichtag erst bei 12,2 Wochen. Die Wirksamkeitsdaten müssen deshalb in größeren, kontrollierten Studien bestätigt werden. Auch die Verträglichkeit bleibt entscheidend: Bei 18 Prozent der 50 untersuchten Patienten traten behandlungsbedingte Nebenwirkungen von mindestens Grad 3 auf, die Pumitamig zugerechnet wurden. Vier Patienten brachen die Behandlung aufgrund entsprechender Nebenwirkungen ab.
Bis zu 11,1 Milliarden Dollar für einen einzigen Wirkstoff
Die wirtschaftliche Dimension hinter Pumitamig ist außergewöhnlich. Bereits im Juni 2025 vereinbarten BioNTech und Bristol Myers Squibb eine weltweite Partnerschaft zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung des bispezifischen Antikörpers. Bristol Myers zahlte dafür zunächst 1,5 Milliarden US-Dollar. Weitere zwei Milliarden Dollar sind als vertraglich vereinbarte Zahlungen über die folgenden Jahre vorgesehen, sofern die entsprechenden Vertragsbedingungen erfüllt bleiben. Hinzu kommen bis zu 7,6 Milliarden Dollar an erfolgsabhängigen Entwicklungs-, Zulassungs- und Vermarktungsmeilensteinen. Insgesamt ergibt sich daraus ein mögliches Zahlungsvolumen von 11,1 Milliarden Dollar. Diese Summe ist allerdings kein bereits realisierter Umsatz und auch keine gesicherte Bewertung des Medikaments. Ein erheblicher Teil hängt von künftigen Erfolgen ab. Zusätzlich wollen beide Partner Entwicklungskosten sowie globale Gewinne und Verluste grundsätzlich hälftig teilen. Für Bristol Myers ist die Vereinbarung eine Milliardenwette auf eine neue Generation von Krebsmedikamenten. Für BioNTech bietet sie die Möglichkeit, einen wichtigen Onkologiekandidaten gemeinsam mit einem weltweit etablierten Pharmakonzern voranzubringen.
Warum Pumitamig mehr als ein gewöhnlicher Antikörper sein soll
Pumitamig ist ein bispezifischer Antikörper, der zwei unterschiedliche biologische Ziele gleichzeitig adressiert. Einerseits soll er über die Blockade von PD-L1 dazu beitragen, die körpereigene Immunabwehr gegen Tumorzellen wieder zu aktivieren. Andererseits richtet er sich gegen VEGF-A, einen Wachstumsfaktor, der unter anderem an der Bildung neuer Blutgefäße beteiligt ist. Tumoren benötigen solche Gefäße, um sich mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Die Kombination beider Mechanismen in einem Wirkstoff soll die Krebsbekämpfung auf mehreren Ebenen ermöglichen. Ob dieser Ansatz tatsächlich einen dauerhaften Vorteil gegenüber bestehenden Therapien bietet, muss die weitere klinische Entwicklung zeigen. Das Entwicklungsprogramm ist bereits breit angelegt: BioNTech und Bristol Myers untersuchen Pumitamig in mehreren Tumorarten und Behandlungslinien. Zum Zeitpunkt der jüngsten Veröffentlichung liefen sieben globale Phase-III-Studien mit potenzieller Zulassungsrelevanz.
Auch Gilead steigt in das Entwicklungsprogramm ein
Dass die Partner ihre Strategie nicht allein auf Lungenkrebs beschränken, zeigte eine weitere Nachricht vom 22. Oktober. BioNTech kündigte eine klinische Zusammenarbeit mit Gilead Sciences (ISIN: US3755581036) an. Dabei soll Pumitamig mit dem bereits zugelassenen Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trodelvy kombiniert werden. Untersucht werden soll diese Kombination bei Patientinnen mit einer bestimmten Form von fortgeschrittenem dreifach negativem Brustkrebs. Die laufende Phase-III-Studie ROSETTA Breast-01 soll dafür angepasst werden. Statt der bisher vorgesehenen Chemotherapie soll Trodelvy als Kombinationspartner eingesetzt werden. Die geplante Änderung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Zulassungsbehörden. Gilead wird das Medikament für die Studie bereitstellen, während BioNTech die Untersuchung weiterhin verantwortet. Für Anleger ist die Entwicklung aus einem weiteren Grund bemerkenswert: Ein einzelner Wirkstoffkandidat wird inzwischen von mehreren großen Pharmaunternehmen in unterschiedlichen Kombinationen und Krebsindikationen untersucht. Damit steigen die möglichen kommerziellen Einsatzgebiete, gleichzeitig aber auch die Kosten und die Komplexität des Entwicklungsprogramms.
Warum auch kleinere Biotechnologieunternehmen interessant werden
Die Milliardenpartnerschaft von BioNTech und Bristol Myers verdeutlicht, welche wirtschaftliche Bedeutung neuartigen Therapieplattformen zugeschrieben wird. Allerdings ist Pumitamig weiterhin ein experimenteller Wirkstoff ohne Marktzulassung. Selbst überzeugende Phase-II-Ergebnisse garantieren nicht, dass ein Arzneimittel später zugelassen wird oder sich kommerziell durchsetzt. Für Anleger kann deshalb eine andere Entwicklungsphase besonders interessant sein: der Übergang vom klinischen Forschungsunternehmen zum Anbieter eines bereits zugelassenen Medikaments. Genau diesen Schritt hat Mesoblast inzwischen geschafft. Das australische Biotechnologieunternehmen entwickelt allogene Zelltherapien auf Basis mesenchymaler Stromazellen. Anders als die Antikörpertechnologie von BioNTech zielen diese Behandlungen auf die Regulierung schwerer Entzündungsreaktionen ab. Mesoblast entwickelt keine mit Pumitamig vergleichbare Krebsimmuntherapie, und zwischen den beiden Programmen besteht keine direkte geschäftliche Verbindung. Die Parallele liegt vielmehr in der wirtschaftlichen Bedeutung neuer Therapieplattformen. Beide Unternehmen verfolgen die Strategie, innovative biologische Wirkmechanismen für mehrere medizinische Anwendungen nutzbar zu machen. Während BioNTech mit Pumitamig noch vor einer möglichen Erstzulassung steht, hat Mesoblast diesen Schritt mit einem anderen Produkt bereits erreicht.
Mesoblast erzielt 115 Millionen Dollar mit seiner ersten Zelltherapie
Im Dezember 2024 erhielt Mesoblast von der US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung für Ryoncil. Das Medikament wird zur Behandlung der steroidrefraktären akuten Graft-versus-Host-Erkrankung bei Kindern ab zwei Monaten eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation nach einer allogenen Stammzelltransplantation, bei der Immunzellen des Spenders gesundes Gewebe des Empfängers angreifen. Ryoncil war das erste von der FDA zugelassene mesenchymale Stromazellprodukt. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Mesoblast damit Nettoproduktumsätze von 115,2 Millionen US-Dollar. Der Gesamtumsatz des Unternehmens erreichte 120,3 Millionen Dollar, verglichen mit 17,2 Millionen Dollar im Vorjahr. Damit verfügt Mesoblast bereits über eine kommerzielle Einnahmequelle, die viele andere Biotechnologieunternehmen erst nach langjährigen Entwicklungsprogrammen erreichen. Für die weitere Unternehmensentwicklung ist das ein wichtiger Unterschied. Klinische Studien, Produktionskapazitäten und neue Zulassungsverfahren müssen zwar weiterhin finanziert werden. Die bestehende Vermarktung kann jedoch zunehmend einen Teil dieser Aufwendungen tragen.
44 Prozent Wachstum und neue Chancen durch zusätzliche Anwendungen
Am 16. Oktober meldete Mesoblast weitere Fortschritte. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stiegen die vorläufigen Nettoumsätze von Ryoncil gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 44 Prozent auf rund 28 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig verringerte sich der operative Netto-Cashverbrauch von 14,9 auf 2,3 Millionen Dollar. Die liquiden Mittel beliefen sich zum 30. September auf rund 99 Millionen Dollar. Diese Zahlen stehen noch unter dem Vorbehalt der endgültigen Abschlussarbeiten und bedeuten nicht, dass das Unternehmen bereits nachhaltig profitabel ist. Der nächste mögliche Wachstumsschritt liegt in der Erweiterung der zugelassenen Anwendung. Mesoblast untersucht Ryoncil inzwischen auch bei erwachsenen Patienten mit steroidrefraktärer akuter Graft-versus-Host-Erkrankung. Nach Unternehmensangaben könnte diese Patientengruppe einen etwa dreimal größeren adressierbaren Markt darstellen als die bisherige pädiatrische Indikation. Eine entsprechende zulassungsrelevante Studie läuft bereits. Parallel entwickelt Mesoblast mit rexlemestrocel-L einen weiteren Zelltherapiekandidaten gegen chronische Rückenschmerzen. In der laufenden Phase-III-Studie wurden 350 Patienten behandelt. Zentrale Ergebnisse werden für Mitte 2027 erwartet. Auch hier gilt: Erst überzeugende Studiendaten und eine mögliche regulatorische Genehmigung könnten den Weg zur Vermarktung eröffnen.
Fazit
Die neuen Krebsdaten von BioNTech und Bristol Myers Squibb zeigen, warum große Pharmakonzerne bereit sind, Milliardenbeträge in innovative Wirkstoffe zu investieren. Eine Krankheitskontrollrate von 90 Prozent in einer frühen Studie kann ein wichtiger Ausgangspunkt für weitere Forschung sein, ist aber noch kein Beleg für einen späteren Blockbuster. Entscheidend werden die kontrollierten Phase-III-Ergebnisse und mögliche Zulassungen sein. Für Anleger eröffnet sich damit ein breiterer Blick auf den Biotechnologiesektor. Während große Konzerne erhebliche Summen in die Entwicklung der nächsten Medikamentengeneration investieren, gibt es kleinere Unternehmen, die bereits eine erste innovative Therapie erfolgreich kommerzialisiert haben. Mesoblast gehört zu dieser Gruppe. Mit steigenden Ryoncil-Umsätzen, einer möglichen Erweiterung der Anwendung auf erwachsene Patienten und einem weiteren fortgeschrittenen Zelltherapieprogramm verfügt das Unternehmen über mehrere konkrete Entwicklungsperspektiven. Ob daraus langfristig ein deutlich größeres Geschäft entsteht, hängt von klinischen Ergebnissen, Zulassungen und der weiteren Vermarktung ab. Für Mesoblast (ISIN: AU000000MSB8) werden deshalb die nächsten operativen und regulatorischen Meilensteine entscheidend sein.
Quellen:
BioNTech - Neue Phase-II-Daten zu Pumitamig, 25.10.2026
https://www.biontech.com/de/de/home/mediaroom/news/press-releases/2026/10/BioNTech-and-Bristol-Myers-Squibb-Report-Encouraging-Global-Phase-2-data-for-Pumitamig-in-Advanced-NSCLC-After-Progression-on-Immunotherapy-Plus-Chemotherapy.html
Bristol Myers Squibb - Pumitamig-Studiendaten bei Lungenkrebs, 25.10.2026
https://investors.bms.com/iframes/press-releases/press-release-details/2026/BioNTech-and-Bristol-Myers-Squibb-Report-Encouraging-Global-Phase-2-data-for-Pumitamig-in-Advanced-NSCLC-After-Progression-on-Immunotherapy-Plus-Chemotherapy/default.aspx
Fierce Biotech - Einordnung der neuen Pumitamig-Daten, 25.10.2026
https://www.fiercebiotech.com/biotech/esmo-bms-massacesi-hails-very-promising-data-biontech-partnered-pd-l1xvegf-drug
BioNTech - Neue Kooperation mit Gilead, 22.10.2026
https://www.globenewswire.com/de/news-release/2026/10/22/3386151/0/de/biontech-treibt-klinische-phase-3-studie-zu-pumitamig-mit-gileads-gegen-trop2-gerichtetem-antik%C3%B6rper-wirkstoff-konjugat-sacituzumab-govitecan-bei-dreifach-negativem-brustkrebs-vora.html
Bristol Myers Squibb - Milliardenpartnerschaft mit BioNTech, 02.06.2025
https://news.bms.com/news/details/2025/BioNTech-and-Bristol-Myers-Squibb-Announce-Global-Strategic-Partnership-to-Co-Develop-and-Co-Commercialize-Next-generation-Bispecific-Antibody-Candidate-BNT327-Broadly-for-Multiple-Solid-Tumor-Types/default.aspx
Mesoblast - Geschäftsbericht 2026, 12.10.2026
https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1345099/000134509926000087/exhibit991annualreportag.htm
Mesoblast - Ryoncil-Umsatzwachstum im ersten Quartal, 16.10.2026
https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1345099/000134509926000091/exhibit991ryoncilsalesup.htm
Mesoblast - Jahreszahlen und operatives Update, 27.08.2026
https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1345099/000134509926000072/exhibit991activitystatem.htm
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