NEW YORK (dpa-AFX) - Die jüngste Erholungsrally an der Nasdaq-Börse bekommt am Donnerstag einen Dämpfer. Der Google-Mutterkonzern Alphabet heizte die Sorgen vor exzessiven KI-Ausgaben wieder an und sorgte so dafür, dass der Nasdaq 100 mit einem Rückschlag um 1,7 Prozent auf 29.314 Punkte einen Großteil der zuletzt erzielten Gewinne wieder abgab. Auch aus der Softwarebranche und vom südkoreanischen Samsung -Konzern gab es in der Tech-Branche schlechte Nachrichten.
Der wieder getrübten Börsenlage konnten sich auch die übrigen New Yorker Indizes nicht entziehen: Der stärker auf Standardwerte ausgerichtete Dow Jones Industrial fiel zwei Stunden vor Schluss um ein halbes Prozent auf 52.198 Zähler. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,6 Prozent auf 7.697 Punkte nach.
Die Resultate von Microsoft kamen zwar bei Anlegern nicht so schlecht an wie die von Alphabet, konnten das negative Bild in der Tech-Branche aber nicht wenden. Die erwartungsgemäße Zinsbestätigung durch die US-Notenbank vom Vorabend wurde an den Märkten schnell wieder abgehakt.
Alphabet berichtete von steigenden Investitionen und war beim freien Barmittelzufluss tief ins Minus gerutscht. "Die Botschaft lautet: Der Markt belohnt Ausgabendisziplin und bestraft Investitionen ohne Cashflow-Deckung", resümierte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. Laut den Experten von Index-Radar gab Alphabet mehr für Investitionen aus, als das laufende Geschäft im Quartal an Geld einbrachte.
Der Alphabet-Kurs sackte vor diesem Hintergrund um 13 Prozent ab auf das niedrigste Niveau seit Ende März. Damit droht an einem einzigen Handelstag fast eine halbe Billion US-Dollar an Aktienwert vernichtet zu werden.
Microsoft kam mit einem Abschlag von 0,9 Prozent glimpflicher davon. Getrieben vom abermals hohen Wachstum der Cloud-Plattform Azure ist der Softwareriese überraschend stark in das laufende Geschäftsjahr gestartet. Getrübt wurde dies aber von der Nachricht, dass sich der Konzern Milliarden am Anleihemarkt besorgt, um weiter Geld in sein Wachstum investieren zu können.
Die Stimmung in der Softwarebranche wurde getrübt von ServiceNow und Fortinet . Beide Aktien brachen nach enttäuschen Quartalsberichten und schwachen Ausblicken zeitweise um ein Viertel ein. Dies ging im Dow auch an den Aktien von Salesforce nicht spurlos vorbei, die in dem Leitindex mit 4,5 Prozent unter den größten Verlierern waren.
Unter den Tech-Werten sackten die Titel von Marvell Technology um 12 Prozent ab. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg werden fortgeschrittene Gespräche zur Übernahme von Lumentum geführt, einem Hersteller optischer Komponenten für Rechenzentren. Dessen Aktien wurden davon mit zwei Prozent ins Plus gehievt.
Im Dow hinterließen die KI-Sorgen bei Caterpillar tiefe Spuren mit einem Kursrutsch um fast neun Prozent. Die Aktien gerieten in Sippenhaft, da der eigentlich für Baumaschinen bekannte Konzern zuletzt wegen seiner Aktivitäten in den Bereichen Generatoren, Großmotoren und Gasturbinen für Rechenzentren geschätzt wurde. Zudem veröffentlichte das Unternehmen einen verhaltenen Ausblick.
Auf der positiven Dow-Seite tauchten vor allem Pharmaunternehmen auf. Der größte Indexgewinner waren die Titel von Merck & Co, nachdem der Konzern ein überraschend starkes Quartal hinter sich brachte und die Jahresziele erhöhte. Sehr gut sah es außerhalb des Dow auch noch bei Eli Lilly mit einem Kurssprung um 5,7 Prozent aus. Eine höhere Umsatzprognose trieb die Titel auf Rekordniveau.
Visa wurden von Zahlen eines Konkurrenten wieder etwas in Richtung Rekord hochgezogen. Mastercard übertraf mit seinen Ergebnissen dank höherer Konsumausgaben die Erwartungen. Im Schlepptau konnten mit American Express auch die Papiere eines weiteren Wettbewerbers zulegen./tih/jha/
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