(neu: Aktuelle Kurse, JPMorgan, Citigroup)
PARIS (dpa-AFX) - Die Senkung der Margenprognose für das Gesamtjahr hat die Anleger von Alstom am Montag geschockt. Die Papiere des französischen Bahntechnikkonzerns waren im frühen Handel um bis zu 31 Prozent auf 10,89 Euro eingebrochen und hatten sich damit auf dem Niveau von 2024 wiedergefunden.
Der Kursrutsch zu Wochenbeginn beendete abrupt eine Phase der mehrmonatigen Stabilisierung der Papiere von Alstom. Am späten Vormittag stand noch ein Minus von mehr als 27 Prozent zu Buche, während der Gesamtmarkt moderat zulegte.
Die bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern erwarten die Franzosen im Geschäftsjahr 2026/27 nur noch bei 1 Prozent anstelle der bisher avisierten 6,5 Prozent. Hintergrund sind unter anderem Probleme und gravierende Verzögerungen bei der Elektrotriebzug-Plattform Coradia Max. Zudem warnten die Franzosen vor einem erheblichen Abfluss an frei verfügbaren Barmitteln.
Analyst Akash Gupta von der US-Bank JPMorgan betrachtet Alstoms zweite Gewinnwarnung in diesem Geschäftsjahr als "schmerzhaften, aber notwendigen Bereinigungsprozess". Die neue Prognose des Unternehmens impliziere für das Geschäftsjahr 2026/27 ein bereinigtes operatives Ergebnis von etwa 200 Millionen Euro, was rund 85 Prozent unter der Markterwartung liege.
Gupta bewertet die Aktien von Alstom bislang noch mit "Overweight". Das heißt, er geht davon aus, dass sich die Anteilsscheine in den kommenden sechs bis zwölf Monaten besser als der Sektor entwickeln werden. Seine Empfehlung habe darauf basiert, dass der Bahntechnikkonzern keine Gewinnwarnung herausgeben müsse - oder zumindest keine, die so gravierend sei, dass eine unerwartete Kapitalerhöhung erforderlich werden könnte.
Aktuell hält der Experte an seiner positiven Einschätzung der Aktien von Alstom fest. Denn seine Analyse der Papiere deute unter anderem darauf hin, dass das Risiko einer Kapitalerhöhung angesichts der günstigen Bewertung der Papiere bereits im Kurs eingepreist sei. Darauf weise auch der hohe Anteil derjenigen Anleger hin, die bei Alstom auf fallende Kurse gesetzt haben.
Zuversichtlich stimmt Gupta auch das günstige Nachfrageumfeld. Zudem verwies der Fachmann auf die Bemühungen des Managements, Alstom wieder auf Kurs zu bringen, einschließlich einer umfassenden Überprüfung des Auftragsbestands. Dadurch soll sichergestellt werden, dass dieser nicht lediglich ein theoretischer Wert auf dem Papier ist, sondern auch schnell und verlässlich in Liquidität umgewandelt werden kann.
Analyst Martin Wilkie von der US-Bank Citigroup ergänzte, das Management habe noch keine Einzelheiten zu diesem Plan zum Schuldenabbau in Höhe von zwei Milliarden Euro vorgelegt. Der Finanzvorstand habe während der Telefonkonferenz lediglich über mögliche Veräußerungen gesprochen, ohne Details zu nennen./la/tih




