FRANKFURT (dpa-AFX) - Der weltweite Ausverkauf im KI- und Halbleitersektor hat vor dem Wochenende auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt in die Flucht geschlagen. Der Dax büßte ausgehend von seinem erst am Vortag mit 26.692 Punkten erreichten Rekord zeitweise über 1.000 Punkte ein. Am Freitagnachmittag verlor er 2,4 Prozent auf 25.699 Punkte. Die US-Arbeitsmarktdaten für Oktober ließen die Anleger kalt.
Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 1,2 Prozent auf 30.521 Zähler bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 1,5 Prozent.
Nach dem klaren Erfolg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen war die Ungewissheit, die bis zum Wahlergebnis den Markt noch etwas gelähmt hatte, zunächst verflogen und der Ölpreis mit der Hoffnung auf ein schnelleres Ende des Irankriegs zeitweise deutlich zurückgegangen. Sorgen vor einer stärkeren Regulierung des KI-Bereichs angesichts der politisch wieder erstarkten Demokraten wurden erst einmal verdrängt, kehrten dann aber umso stärker aufs Parkett zurück.
Am Markt dominiere statt der Freude über politische Klarheit bei den US-Zwischenwahlen nun die Furcht, dass Washington in Zukunft den KI-Motor abwürgen könnte, erläuterte Marktanalyst Timo Emden vom Broker CapTrader. Es sorge für Unbehagen, dass die Leitplanken des KI-Sektors neu justiert und die regulatorischen Daumenschrauben stärker angezogen werden könnten als bislang gedacht.
In New York hatte der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 am Donnerstag den stärksten Tagesverlust seit dem Corona-Crash im März 2020 verzeichnet. Für den Halbleiterindex SOX ging es sogar um mehr als 12 Prozent abwärts. Auch für den marktbreiten S&P 500 und den US-Leitindex Dow Jones Industrial war es ein schwarzer Tag. Am Freitag zeichnet sich am US-Markt zunächst ein positiver Handelsauftakt ab.
Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei Swisscanto/ZKB, sieht die jüngste Korrektur eher als kurzfristige Bereinigung denn als grundlegenden Trendwechsel. Die Fundamentaldaten blieben robust. Die politischen Risiken hält er kurzfristig ebenfalls für übertrieben. Ein landesweites Stop-Signal für neue Rechenzentren sei unwahrscheinlich, denn viele Projekte seien vertraglich langfristig abgesichert. Unsicherheiten im Nahen Osten sorgten zwar für höhere Energiepreise und damit für Nervosität, änderten aber derzeit nichts am insgesamt soliden globalen Wachstum, analysierte der Experte.
Quartalszahlen gab es vor dem Wochenende aus dem Dax von Daimler Truck . Die am Vortag starken Aktien des Lastwagenherstellers fielen um 4,5 Prozent. Der Auftragseingang im dritten Quartal sei wie erwartet schwach gewesen, hieß es von der Investmentbank Oddo BHF. Insgesamt sei das Quartal allerdings solide gelaufen.
Munich Re und Hannover Rück verbuchten Kursverluste von jeweils um die 4 Prozent. JPMorgan hatte die Aktien der beiden Rückversicherer abgestuft und bremste deren jüngste Rally damit aus.
Rüstungswerte standen weiter unter Druck. Für die Papiere von Rheinmetall hagelte es Kurszielsenkungen nach der jüngsten Gewinnwarnung. Der Kurs rutschte vorübergehend unter die 800-Euro-Marke und verlor zuletzt 3,5 Prozent. Vor 13 Monaten hatten Rheinmetall-Aktien noch mehr als 2.000 Euro gekostet.
Der Auto- und Industriezulieferer Stabilus wird wegen gesenkter Erwartungen an das Geschäft in China und Nordamerika vorsichtiger. Für die Anteile ging es um 5,7 Prozent bergab. Zuversichtlicher blickt dagegen der Nutzfahrzeug-Zulieferer Jost nach einem guten dritten Quartal auf das laufende Jahr. Die Titel verteuerten sich um 2,9 Prozent./ajx/stk
US46625H1005, DE0008402215, DE0008430026, DE0007030009, DE0008469XXX, DE0008467XXX, US2605661XXX, EU0009658XXX, US6311011XXX, US78378X1XXX, 2455711, DE000JST4000, DE000DTR0CK8, DE000STAB1L8




