FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Auf den Nahost-Friedensschluss reagieren Aktien- und Rohstoffmärkte viel stärker als die Anleihemärkte. Die Renditen treten auf der Stelle. Nach einer Mega-Emission von Nvidia will nun auch SpaceX den Anleihemarkt anzapfen.
19. Juni 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Entspannung an den Märkten wegen des Rahmenabkommens zwischen den USA und Iran: Der Ölpreis ist deutlich gesunken, für ein Barrel Brent liegt er am Freitagmittag unter 80 US-Dollar. Inflations- und Zinserhöhungssorgen haben spürbar nachgelassen.
Der Renditerückgang nach dem Abkommen währte allerdings nur kurz. Unter dem Strich haben sich die Renditen im Wochenvergleich kaum bewegt: Zehnjährige Bundesanleihen werfen aktuell wieder 2,97 Prozent ab. Vor einer Woche waren es 2,98 Prozent. "Die nachlassenden Inflationssorgen stehen dem extrem hohen Kapitalbedarf der Staaten gegenüber", bemerkt Arthur Brunner, der für die ICF Bank Anleihen handelt.
"Viel zu hohe Haushaltsdefizite"
Die Commerzbank geht nicht davon aus, dass die Renditen über den Tag hinaus noch stark fallen werden. "Kurzfristig mag es weiter bergab gehen, wenn der Nahost-Konflikt schrittweise in den Hintergrund gerät. Aber auf Sicht der kommenden sechs, zwölf Monate ist der Raum für weitere Renditerückgänge beschränkt", erklärt Chefvolkswirt Jörg Krämer. Auch er meint, dass die Aussicht auf Leitzinssenkungen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres weitgehend kompensiert werde durch die in den meisten Ländern viel zu hohen Haushaltsdefizite.
"Warsh will glaubwürdiger Inflationsbekämpfer sein"
Die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh hat am Mittwoch dieser Woche die Leitzinsen unverändert gelassen. "Warsh enttäuscht die Zinssenkungshoffnungen", bemerkt Tim Oechsner von der Steubing AG. Warsh habe deutlich gemacht, dass kurzfristig keine geldpolitische Lockerung bevorstehe. Er gelte zwar grundsätzlich als offen für die These eines langfristig nachlassenden Inflationsdrucks durch technologische Fortschritte und KI. Seine erste Fed-Sitzung zeige jedoch, dass Warsh als Notenbankchef zunächst vor allem eines sein wolle: ein glaubwürdiger Inflationsbekämpfer. "Damit entfernt er sich zumindest vorerst von den Zinssenkungswünschen Donald Trumps und positioniert sich deutlich näher an der traditionellen Fed-Linie." Die EZB hatte in der Woche davor die Leitzinsen ebenfalls nicht verändert.
TPG nach Kursschock erholt
Einiges um geht im Staatsanleihehandel bei der Steubing AG in Anleihen von Italien (IT0005425XXX) und Spanien (ES0000012XXX). Im Handel mit Unternehmensanleihen ist es eher ruhig. "Im Moment will sich kaum jemand positionieren, die Impulse fehlen", berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Steubing-Händler Oechsner meldet gute Umsätze für Anleihen von Volkswagen mit Laufzeit bis 2027 und aktueller Rendite von 2,29 Prozent (XS2374595XXX) und Nestlé bis 2029 - in Euro - und 2,70 Prozent (XS1707075XXX).
Viel Bewegung gab es diese Woche beim E-Commerce-Unternehmen The Platform Group, kurz TPG (NO0013256XXX). "Der Kurs der Anleihe fiel nach kritischen Berichten des "Manager Magazin" über das Unternehmen von 77 Prozent auf unter 30 Prozent", erklärt Brunner. Daraufhin kündigte TPG einen Anleiherückkauf ab dem 2. Juli an. Jetzt wird der Bond wieder zu 50 Prozent gehandelt.
Arthur Brunner
Arthur Brunner
Nvidia mit Mega-Anleihe, SpaceX soll folgen
Außerdem geht es weiter mit den milliardenschweren Anleiheemissionen der US-Tech-Konzerne. Nun hat auch Nvidia erstmals seit Beginn des KI-Booms den Anleihemarkt angezapft. Die US-Dollar-Anleihen werden bei Fälligkeiten zwischen 2028 und 2056 mit 4,25 bis 5,625 Prozent verzinst (US67066GAXXX, US67066GAXXX, US67066GAXXX, US67066GAXXX). Mindestanlagesumme sind 2.000 US-Dollar.
Zudem hat SpaceX nach dem Rekordbörsengang vergangene Woche nun eine Mega-Anleiheemission angekündigt: Bonds im Wert von 20 Milliarden US-Dollar sollen begeben werden, wohl schon in der nächsten Woche, wie die Financial Times berichtet.
Von Anna-Maria Borse, 19. Juni 2026, Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)




