
© Foto: fn Symbolbild
Was für ein Tag für Bayer-Aktionäre. Der Supreme Court in Washington hat ein Urteil gefällt, auf das Anleger jahrelang gewartet haben und der Kurs reagiert prompt mit einem riesigen Sprung von über 15 Prozent. Die Analysten überschlagen sich mit neuen und höheren Kurszielen. Doch ganz so einfach ist die Geschichte nicht. Charttechnisch sieht es nach diesem Lauf schon etwas heißgelaufen aus, und auch fundamental bleibt nicht alles Sonnenschein. Wir zeigen, warum die Entscheidung zwar wichtig ist, was Anleger aber jetzt beachten sollten und ob sich ein Einstieg noch lohnen könnte.
Der Glyphosat-Knoten ist geplatzt
Lange hat Bayer auf diesen Moment gewartet. Der Supreme Court in Washington hat im sogenannten Durnell-Fall entschieden und zwar deutlich klarer, als es viele erwartet hatten. Mit 7 zu 2 Stimmen stellten sich die Richter auf die Seite von Bayer. Der Kern der Entscheidung ist, dass wenn die US-Umweltbehörde EPA für ein Produkt keine Krebswarnung vorschreibt, dann können einzelne Bundesstaaten das auch nicht im Nachhinein verlangen. Genau das war über Jahre das Einfallstor für Tausende Klagen gegen den Leverkusener Konzern.
Die Reaktion an der Börse ließ nicht lange auf sich warten. Die Aktie schoss um über 15 Prozent nach oben und kletterte auf ihren höchsten Stand seit Mitte Februar. Auch die Analysten zogen prompt nach. Jefferies erhöhte das Kursziel von 40 auf 46 Euro, blieb aber bei der Einschätzung "Hold". Die DZ Bank wurde deutlich optimistischer und hob ihr Ziel von 51 auf 54 Euro an, Einstufung weiterhin "Kaufen". Goldman Sachs sieht ebenfalls weiter Potenzial nach oben und bestätigte sein "Kaufen"-Rating mit einem Kursziel von 55 Euro. Bayer selbst spricht davon, dass das Urteil helfen werde, die seit fast einem Jahrzehnt schwelenden Rechtsstreitigkeiten endlich einzudämmen.
Ganz vom Tisch ist das Thema trotzdem nicht, denn der parallel laufende Vergleich mit Klägern läuft weiter, und hier hat sich Bayer bereits die Tür für eine mögliche Kapitalerhöhung offengehalten. Der große Bremsklotz ist also weg, dennoch bleibt immer noch das gewisse Restrisiko.

Charttechnik
Nach so einem Kurssprung lohnt sich der genaue Blick auf den Chart. Die letzte Kerze sieht richtig bullisch aus, keine Frage, denn der Ausbruch über die Marke von 45 Euro ist ein starkes Signal und hat technisch einiges in Bewegung gesetzt. Aber der RSI zeigt inzwischen eine Überkauft-Situation an. Nach einem derart schnellen Anstieg ist das auch kein Wunder. Erst mal könnte sich der Kurs daher eine Verschnaufpause nehmen und konsolidieren, bevor es, wenn überhaupt, weiter nach oben geht. Wer jetzt kurzfristig einsteigen will, sollte sich auf Schwankungen einstellen - natürlich auch nach unten hin.
Was tun?
Fundamental hat sich bei Bayer einiges zum Besseren gewendet. Das Urteil nimmt dem Konzern ein riesiges, bisher kaum kalkulierbares Risiko aus der Bilanz. Das Damoklesschwert ist erst einmal zur Seite gelegt. Die Geschäftsaussichten profitieren spürbar davon, auch wenn der Vergleichsprozess weiterläuft und noch auch künftig für Unsicherheit sorgen wird. Die Analysten sehen im Konsens nach der Rally oft nur noch begrenztes Potenzial von wenigen Euro nach oben, wenn überhaupt. Charttechnisch ist die Aktie nach dem Sprung erst mal heiß gelaufen, eine Konsolidierung wäre daher gesund. Wer noch nicht eingestiegen ist, fährt daher besser nicht hinterher. Sinnvoller erscheint es, eine Rückkehr in den Bereich zwischen 40 und 42,50 Euro abzuwarten. Dort wäre das Chance-Risiko-Verhältnis deutlich attraktiver bei einem Einstieg, als auf dem aktuellen, bereits stark gestiegenen Niveau. Stopp nicht vergessen!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




