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Graphen galt lange als eines der großen Versprechen der Materialwissenschaft. 200-mal stärker als Stahl, extrem leicht sowie elektrisch und thermisch leitfähig - seit seiner Entdeckung wurden Anwendungen von Batterien über Elektronik bis zu Hochleistungsbeschichtungen diskutiert.
Doch mehr als 20 Jahre später bleibt die entscheidende Frage dieselbe: Wie wird aus einem außergewöhnlichen Material ein kommerzielles Industrieprodukt?
2026 kommen darauf zunehmend Antworten aus Australien. Mehrere börsennotierte Unternehmen versuchen dort, Graphen aus dem Labor in bestehende Milliardenmärkte zu bringen. Besonders interessant ist dabei ausgerechnet eine der ältesten Industrien der Welt: Zement und Beton.
Warum Beton für Graphen zum Milliardenmarkt werden könnte
Zement wird weltweit in enormen Mengen benötigt, verursacht aber erhebliche CO2-Emissionen. Entsprechend groß ist der Druck auf die Industrie, den Material- und insbesondere den Klinkereinsatz zu reduzieren, ohne Festigkeit und Lebensdauer des Betons zu beeinträchtigen.
Genau hier setzt First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) an.
Das australische Unternehmen produziert mit PureGRAPH Graphenmaterialien für industrielle Anwendungen. Mit PureGRAPH-CEM wurde eine Produktlinie speziell für Zement- und Betonanwendungen entwickelt. Graphen soll dabei bereits in sehr niedriger Dosierung die Eigenschaften zementbasierter Materialien verbessern.
Die wirtschaftliche Idee dahinter ist entscheidend: Graphen muss Beton nicht ersetzen. Schon ein kleiner Zusatz zu einem gigantischen bestehenden Materialstrom könnte einen relevanten Absatzmarkt schaffen.
100 Tonnen Kapazität - und jetzt kommt China
First Graphene verfügt am Standort Henderson in Westaustralien über eine Graphen-Produktionskapazität von bis zu 100 Tonnen jährlich. Damit unterscheidet sich die Ausgangslage deutlich von der klassischen Graphen-Geschichte, die häufig bei Laborversuchen und kleinen Produktionsmengen endete.
Nun folgt der nächste Test.
Im Juli kündigte First Graphene Pläne zur Einführung von PureGRAPH-CEM in China an. Der Schritt ist strategisch bemerkenswert: China ist der mit Abstand größte Zementmarkt der Welt. Sollte sich die Technologie dort kommerziell etablieren, würde First Graphene einen Markt adressieren, in dem selbst geringe Graphen-Dosierungen interessante Volumina bedeuten könnten.
Produktionskapazität allein garantiert allerdings weder Nachfrage noch Profitabilität. Entscheidend wird sein, ob sich technische Ergebnisse unter realen industriellen Bedingungen reproduzieren lassen und Kunden bereit sind, das Material dauerhaft einzusetzen.
Australien wird zum Graphen-Labor der Industrie
Dass First Graphene mit dieser Herausforderung nicht allein ist, macht Australien derzeit besonders interessant.
Sparc Technologies (ISIN: AU0000115750) verfolgt einen anderen Ansatz. Statt Graphen selbst herzustellen, entwickelt das Unternehmen fertige Graphenadditive für die Beschichtungsindustrie. Mit AkzoNobel existiert bereits ein namhafter Industriepartner.
Die August-Präsentation von Sparc nennt inzwischen 29 aktive NDAs, 24 Unternehmen in Tests beziehungsweise Feldversuchen und zwei kommerzielle Käufer. 21 höher priorisierte Projekte betreffen nach Unternehmensangaben Beschichtungsprodukte mit einem adressierbaren Volumen von rund 51 Millionen Litern jährlich. Diese Zahl ist keine Umsatzprognose, zeigt aber die Dimension der Zielmärkte.
Auch Graphene Manufacturing Group (ISIN: AU0000139990) versucht, die Kommerzialisierung voranzutreiben. Das Unternehmen entwickelt Anwendungen unter anderem für Wärmemanagement und Energiespeicherung und meldete für Juni Verkaufsaufträge von mehr als 400.000 A$. Gleichzeitig wird die eigene Graphenproduktion ausgebaut.
Damit entstehen drei unterschiedliche Modelle: First Graphene setzt auf industrielle Graphenproduktion und große Volumenmärkte. Sparc konzentriert sich auf anwendungsfertige Additive. GMG verbindet eigene Graphenproduktion mit spezifischen Endprodukten.
Vielleicht entscheidet nicht die spektakulärste Anwendung
Für First Graphene könnte gerade die vermeintlich unspektakuläre Bauindustrie zum entscheidenden Test werden.
Denn für den kommerziellen Durchbruch von Graphen braucht es möglicherweise weder fliegende Autos noch eine revolutionäre neue Batterie. Interessanter könnte ein Markt sein, der bereits existiert, gigantische Mengen verarbeitet und gleichzeitig unter erheblichem Druck steht, effizienter und CO2-ärmer zu werden.
First Graphene hat mit seiner bestehenden Produktionskapazität und dem Vorstoß mit PureGRAPH-CEM nach China eine interessante Ausgangsposition. Ob daraus tatsächlich bedeutende kommerzielle Mengen entstehen, muss sich erst zeigen.
Doch genau hier liegt die größere Investmentthese: Der nächste Schritt für Graphen ist nicht mehr die Entdeckung neuer Eigenschaften, sondern deren industrielle Skalierung.
Und wenn dieser Schritt gelingt, könnte ausgerechnet Beton zeigen, ob Graphen endgültig im Massenmarkt angekommen ist.

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Quellen:
https://graphenemg.com/
https://firstgraphene.net/
https://sparctechnologies.com.au/
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First Graphene Limited
Land: Australien
ISIN: AU000000FGR3
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Enthaltene Werte: AU000000FGR3,AU0000115750,AU0000139990
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