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Silizium war jahrzehntelang kaum ein Rohstoff, über den Endkunden nachdachten. Heute bildet es die Grundlage der globalen Halbleiterindustrie. Lithium spielte lange eine Nebenrolle in Spezialanwendungen, bevor Batterien den Rohstoff zu einem strategischen Material machten. Eine aktuelle Analyse von MarketWise stellt nun die Frage, ob Graphen langfristig einen ähnlichen Weg nehmen könnte.
Der weltweite Graphenmarkt liegt nach den von MarketWise zusammengetragenen Schätzungen derzeit bei rund 1 Mrd. US-Dollar und könnte bis 2030 auf mehr als 3,5 Mrd. US-Dollar wachsen. Andere Prognosen reichen für die frühen 2030er-Jahre noch deutlich höher. Spannend ist dabei weniger die exakte Zielzahl als der zugrunde liegende Gedanke: Graphen soll kein einzelnes Endprodukt werden, sondern eine Plattformtechnologie, die bestehende Materialien leistungsfähiger macht.
Genau diese Logik prägt bereits heute einen erheblichen Teil der globalen Materialindustrie.
BASF verdient Milliarden mit unsichtbaren Leistungsverbesserungen
BASF (ISIN: DE000BASF111) erzielte 2025 einen Konzernumsatz von 59,7 Mrd. Euro. Allein das Segment Materials kam auf 12,7 Mrd. Euro, weitere rund 9 Mrd. Euro entfielen auf Surface Technologies.
Diese Umsätze entstehen nicht dadurch, dass Konsumenten bewusst "BASF-Material" kaufen. Der Konzern liefert Polyurethane, technische Kunststoffe, Batteriematerialien und zahlreiche weitere chemische Komponenten, die innerhalb eines fertigen Autos, Gebäudes oder Industrieprodukts kaum sichtbar sind.
Ihr wirtschaftlicher Wert entsteht über die Funktion. Ein Kunststoff wird leichter, hitzebeständiger oder mechanisch belastbarer. Ein Batteriematerial speichert Energie zuverlässiger. Ein Zusatz verbessert Verarbeitung oder Lebensdauer.
Diese Geschäftslogik ist für Graphen relevant. Ein erfolgreicher Graphenmarkt würde voraussichtlich ebenfalls nicht daraus entstehen, dass Verbraucher eigenständige Graphenprodukte kaufen. Vielmehr müsste Graphen als kleiner funktionaler Bestandteil in Milliarden bestehender Produkte wandern.
Dow zeigt die Größenordnung globaler Materialplattformen
Dow (ISIN: US2605571031) ist ein noch deutlicheres Beispiel für die industrielle Dimension dieser Strategie. Der US-Konzern erwirtschaftete 2025 knapp 40 Mrd. US-Dollar Umsatz und betreibt 91 Produktionsstandorte in 29 Ländern. Das Portfolio reicht von Verpackungs- und Spezialkunststoffen über industrielle Zwischenprodukte bis zu Performance Materials und Coatings.
Auch hier wird Material nicht als Selbstzweck verkauft. Dow entwickelt Polymere, Silikone, Beschichtungen und Additive, deren Eigenschaften exakt auf industrielle Prozesse abgestimmt werden. Mehr als 90% des Forschungs- und Entwicklungsportfolios des Unternehmens sind nach eigenen Angaben inzwischen mit Nachhaltigkeitszielen verknüpft.
Das macht verständlich, weshalb MarketWise Graphen als mögliche Plattformtechnologie bezeichnet. Erfolgreiche neue Materialien ersetzen häufig nicht von heute auf morgen einen etablierten Werkstoff. Sie werden zunächst dort eingesetzt, wo eine kleine Menge einen messbaren Leistungsunterschied erzeugt.
Arkema zeigt, wie ein Nanomaterial bereits heute industrialisiert wird
Noch näher an Graphen liegt Arkema (ISIN: FR0010313833). Der französische Spezialchemiekonzern erwirtschaftete 2025 mehr als 3,4 Mrd. Euro im Segment Advanced Materials und produziert mit Graphistrength bereits seit Jahren Kohlenstoffnanoröhren für Verbundwerkstoffe, Kunststoffe, Beschichtungen und Batterien.
Die industrielle Pilotkapazität liegt bei bis zu 400 Tonnen pro Jahr. Arkema bietet die Nanoröhren nicht nur als Pulver an, sondern auch als Masterbatch, also bereits in Polymermatrizen vordispergiert. Dadurch lassen sie sich einfacher mit konventionellen Industrieanlagen verarbeiten.
Genau dieser Punkt ist entscheidend. Ein außergewöhnliches Nanomaterial allein schafft noch keinen großen Markt. Es muss in eine Form gebracht werden, die ein Kunststoff-, Beschichtungs- oder Batteriekunde ohne völlig neue Produktionsanlage verwenden kann. Arkema hat diese Lektion bei Carbon Nanotubes längst umgesetzt.
First Graphene folgt derselben industriellen Logik
First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) versucht mit PureGRAPH einen ähnlichen Weg für Graphen-Nanoplatelets. Das Unternehmen stellt nicht nur Pulver mit unterschiedlichen Partikelgrößen her, sondern auch wässrige Dispersionen, Masterbatches und auf konkrete Märkte zugeschnittene Formulierungen.
Die Unterschiede sind wichtig. Beton benötigt ein anderes Graphenprodukt als eine Beschichtung. Ein Composite-Harz stellt andere Anforderungen an Partikelgröße und Oberflächenchemie als ein leitfähiger Kunststoff. Durch die MITO-Übernahme kamen zusätzlich funktionalisierte Graphen- und Graphenoxid-Produkte hinzu.
Damit verändert sich auch das Geschäftsmodell. First Graphene verkauft nicht einfach ein einziges Material an möglichst viele Industrien. Das Unternehmen versucht, für ein bestimmtes Kundenproblem eine passende Materialformulierung zu liefern.
Diese Entwicklung deckt sich erstaunlich gut mit der zentralen These des MarketWise-Artikels: Graphen wird dann interessant, wenn es nicht mehr nur als außergewöhnliches Material betrachtet wird, sondern als funktionaler Bestandteil bestehender industrieller Systeme.
Der Markt wächst nicht automatisch auf 3,5 Mrd. US-Dollar
MarketWise weist gleichzeitig auf die größten Schwächen der Graphenbranche hin. Die Produktionskosten sind weiterhin hoch, Materialqualitäten unterscheiden sich erheblich und einheitliche Standards fehlen teilweise noch. Unterschiedliche Herstellungsverfahren produzieren Materialien, die alle "Graphen" heißen können, aber technisch nicht dieselbe Leistung besitzen.
Genau darin unterscheidet sich die junge Graphenindustrie von Konzernen wie BASF oder Dow. Großkunden erwarten eine Spezifikation, die bei jeder Lieferung eingehalten wird. Sie wollen wissen, wie ein Material verarbeitet werden muss, welche Langzeitdaten vorliegen und ob es auch in fünf Jahren noch in der gleichen Qualität und Menge erhältlich sein wird.
Das erklärt zugleich, weshalb der Weg von erfolgreichen Tests zu großen Serienaufträgen so langsam sein kann. Ein Kunde verändert keine etablierte Rezeptur nur, weil ein Nanomaterial im Labor 30% bessere Werte geliefert hat. Er muss sicher sein, dass dieser Vorteil zuverlässig in seiner eigenen Produktion wiederholbar ist.
Von einem Material zum industriellen Werkzeug
First Graphene verfügt heute nach Unternehmensangaben über eine Produktionskapazität von rund 100 Tonnen Graphenpulver pro Jahr. PureGRAPH wird bereits in unterschiedlichen Pulvergrößen, Dispersionen und Masterbatch-Systemen angeboten.
Diese Zahl ist gegenüber den Materialmengen eines BASF oder Dow winzig. Sie zeigt aber gleichzeitig, wie anders die Graphenökonomie funktionieren kann. Wenn ein Material mit Bruchteilen eines Prozents dosiert wird, kann relativ wenig Graphen eine wesentlich größere Menge Kunststoff, Beton, Harz oder Beschichtung beeinflussen.
Arkema demonstriert dieses Prinzip bereits mit Carbon Nanotubes. Je nach Anwendung reichen sehr niedrige Konzentrationen aus, um elektrische oder mechanische Eigenschaften eines Polymers zu verändern. Der eigentliche Wert liegt nicht in der verkauften Tonnage allein, sondern im Mehrwert, den das Nanomaterial im Endprodukt erzeugt.
Die nächste Materialplattform muss unsichtbar werden
BASF, Dow und Arkema zeigen, wie die erfolgreichsten Materialgeschäfte funktionieren: Der Werkstoff verschwindet im Produkt des Kunden. Sichtbar bleibt nur seine Leistung.
Genau dort müsste Graphen ankommen, wenn aus einem Markt von rund 1 Mrd. US-Dollar tatsächlich mehr als 3,5 Mrd. US-Dollar bis 2030 werden sollen. Graphen müsste irgendwann so selbstverständlich in Kunststoffen, Beschichtungen, Batterien, Beton oder Verbundwerkstoffen stecken, dass der Endkunde seinen Namen nicht mehr kennen muss.
Für First Graphene ist das eine deutlich interessantere Perspektive als die alte Geschichte vom "Wundermaterial". BASF und Dow wurden nicht zu Materialriesen, weil sie ständig neue spektakuläre Stoffe erfanden. Sie wurden groß, weil ihre Materialien zuverlässig Millionen industrielle Prozesse besser machten.
Wenn Graphen den nächsten großen Entwicklungsschritt schaffen soll, dürfte genau das der Maßstab sein.
Quellen:
MarketWise - Why Graphene Is Emerging as the Next Big Investment in the Materials Sector
BASF - Kennzahlen und Segmente
Dow - Investor Relations / Unternehmenskennzahlen
Dow - Materials-Science-Portfolio und Sustainability Report
Arkema - Graphistrength Carbon Nanotubes
First Graphene - PureGRAPH-Produkte
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First Graphene Limited
Land: Australien
ISIN: AU000000FGR3
First Graphene - First Graphene
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