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1,2 Billionen Euro für Europas Stromnetze: Warum E.ON, National Grid und EVN jetzt Milliarden investieren

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Europas Stromverbrauch verändert sich grundlegend. Rechenzentren benötigen immer höhere Anschlussleistungen, Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen erhöhen den Verbrauch in Haushalten und Unternehmen, während gleichzeitig immer mehr Wind- und Solaranlagen dezentral Strom in die Netze einspeisen. Für Energieunternehmen entsteht daraus eine der größten Infrastrukturaufgaben der kommenden Jahrzehnte.

Die Dimension ist enorm: Nach Berechnungen der Europäischen Kommission könnten bis 2040 Investitionen von rund 730 Milliarden Euro in die europäischen Verteilnetze und weitere 477 Milliarden Euro in die Übertragungsnetze erforderlich sein. Zusammengenommen entspricht das einem Investitionsbedarf von mehr als 1,2 Billionen Euro.

Unternehmen wie E.ON (ISIN: DE000ENAG999) und National Grid (ISIN: GB00BDR05C01) richten ihre Investitionsprogramme deshalb zunehmend auf Stromnetze und neue Anschlusskapazitäten aus. Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) investiert einen erheblichen Teil ihrer Mittel in die Netzinfrastruktur Niederösterreichs. Allein in diesem Geschäftsjahr sind hierfür rund 520 Millionen Euro veranschlagt.,

Europas Stromnetze werden zum Engpass

Der Ausbau neuer Erzeugungsanlagen ist nur eine Seite der Stromversorgung. Entscheidend ist, ob der erzeugte Strom auch zuverlässig dorthin transportiert werden kann, wo er benötigt wird. Die Anforderungen an die Netze steigen dabei von zwei Seiten gleichzeitig. Auf der Erzeugungsseite werden immer mehr Windkraft- und Photovoltaikanlagen angeschlossen. Auf der Verbrauchsseite entstehen neue Lasten durch Elektromobilität, elektrische Wärmeversorgung, Industrie und Rechenzentren.

Gerade deshalb rückt ein Begriff zunehmend in den Mittelpunkt der europäischen Netzplanung: vorausschauende Investitionen. Stromnetze sollen nicht erst dann erweitert werden, wenn ein neuer Verbraucher oder Erzeuger einen Anschluss beantragt. Vielmehr sollen Netzbetreiber Kapazitäten bereits im Vorfeld schaffen, wenn absehbar ist, dass der Bedarf in einer Region deutlich steigen wird.

Die Europäische Kommission hat hierfür im Juni 2025 eigene Leitlinien veröffentlicht und beziffert den Investitionsbedarf bis 2040 auf rund 730 Milliarden Euro für Verteilnetze sowie 477 Milliarden Euro für Übertragungsnetze. Ende 2025 folgte ein weiteres Maßnahmenpaket für die europäischen Stromnetze. Ziel ist unter anderem, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, neue Netzverbindungen schneller umzusetzen und Anschlussprozesse effizienter zu gestalten.

E.ON investiert 40 Milliarden Euro in Energienetze

Kaum ein europäischer Energiekonzern macht die Verschiebung hin zum Netzgeschäft deutlicher als E.ON.

Der Konzern plant für den Zeitraum 2026 bis 2030 Investitionen von rund 48 Milliarden Euro. Davon sollen etwa 40 Milliarden Euro in das Netzgeschäft fließen. Damit entfällt der mit Abstand größte Teil des Investitionsprogramms auf den Ausbau und die Digitalisierung der europäischen Energieinfrastruktur. E.ON betreibt große Verteilnetze unter anderem in Deutschland, Schweden, Tschechien und weiteren europäischen Märkten. Für den Konzern bedeutet der steigende Anschlussbedarf langfristiges Wachstum: Neue Photovoltaikanlagen, Speicher, Wärmepumpen, Ladepunkte oder Industriebetriebe benötigen leistungsfähige Netzanschlüsse.

Dabei verfolgt E.ON einen klaren Ausbaukurs. Das Unternehmen will seine Investitionen in Stromverteilnetze bis 2030 jährlich um rund eine Milliarde Euro erhöhen. Gleichzeitig soll die regulierte Vermögensbasis des Netzgeschäfts im Durchschnitt um etwa neun Prozent pro Jahr wachsen. Für Anleger ist das interessant, weil Netzgeschäft und regulierte Infrastruktur andere wirtschaftliche Eigenschaften besitzen als beispielsweise die Stromerzeugung. Investitionen werden über langfristige regulatorische Modelle refinanziert und schaffen über viele Jahre eine wachsende Anlagenbasis.

National Grid plant einen historischen Ausbau

Auch beim britischen Netzbetreiber National Grid erreichen die Investitionsprogramme Größenordnungen, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar waren. Der Konzern verfolgt ein gruppenweites Investitionsprogramm von rund 60 Milliarden Pfund. Ein großer Teil davon soll in Stromnetze fließen. Allein für das britische Übertragungsnetz sieht der RIIO-T3-Plan für den Zeitraum von April 2026 bis März 2031 Investitionen von bis zu 35 Milliarden Pfund vor - rund zweieinhalbmal so viel wie in der vorherigen Regulierungsperiode. Davon entfallen mehr als 11 Milliarden Pfund auf die Modernisierung bestehender Netze und bereits genehmigte Projekte. Weitere rund 24 Milliarden Pfund bilden eine Pipeline zusätzlicher Investitionen, darunter etwa 15 Milliarden Pfund, die unmittelbar zusätzliche Netzkapazität schaffen sollen. Wie stark sich dabei neue Verbraucher auf die Netzplanung auswirken, zeigen die aktuellen Unternehmenszahlen. National Grid erwartet, dass sein RIIO-T3-Programm zusätzliche Nachfragekapazitäten von rund 19 GW ermöglicht. Davon sollen allein 10 GW für den Anschluss von mehr als 30 Rechenzentren zur Verfügung stehen.

Damit wird deutlich: Der Ausbau der Stromnetze wird längst nicht mehr ausschließlich von zusätzlicher Wind- und Solarleistung getrieben. Auch KI, Digitalisierung und neue industrielle Verbraucher verändern die Infrastrukturplanung.

Netze müssen nicht nur größer, sondern intelligenter werden

Mehr Leitungen allein werden allerdings nicht ausreichen. Mit steigenden Strommengen nimmt auch die Komplexität des Systems zu. Tausende dezentrale Erzeugungsanlagen speisen Strom ein, Batteriespeicher können innerhalb von Sekunden zwischen Verbrauch und Einspeisung wechseln und Elektrofahrzeuge erzeugen zusätzliche Lasten zu bestimmten Tageszeiten. Damit gewinnen digitale Steuerung, Automatisierung und Flexibilitätsmanagement an Bedeutung.

Die Europäische Kommission fordert deshalb ausdrücklich, bestehende Netzkapazitäten effizienter zu nutzen und zugleich Investitionen vorausschauend zu planen. Ziel ist es, Engpässe nicht ausschließlich durch zusätzliche Leitungen zu beseitigen, sondern Netze intelligenter zu betreiben. Auch die EVN nennt Flexibilitätslösungen und die Ertüchtigung der Netze für die Zukunft ausdrücklich als Innovationsschwerpunkte. Dazu gehören unter anderem virtuelle Kraftwerke, Demand-Side-Management und Batteriespeicher, die zur Entlastung und effizienteren Nutzung der Netze beitragen können.

EVN investierte knapp 393 Millionen Euro in Stromnetze

Auch bei der EVN ist der Netzausbau längst einer der größten Investitionsschwerpunkte. Im Geschäftsjahr 2024/25 erreichten die gesamten Investitionen des Konzerns mit 909,8 Millionen Euro einen neuen Höchststand. Davon entfielen 472,4 Millionen Euro auf das Segment Netze. Allein die Investitionen in Stromnetze beliefen sich auf 392,6 Millionen Euro - nach 329,1 Millionen Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um 19,3 Prozent. Damit floss im vergangenen Geschäftsjahr deutlich mehr als jeder dritte investierte Euro des EVN-Konzerns unmittelbar in die Stromnetzinfrastruktur. Die hohe Investitionstätigkeit ist Bestandteil einer deutlich größeren Strategie. Bis 2030 plant die EVN durchschnittlich Investitionen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Ein Großteil davon soll in Niederösterreich umgesetzt werden, wobei Netzinfrastruktur neben erneuerbarer Erzeugung, Speichern, Wärme, Wasser und Ladeinfrastruktur einen zentralen Schwerpunkt bildet.

Der regionale Fokus ist nachvollziehbar. Netz Niederösterreich betreibt die Strom- und Gasverteilnetze im Bundesland. Mit jeder neuen Windkraftanlage, Photovoltaikanlage, Batterie oder Wärmepumpe steigen die Anforderungen an diese Infrastruktur.

Stromnetze werden zur Grundlage für neue Geschäftsmodelle

Für Energieunternehmen hat der Netzausbau damit eine weit größere Bedeutung als die reine Versorgungssicherheit.

Neue Infrastruktur schafft überhaupt erst die Voraussetzungen dafür, dass andere Geschäftsfelder wachsen können. Ohne ausreichende Netzkapazitäten lassen sich neue Windparks nur verzögert anschließen. Dasselbe gilt für große Batteriespeicher, Schnellladestandorte oder industrielle Verbraucher. Genau deshalb greifen die Investitionsprogramme der EVN zunehmend ineinander. Das Unternehmen baut seine Windkraftleistung aus, plant bis 2030 ein Batteriespeicherportfolio von 300 MW und erweitert gleichzeitig die Lade- sowie Netzinfrastruktur. Die Stromnetze bilden dabei die physische Verbindung zwischen Erzeugung, Speicherung und Verbrauch.

Diese Entwicklung lässt sich auch international beobachten. E.ON konzentriert einen Großteil seiner Investitionen auf Verteilnetze. National Grid erweitert das britische Übertragungsnetz in historischem Umfang. Beide Unternehmen reagieren damit auf denselben strukturellen Trend: Die Anforderungen an die Strominfrastruktur wachsen schneller als in den vergangenen Jahrzehnten.

Für Anleger rücken regulierte Netze stärker in den Fokus

Auch am Kapitalmarkt verändert diese Entwicklung den Blick auf Energieunternehmen. Wind- und Solarparks waren lange die sichtbarsten Investitionen des europäischen Stromumbaus. Stromnetze erhalten dagegen erst zunehmend die gleiche Aufmerksamkeit. Dabei besitzen Netzbetreiber einen wichtigen Vorteil: Ihre Infrastruktur wird über Jahrzehnte betrieben. Gleichzeitig schaffen steigende Investitionen eine wachsende regulierte Vermögensbasis, die für künftige Erträge bestimmend ist. Das erklärt, warum Unternehmen wie E.ON ihr Kapital zunehmend in diese Bereiche lenken. Rund 40 Milliarden Euro von insgesamt 48 Milliarden Euro geplanten Investitionen sollen bis 2030 allein in das Netzgeschäft fließen. National Grid plant parallel eines der größten Infrastrukturprogramme seiner Unternehmensgeschichte.

Auch bei der EVN ist das regulierte Netzgeschäft ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Investitionen und laufende Aufwendungen von Netz Niederösterreich werden im regulatorischen Rahmen über jährlich festgelegte Netzentgelte berücksichtigt.

Fazit

Europas Stromnetze stehen vor einem Investitionszyklus historischen Ausmaßes. Bis 2040 könnten nach Schätzungen der Europäischen Kommission mehr als 1,2 Billionen Euro für Verteil- und Übertragungsnetze erforderlich werden. E.ON will allein bis 2030 rund 40 Milliarden Euro in Energienetze investieren. National Grid plant für sein britisches Übertragungsnetz bis 2031 bis zu 35 Milliarden Pfund und schafft dabei zusätzliche Kapazitäten für Stromerzeugung, Industrie und Rechenzentren.

Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) investiert bereits in großem Umfang in ihre Netzinfrastruktur. Im Geschäftsjahr 2024/25 flossen knapp 400 Millionen Euro in die Stromnetze - fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Je stärker Stromerzeugung, Speicher, Elektromobilität und neue Großverbraucher wachsen, desto wichtiger wird deshalb eine Infrastruktur, die all diese Bereiche miteinander verbindet. Stromnetze könnten damit zu einem der größten und langfristigsten Investitionsfelder der europäischen Energiebranche werden.


Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".

Quellen:

EVN

EVN Jahresfinanzbericht 2024/25 - direkter PDF-Link
https://www.evn.at/getmedia/cf5d1356-1622-4d84-ae5a-5cb5c7dbecb6/EVN_Jahresfinanzbericht-2024-25.pdf

EVN Konzernlagebericht / Annual Financial Report 2024/25
https://www.evn.at/getmedia/fa6d89eb-e40b-4f4b-8415-b23692701ffb/Management-report_Group-and-EVN-AG_2024_25.pdf

EVN Ganzheitsbericht 2024/25 - Nichtfinanzieller Bericht
https://www.evn.at/getmedia/8065a961-c448-49fe-81a1-e78c14e42f53/Nichtfinanzieller-Bericht-2024-25.pdf

EVN Investor Relations - Publikationen
https://www.evn.at/home/investor-relations/publikationen

Europäische Kommission

EU guidance on ensuring electricity grids are fit for the future - 2. Juni 2025
https://energy.ec.europa.eu/news/eu-guidance-ensuring-electricity-grids-are-fit-future-2025-06-02_en

European Grids Package and Energy Highways
https://energy.ec.europa.eu/strategy/affordable-energy/actions-supporting-affordable-energy_en

235 key cross-border energy projects - 9. April 2026
https://energy.ec.europa.eu/news/235-key-cross-border-energy-projects-boost-europes-interconnectivity-2026-04-09_en

E.ON

E.ON Investment Plan 2026-2030 - 25. Februar 2026
https://www.eon.com/en/about-us/media/press-release/2026/eon-continues-growth-path-in-2025-and-delivers-on-energy-transition.html

E.ON Energy Grids
https://www.eon.com/en/energy-grids.html

E.ON Integrated Annual Report 2025
https://annualreport.eon.com/content/dam/eon-annualreport/documents/en/GB25-gesamt-EN_final.pdf

National Grid

National Grid Full Year Results 2025/26
https://www.nationalgrid.com/investors

RIIO-T3 Business Plan - bis zu 35 Mrd. Pfund für das britische Übertragungsnetz
https://www.nationalgrid.com/media-centre/press-releases/riio-t3-business-plan-published-framework-deliver-most-significant-step-forward-uks-transmission

National Grid RIIO-T3 Business Plan
https://www.riiot3.nationalgrid.com/sites/g/files/atxybb411/files/documents/2024-12/NGET_Business%20Plan%202024_Main%20Document_Redactions_V2_Redacted_updated2.pdf

National Grid Results Presentation FY 2025/26
https://www.nationalgrid.com/document/576631/download

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