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Erst ein Kurssprung wie ihn kaum eine Aktie je erlebt hat, dann der schnelle Absturz, aber kommt jetzt wieder eine Erholung? Moderna sorgt gerade für einen der irrsten Nervenkitzel an der Wallstreet. Grund ist ein Studienerfolg beim Krebsimpfstoff, der die ganze Story des Unternehmens auf den Kopf stellt. Die Analysten überschlagen sich mit neuen Kurszielen, doch sie liegen, wie sollte es anders sein, teilweise meilenweit auseinander. Lohnt sich der Einstieg jetzt noch, oder ist die Party schon wieder vorbei? Wir schauen es uns für Sie an.
Wahnsinns-Anstieg
Diese Woche hatte es in sich für Moderna-Aktionäre. Mitten in der Woche schoss das Papier um fast 200 Prozent nach oben, der größte Sprung der Firmengeschichte. Auslöser war eine gemeinsam mit Merck entwickelte Krebstherapie namens Intismeran. In einer wichtigen Studie zeigte sie beim Hautkrebs deutliche Fortschritte, kombiniert mit Mercks Mittel Keytruda. Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine personalisierte mRNA-Therapie gegen Krebs so weit kommt. Kein Wunder, dass die Fantasie durchging.
Nur einen Tag später kam aber dann schon die kalte Dusche. Knapp ein Viertel der Kursgewinne war wieder weg, denn konkrete Zahlen zum genauen Nutzen für die Patienten fehlten noch und dann werden die Skeptiker wieder lauter als die Optimisten. Am Freitag ging es dann erneut bergauf, getrieben von Banken, die reihenweise ihre Kursziele nach oben schraubten, teils drastisch. Die Bandbreite bleibt aber riesig, von knapp 80 bis über 170 US-Dollar. Das zeigt, dass selbst die Profis sich völlig uneinig sind, was diese Studie wirklich wert ist.
Auffällig ist auch, wie viel Meinung gerade im Umlauf ist, und wie wenig Substanz. Manche sprechen schon vom Beginn eines neuen mRNA-Zeitalters gegen Krebs, andere warnen vor einer Blase, die nur durch Shortseller und Optionsspekulanten aufgepumpt wurde. Beides lässt sich derzeit nicht wirklich belegen. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen. Fest steht nur, dass das Handelsvolumen zuletzt enorm war und viele neue Anleger eingestiegen sind. Ob die dabei bleiben, wenn die nächste Korrektur kommt, ist eine ganz andere Frage.

Charttechnik
Wer auf den Chart schaut, sieht vor allem eins: Wahnsinns-Ausschläge. Die Aktie pendelte zuletzt zwischen rund 130 und 175 US-Dollar hin und her, ein Spielfeld, das für die meisten Anleger kaum zu greifen ist, denn der Kurs bewegt sich so schnell. Auch irre alles, denn der Kurs lag noch vor wenigen Tagen, bzw. Wochen in einer Range zwischen 50 und 65 US-Dollar. Trotz des jüngsten Rücksetzers gilt der Titel technisch weiterhin als überkauft. Egal ob man den RSI heranzieht oder die Bollinger-Bänder (nicht mit einer 2er sondern sogar mit einer 3er Standardabweichung). Alle deuten auf einen überkauften Kurs hin. Ob jetzt der nächste Rutsch nach unten folgt oder erst noch ein Rebound ansteht, lässt sich derzeit aber kaum seriös vorhersagen. Zu frisch und zu wackelig ist die Datenlage und viel zu nervös ist der Handel.
Was tun?
Fundamental bleibt Moderna aber immer noch ein Unternehmen mit einem hohen Cash-Verbrauch, das operativ tief in den roten Zahlen steckt und laut eigener Planung erst 2028 die Gewinnschwelle erreichen will. Die Studienerfolge sind wissenschaftlich bedeutend, aber bis daraus verlässliche Umsätze werden, braucht es noch Zulassung, Preisverhandlungen und belastbare Daten. Und ob daraus dann die erwarteten Umsätze und auch Gewinne folgen, kann keiner seriös vorhersagen. Angesichts der extremen Schwankungen und der offenen Fragen erscheint ein überstürzter Einstieg derzeit recht riskant. Wer die Aktie bereits im Depot hat, kann ruhig bleiben, denn er dürfte ja, sofern er vor ein paar Wochen erst eingestiegen ist, im Gewinn liegen. Für Neueinsteiger lohnt sich eher Geduld bis zu deutlicheren Signalen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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