
© Foto: von fernando zhiminaicela auf Pixabay (Symbolbild)
Fast 30 Prozent in einer einzigen Woche. Das ist lange her, dass sowas bei BioNTech vorkam. Zuletzt wohl zu Pandemie-Zeiten ging es mal so zur Sache. Die Marke von 110 US-Dollar ist geknackt und Anleger, die rechtzeitig eingestiegen sind, freuen sich. Doch ausgelöst hat das Ganze nicht das Unternehmen selbst, sondern die Konkurrenz aus den USA. Während die Privatanleger sich in Börsenforen noch über Chancen und Risiken streiten, zeigen die Zahlen ein gespaltenes Bild. Ein schwaches Kerngeschäft, aber vielversprechende Onkologie-Pipeline. Lohnt sich jetzt der Einstieg jetzt noch, oder ist die Luft schon wieder raus? Wir schauen genauer für Sie hin.
Geliehene Euphorie mit echtem Kern
Was für ein Anstieg, was für ein Ritt nach oben. Innerhalb weniger Handelstage kletterte die BioNTech-Aktie um über 20 bis fast knapp 30 Prozent nach oben und kratzte fast an der 116 US-Dollar-Marke. Der eigentliche Zünder saß aber woanders, denn Moderna und Merck meldeten Erfolge mit ihrem gemeinsamen mRNA-Krebsimpfstoff gegen Melanom. Der Markt feierte diesen Beweis für das Wirkprinzip und zog die ganze Branche mit nach oben, auch BioNTech.
Die eigenen Geschäftszahlen von BioNTech sehen unterdessen weniger rosig aus. Der Umsatz brach im zweiten Quartal auf gut 105 Millionen Euro ein, der Nettoverlust wuchs auf über 820 Millionen Euro. Die Jahresprognose wurde gesenkt. Hoffnung macht dagegen die Onkologie-Pipeline: Mit Pumitamig und weiteren Wirkstoffen laufen mehrere spätphasige Studien, erste Zwischenergebnisse fielen auch schon ganz ordentlich aus. Zudem soll im dritten Quartal eine Zahlung von Bristol Myers Squibb über 613 Millionen Euro die Kasse aufbessern. Die ist sowieso noch prall gefüllt.
Spannend wird es auch beim Blick auf den Chef-Wechsel. Guido Oelkers übernimmt spätestens 2027 das Ruder von den Gründern Sahin und Türeci, die sich dann schrittweise zurückziehen. Ein Wirtschaftsmann statt Wissenschaftler an der Spitze - das soll BioNTech auf dem Weg vom Impfstoffhersteller zum breit aufgestellten Onkologie-Konzern voranbringen. Ob dieser Kurswechsel beim Führungspersonal den Anlegern zusätzliches Vertrauen schenkt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Charttechnik
Der Chart zeigt eine Aktie im kurzfristigen Überhitzungsmodus. Der RSI liegt bei rund 75 bis 76 Punkten und damit schon im überkauften Bereich. Positiv ist aber jetzt, dass der Kurs deutlich über dem 50er und dem 200er SMA notiert. Beide liegen im 90er Bereich und damit deutlich entfernt. Das könnte ein Trendwechsel sein, vom Abwärts- zum mittel- und längerfristigen Aufwärtstrend. Nach oben gilt das bisherige Jahreshoch als Hürde, nach unten dient das Verlaufstief im Bereich 80 - 81 US-Dollar als letzte Bastion und damit letzte Unterstützung. Die Schwankungsbreite hat jetzt deutlich zugenommen und jede neue Nachricht kann den Kurs kräftig bewegen. Wenn der Kurs sich jetzt über der 120 US-Dollar-Marke etablieren könnte, wäre charttechnisch auch der Sprung über die 130 US-Dollar möglich und dann ein Anstieg in Richtung 150 US-Dollar. So schnell könnte sich das Blatt wenden.
Was tun?
Die Lage bleibt aktuell zweigeteilt. Fundamental drückt das schwache COVID-Geschäft, während die Onkologie-Pipeline echtes Potenzial mitbringt. Charttechnisch ist die Aktie nach der Rally kurzfristig überkauft, ein Rücksetzer wäre keine Überraschung, aber dann könnte man überlegen wieder einzusteigen. Wer bereits investiert ist, kann die Position halten und die anstehenden Studiendaten im Herbst abwarten. Wenn die Aktie oberhalb der 120 US-Dollar-Marke stabil bliebt, wäre ein Anstieg in Richtung 150 US-Dollar möglich.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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