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2025 könnte rückblickend als das Jahr gelten, in dem Batteriespeicher in Europa endgültig vom Nischenprodukt zur eigenständigen Energieinfrastruktur wurden. Nach aktuellen Zahlen von SolarPower Europe wurden innerhalb eines Jahres rund 36 Gigawattstunden neue Batteriespeicher installiert. Das waren 48 Prozent mehr als 2024. Erstmals überschritt die insgesamt installierte Speicherkapazität in Europa damit die Marke von 100 Gigawattstunden.
Doch das könnte erst der Anfang sein. Bis 2030 erwartet SolarPower Europe einen starken Anstieg der jährlichen Neuinstallationen. Allein im Jahr 2030 könnten in Europa rund 138 Gigawattstunden neue Batteriespeicher hinzukommen. Treiber sind zunehmend große, netzgekoppelte Speicherprojekte.
Für Anleger entsteht damit ein neuer Infrastrukturmarkt. RWE (ISIN: DE0007037129) baut derzeit allein in Deutschland Batteriespeicher mit einer Leistung von rund 1,7 Gigawatt. Tesla (ISIN: US88160R1014) liefert seine Megapack-Systeme für ein europäisches Speicherprogramm mit einem geplanten Volumen von zunächst 25 Gigawattstunden. Und auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) hat ihre Speicherstrategie deutlich ausgeweitet: Bis 2030 soll die Batteriespeicherleistung des Konzerns auf 300 Megawatt steigen.
Warum Europa plötzlich so viele Batterien braucht
Der Grund für den Boom liegt in einer grundlegenden Veränderung des Stromsystems. Wind- und Solaranlagen erzeugen Strom nicht zwangsläufig dann, wenn die Nachfrage besonders hoch ist. In sonnigen oder windreichen Stunden kann sehr viel Strom gleichzeitig produziert werden. Einige Stunden später kann sich die Situation bereits umkehren.
Batteriespeicher können diese zeitliche Diskrepanz verkleinern. Sie nehmen Strom auf, wenn viel Energie verfügbar ist, und geben ihn später wieder ab. Gleichzeitig können Großbatterien innerhalb kürzester Zeit auf Schwankungen im Netz reagieren und damit zusätzliche Flexibilität bereitstellen.
Damit verändert sich auch ihre wirtschaftliche Rolle. Speicher sind nicht mehr ausschließlich technische Ergänzungen von Wind- und Solarparks. Sie können Strom an kurzfristigen Märkten handeln, Regelleistung bereitstellen, vorhandene Netzanschlüsse besser auslasten und Preisschwankungen nutzen.
Genau deshalb verschiebt sich der europäische Markt zunehmend in Richtung großer Batteriesysteme. SolarPower Europe zufolge wurden 2025 rund 36 GWh neu installiert. Große Utility-Scale-Projekte waren erstmals der wichtigste Wachstumstreiber.
RWE baut Batteriespeicher im industriellen Maßstab
Wie groß die Dimensionen inzwischen werden, zeigt RWE.
Erst Ende Juli kündigte der Konzern einen neuen Großbatteriespeicher am Tagebau Hambach an. Die Anlage soll über 236 MW Leistung und 470 MWh Speicherkapazität verfügen. Insgesamt 128 Lithium-Ionen-Batteriecontainer sind vorgesehen, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant. Das ist nur eines von mehreren aktuellen Projekten. In Lingen baut RWE einen Batteriespeicher mit 400 MW Leistung und mindestens 800 MWh Kapazität. Die Anlage soll 2028 in Betrieb gehen. Parallel entstehen weitere Speicher an bestehenden Energie- und Solarstandorten. Nach Unternehmensangaben befinden sich derzeit in Deutschland insgesamt rund 1,7 GW Batteriespeicherleistung im Bau. Weltweit betreibt RWE bereits rund 1,2 GW beziehungsweise etwa 2,7 GWh an Batteriespeichern.
Die Strategie dahinter ist bemerkenswert: Bestehende Kraftwerks- und Energiestandorte erhalten eine neue Funktion. Wo Netzanschlüsse und Infrastruktur bereits vorhanden sind, lassen sich Großbatterien vergleichsweise effizient in das bestehende Stromsystem integrieren.
Tesla macht aus dem Megapack ein Infrastrukturgeschäft
Dass Batteriespeicher längst auch ein Milliardenmarkt für Technologieunternehmen geworden sind, zeigt Tesla. Im Juni 2026 vereinbarten Tesla und der Energieentwickler NatPower ein umfangreiches Speicherprogramm in Großbritannien und Italien. In einer ersten Phase sollen 25 GWh Batteriespeicherkapazität entstehen. Dafür werden Teslas Megapack-Systeme sowie die dazugehörige Software für den Stromhandel eingesetzt.
Das Investitionsvolumen der geplanten ersten Ausbaustufe wird auf vier bis fünf Milliarden US-Dollar beziffert. Langfristig soll das Programm sogar auf mehr als 100 GWh anwachsen. Die Größenordnung zeigt, wie stark sich der Markt verändert. Batteriespeicher werden zunehmend als eigenständige Infrastrukturprojekte entwickelt - vergleichbar mit Solarparks, Windparks oder Netzanlagen.
Für Anleger ist dabei interessant, dass sich entlang der Wertschöpfungskette unterschiedliche Geschäftsmodelle entwickeln: Hersteller liefern Batteriesysteme und Software, Projektentwickler bauen Anlagen, Energieunternehmen betreiben und vermarkten sie.
Auch EVN beschleunigt den Speicherausbau
Diese Entwicklung ist auch bei der EVN zu beobachten. Noch zum 31. März 2026 verfügte die EVN über eine installierte Batteriespeicherleistung von 12 MW. Bis 2030 soll diese Leistung auf 300 MW steigen. Rund zwei Drittel davon beziehungsweise etwa 200 MW sind für Niederösterreich vorgesehen, weitere Projekte sollen in Bulgarien und Nordmazedonien entstehen.
Dabei hat die EVN in den vergangenen Monaten mehrere konkrete Projekte vorangetrieben.
Am Energieknoten Theiß entsteht ein Großbatteriespeicher mit 70 MW Leistung und 140 MWh Kapazität. Rund 46 Millionen Euro investiert die EVN in das Projekt. Die Inbetriebnahme ist für das dritte Quartal 2027 vorgesehen. Der Speicher soll unter anderem Netzschwankungen ausgleichen und kann bestehende Infrastruktur am Kraftwerksstandort nutzen.
Auch in Dürnrohr baut die EVN einen neuen Speicher. Dort sind rund 16 MW Leistung und 64 MWh Speicherkapazität vorgesehen. Mit einem vollständig geladenen Speicher könnten nach Angaben des Unternehmens rechnerisch etwa 6.700 Durchschnittshaushalte einen Tag lang versorgt werden.
Von Niederösterreich bis Nordmazedonien
Die Speicherstrategie endet jedoch nicht an der österreichischen Grenze.
Am 14. Juli meldete die EVN einen weiteren Meilenstein: Im nordmazedonischen Probishtip ging das derzeit größte Batteriespeichersystem des Landes in Betrieb. Mit 10 MW Leistung und 20 MWh Kapazität ist es gleichzeitig das bislang größte in Betrieb befindliche Speicherprojekt der EVN. In einer nächsten Ausbaustufe soll die Speicherkapazität auf 40 MWh verdoppelt werden. Damit verfolgt die EVN einen ähnlichen Ansatz wie größere europäische Energiekonzerne: Batteriespeicher werden dort aufgebaut, wo sie mit bestehenden Erzeugungsanlagen und Netzanschlüssen kombiniert werden können.
Ein Beispiel dafür ist auch Trumau/Tattendorf. Dort kombiniert die EVN Windkraft, Photovoltaik und einen Batteriespeicher mit 3,4 MW Leistung und 6,9 MWh Kapazität zu einem sogenannten "Super-Hybrid-Park".
Aus Speichern entsteht ein neues Geschäftsmodell
Für Energieunternehmen ist dabei nicht nur die technische Funktion interessant.
Batterien können überschüssigen Strom aufnehmen und ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder verkaufen. Die EVN nennt dafür ausdrücklich den Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemarkt. Damit kann Flexibilität wirtschaftlich vermarktet werden. Gleichzeitig lassen sich Lastspitzen ausgleichen und vorhandene Netzanschlüsse effizienter nutzen.
RWE geht inzwischen sogar einen Schritt weiter. Gemeinsam mit Polarium bündelt der Konzern mehr als 1.600 dezentrale Batteriesysteme in Deutschland zu einer virtuellen Batterie. Zunächst sollen damit mindestens 50 MW Leistung und 135 MWh Kapazität vermarktet werden. Perspektivisch könnte das Portfolio auf mehr als 10.000 Batteriesysteme und rund 810 MWh anwachsen.
Der Speicher der Zukunft muss deshalb nicht zwangsläufig eine einzelne riesige Batterie sein. Tausende kleinere Anlagen können digital miteinander verbunden werden und gemeinsam auf Signale des Strommarktes reagieren.
Ein Markt mit enormem Wachstum - aber auch Risiken
Für Anleger spricht vieles dafür, Batteriespeicher künftig als eigenständigen Teil der Energieinfrastruktur zu betrachten. Gleichzeitig ist der Markt nicht risikofrei. Sinkende Batteriepreise erleichtern zwar neue Projekte, erhöhen aber auch den Wettbewerbsdruck. Hinzu kommen regulatorische Fragen, Netzanschlüsse und die Unsicherheit darüber, wie hoch Erlöse aus Stromhandel und Systemdienstleistungen langfristig ausfallen werden. Auch die Geschwindigkeit des europäischen Ausbaus ist entscheidend. SolarPower Europe weist darauf hin, dass der Speicherausbau trotz des aktuellen Wachstums noch beschleunigt werden muss, um den langfristigen Flexibilitätsbedarf des europäischen Stromsystems zu decken.
Genau daraus könnte der nächste Investitionszyklus entstehen.
Fazit
Batteriespeicher entwickeln sich vom technischen Zusatzprodukt zu einer eigenständigen Milliardenindustrie. Europa hat 2025 erstmals mehr als 100 GWh installierte Batteriespeicherkapazität erreicht. Bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte der Ausbau erheblich an Geschwindigkeit gewinnen.
RWE baut bereits Großspeicher mit mehreren hundert Megawatt Leistung. Tesla liefert Megapacks für europäische Speicherprogramme im Milliardenbereich. Und auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) hat ihre Ambitionen deutlich erhöht: Von zuletzt 12 MW installierter Leistung soll das Portfolio bis 2030 auf 300 MW wachsen.
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Quellen:
EVN
EVN erzielt wesentliche Fortschritte bei der Umsetzung ihrer Batteriespeicherstrategie - 14. Juli 2026
https://www.evn.at/home/investor-relations/news/ir-mitteilungen/die-evn-erzielt-wesentliche-fortschritte-bei-der-umsetzung-ihrer-batteriespeicherstrategie
Österreichs größter Batteriespeicher wird von EVN in Theiß errichtet - 14. März 2026
https://www.evn.at/home/presse/osterreichs-gro-ter-batteriespeicher
Großbatteriespeicher für den Energieknoten Dürnrohr - 15. Mai 2026
https://www.evn.at/home/presse/durnrohr
EVN Speicherinitiative: 300 MW bis 2030 - 4. Januar 2026
https://www.evn.at/home/presse/evn-speicherinitiative-300-mw-bis-2030
Batteriespeicher macht Trumau und Tattendorf zu Standorten eines "Super-Hybrid-Parks"
https://www.evn.at/home/presse/batteriespeicher-macht-trumau-und-tattendorf-zu-standorten-eines-super-hybrid-parks
EVN Ganzheitsbericht 2024/25 - direkter PDF-Link
https://www.evn.at/getmedia/8065a961-c448-49fe-81a1-e78c14e42f53/Nichtfinanzieller-Bericht-2024-25.pdf
EVN Aktionärsbrief Q1 2025/26 - direkter PDF-Link
https://www.evn.at/getmedia/91bc59cf-4338-4956-9915-1e79aa143864/AB_Q1_2025_26_DE.pdf
SolarPower Europe
European Battery Market Outlook 2026-2030 - neue Marktzahlen vom 23. Juni 2026
https://www.solarpowereurope.org/press-releases/new-report-european-battery-storage-surges-in-2025-as-utility-scale-drives-next-growth-phase
RWE
RWE baut Großspeicher mit 236 MW / 470 MWh am Tagebau Hambach - 28. Juli 2026
https://www.rwe.com/en/press/rwe-generation/2026-07-28-rwe-to-build-large-scale-storage-at-hambach-mine/
RWE baut 400-MW-Batteriespeicher in Lingen - 29. Januar 2026
https://www.rwe.com/en/press/rwe-generation/2026-01-29-rwe-constructs-a-battery-storage-system-in-lingen/
RWE Battery Storage Systems - Portfolio und Strategie
https://www.rwe.com/en/our-energy/discover-renewables/battery-storage/
RWE und Polarium bündeln mehr als 1.600 Batteriespeicher - 22. April 2026
https://www.rwe.com/en/press/rwe-supply-and-trading/2026-04-22-rwe-and-polarium-sign-multi-asset-tolling/
Tesla / europäischer Speichermarkt
NatPower und Tesla planen 25 GWh Batteriespeicher in Großbritannien und Italien - Reuters, 23. Juni 2026
Europas jährlicher Batteriespeicherausbau könnte bis 2030 auf 138 GWh steigen - Reuters, 23. Juni 2026
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