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Nach Jahren stagnierenden Stromverbrauchs zeichnet sich in Europa eine Trendwende ab. Rechenzentren für künstliche Intelligenz benötigen immer größere Strommengen, Elektroautos verlagern Energieverbrauch von Benzin und Diesel in das Stromsystem und Wärmepumpen ersetzen zunehmend fossile Heizungen. Für Energieunternehmen könnte daraus ein neuer Investitionszyklus entstehen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass der Stromverbrauch in der Europäischen Union bis 2030 um insgesamt rund 300 Terawattstunden steigt. Im Durchschnitt entspricht das einem jährlichen Wachstum von etwa 2,3 Prozent. Zuvor hatte der Strombedarf in vielen Industrieländern rund 15 Jahre weitgehend stagnierte. Für Unternehmen wie E.ON (ISIN: DE000ENAG999) und EnBW (ISIN: DE0005220008) bedeutet das Milliardeninvestitionen in Netze, Erzeugung und neue Infrastruktur. E.ON plant bis 2030 Investitionen von rund 48 Milliarden Euro, davon etwa 40 Milliarden Euro in Energienetze. EnBW will zwischen 2024 und 2030 sogar bis zu 50 Milliarden Euro investieren.
Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) bereitet ihre Infrastruktur auf einen steigenden Strombedarf vor. Allein die Kapazität des Stromnetzes in Niederösterreich soll bis 2030 auf 6.000 MW verdoppelt werden.
Nach 15 Jahren Stagnation wächst der Stromverbrauch wieder
Der Trend ist fundamental. Effizientere Geräte, industrielle Strukturveränderungen und andere Faktoren hatten dazu geführt, dass der Stromverbrauch in vielen entwickelten Volkswirtschaften über Jahre kaum zunahm. Diese Phase könnte nun enden. Die IEA erwartet, dass der weltweite Stromverbrauch zwischen 2026 und 2030 durchschnittlich um 3,6 Prozent pro Jahr wächst. Damit soll in jedem einzelnen Jahr durchschnittlich rund 50 Prozent mehr zusätzlicher Strom benötigt werden als im vergangenen Jahrzehnt. Auch in den entwickelten Volkswirtschaften steigt die Nachfrage wieder. Die IEA spricht ausdrücklich von einer Rückkehr des Stromverbrauchswachstums nach rund 15 Jahren Stagnation. In der Europäischen Union soll der Strombedarf bis 2030 um rund 300 TWh steigen. Dahinter stehen mehrere Entwicklungen gleichzeitig: Rechenzentren, Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen, Klimatisierung sowie eine teilweise Erholung der Industrie.
Für Energieversorger bedeutet das eine grundlegend andere Ausgangslage. Jahrzehntelang mussten viele Unternehmen mit einem weitgehend stagnierenden Strommarkt planen. Nun könnte allein die Elektrifizierung neue Nachfrage schaffen.
KI macht Rechenzentren zu neuen Großverbrauchern
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung bei Rechenzentren. Die IEA geht davon aus, dass sich deren weltweiter Stromverbrauch von rund 485 TWh im Jahr 2025 auf etwa 950 TWh im Jahr 2030 nahezu verdoppeln könnte. Ein wesentlicher Treiber ist künstliche Intelligenz. In Europa erwartet die IEA bis zum Ende des Jahrzehnts einen zusätzlichen Stromverbrauch von mehr als 45 TWh durch Rechenzentren. Das entspricht einem Anstieg von rund 70 Prozent gegenüber 2024. Das Problem für die Stromnetze liegt dabei nicht nur in der gesamten Energiemenge. Rechenzentren konzentrieren enorme Lasten an einzelnen Standorten und benötigen rund um die Uhr eine zuverlässige Stromversorgung. Ein Rechenzentrum lässt sich zudem häufig innerhalb weniger Jahre errichten. Neue Kraftwerke, Umspannwerke und Hochspannungsleitungen benötigen dagegen oftmals deutlich längere Planungs- und Genehmigungszeiten. Damit wird der Stromanschluss zunehmend zu einem entscheidenden Standortfaktor für die Digitalwirtschaft.
EnBW liefert 100 MW Offshore-Windstrom an Google
Wie eng Energie- und Technologiebranche inzwischen zusammenwachsen, zeigt eine Vereinbarung zwischen EnBW und Google. Im Februar 2026 schlossen beide Unternehmen einen langfristigen Stromliefervertrag. EnBW wird Google über 15 Jahre mit 100 MW Offshore-Windleistung aus dem Windpark He Dreiht versorgen. Der Offshore-Windpark entsteht derzeit in der deutschen Nordsee und verfügt über eine installierte Leistung von 960 MW. Google benötigt die Energie unter anderem für seine digitale Infrastruktur und Rechenzentren. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, seinen Betrieb bis 2030 rund um die Uhr mit CO2-freier Energie abzudecken.
Der Vertrag zeigt, welche neuen Geschäftsmodelle durch den steigenden Strombedarf der Technologiebranche entstehen können. Große Stromverbraucher sichern sich langfristig Erzeugungskapazitäten, während Energieunternehmen über sogenannte Power Purchase Agreements planbare Abnehmer für neue Anlagen gewinnen. Für EnBW ist das Teil einer erheblich größeren Investitionsstrategie.
EnBW investiert bis zu 50 Milliarden Euro
Zwischen 2024 und 2030 plant EnBW Bruttoinvestitionen von bis zu 50 Milliarden Euro. Dabei geht es nicht nur um neue Kraftwerke. Etwa 60 bis 70 Prozent des geplanten Investitionsvolumens sollen auf den Ausbau der Stromnetze im Segment Systemkritische Infrastruktur entfallen. Weitere 25 bis 30 Prozent sind für Windparks, Solaranlagen und wasserstofffähige Kraftwerke vorgesehen. 2025 investierte EnBW bereits 7,6 Milliarden Euro - 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 60 Prozent der Investitionen flossen in systemkritische Infrastruktur und damit insbesondere in Strom- und Gasnetze. Gleichzeitig baut der Konzern auch die Infrastruktur auf der Verbraucherseite aus. Ende 2025 betrieb EnBW bereits mehr als 8.000 eigene Schnellladepunkte in Deutschland. Bis 2030 sollen daraus bis zu 20.000 werden.
Damit profitiert EnBW potenziell auf mehreren Ebenen von der Elektrifizierung: Neue Wind- und Solaranlagen erzeugen Strom, Netze transportieren ihn und Ladepunkte schaffen zusätzliche Nachfrage im Verkehrssektor.
Elektroautos könnten in der EU mehr als 100 TWh zusätzlichen Strom benötigen
Wie stark Elektromobilität den Stromverbrauch verändern könnte, zeigen ebenfalls die aktuellen IEA-Prognosen. Für die Europäische Union erwartet die Agentur, dass der Verkehrssektor bis 2030 mehr als 100 TWh zusätzliche Stromnachfrage erzeugt. Haupttreiber ist die steigende Zahl von Elektrofahrzeugen. Damit verändert sich nicht nur die Gesamtmenge des benötigten Stroms. Entscheidend ist auch, wann und wo geladen wird. Millionen Fahrzeuge, die am Abend gleichzeitig ans Netz gehen, stellen andere Anforderungen an die Infrastruktur als gleichmäßig verteilter Stromverbrauch. Intelligentes Laden und flexible Tarife könnten deshalb zunehmend dazu beitragen, Lasten zeitlich zu verschieben. Für Netzbetreiber entsteht daraus eine doppelte Aufgabe: Sie müssen zusätzliche Kapazitäten schaffen und gleichzeitig vorhandene Netze effizienter nutzen.
Auch Wärmepumpen verschieben Energieverbrauch ins Stromnetz
Ähnlich funktioniert die Entwicklung beim Heizen. Wärmepumpen ersetzen Gas oder Heizöl durch elektrische Energie. Dadurch sinkt zwar der direkte Einsatz fossiler Brennstoffe im Gebäude, gleichzeitig steigt aber der Strombedarf. Die IEA zählt Wärmepumpen neben Rechenzentren, Elektrofahrzeugen und Klimaanlagen ausdrücklich zu den wichtigen Treibern des künftigen Stromverbrauchswachstums. Besonders relevant ist dabei die saisonale Komponente. Während Photovoltaikanlagen im Sommer besonders viel Strom erzeugen, steigt der Heizbedarf vor allem im Winter. Energieunternehmen müssen deshalb nicht nur zusätzliche Jahresstrommengen bereitstellen. Netze und Erzeugungsanlagen müssen auch hohe Lasten zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten bewältigen können.
E.ON setzt 40 Milliarden Euro auf die Netze
Für E.ON ist genau diese Entwicklung ein zentraler Bestandteil der Wachstumsstrategie. Der Konzern plant bis 2030 Investitionen von insgesamt rund 48 Milliarden Euro. Etwa 40 Milliarden Euro davon sollen in das Segment Energy Networks fließen. E.ON betreibt in Deutschland und weiteren europäischen Ländern Verteilnetze mit einer regulierten Vermögensbasis von rund 48 Milliarden Euro. Allein in Deutschland sind nach Unternehmensangaben fast zwei Millionen dezentrale Erzeugungsanlagen an die Netze des Konzerns angeschlossen. Bis 2030 will E.ON die Investitionen in seine Stromverteilnetze jährlich um rund eine Milliarde Euro erhöhen. Dadurch soll die regulierte Vermögensbasis im Durchschnitt um etwa neun Prozent pro Jahr wachsen. Die Entwicklung zeigt, dass ein steigender Stromverbrauch nicht nur für Stromproduzenten, sondern auch für Netzbetreiber von Bedeutung ist. Jede neue Wärmepumpe, Ladestation, Photovoltaikanlage oder Batterie benötigt letztlich eine Verbindung zum Stromnetz. Genau diese Infrastruktur bildet den Kern des E.ON-Geschäftsmodells.
EVN will die Netzkapazität auf 6.000 MW verdoppeln
Auch in Niederösterreich sind die Auswirkungen bereits sichtbar. Die EVN nennt für ihre Netzinfrastruktur mehrere Faktoren, die den Investitionsbedarf erhöhen: die Integration zusätzlicher erneuerbarer Erzeugung, veränderte Verbrauchsmuster sowie stärkere Schwankungen von Angebot und Nachfrage. Hinzu kommt ein besonders aktueller Punkt: Nach Angaben des Unternehmens gibt es eine hohe Zahl von Anschlussanfragen für Batteriespeicher und Rechenzentren. Netz Niederösterreich plant deshalb, die Netzkapazität bis 2030 auf 6.000 MW zu verdoppeln.
Fast 393 Millionen Euro für die EVN-Stromnetze
Der Ausbau ist bereits in den Investitionen sichtbar. Im Geschäftsjahr 2024/25 investierte die EVN insgesamt 909,8 Millionen Euro. Davon entfielen 472,4 Millionen Euro auf das Segment Netze. Allein in die Stromnetze flossen 392,6 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 329,1 Millionen Euro gewesen. Innerhalb eines Jahres stiegen die Stromnetzinvestitionen damit um 19,3 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2025/26 plant die EVN konzernweit Investitionen von rund einer Milliarde Euro. Auch bis 2030 soll sich das jährliche Investitionsniveau ungefähr in dieser Größenordnung bewegen. Rund vier Fünftel der Mittel sollen nach Niederösterreich fließen. Damit trifft der steigende Strombedarf auf einen Konzern, der seine regionale Infrastruktur ohnehin erheblich erweitert.
Vom Stromversorger zum Infrastrukturunternehmen
Die Entwicklung bei E.ON, EnBW und EVN zeigt, wie sich das Geschäftsmodell klassischer Energieunternehmen verändert. Früher stand häufig die Frage im Mittelpunkt, wer Strom am günstigsten erzeugen kann. Heute wird zunehmend entscheidend, wer die notwendige Infrastruktur bereitstellt. Dazu gehören Stromnetze ebenso wie Windparks, Batteriespeicher, Ladepunkte und digitale Steuerungssysteme. EnBW liefert Offshore-Windstrom an Google und baut gleichzeitig Netze und Ladeinfrastruktur aus. E.ON konzentriert den Großteil seiner Investitionen auf regulierte Energienetze. Die EVN verdoppelt die Netzkapazität in Niederösterreich und investiert parallel in Windkraft, Photovoltaik, Speicher und Elektromobilität. Die Elektrifizierung verbindet diese Geschäftsfelder miteinander.
Ein neuer Wachstumszyklus für Energieversorger?
Für Anleger könnte darin ein wesentlicher Unterschied zur Vergangenheit liegen. Steigender Stromverbrauch bedeutet zunächst höhere Anforderungen an Erzeugung und Netze. Er schafft aber gleichzeitig die Grundlage für zusätzliche Investitionen und neue Geschäftsmodelle. Die IEA erwartet, dass der Strombedarf in der EU bis 2030 um rund 300 TWh zunimmt. Mehr als 100 TWh zusätzliche Nachfrage könnten allein aus dem Verkehrssektor kommen. Gleichzeitig steigt der Strombedarf europäischer Rechenzentren erheblich. Allerdings bedeutet mehr Nachfrage nicht automatisch höhere Gewinne. Investitionen müssen finanziert werden, regulatorische Rahmenbedingungen spielen insbesondere im Netzgeschäft eine wichtige Rolle und neue Infrastruktur benötigt oftmals viele Jahre bis zur Fertigstellung. Dennoch verändert die Rückkehr des Nachfragewachstums die Ausgangslage für die Branche grundlegend.
Fazit
Europa tritt in eine neue Phase des Strommarktes ein. Nach rund 15 Jahren weitgehend stagnierender Nachfrage erwartet die IEA bis 2030 wieder deutlich steigenden Verbrauch. Rechenzentren, künstliche Intelligenz, Elektroautos und Wärmepumpen gehören zu den wichtigsten Treibern. E.ON reagiert darauf mit einem Investitionsprogramm von rund 48 Milliarden Euro, von denen etwa 40 Milliarden Euro in Energienetze fließen sollen. EnBW plant bis 2030 Investitionen von bis zu 50 Milliarden Euro und hat mit Google bereits einen 15-jährigen Vertrag über 100 MW Offshore-Windleistung für dessen wachsende digitale Infrastruktur geschlossen. Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) bereitet sich auf steigende Anforderungen vor. Netz Niederösterreich soll seine Kapazität bis 2030 auf 6.000 MW verdoppeln. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr investierte die EVN fast 393 Millionen Euro in ihre Stromnetze.
Damit gewinnt eine Entwicklung wieder an Bedeutung, die lange kaum eine Rolle spielte: Europa braucht wieder mehr Strom - und damit auch mehr von nahezu allem, was notwendig ist, um ihn zu erzeugen, zu transportieren, zu speichern und zu nutzen.
Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".
Quellen:
EVN
EVN Bilanzpressekonferenz Geschäftsjahr 2024/25 - Investitionsschwerpunkt Netzinfrastruktur
https://www.evn.at/getmedia/383c54a0-77c6-410f-aaea-bf9dbc2552ab/EVN-Bilanzpressekonferenz-2024-25.pdf
EVN Konzernlagebericht 2024/25
https://www.evn.at/getmedia/fa6d89eb-e40b-4f4b-8415-b23692701ffb/Management-report_Group-and-EVN-AG_2024_25.pdf
EVN Ganzheitsbericht 2024/25
https://www.evn.at/getmedia/8065a961-c448-49fe-81a1-e78c14e42f53/Nichtfinanzieller-Bericht-2024-25.pdf
EVN Geschäftsentwicklung erstes Halbjahr 2025/26
https://www.evn.at/home/investor-relations/publikationen
IEA
Electricity 2026 - Demand
https://www.iea.org/reports/electricity-2026/demand
Electricity Mid-Year Update 2026 - 23. Juli 2026
https://www.iea.org/reports/electricity-mid-year-update-2026
Energy and AI - Energy demand from AI
https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/energy-demand-from-ai
E.ON
E.ON Sustainability Factbook 2025 - Investitionsprogramm und Netze
https://annualreport.eon.com/content/dam/eon-annualreport/documents/en/EON%20Sustainability%20Factbook%202025.pdf
E.ON Annual Report 2025
https://annualreport.eon.com/
EnBW
EnBW und Google schließen langfristigen PPA über 100 MW Offshore-Windleistung - 5. Februar 2026
https://www.enbw.com/press/enbw-ppa-offshore-wind-power-google.html
EnBW Geschäftsbericht 2025
https://www.enbw.com/annual-report-2025/
EnBW Hauptversammlung 2026 - Rekordinvestitionen und Strategie bis 2030
https://www.enbw.com/press/enbw-annual-general-meeting-2026.html
EnBW Unternehmensstrategie 2030
https://www.enbw.com/company/who-we-are/group-strategy/
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