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ACATIS Investment
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KI macht Risiken unversicherbar, für Kinsale Capital wird sie unverzichtbar

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Fehlerhafte KI-Ausgaben sind das Unternehmensrisiko Nummer eins - und immer schwerer versicherbar. Der Versicherer, bei dem solche Fälle landen, verdient bereits seit Jahren besser als die Branche und legt mit KI nach.

Ein Fischrestaurant an der Küste Floridas, dreißig Meter vom Wasser entfernt, mit Fritteuse in der Küche und Hurrikansaison von Juni bis November. Kein regulärer Versicherer nimmt dieses Risiko. Der Wirt bekommt trotzdem eine Police - von einem Unternehmen aus Richmond, Virginia, das seit siebzehn Jahren nichts anderes tut, als genau solche Fälle zu zeichnen. Und das nebenbei zu einem der wenigen börsennotierten Konzerne geworden ist, bei denen sich der Einsatz künstlicher Intelligenz nicht in einer Präsentation ablesen lässt, sondern in der Gewinn- und Verlustrechnung.

Die Kinsale Capital Group arbeitet im sogenannten Excess-and-Surplus-Markt, kurz E&S. Das ist jener Teil des US-Versicherungsmarktes, in dem alles landet, was der Standardmarkt ablehnt - Bauunternehmen mit Schadenhistorie, Veranstalter, Recyclinganlagen, Umweltrisiken, Küstenimmobilien. Der Markt hat 2025 erstmals die Marke von hundert Milliarden Dollar Prämienvolumen überschritten. Kinsale ist darin mit rund zwei Milliarden Dollar Bruttoprämie und etwa 720 Mitarbeitern ein vergleichsweise kleiner Anbieter, gemessen an Häusern wie Chubb, Markel oder W. R. Berkley sogar ein sehr kleiner. Gemessen an der Marge ist es der profitabelste.


Quelle: Kinsale Capital IR Präsentation: Marktanteile im E&S Markt

Gegründet wurde das Unternehmen 2009 von Michael Kehoe, der es bis heute führt und selbst Anteilseigner ist. Kehoe hatte bei einem früheren Arbeitgeber eine Schwachstelle beobachtet, die in der Branche als normal galt: Wer die Zeichnungsentscheidung an Vermittler auslagert, bezahlt Leute dafür, Geschäft zu schreiben - nicht dafür, gutes Geschäft zu schreiben. Kinsale vertreibt deshalb ausschließlich über unabhängige Wholesale-Broker, trifft aber jede einzelne Vertragsentscheidung im eigenen Haus. Das Unternehmen sitzt an einem Standort, ist nie durch Zukäufe gewachsen und betreibt seit dem ersten Tag ein selbst entwickeltes IT-System.

Wie gut das funktioniert, zeigt eine einzige Kennzahl. Die Combined Ratio, also Schäden und Kosten im Verhältnis zu den verdienten Prämien, lag 2025 bei 75,9%. Die US-Gewerbeversicherer kamen im selben Jahr im Schnitt auf rund 96%. Von jedem Prämiendollar bleiben bei Kinsale gut 24 Cent übrig, bevor überhaupt Kapitalerträge dazukommen. Der Nettogewinn stieg 2025 um 21% auf 504 Millionen Dollar, die operative Eigenkapitalrendite erreichte 29,3%, und der Buchwert je Aktie kletterte von 63,75 auf 84,66 Dollar. Kinsale Capital ist ein Musterbeispiel für einen Compounder - ein Unternehmen das mit hohen Kapitalrendite kontinuierlich wächst - und genau die Art von unbekannten Qualitätsunternehmen, die wir für den ACATIS Small Diamonds suchen. Unternehmen bei denen KI kein Buzzword ist, sondern integriert im Business Model.

Quelle: Kinsale Capital IR-Präsentation

Und hier wird es für die KI-Debatte interessant. Auf der Telefonkonferenz Ende Juli verwendete das Management ungewöhnlich viel Zeit auf ein Thema, das bei Versicherern sonst floskelhaft abgehandelt wird. Jeder Mitarbeiter im Unternehmen verfügt inzwischen über Enterprise-Lizenzen für zwei der führenden KI-Sprachmodelle (Claude, Gemini, ChatGPT etc.). Underwriting, Schadenabteilung, Aktuariat und IT arbeiten täglich mit Dutzenden von Bots und agentischen Werkzeugen, KI-Funktionen sind direkt in die hauseigenen Underwriting-Worksheets eingebaut. Analytics und Technologie wurden zu einer Einheit verschmolzen. Die siebzehn Jahre Unternehmensdaten liegen in einer einzigen Datenbank.

Der letzte Punkt ist der eigentliche Hebel. Wer bei einem hundert Jahre alten Versicherer KI einführen will, scheitert nicht am Modell, sondern an der Datenhaltung - an einem Dutzend zusammengekaufter Bestandsführungssysteme, von denen einige noch in COBOL laufen. Kinsale hat dieses Problem nie gehabt, weil es nie eine Firma gekauft hat. Vorstandschef Kehoe formulierte es so, dass sein Team nicht damit beschäftigt sei, veraltete Systeme zu pflegen, sondern neue Fähigkeiten zu bauen.

Nachprüfbar wird das an einer Zahl. Die gesamte Kostenquote stieg im zweiten Quartal auf 21,7%, was zunächst schlecht aussieht. Der Anstieg geht aber vollständig auf höhere Rückversicherungs-Provisionen zurück, weil Kinsale mehr Risiko im eigenen Buch behält - ein Tausch, der dem Unternehmen unter dem Strich mehr Zeichnungs- und Kapitalergebnis bringt. Die rein operative Kostenkomponente, laut Finanzvorstand der beste Effizienzmaßstab des Geschäfts, sank von 10,6 auf 10,3%. In einem Quartal, in dem die Bruttoprämie um 5% schrumpfte. Während an der Börse über Nvidia, Microsoft und die Frage gestritten wird, wann sich die Milliardeninvestitionen in Rechenzentren amortisieren, liefert ein Versicherer mit 720 Mitarbeitern eine der wenigen sauber nachprüfbaren Antworten darauf, was künstliche Intelligenz in einem bestehenden Geschäft tatsächlich bewirkt.

Die zweite Verbindung zwischen Kinsale und der künstlichen Intelligenz liegt auf der Nachfrageseite und ist noch wenig beachtet. Seit Januar 2026 stehen amerikanischen Versicherern Standardklauseln zur Verfügung, mit denen sich Schäden aus generativer KI aus der Betriebshaftpflicht ausschließen lassen. In einer Umfrage von Gallagher unter 1.250 Unternehmen nannten 57% fehlerhafte KI-Ausgaben und Halluzinationen als ihr größtes Risiko überhaupt - Platz eins vor Rechtsstreitigkeiten und Datenschutz. Wer haftet, wenn ein Sprachmodell von OpenAI oder Google im Kundenkontakt falsch liegt? Gerichte behandeln künstliche Intelligenz bislang als Werkzeug und nicht als eigenständigen Akteur, die Verantwortung bleibt also beim anwendenden Unternehmen und nicht beim Anbieter des Modells. Ein Risiko, das der Standardmarkt nicht mehr zeichnet, verschwindet nicht. Es wandert dorthin, wo Risiken hinwandern, die niemand sonst haben will. Kinsale selbst hat dazu keine Zahlen genannt, und man sollte diesen Effekt nicht in eine Prognose übersetzen. Als strukturelle Strömungsrichtung des Marktes ist er trotzdem eindeutig.

Warum also ist die Aktie in zwölf Monaten um rund ein Viertel gefallen? Weil die Bruttoprämie im zweiten Quartal 5% verlor und die größte Sparte, das gewerbliche Sachgeschäft mit großen Industrieobjekten, um fast 33% einbrach. Die durchschnittlichen Kursziele der Analysten liegen inzwischen unter dem aktuellen Kurs.

Das Schrumpfen ist allerdings gewollt. Im Sachgeschäft mit Großobjekten drücken Assekuradeure aus London, dem Heimatmarkt von Lloyd's, die Preise, und Kinsales Zeichnungsvorstand formulierte unmissverständlich, dass Wachstum auf Kosten der Marge leicht zu erzeugen und teuer wieder loszuwerden sei. Ohne diese eine Sparte wuchs die Bruttoprämie im Quartal um 3,7%, die Zahl der eingereichten Anfragen um 8%, in mehr als der Hälfte der Sparten zweistellig. Die Schadenquote verbesserte sich im ersten Halbjahr von 58,5 auf 55,0%. Das durchschnittliche Prämienvolumen je Police liegt bei rund 12.000 Dollar - Kinsales eigentliches Geschäft sind kleine und mittlere Risiken, und dort schlägt die in den USA gefürchtete Prozessinflation deutlich schwächer durch als bei den Großrisiken der Konkurrenz.

Das Kapital, das mangels attraktiver Zeichnungsmöglichkeiten frei bleibt, fließt an die Aktionäre zurück. Kinsale hat das Aktienrückkaufprogramm im Juli um 250 auf 337 Millionen Dollar aufgestockt und im ersten Halbjahr bereits Aktien im Wert von knapp 164 Millionen Dollar eingezogen, gut 2% des Grundkapitals. Kehoe begründete das mit einem für einen Vorstandschef bemerkenswert direkten Satz, wonach die eigene Aktie zum aktuellen Kurs ein sehr guter Wert sei. Parallel wächst der Float - jenes Geld der Versicherten, das ein Versicherer bis zur Schadenzahlung anlegen darf und das Warren Buffett bei Berkshire Hathaway zur Grundlage seines Vermögens gemacht hat - auf 3,4 Milliarden Dollar. Neuanlagen werfen derzeit rund 5,25% Rendite ab.

Wer wissen will, was von diesem Unternehmen zu erwarten ist, schaut am besten nicht auf den reinen Aktienkurs, sondern auf die Balken in dieser Grafik.


Historische Entwicklung des Unternehmenswerts (blaue Balken) und Bewertung der Aktie über die letzten 12 Jahre, Quelle: ACATIS Investment, eigene Berechnung

Bei einem Versicherer ist der Buchwert die ehrlichste Kennzahl, weil er zeigt, was nach allen gezahlten Schäden und allen Kosten tatsächlich übrig geblieben ist. Seit 2014 ist er je Aktie um 24,4% pro Jahr gewachsen. Aus gut sechs Dollar wurden knapp fünfundachtzig. In diese zwölf Jahre fielen mehrere schwere Hurrikansaisons, eine Pandemie, der Zinsschock von 2022, die kalifornischen Waldbrände und zuletzt ein weicher Markt. Keines dieser Ereignisse hat auch nur einen einzigen Balken kleiner ausfallen lassen als den davor.

Genau das macht den Charakter dieses Unternehmens aus. Kinsale braucht keinen Turnaround, keine Technologie, die erst noch funktionieren muss, keinen großen Zukauf und keine Marktphase, die endlich dreht. Die These lautet schlicht, dass ein Unternehmen weitermacht, was es seit Gründung tut - Risiken zeichnen, die sonst niemand nimmt, dabei die niedrigsten Kosten der Branche halten und den Ertrag im Unternehmen arbeiten lassen. Das Management hat in jeder Marktphase gezeigt, dass es dafür bereit ist, auf Volumen zu verzichten. Dass es diesen Verzicht ausgerechnet dann übt, wenn Wachstum am leichtesten zu haben wäre, ist der stärkste Beleg für die Verlässlichkeit des Modells. Und das sich langfristig auch sehr gut Geld mit der Aktie verdienen lässt zeigt Kinsale selbst seit Börsengang ganz im Stile anderer Compounder wir Berkshire Hathaway.

Quelle: Kinsale Capital IR Präsentation

Das Kinsale gerade jetzt eigene Aktien zurückkauft, ist dabei kein Zufall, sondern die Folge einer attraktiven Bewertung Das Kurs-Buchwert-Verhältnis schwankte seit Börsengang zwischen knapp drei und zwölf, im langjährigen Mittel liegt es bei gut sechs. Heute zahlt der Anleger gut das Vierfache. Er bekommt dieselbe Ertragskraft, dieselbe operative Eigenkapitalrendite von über 24% und dieselbe Kapitaldisziplin zu einem Preis, wie es ihn seit 2020 nicht mehr gab. Vor einem Jahr kostete Kinsale das Sechsfache des Buchwerts und das 23-Fache des Gewinns, heute sind es gut das Vierfache und ein KGV von 17. Verändert hat sich die Bewertung, nicht das Geschäft.

Und genau deshalb ist Kinsale Capital eine der größten Position im ACATIS Small Diamonds, einem golbalen Aktienfonds, der gezielt kleine und mittelgroße Qualitätsunternehmen mit hoher Kapitalverzinsung und konservativer Bilanz sucht - Geschäftsmodelle, die ihren Wert über Jahre steigern, ohne dafür Schlagzeilen zu brauchen.

Über den Autor: David Houdek ist seit 20 Jahren Value-Investor aus Leidenschaft und bei ACATIS Investment der Fondsmanager des ACATIS Small Diamonds. Selbst mit einem Großteil seines Vermögens im Fonds investiert, sucht er in den Weiten des Aktienuniversums nach unbekannten Weiter-so-Aktien - unterbewerteten Qualitätsunternehmen abseits des Mainstreams die noch für viele Jahre ihre erfolgreiche Geschäftsentwicklung fortsetzen können.

Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Veranschaulichung unseres Investmentprozesses und stellt keine Anlageberatung dar. ACATIS kann in dem besprochenen Unternehmen investiert sein - es kann daher ein Interessenkonflikt bestehen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird trotz sorgfältiger Recherche keine Gewähr übernommen.

Enthaltene Werte: US0846701086,US5705351048,US5949181045,US67066G1040,US49714P1084

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