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Während sich ein Kliniknetzwerk aus Australien auf den Export von Therapie-Know-how statt auf eigene Auslandskliniken vorbereitet, zeigt der Blick auf die große Pharmabranche, wie verbreitet Lizenzmodelle für internationale Marktdurchdringung längst sind
Das Wichtigste in Kürze
- Emyria Limited (WKN: A3EEM1 | ISIN: AU0000073645) will nach eigenen Angaben keinen eigenen Klinikbetrieb im Ausland aufbauen, sondern Behandlungsprotokolle und Trainingsprogramme an internationale Partner lizenzieren
- Über eine laufende Studie mit dem Nasdaq-gelisteten Unternehmen Science Group testet Emyria bereits Psilocybin bei Anpassungsstörungen nach einer terminalen Krebsdiagnose
- Langfristig strebt das Management, wie im Video-Interview erläutert, an, weitere Indikationen wie Suchterkrankungen, Essstörungen und Angststörungen zu erschließen
- Dass sich Wissen und Marktzugang über Landesgrenzen hinweg getrennt vermarkten lassen, zeigt auch der DAX-Konzern Bayer (WKN: BAY001 | ISIN: DE000BAY0017), der mit seinem Krebsmedikament Nubeqa von einer internationalen Lizenzpartnerschaft profitiert
- Das grundsätzliche Prinzip - Entwicklung und Vermarktung arbeitsteilig über Partner statt vollständig in Eigenregie zu organisieren - findet sich damit sowohl bei etablierten Pharmakonzernen als auch bei kleineren, spezialisierten Anbietern
Emyrias Exportstrategie: Protokolle statt eigener Auslandskliniken
Emyria Limited (WKN: A3EEM1 | ISIN: AU0000073645) plant nach eigenen Angaben keinen eigenen Klinikbetrieb außerhalb Australiens. Im Gespräch stellt das Management klar, dass ein solcher Schritt aus mehreren Gründen, darunter Länderrisiken und unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen, nicht das bevorzugte Szenario sei. Stattdessen soll das über gut drei Jahre klinischen Betriebs erarbeitete Wissen selbst zum exportierbaren Gut werden: Behandlungsprotokolle, Schulungsprogramme für Therapeuten und Psychiater sowie die klinische Erfahrung im sicheren Umgang mit psychedelisch-assistierter Therapie.
Ein zentrales Element dieses Trainingsangebots ist nach Unternehmensangaben die praktische Komponente: Angehende Therapeuten werden gemeinsam mit einem erfahrenen Kollegen im Behandlungsraum eingesetzt, während ein Patient die Therapie durchläuft. Diese Art der praktischen Ausbildung unterscheide sich von rein theoretischen Schulungsangeboten, die es andernorts bereits gebe, so das Management.
Neue Indikationen über klinische Studien
Ein weiterer Baustein der Strategie ist die Ausweitung auf zusätzliche Krankheitsbilder über klinische Studien mit externen Wirkstoffentwicklern. Emyria ist bereits an einer Studie mit dem Nasdaq-gelisteten Unternehmen Science Group beteiligt, die den Einsatz von Psilocybin bei Anpassungsstörungen nach einer terminalen Krebsdiagnose untersucht. Nach Angaben des Managements gebe es Gespräche mit weiteren internationalen Unternehmen über eine Nutzung der bestehenden Infrastruktur, sowohl für klinische Studien als auch für eine anschließende kommerzielle Anwendung. Als mögliche künftige Indikationen nennt das Unternehmen unter anderem Sucht- und Alkoholerkrankungen, Essstörungen, Rauchentwöhnung sowie generalisierte Angst- und Stimmungsstörungen.
Lizenzmodelle sind in der Pharmabranche keine Seltenheit
Dass sich Entwicklungs- und Vermarktungskompetenz über Ländergrenzen hinweg auf mehrere Partner verteilen lassen, ist in der etablierten Pharmaindustrie ein bekanntes Prinzip. Ein Beispiel dafür liefert der DAX-Konzern Bayer (WKN: BAY001 | ISIN: DE000BAY0017): Das Krebsmedikament Nubeqa wurde gemeinsam mit einem internationalen Partnerunternehmen entwickelt, das im Gegenzug für die von Bayer geführte globale Vermarktung an Lizenz- und Meilensteinzahlungen beteiligt wird. Nubeqa ist inzwischen in mehr als 85 Ländern zugelassen und könnte im laufenden Geschäftsjahr zum umsatzstärksten Medikament im Bayer-Portfolio aufsteigen.
Das Beispiel zeigt vor allem eines: Arbeitsteilige Modelle, bei denen eine Partei Wissen oder Rechte einbringt und eine andere den globalen Marktzugang organisiert, sind in der Pharmabranche fest etabliert - wenn auch typischerweise auf Ebene einzelner Wirkstoffe und nicht, wie bei Emyria angestrebt, auf Ebene ganzer Behandlungssysteme.
Einordnung
Emyrias Plan, klinisches Know-how statt eigener Klinikinfrastruktur zu exportieren, folgt einer Logik, die in der Pharmabranche in anderer Form - etwa bei Bayers Nubeqa-Partnerschaft - bereits Bestand hat: Wissen und Marktzugang lassen sich arbeitsteilig über Partner statt vollständig in Eigenregie vermarkten. Ob sich dieses Prinzip auch für ein vergleichsweise junges Behandlungssystem wie das von Emyria in ähnlichem Umfang durchsetzen lässt, bleibt an konkret abgeschlossenen internationalen Kooperationsvereinbarungen zu überprüfen.
Quellen:
https://kalkine.com.au/news/healthcare/emyria-asxemd-takes-its-psychedelic-playbook-global-as-clinic-rollout-and-drug-partnerships-accelerate
https://www.deraktionaer.de/artikel/pharma-biotech/bayer-naechste-zulassung-fuer-diesen-blockbuster-20394721.html
https://www.bayer.com/media/bayer-treibt-zukuenftiges-wachstum-mit-leistungsstaerkstem-pharma-portfolio-aller-zeiten-und-vielversprechender-entwicklungspipeline-voran/
Emyria: Interview mit Greg Hutchinson (Executive Chairman) S2E1
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Emyria Ltd / ISIN: AU0000073645
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