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Autismus-Spektrum-Störungen stehen seit Jahren im Fokus der Medizin und der wissenschaftlichen Forschung. Aus pharmazeutischer Sicht gibt es jedoch einen bemerkenswerten Unterschied zwischen Autismus und vielen anderen bedeutenden neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen: Trotz intensiver Forschung hat die FDA in den USA bislang kein Medikament zur Behandlung der Kernsymptome von Autismus-Spektrum-Störungen zugelassen.
Medikamente gibt es durchaus. Risperdal mit dem Wirkstoff Risperidon, entwickelt von Janssen, heute Teil von Johnson & Johnson (ISIN: US4781601046), und Abilify mit dem Wirkstoff Aripiprazol, entwickelt von Otsuka Pharmaceutical Co., Ltd. (ISIN: JP3188220002), sind bekannte Beispiele. Ihre Zulassungen beziehen sich jedoch auf Reizbarkeit im Zusammenhang mit Autismus - und damit auf bestimmte Begleitsymptome, nicht auf die Kernsymptome der Autismus-Spektrum-Störung selbst.
Gerade diese Lücke macht Autismus zu einem wichtigen Feld der Arzneimittelforschung. Neben etablierten Pharmakonzernen versuchen auch kleinere Unternehmen in der klinischen Entwicklungsphase, neue pharmakologische Ansätze zu entwickeln. Eines davon ist NeuroThera Labs.
Zwei Medikamente - doch eine große Lücke bleibt
Die Geschichte von Risperdal und Abilify zeigt, wie schwierig die Arzneimittelentwicklung bei Autismus sein kann.
Im Jahr 2006 erweiterte die FDA die Indikation von Risperdal um die Behandlung von Reizbarkeit im Zusammenhang mit autistischer Störung bei Kindern und Jugendlichen. Dazu können Aggressionen, selbstverletzendes Verhalten und schwere Wutausbrüche gehören.
Abilify folgte 2009. Auch die entsprechende Indikation dieses Medikaments umfasst Reizbarkeit im Zusammenhang mit autistischer Störung bei pädiatrischen Patienten.
Beide Medikamente gehören zur Klasse der atypischen Antipsychotika. Sie können daher bestimmte problematische Verhaltenssymptome behandeln, lösen jedoch nicht die deutlich umfassendere therapeutische Herausforderung.
Die FDA hat diese Lücke klar beschrieben: Derzeit gibt es keine zugelassenen pharmakologischen Optionen zur Behandlung der Kernsymptome von Autismus-Spektrum-Störungen.
Für die Pharmaindustrie entsteht dadurch eine ungewöhnliche Situation. Trotz intensiver medizinischer Forschung gibt es in diesem Bereich etablierte Medikamente gegen bestimmte Begleitsymptome, aber keine zugelassene medikamentöse Behandlung der Kernsymptome der Erkrankung.
Big Pharma sucht weiter
Otsuka selbst zeigt, dass die Entwicklung in diesem Bereich noch lange nicht abgeschlossen ist.
Der japanische Pharmakonzern untersucht außerdem Brexpiprazol - bereits aus anderen psychiatrischen Indikationen bekannt - bei Kindern und Jugendlichen mit Reizbarkeit im Zusammenhang mit einer Autismus-Spektrum-Störung. In einer längerfristigen Studie werden Sicherheit und Verträglichkeit bei Patienten im Alter von fünf bis 17 Jahren untersucht.
Das ist ein wichtiges Signal. Selbst in einem Bereich, in dem bereits Medikamente verfügbar sind, geht die Suche nach zusätzlichen Behandlungsmöglichkeiten weiter.
Es zeigt zugleich, warum Anleger das Thema sorgfältig beurteilen müssen. Nicht alle "Autismus-Medikamente" sind gleich. Entscheidend ist, auf welches Symptom ein Wirkstoff abzielt, welcher Wirkmechanismus untersucht wird und wie weit das Entwicklungsprogramm klinisch fortgeschritten ist.
NeuroThera geht mit SCI-210 einen anderen Weg
NeuroThera Labs Inc. (ISIN: CA64136J2002 | WKN: A41N05) positioniert sich in diesem Markt mit einem eigenen Entwicklungsprogramm.
Das kanadische Unternehmen in der klinischen Entwicklungsphase entwickelt SCI-210 für Autismus-Spektrum-Störungen. Der Wirkstoffkandidat kombiniert Cannabidiol, kurz CBD, mit Palmitoylethanolamid, auch PEA genannt, das NeuroThera als Bestandteil seiner CannAmide-Plattform einsetzt.
SCI-210 unterscheidet sich damit pharmakologisch deutlich von etablierten Antipsychotika wie Risperidon und Aripiprazol.
Für Anleger ist es jedoch entscheidend, den aktuellen Entwicklungsstand des Programms zu verstehen. NeuroThera ist ein kleines Biotechnologieunternehmen, und SCI-210 befindet sich weiterhin in der klinischen Entwicklung. Geeignete Studiendaten müssen erst zeigen, ob der Ansatz einen klinisch relevanten Nutzen bieten kann.
Gerade in der Autismusforschung sind eine frühe wissenschaftliche Hypothese und die erfolgreiche Entwicklung eines Medikaments zwei völlig verschiedene Dinge.
Die Pipeline reicht jedoch über dieses Programm hinaus
Der derzeit sichtbarste klinische Katalysator des Unternehmens ist SCI-110. Dieser Wirkstoffkandidat wird bei Erwachsenen mit Tourette-Syndrom untersucht. Eine Phase-IIb-Studie läuft an mehreren Prüfzentren, darunter die Medizinische Hochschule Hannover in Deutschland. Nach Angaben des Unternehmens führte die vorausgegangene Phase-IIa-Studie über die gesamte Teilnehmergruppe hinweg zu einer durchschnittlichen Verringerung der Tics um 21%.
Nach Angaben von NeuroThera wird SCI-110 außerdem für Alzheimer und Agitation entwickelt. Mit SCI-210 kommt Autismus als weiteres neurologisches Entwicklungsfeld hinzu. Das Unternehmen verfolgt damit eine Plattformstrategie, bei der cannabinoidbasierte Wirkstoffkombinationen für mehrere Erkrankungen des zentralen Nervensystems untersucht werden.
Einerseits erhöht dies die Zahl der potenziellen klinischen Anwendungsgebiete. Andererseits steigen dadurch auch der Entwicklungs- und Finanzierungsbedarf des Unternehmens. Jeder einzelne Wirkstoffkandidat und jede Indikation müssen klinisch geprüft werden, und ein Erfolg in einem Programm lässt sich nicht automatisch auf ein anderes übertragen.
Warum die Behandlungslücke besonders interessant ist
Bei Alzheimer haben neue Medikamente von Unternehmen wie Eli Lilly und Eisai zuletzt gezeigt, wie sich ein Forschungsfeld verändern kann, das jahrzehntelang von Rückschlägen geprägt war. Beim Tourette-Syndrom haben auch die Übernahme von Emalex Biosciences durch Teva und der Zulassungsantrag für Ecopipam für neue Dynamik gesorgt.
Bei Autismus ist die Situation anders.
Hier beruht die zentrale Investmentthese gerade auf dem, was noch fehlt.
Johnson & Johnson/Janssen und Otsuka haben gezeigt, dass sich bestimmte Begleitsymptome medikamentös behandeln lassen. Gleichzeitig bestätigt die FDA, dass bislang keine pharmakologische Therapie für die Kernsymptome von Autismus-Spektrum-Störungen zugelassen wurde.
Für NeuroThera eröffnet diese Lücke eine wissenschaftliche und potenziell kommerzielle Chance - aber keineswegs eine Erfolgsgarantie. SCI-210 muss erst zeigen, welche klinische Rolle der Wirkstoffkandidat letztlich überhaupt spielen könnte.
Damit wird die Investmentstory von NeuroThera breiter, aber auch komplexer. SCI-110 beim Tourette-Syndrom bildet derzeit den klinisch weiter fortgeschrittenen Anker des Unternehmens. Alzheimer und Agitation erweitern das potenzielle Anwendungsspektrum, während SCI-210 mit Autismus ein weiteres Gebiet mit erheblichem ungedecktem therapeutischem Bedarf hinzufügt.
Für Anleger dürfte die langfristige Kernfrage daher weniger lauten, ob NeuroThera als "Tourette-Aktie" einzustufen ist. Interessanter ist die Frage, ob dieses kleine Unternehmen in der klinischen Entwicklungsphase seine cannabinoidbasierte Plattform nutzen kann, um mehrere klinisch validierte ZNS-Programme aufzubauen.
Die therapeutische Lücke bei Autismus ist groß. Ob SCI-210 dazu beitragen kann, auch nur einen Teil davon zu schließen, müssen jedoch klinische Daten zeigen.
Quellen
https://www.tevapharm.com/
https://www.neurothera.com/
https://www.lilly.com/
https://www.jnj.com/
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Neurothera Labs Inc
Land: kanadisch
ISIN: CA64136J2002
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