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Die Alzheimer-Forschung bewegt sich in zwei Richtungen. Neue Medikamente sollen den kognitiven Abbau im frühen Krankheitsstadium verlangsamen. Andere Therapien richten sich gegen eines der belastendsten Begleitsymptome: Agitation. Dafür braucht es unterschiedliche Wirkstoffe, Studienziele und Behandlungsansätze.
Für NeuroThera Labs Inc. (ISIN: CA64136J2002) ergibt sich daraus ein eigener Entwicklungspfad. Das Unternehmen will keine Amyloidablagerungen beseitigen, sondern untersucht SCI-110 als mögliche Behandlung von Unruhe und agitiertem Verhalten bei Menschen mit Alzheimer.
Mehr als ein Problem des Gedächtnisses
Agitation kann sich in ausgeprägter Unruhe, wiederholten Bewegungen, verbalen Ausbrüchen oder aggressivem Verhalten zeigen. Angehörige und Pflegekräfte erleben diese Symptome oft als besonders belastend: Sie erschweren die tägliche Betreuung und können eine Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung beschleunigen.
Medikamente gegen den kognitiven Abbau beheben Verhaltenssymptome nicht zwangsläufig. Selbst wenn sich der Krankheitsverlauf verlangsamen lässt, kann eine zusätzliche Behandlung der Agitation nötig sein. Innerhalb derselben Erkrankung entstehen so unterschiedliche therapeutische Aufgaben.
Eli Lilly setzt früh im Krankheitsverlauf an
Eli Lilly and Company (ISIN: US5324571083) gehört zu den Anbietern krankheitsmodifizierender Alzheimer-Therapien. Im Juli 2024 genehmigte die FDA Kisunla mit dem Wirkstoff Donanemab für Erwachsene mit früher symptomatischer Alzheimer-Erkrankung und bestätigter Amyloidpathologie.
Der Antikörper zielt auf Amyloidplaques im Gehirn. In der zulassungsrelevanten Studie verlangsamte Donanemab den kognitiven und funktionellen Abbau gegenüber Placebo. Die Erkrankung konnte der Wirkstoff jedoch weder stoppen noch bereits verlorene Fähigkeiten wiederherstellen. Wegen des Risikos von Hirnschwellungen und kleineren Blutungen müssen Patienten sorgfältig ausgewählt und überwacht werden. Lilly adressiert damit die frühe Krankheitsentwicklung, nicht unmittelbar spätere Verhaltenssymptome.
Otsuka etablierte Agitation als eigene Indikation
Otsuka Holdings Co., Ltd. (ISIN: JP3188220002) verfolgt mit Rexulti einen anderen Ansatz. Das gemeinsam mit H. Lundbeck A/S (ISIN: DK0061804770) entwickelte Brexpiprazol erhielt 2023 als erstes Medikament in den USA eine eigene Zulassung zur Behandlung von Agitation im Zusammenhang mit Alzheimer-Demenz.
In den zugrunde liegenden Studien verringerte Brexpiprazol die Agitationswerte stärker als Placebo. Zugleich trägt das Medikament den für Antipsychotika vorgeschriebenen Warnhinweis zum erhöhten Sterberisiko älterer Patienten mit demenzbedingter Psychose. Rexulti macht damit sowohl den Behandlungsbedarf als auch die anspruchsvolle Nutzen-Risiko-Abwägung deutlich. Weitere Kandidaten müssen Wirksamkeit und Verträglichkeit überzeugend belegen.
NeuroThera prüft eine Kombination aus THC und PEA
SCI-110 kombiniert Dronabinol, eine synthetische Form von THC, mit Palmitoylethanolamid (PEA). NeuroThera untersucht damit einen anderen pharmakologischen Weg. Donanemab richtet sich gegen Amyloidplaques, Brexpiprazol beeinflusst verschiedene Dopamin- und Serotoninrezeptoren. SCI-110 setzt am Endocannabinoid-System und ergänzenden biologischen Signalwegen an.
In einer offenen Phase-IIa-Studie wurde SCI-110 bei Alzheimer-Patienten mit Agitation untersucht. Laut der aktuellen Unternehmenspräsentation wurden 20 Patienten behandelt. Bei 75 Prozent war demnach keine zusätzliche Bedarfsmedikation zur Kontrolle der Agitation erforderlich. Ebenfalls bei 75 Prozent wurde ein gesteigerter Appetit beobachtet - ein möglicher zusätzlicher Aspekt bei älteren, körperlich geschwächten Patienten.
Diese Daten sind ein frühes klinisches Signal. Die kleine Patientengruppe und der fehlende Placeboarm begrenzen jedoch ihre Aussagekraft. Ohne Kontrollgruppe lässt sich nicht zuverlässig bestimmen, welcher Anteil der beobachteten Veränderungen auf SCI-110 zurückging.
Entscheidend sind kontrollierte Daten
Die Entwicklungen bei Lilly und Otsuka zeigen, welche Anforderungen neue Alzheimer-Therapien erfüllen müssen: klar definierte Patientengruppen, aussagekräftige Endpunkte und ein klinisch relevanter Vorteil gegenüber Placebo. Bei älteren Patienten ist zudem die Verträglichkeit besonders wichtig.
NeuroThera steht bei Alzheimer-Agitation noch deutlich früher in der Entwicklung. SCI-110 ist nicht zugelassen; seine Wirksamkeit wurde noch nicht in einer kontrollierten Alzheimer-Studie bestätigt. Die nächste Frage lautet daher, ob sich das frühe Signal in einer größeren, kontrollierten Untersuchung reproduzieren lässt und wie das Sicherheitsprofil ausfällt.
Lilly behandelt die frühe Krankheitsentwicklung, Otsuka die Agitation. NeuroThera konzentriert sich ebenfalls auf dieses Verhaltenssymptom, verfolgt mit SCI-110 aber einen anderen Wirkansatz. Ob dieser Ansatz trägt, müssen weitere klinische Daten zeigen.
Quellen
https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-approves-treatment-adults-alzheimers-disease
https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-approves-first-drug-treatment-agitation-associated-dementia-due-alzheimers-disease
https://clinicaltrials.gov/study/NCT05239390
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ISIN: CA64136J2002
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