
© Foto: Bayer AG
Jahrelang war Bayer das Sorgenkind im DAX. Vor einigen Monaten hatten sich schon die Zeichen für eine Trendwende gemehrt. Diese wurde dann auch vollzogen. Die Aktie hat sich von ihrem Rekordtief längst gelöst und klettert unbeirrt weiter. Neue Krebsmedikamente erobern wichtige Märkte, das Agrargeschäft brummt, und ausgerechnet die einst so gefürchtete Glyphosat-Akte könnte sich ihrem Ende nähern. Eine britische Großbank traut dem Konzern jetzt sogar deutlich mehr zu als bisher gedacht. Aber reicht das alles, um den DAX-Wert noch weiter nach oben zu schießen? Wir werfen einen Blick auf die Zahlen, den Chart und die Aussichten.
Bayer der Überflieger
Bayer, das sollte jedem bekannt sein, ist mehr als nur Aspirin aus dem Hausapothekenschrank. Der Leverkusener Konzern kämpfte sich zuletzt aus einem tiefen Loch. Schuld daran, dass Bayer erst überhaupt dort gelandet ist, war vor allem die teure Monsanto-Übernahme und die endlose Klagewelle rund um das Unkrautmittel Roundup. Doch der Wind drehte sich schon vor einigen Monaten. Im Juni entschied der US Supreme Court zugunsten von Bayer, und ein Gericht in Missouri soll nun einen Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar absegnen. Damit könnte ein Großteil der Rechtsunsicherheit endlich vom Tisch sein.
Und auch operativ tut sich einiges. Das Nierenmittel Kerendia legte im ersten Halbjahr um satte 75 Prozent zu. Mit Hyrnuo erhielt Bayer zudem grünes Licht der US-Behörde FDA für ein neues Lungenkrebsmedikament. Das ist, nach der Zulassung in Japan, ein weiterer Etappensieg. Auch die Agrarsparte Crop Science liefert. Neue Produkte wie der Mais "Preceon" sollen das Geschäft bis 2035 auf ein neues Level heben. Kein Wunder, dass Barclays sein Kursziel jüngst von 60 auf 70 Euro angehoben hat und weiterhin zum Kauf rät. Ganz einig sind sich die Analysten allerdings noch nicht. Während Barclays mit seiner 70-Euro-Marke deutlich nach vorne vorprescht, hält sich J.P. Morgan mit 61 Euro spürbar zurückhaltender, und auch UBS bleibt mit 62 Euro darunter. Auffällig ist zudem: Bei Kennzahlen wie dem erwarteten Gewinnwachstum bis 2029 liegt Bayer sogar an der Spitze der gesamten Pharma-Vergleichsgruppe. Die Substanz für höhere Bewertungen ist also durchaus vorhanden, auch wenn die Häuser beim Tempo unterschiedlicher Meinung sind.

Charttechnik
Charttechnisch pendelt die Aktie seit Wochen knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 53,92 Euro. Genau dieses alte Hoch rückt jetzt wieder in Reichweite. Gelingt der Sprung darüber, könnte der nächste Schub Richtung 60 Euro folgen. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 48,66 Euro dient dabei als Unterstützung nach unten. Der RSI steht bei noch moderaten 63 Punkten, etwas erhöht, aber weder überhitzt noch ausgereizt. Das bedeutet, dass nach oben noch Luft ist, ohne dass die Aktie kurzfristig heißgelaufen wäre.
Was tun?
Die Kombination aus den Fundamentals, der Charttechnik und dem aktuellen Newsflow stimmt optimistisch. Operativ zeigt Bayer echte Fortschritte, allen voran im Pharmabereich mit Kerendia und Hyrnuo sowie im wachsenden Agrargeschäft. Die juristische Altlast rund um Glyphosat verliert zunehmend an Bedeutung, was Anleger spürbar entlastet. Vielleicht kommt ja jetzt bald auch noch der große Befreiungsschlag. Charttechnisch steht die Aktie an einer wichtigen Schwelle: Ein Ausbruch über das alte Hoch könnte den Weg Richtung 60 Euro ebnen. Neueinsteiger, die vorsichtig agieren möchten, sollten die Gerichtsentscheidung im September abwarten und dann eventuell gestaffelt in kleinen Schritten zugreifen, denn ein Restrisiko bleibt immer. Insgesamt überwiegen aber die positiven Signale.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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