
© Foto: Symbolbild mit KI erstellt
Zehn Milliarden Euro liegen wohl auf dem Tisch, und Evonik sagt trotzdem Nein. Was nach einer Abfuhr klingt, ist in Wahrheit ein Machtspiel mit offenem Ausgang. BASF will den Essener Spezialchemiker laut Berichten "unbedingt" haben. Evonik will mehr Geld sehen. Im Hintergrund hält eine Stiftung die entscheidenden Karten in der Hand. Die Aktie kratzt schon am Jahreshoch. Kommt jetzt der nächste Anlauf aus Ludwigshafen? Wie hoch kann der Kurs dann wirklich noch steigen? Wenn Sie das wissen möchten, lesen Sie gerne weiter.
Ein Nein, das neue Fantasie schürt
Erst waren es nur Gerüchte, dann Gewissheit. BASF hat bei Evonik angeklopft. Berichten zufolge boten die Ludwigshafener rund 10,3 Milliarden Euro, das sind etwa 22,15 Euro je Aktie. Evonik winkte dennoch ab. Zu wenig, hieß es, um überhaupt zu verhandeln. Einen Blick in die Bücher gab es auch nicht. Bestätigt haben beide Seiten nur Sondierungsgespräche. Wie groß der Aufschlag ist, hängt vom Vergleichskurs ab. Zum Kurs vor den ersten Spekulationen sind es knapp 30 Prozent. Zum heutigen Kurs von rund 19,80 Euro bleiben rund zwölf Prozent. Die Lücke ist also nicht riesig. Genau deshalb halten viele eine Nachbesserung für möglich. Wichtig wird die RAG-Stiftung. Sie hält etwa 44 Prozent an Evonik, ohne ihr "Ja" läuft nichts. Die Gewerkschaft IGBCE fordert feste Zusagen für Standorte und Beschäftigte. Analysten sehen dagegen viel Sinn im Zusammenschluss, etwa bei Katalysatoren, Tensiden und Isocyanaten. Die Deutsche Bank nennt für den Fall einer höheren Offerte sogar die Marke von 25 Euro.

Charttechnik
Die Aktie läuft momentan stark. In einer Woche ging es um über 10 Prozent nach oben, auf Sicht eines Jahres sind es knapp 40 Prozent. Bei etwa 19,70 Euro steht der Kurs direkt unter dem 52-Wochen-Hoch von 20,20 Euro. Das ist die nächste große Hürde. Der RSI liegt allerdings schon bei 71 und zeigt eine leicht überkaufte Lage an. Kleine Verschnaufpausen wären also möglich und normal, aber nicht zwingend. Gelingt der Sprung über 20,20 Euro, wird der Weg frei. Kommt es zu einer Nachbesserung des Angebots, sind rein charttechnisch auch Kurse bis 22 Euro oder gar 25 Euro möglich.
Was tun?
Die Lage ist spannend, aber wie immer an der Börse nicht ohne Risiko. Für Evonik sprechen die Zahlen, denn im zweiten Quartal überraschte der Konzern mit einem EBITDA von 650 Millionen Euro. Dazu kommt eine Dividendenrendite von gut 5 Prozent. Auch die neue Wasserstoff-Sparte zeigt, dass sich das Unternehmen bewegt. Die DZ Bank rät weiter zum Kauf, das Ziel liegt bei 22 Euro. Dagegen stehen das aktuell relativ erhöhte KGV und die Gefahr, dass BASF sich zurückzieht. Dann könnte die Übernahmeprämie schnell aus dem Kurs verschwinden. Neueinsteiger könnten eventuell noch auf einen Rücksetzer warten oder steigen in Tranchen/Etappen ein. Das würde das Risiko eines Einmalkaufs deutlich reduzieren. Das Momentum spricht aber derzeit natürlich für weiter steigende Kurse bei Evonik.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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