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Der Wettbewerb um die nächste große Medikamentengeneration wird immer teurer. Novo Nordisk (ISIN: DK0062498333) hat am Montag einen Lizenzvertrag mit Hengrui Pharma (ISIN: CNE000001XXX) geschlossen, dessen Gesamtwert bei erfolgreicher Entwicklung bis zu 2,6 Milliarden US-Dollar erreichen kann. Novo zahlt zunächst 300 Millionen Dollar und erhält dafür außerhalb Chinas und einiger weiterer chinesischer Märkte die Rechte an HRS-1596 - einem experimentellen GLP-1/GIP-Dualagonisten, der künftig möglicherweise nur einmal pro Woche als Tablette eingenommen werden könnte. Der Kandidat steht allerdings erst am Beginn der klinischen Entwicklung. Trotzdem ist Novo bereit, bei Erreichen aller Entwicklungs-, Zulassungs- und kommerziellen Meilensteine Milliarden zu zahlen. Der Deal steht exemplarisch für einen größeren Trend: Eli Lilly (ISIN: US5324571083), GSK (ISIN: GB00BN7SWP63) und AstraZeneca (ISIN: GB0009895292) investieren ebenfalls enorme Summen in externe Technologien. Big Pharma sucht den nächsten Wachstumstreiber zunehmend, bevor dessen kommerzieller Erfolg überhaupt feststeht.
2,6 Milliarden Dollar für eine Tablette, die noch vor Phase I steht
HRS-1596 kombiniert zwei Mechanismen, die im heutigen Adipositasmarkt bereits eine zentrale Rolle spielen: GLP-1 und GIP. Das Besondere ist die angestrebte Darreichungsform. Hengrui entwickelt den Wirkstoff für eine orale Einnahme nur einmal pro Woche. Novo erhält die exklusiven Entwicklungs-, Produktions- und Vermarktungsrechte weltweit mit Ausnahme von Festlandchina, Hongkong, Macau und Taiwan. Die 2,6 Milliarden Dollar fließen dabei keineswegs sofort. Neben den 300 Millionen Dollar Vorabzahlung sind bis zu 2,3 Milliarden Dollar an Entwicklungs-, Zulassungs- und kommerzielle Meilensteine gekoppelt. Zusätzlich können Lizenzgebühren auf spätere Umsätze anfallen. In China ist eine Phase-I-Studie bereits genehmigt. Ob daraus jemals ein zugelassenes Medikament entsteht, ist deshalb noch völlig offen. Gerade die frühe Entwicklungsphase macht die Größenordnung des Deals bemerkenswert.
Novo kauft sich immer mehr externe Chancen ein
Der neue Vertrag kommt nur wenige Tage nach zwei weiteren großen Technologievereinbarungen. Mit Orbis Medicines vereinbarte Novo eine Zusammenarbeit mit einem potenziellen Gesamtwert von bis zu 1,4 Milliarden Dollar, um neue oral verfügbare Medikamente für kardiometabolische Erkrankungen zu entwickeln. Kurz darauf folgte eine Vereinbarung mit Nanexa über bis zu 1,165 Milliarden Euro. Deren Technologie soll Medikamente über längere Zeiträume kontrolliert freisetzen und dadurch beispielsweise monatliche oder vierteljährliche Injektionen ermöglichen. Novo investiert damit gleichzeitig in neue Wirkstoffe, Tabletten und länger wirkende Injektionen. Der Konzern versucht offensichtlich, seine nächste Wachstumsgeneration auf mehrere technologische Wege zu verteilen.
Eli Lilly setzt bis zu sieben Milliarden Dollar auf die nächste Zelltherapie-Generation
Der große GLP-1-Konkurrent verfolgt eine ähnliche Strategie - allerdings weit über Adipositas hinaus. Eli Lilly vereinbarte im April die Übernahme von Kelonia Therapeutics für bis zu sieben Milliarden Dollar. 3,25 Milliarden Dollar sollen vorab gezahlt werden, der Rest hängt von klinischen, regulatorischen und kommerziellen Meilensteinen ab. Kelonia entwickelt In-vivo-CAR-T-Therapien. Anders als bei klassischen CAR-T-Verfahren sollen T-Zellen dabei direkt im Körper des Patienten genetisch programmiert werden. Das führende Programm KLN-1010 befindet sich erst in Phase I beim rezidivierten oder refraktären multiplen Myelom. Lilly kauft damit nicht nur einen einzelnen Wirkstoffkandidaten, sondern eine Technologie, die nach Angaben der Unternehmen auf weitere Erkrankungen und Programme übertragen werden könnte.
GSK vereinbarte mit demselben Novo-Partner sogar ein 12-Milliarden-Dollar-Modell
Besonders interessant ist, dass Hengrui längst auch bei anderen Pharmakonzernen auf dem Einkaufszettel steht. GSK vereinbarte mit dem chinesischen Unternehmen eine Zusammenarbeit für bis zu zwölf Programme in den Bereichen Atemwegserkrankungen, Immunologie, Entzündung und Onkologie. GSK zahlte 500 Millionen Dollar vorab. Werden sämtliche Programme übernommen und alle Entwicklungs-, Zulassungs- und kommerziellen Meilensteine erreicht, könnten weitere Zahlungen von insgesamt rund zwölf Milliarden Dollar hinzukommen. Auch hier handelt es sich ausdrücklich nicht um zwölf Milliarden Dollar, die bereits geflossen sind. Entscheidend ist vielmehr die Struktur: Hengrui entwickelt bis zu elf zusätzliche Programme zunächst bis zum Abschluss von Phase I, anschließend kann GSK entscheiden, welche davon weiterentwickelt werden. Big Pharma kauft sich damit frühzeitig Optionen auf mögliche Gewinner.
AstraZeneca investiert zwei Milliarden Dollar in ein Biotechunternehmen
Und am Sonntag folgte bereits der nächste Milliardenbetrag. AstraZeneca vereinbarte eine strategische Investition von zwei Milliarden Dollar in Summit Therapeutics (ISIN: US86627T1088). Im Gegensatz zu den erfolgsabhängigen Maximalwerten der Novo- und GSK-Vereinbarungen handelt es sich hierbei um eine Eigenkapitalinvestition. AstraZeneca erwirbt neu ausgegebene wandelbare Vorzugsaktien und erhält nach Abschluss Rechte entsprechend rund zwölf Prozent der ausstehenden Summit-Aktien. Gleichzeitig sollen beide Unternehmen Krebsmedikamente miteinander kombinieren. Im Mittelpunkt steht Summits bispezifischer PD-1/VEGF-Antikörper Ivonescimab, der gemeinsam mit AstraZenecas Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten untersucht werden soll. Die Summit-Aktie reagierte auf die Nachricht zeitweise mit einem kräftigen Kurssprung.
Big Pharma kauft zunehmend Plattformen statt einzelner Produkte
Novo, Lilly, GSK und AstraZeneca investieren in völlig unterschiedliche medizinische Ansätze. Trotzdem steckt hinter den Transaktionen dieselbe strategische Logik. Interessant sind Technologien, die nicht auf ein einzelnes Produkt begrenzt bleiben müssen. Hengrui entwickelt neben HRS-1596 zahlreiche weitere Wirkstoffe. Kelonias Technologie könnte unterschiedliche In-vivo-CAR-T-Produkte ermöglichen. GSK hat sich gleich Optionen auf ein ganzes Bündel zukünftiger Programme gesichert. AstraZeneca kombiniert Summits Antikörper mit dem eigenen Onkologieportfolio. Der Wert liegt deshalb nicht ausschließlich im ersten Medikament, sondern in der Möglichkeit, aus einer Technologie mehrere Wachstumstreiber zu entwickeln.
Mesoblast hat den ersten regulatorischen Beweis bereits erbracht
Genau an diesem Punkt wird Mesoblast (ISIN: AU000000MSB8) interessant. Das Unternehmen befindet sich in einer anderen Entwicklungsphase als viele der heute teuer eingekauften frühen Biotechplattformen. Mit Ryoncil verfügt Mesoblast bereits über ein FDA-zugelassenes allogenes mesenchymales Stromazellprodukt. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Ryoncil nach Unternehmensangaben rund 115 Millionen US-Dollar Nettoumsatz. Der Gesamtumsatz von Mesoblast erreichte 120,25 Millionen Dollar nach 17,2 Millionen Dollar im Vorjahr. Gleichzeitig wurden mehr als 50 US-Transplantationszentren eingebunden und die Kostenerstattung auf mehr als 280 Millionen Versicherte ausgeweitet. Damit hat Mesoblast nicht nur klinische Daten vorgelegt, sondern bereits regulatorische Zulassung, Produktion und kommerzielle Vermarktung erreicht.
Neue FDA-Entscheidung stärkt die industrielle Basis von Ryoncil
Am 24. September erreichte Mesoblast einen weiteren regulatorischen Meilenstein. Die FDA genehmigte einen neuen Potency Assay für Ryoncil. Der sogenannte T-cell Proliferation Inhibition BioAssay soll künftig zusammen mit den bereits bestehenden Tests zur Freigabe und Stabilitätsüberwachung kommerzieller Chargen eingesetzt werden. Der neue Test soll insbesondere Veränderungen der Produktpotenz erkennen können, die beispielsweise durch Änderungen des Herstellungsprozesses oder die Produktion in neuen Anlagen entstehen könnten. Das klingt zunächst technisch, ist für industrielle Zelltherapie jedoch relevant: Bei lebenden Zellprodukten gehört eine reproduzierbare Qualität über unterschiedliche Produktionschargen hinweg zu den zentralen Voraussetzungen für eine breitere Kommerzialisierung. Aus der FDA-Entscheidung lässt sich allerdings weder unmittelbar höherer Umsatz noch eine Zulassung weiterer Indikationen ableiten.
Jetzt muss Mesoblast zeigen, wie breit die Plattform werden kann
Die entscheidende Frage lautet deshalb, ob sich auf dieser regulatorischen und kommerziellen Basis weitere Wachstumstreiber aufbauen lassen. Mesoblast hat bereits eine Phase-III-Studie begonnen, mit der Ryoncil auf erwachsene Patienten mit steroidrefraktärer akuter Graft-versus-Host-Erkrankung ausgeweitet werden soll. Parallel wurde die Behandlung von 350 Patienten in der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie mit rexlemestrocel-L bei chronischen Rückenschmerzen abgeschlossen. Top-Line-Ergebnisse werden Mitte 2027 erwartet. Hinzu kommt ein von der FDA freigegebenes Phase-III-Programm bei Duchenne-Muskeldystrophie. Keine dieser Entwicklungen garantiert einen späteren Zulassungserfolg. Sie zeigen aber, dass Mesoblast versucht, aus der ersten kommerziellen Zulassung mehrere klinische und wirtschaftliche Wachstumssäulen aufzubauen.
Warum Milliarden schon vor dem endgültigen Beweis fließen
Die aktuellen Deals zeigen, wie früh Pharmaunternehmen inzwischen bereit sind, strategische Positionen aufzubauen. Novo zahlt 300 Millionen Dollar vorab für einen Kandidaten, der erst Phase-I-bereit ist. Lilly vereinbarte 3,25 Milliarden Dollar Vorabzahlung für Kelonia und dessen In-vivo-CAR-T-Plattform. GSK hat mit Hengrui ein Modell geschaffen, bei dem es nach frühen klinischen Daten auswählen kann, welche Programme weitergeführt werden. AstraZeneca investiert zwei Milliarden Dollar direkt in Summit, um sich strategisch mit einer neuen Onkologieplattform zu verbinden. Nicht jede dieser Wetten wird erfolgreich sein. Die Transaktionen zeigen aber, welchen Wert große Pharmakonzerne Technologien beimessen, die bei klinischem Erfolg gleich mehrere Produkte oder Indikationen ermöglichen könnten.
Fazit
Novo Nordisk zahlt zunächst 300 Millionen Dollar für HRS-1596 und stellt bei erfolgreicher Entwicklung weitere Meilensteinzahlungen in Aussicht, die den Gesamtwert des Deals auf bis zu 2,6 Milliarden Dollar erhöhen könnten. Eli Lilly setzt bis zu sieben Milliarden Dollar auf In-vivo-CAR-T, GSK hat mit Hengrui ein erfolgsabhängiges Modell über potenziell rund zwölf Milliarden Dollar vereinbart und AstraZeneca investiert zwei Milliarden Dollar in Summit Therapeutics. Die Zahlen sind unterschiedlich strukturiert und deshalb nicht direkt miteinander vergleichbar. Gemeinsam zeigen sie jedoch, wie intensiv Big Pharma nach Technologien sucht, die über einen einzelnen Wirkstoff hinausreichen. Für Mesoblast (ISIN: AU000000MSB8) ist genau diese Entwicklung relevant. Mit Ryoncil besitzt das Unternehmen bereits ein zugelassenes und kommerzialisiertes Zellprodukt; die jüngste FDA-Genehmigung eines zusätzlichen Potency Assays stärkt die Qualitätskontrolle der kommerziellen Produktion. Jetzt müssen weitere Indikationen und insbesondere die laufenden Phase-III-Programme zeigen, ob aus dieser ersten Zulassung tatsächlich eine breitere Zelltherapieplattform mit mehreren Wachstumstreibern entstehen kann
Quellen:
Novo Nordisk - Novo and Hengrui Pharma enter exclusive license agreement for once-weekly oral GLP-1/GIP dual receptor agonist HRS-1596, 29. September 2026
https://www.novonordisk.com/news-and-media/news-and-ir-materials/news-details.html?id=917052
Reuters - Novo to pay up to $2.6 billion to China's Hengrui for rights to weight-loss pill, 29. September 2026
https://www.reuters.com/legal/litigation/chinas-hengrui-inks-up-26-billion-deal-with-novo-nordisk-obesity-drug-2026-09-29/
AstraZeneca - AstraZeneca announces strategic equity investment and clinical collaboration with Summit Therapeutics to advance leading ADC combination strategy in cancer, 28. September
2026
https://www.astrazeneca.com/media-centre/press-releases/2026/astrazeneca-announces-equity-investment-summit.html
Summit Therapeutics - AstraZeneca Makes $2 Billion Strategic Equity Investment in Summit Therapeutics, 28. September 2026
https://www.businesswire.com/news/home/20260928506972/en/AstraZeneca-Makes%242-Billion-Strategic-Equity-Investment-in-Summit-Therapeutics
Reuters - Summit soars after $2 billion investment from AstraZeneca for cancer therapies, 29. September 2026
https://www.reuters.com/legal/litigation/summit-soars-after-2-billion-investment-astrazeneca-cancer-therapies-2026-09-29/
GSK - GSK and Hengrui Pharma enter agreements to develop up to 12 innovative medicines across Respiratory, Immunology & Inflammation and Oncology, 28. Juli 2025
https://www.gsk.com/en-gb/media/press-releases/gsk-and-hengrui-pharma-enter-agreements/
Eli Lilly - Lilly to acquire Kelonia Therapeutics to advance in vivo CAR-T cell therapies, 20. April 2026
https://investor.lilly.com/node/54136
Reuters - Eli Lilly to buy Boston's Kelonia for up to $7 billion in cancer push, 20. April 2026
https://www.reuters.com/legal/litigation/eli-lilly-advanced-talks-acquire-kelonia-therapeutics-over-2-billion-wsj-says-2026-04-19/
Mesoblast - FDA Approves New Potency Assay for Commercial Ryoncil, 24. September 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/asx-announcements
Mesoblast - MSB Annual Financial Results and Operational Update, 27. August 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/news-releases/news-release-details/msb-annual-financial-results-and-operational-update-2
U.S. SEC / Mesoblast - Annual Report on Form 20-F for the year ended June 30, 2026
https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1345099/000134509926000081/meso-20260630.htm
U.S. SEC / Mesoblast - FY2026 Financial Results Presentation
https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1345099/000134509926000083/exhibit992financialresul.htm
Mesoblast - Major Milestone: Treatment Completed in P3 Trial for CLBP, 17. August 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/news-releases/news-release-details/major-milestone-treatment-completed-p3-trial-clbp
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Land: Australien / ISIN: AU000000MSB8
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