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Der Kampf um die nächste Generation von Medikamenten wird immer teurer. Novo Nordisk (ISIN: DK0062498333) hat mit dem schwedischen Biotechunternehmen Nanexa (ISIN: SE0007074166) einen Lizenz- und Kooperationsvertrag geschlossen, dessen potenzieller Gesamtwert 1,165 Milliarden Euro oder rund 1,3 Milliarden US-Dollar erreichen kann. Im Mittelpunkt steht diesmal nicht der nächste Wirkstoff, sondern eine Technologie, mit der Medikamente gegen Adipositas, Diabetes und andere kardiometabolische Erkrankungen deutlich länger wirken könnten. Statt wöchentlicher Injektionen werden monatliche oder sogar vierteljährliche Dosierungen angestrebt. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Größenordnung. Erst wenige Tage zuvor hatte Novo einen weiteren Deal über bis zu 1,4 Milliarden Dollar für eine Technologie zur Entwicklung neuer oraler Medikamente geschlossen. Der Konzern investiert damit gleichzeitig in Tabletten und länger wirkende Injektionen. Eli Lilly (ISIN: US5324571083) verfolgt eine ähnliche Strategie und hat sich ebenfalls eine Plattform für lang wirkende Stoffwechselmedikamente gesichert. Der Wettbewerb verlagert sich damit zunehmend von der Frage nach dem besten einzelnen Medikament hin zur Frage, wer die Technologien besitzt, mit denen sich ganze Produktgenerationen entwickeln lassen.
Bis zu 1,3 Milliarden Dollar für weniger Injektionen
Nanexas PharmaShell-Technologie soll Wirkstoffe über längere Zeit kontrolliert im Körper freisetzen. Dabei werden Medikamentenpartikel mit einer dünnen anorganischen Schicht überzogen. Nach der Injektion entsteht ein Depot, aus dem der Wirkstoff mit dem Abbau der Beschichtung schrittweise freigesetzt wird. Novo erhält die exklusiven weltweiten Rechte, diese Technologie bei bestimmten Peptidwirkstoffen in bis zu fünf Entwicklungsprogrammen einzusetzen. Ziel sind unter anderem monatliche und vierteljährliche Injektionen. Nanexa kann insgesamt bis zu 1,165 Milliarden Euro erhalten. Davon entfallen bis zu 615 Millionen Euro auf Vorab-, Entwicklungs- und regulatorische Zahlungen, weitere 550 Millionen Euro auf mögliche Verkaufsmeilensteine. Hinzu kommen niedrige einstellige prozentuale Lizenzgebühren auf mögliche spätere Produktumsätze. Wie hoch die tatsächliche Vorabzahlung ist, wurde nicht veröffentlicht. Für Novo ist der Deal damit eine Milliardenwette auf die Frage, ob sich erfolgreiche Stoffwechseltherapien künftig wesentlich komfortabler verabreichen lassen.
Novo investiert gleichzeitig in Tabletten und Langzeit-Injektionen
Besonders interessant wird der Nanexa-Deal im Zusammenhang mit einer zweiten Transaktion. Erst am 17. September vereinbarte Novo mit Orbis Medicines eine Forschungs- und Lizenzpartnerschaft mit einem potenziellen Gesamtwert von bis zu 1,4 Milliarden Dollar. Orbis entwickelt mithilfe seiner KI-gestützten Plattform synthetische Makrozyklen, aus denen oral verfügbare Medikamente für kardiometabolische Erkrankungen entstehen sollen. Novo arbeitet damit gleichzeitig an zwei entgegengesetzten Wegen zum gleichen Ziel: Medikamente sollen entweder einfacher als Tablette eingenommen oder als Injektion wesentlich seltener verabreicht werden. Das zeigt, wie sich der Wettbewerb nach dem ersten GLP-1-Boom verändert. Nicht mehr allein der Wirkstoff könnte entscheiden. Komfort, Dosierungsintervall, Verträglichkeit, Produktionskosten und Skalierbarkeit werden zunehmend ebenfalls zu Wettbewerbsfaktoren.
Eli Lilly hat sich ebenfalls eine Plattform für länger wirkende Medikamente gesichert
Novo ist damit keineswegs allein. Eli Lilly vereinbarte bereits 2025 eine Zusammenarbeit mit Camurus (ISIN: SE0007692850), um dessen FluidCrystal-Technologie für lang wirkende kardiometabolische Medikamente einzusetzen. Der mögliche Wert dieser Vereinbarung liegt bei bis zu 870 Millionen Dollar zuzüglich Lizenzgebühren. Die Technologie kann Wirkstoffe nach einer einzelnen Injektion über Zeiträume von Tagen bis Monaten freisetzen. Im Juni 2026 weitete Lilly die Zusammenarbeit zusätzlich auf Amylin-Rezeptoragonisten aus. Das ist bemerkenswert: Die beiden dominierenden Unternehmen im heutigen GLP-1-Markt investieren parallel in Technologien, die ihre nächsten Wirkstoffgenerationen komfortabler und länger wirksam machen könnten. Der Wettbewerb um Adipositasmedikamente wird damit zunehmend auch zu einem Wettbewerb um die bessere technologische Plattform.
Big Pharma kauft nicht mehr nur Medikamente - sondern Technologien
Dass diese Entwicklung weit über GLP-1 hinausgeht, zeigt Lilly selbst. Im April vereinbarte der Konzern die Übernahme von Kelonia Therapeutics für bis zu sieben Milliarden Dollar. Kelonia entwickelt eine In-vivo-CAR-T-Plattform, bei der T-Zellen direkt im Körper genetisch verändert werden sollen. Das führende Programm befindet sich erst in Phase I. Dennoch zahlt Lilly 3,25 Milliarden Dollar vorab; weitere Zahlungen hängen von späteren Meilensteinen ab. Für den Konzern geht es dabei ausdrücklich um mehr als einen einzelnen Krebswirkstoff. Kelonias Technologie soll potenziell auf weitere Programme übertragen werden können. Damit wird sichtbar, wonach Big Pharma derzeit sucht: Plattformen, die nicht nur ein Produkt hervorbringen, sondern über Jahre mehrere Medikamente, Indikationen oder Produktgenerationen ermöglichen könnten.
Warum Skalierbarkeit zum Milliardenfaktor wird
Dahinter steckt ein einfaches wirtschaftliches Prinzip. Ein wirksames Medikament ist nur ein Teil des kommerziellen Erfolgs. Wenn Millionen Patienten behandelt werden sollen, müssen Therapien außerdem in großen Mengen produziert, verteilt und möglichst einfach angewendet werden können. Gerade bei chronischen Erkrankungen kann es einen erheblichen Unterschied machen, ob Patienten täglich, wöchentlich, monatlich oder nur viermal im Jahr behandelt werden müssen. Der Nanexa-Deal zeigt deshalb, welchen Wert große Pharmakonzerne Technologien beimessen, die bestehende Wirkstoffe möglicherweise skalierbarer oder komfortabler machen. Bei Zelltherapien ist diese Frage sogar noch komplexer, weil Herstellung und Logistik wesentlich anspruchsvoller sein können als bei klassischen Medikamenten.
Mesoblast setzt auf ein anderes Modell der Zelltherapie
Genau hier wird Mesoblast (ISIN: AU000000MSB8) interessant. Das Unternehmen arbeitet mit allogenen mesenchymalen Stromazellen. Im Gegensatz zu autologen Zelltherapien, bei denen Zellen eines einzelnen Patienten entnommen, bearbeitet und anschließend zurückgegeben werden, basiert der Ansatz von Mesoblast auf standardisierten Zellprodukten aus Spenderzellen. Mit Ryoncil hat das Unternehmen diesen Ansatz bereits bis zur FDA-Zulassung und in die kommerzielle Anwendung gebracht. Das Produkt ist in den USA zur Behandlung steroidrefraktärer akuter Graft-versus-Host-Erkrankung bei pädiatrischen Patienten zugelassen. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Ryoncil 115,2 Millionen US-Dollar Nettoumsatz. Insgesamt meldete Mesoblast einen Umsatz von 120,3 Millionen Dollar nach 17,2 Millionen Dollar im Vorjahr.
Die Infrastruktur steht inzwischen - jetzt soll sie breiter genutzt werden
Für Mesoblast ist dabei nicht nur die Zulassung relevant. Das Unternehmen hat seit dem Start von Ryoncil mehr als 50 US-Transplantationszentren eingebunden, darunter 14 der 15 größten pädiatrischen Zentren. Gleichzeitig wurde nach Unternehmensangaben der Erstattungszugang auf mehr als 280 Millionen Versicherte ausgeweitet. Damit entsteht eine kommerzielle Infrastruktur, die langfristig auch bei einer Erweiterung des Produktangebots relevant werden könnte. Mesoblast arbeitet beispielsweise daran, Ryoncil auch bei erwachsenen Patienten mit steroidrefraktärer akuter Graft-versus-Host-Erkrankung zu entwickeln. Jede zusätzliche Indikation muss selbstverständlich klinisch und regulatorisch eigenständig überzeugen. Die bereits bestehende Produktions-, Vertriebs- und Erstattungsstruktur könnte bei erfolgreichen Erweiterungen jedoch einen strategischen Vorteil darstellen.
Der nächste große Test läuft mit 350 Patienten
Parallel verfolgt Mesoblast mit rexlemestrocel-L eine zweite Zellplattform. Im August wurde die Behandlung von 350 Patienten in der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie bei chronischen Rückenschmerzen infolge entzündlicher degenerativer Bandscheibenerkrankung abgeschlossen. Die Top-Line-Ergebnisse werden Mitte 2027 erwartet. Ein Erfolg ist keineswegs garantiert. Positive Phase-III-Daten könnten jedoch die Grundlage für einen weiteren großen kommerziellen Markt schaffen und gleichzeitig zeigen, dass Mesoblasts Zelltechnologie über Ryoncil hinaus eingesetzt werden kann. Im Geschäftsjahr 2026 investierte das Unternehmen deshalb sowohl in die remestemcel-L- als auch in die rexlemestrocel-L-Plattform.
Mesoblast arbeitet bereits an der nächsten Zellgeneration
Noch früher befindet sich eine weitere Technologie, die für den langfristigen Plattformgedanken interessant ist. Mesoblast hat 2026 eine CAR-basierte Technologieplattform erworben, mit der mesenchymale Stromazellen gezielter zu krankheitsrelevanten Geweben gelenkt und ihre Aktivität verstärkt werden sollen. Zu den vom Unternehmen genannten möglichen Zielgebieten gehören unter anderem Lupus sowie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Die Programme befinden sich noch in einer frühen Entwicklungsphase und dürfen nicht mit bereits zugelassenen CAR-T-Therapien gleichgesetzt werden. Strategisch zeigt der Schritt jedoch, dass Mesoblast versucht, aus seiner bestehenden Zelltechnologie weitere Produktgenerationen abzuleiten.
Warum der Novo-Deal mehr zeigt als nur den nächsten GLP-1-Schritt
Der neue Nanexa-Vertrag ist deshalb mehr als eine weitere Meldung aus dem Adipositasmarkt. Novo zahlt nicht einfach für einen neuen Wirkstoff. Der Konzern sichert sich eine Technologie, die auf bis zu fünf eigene Programme angewendet werden kann. Nur wenige Tage zuvor investierte Novo potenziell weitere 1,4 Milliarden Dollar in eine Plattform für neue orale Medikamente. Lilly wiederum arbeitet mit Camurus an lang wirkenden Stoffwechseltherapien und investiert Milliarden in In-vivo-CAR-T. Die großen Pharmakonzerne versuchen damit zunehmend, nicht nur den nächsten Blockbuster zu finden, sondern Technologien zu kontrollieren, aus denen mehrere Blockbuster entstehen könnten.
Fazit
Novo Nordisk hat mit Ozempic und Wegovy gezeigt, welche wirtschaftliche Dimension eine erfolgreiche Medikamentenplattform erreichen kann. Doch der neue Nanexa-Deal über potenziell bis zu 1,165 Milliarden Euro zeigt, dass selbst ein Marktführer permanent an der nächsten Generation arbeiten muss. Monatliche oder vierteljährliche Injektionen könnten künftig einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil schaffen, während Novo gleichzeitig Milliarden in neue orale Technologien investiert. Eli Lilly verfolgt mit Camurus einen ähnlichen Ansatz und geht mit der Milliardenübernahme von Kelonia in der Zelltherapie noch einen Schritt weiter. Für Mesoblast (ISIN: AU000000MSB8) ist diese Entwicklung vor allem aus einem Grund relevant: In der modernen Biotechnologie gewinnt nicht nur die erste erfolgreiche Therapie an Wert, sondern zunehmend die Plattform dahinter. Ryoncil hat Zulassung und Kommerzialisierung bereits erreicht. Jetzt müssen rexlemestrocel-L, mögliche Indikationserweiterungen und langfristig die neue CAR-MSC-Technologie zeigen, ob Mesoblast aus dieser Basis mehrere skalierbare Wachstumstreiber entwickeln kann.
Quellen:
Nanexa - Nanexa and Novo enter into EUR 1.165 billion global license and collaboration agreement for long-acting injectables, 25. September 2026
https://www.prnewswire.com/news-releases/nanexa-and-novo-enter-into-eur-1-165-billion-global-license-and-collaboration-agreement-for-long-acting-injectables-302890175.html
Nasdaq / Nanexa - Nanexa and Novo enter into EUR 1.165 billion global license and collaboration agreement for long-acting injectables, 24. September 2026
https://attachment.news.eu.nasdaq.com/ae9657536adc4a33854de41cc88189924
Fierce Biotech - Novo inks $1.3B Nanexa deal to unlock long-acting obesity injectables, 25. September 2026
https://www.fiercebiotech.com/biotech/novo-inks-13b-nanexa-deal-unlock-long-acting-obesity-injectables
Reuters - Novo, Orbis sign up to $1.4 billion deal to develop oral drugs, 17. September 2026
https://www.reuters.com/legal/litigation/novo-orbis-sign-up-14-billion-deal-develop-oral-drugs-2026-09-17/
Orbis Medicines - Orbis Medicines Enters Multi-Target Drug Discovery Partnership with Novo Nordisk Worth up to USD 1.4 Billion, 17. September 2026
https://www.orbismedicines.com/
Camurus - Camurus and Lilly enter collaboration and license agreement for long-acting FluidCrystal incretins, 3. Juni 2025
https://www.camurus.com/media/press-releases/2025/camurus-and-lilly-enter-collaboration-and-license-agreement-for-long-acting-fluidcrystal-incretins/
Camurus - Camurus announces expansion of Lilly collaboration, 1. Juni 2026
https://www.camurus.com/media/press-releases/2026/camurus-announces-expansion-of-lilly-collaboration/
Eli Lilly - Lilly to acquire Kelonia Therapeutics to advance in vivo CAR-T cell therapies, 20. April 2026
https://investor.lilly.com/node/54136
Reuters - Eli Lilly to buy Boston's Kelonia for up to $7 billion in cancer push, 20. April 2026
https://www.reuters.com/legal/litigation/eli-lilly-advanced-talks-acquire-kelonia-therapeutics-over-2-billion-wsj-says-2026-04-19/
Mesoblast - Mesoblast Reports Substantial Revenue Growth to US$120M, 27. August 2026
https://www.globenewswire.com/news-release/2026/08/27/3351749/0/en/mesoblast-reports-substantial-revenue-growth-to-us-120m.html
Mesoblast - Annual Report 2026 / Form 20-F, 27. August 2026
https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1345099/000134509926000083/exhibit991financialresul.htm
Mesoblast - Major Milestone: Treatment Completed in P3 Trial for CLBP, August 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/asx-announcements/
Mesoblast - R&D Day Features Commercial & Blockbuster Programs, 8. April 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/news-releases/news-release-details/mesoblast-rd-day-features-commercial-blockbuster-programs
Mesoblast - CAR-MSC Platform / R&D Day Presentation, 8. April 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/static-files/76531eb6-aa34-4a4e-93b0-01dca96fb149
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