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Novartis setzt bis zu 7,8 Milliarden Dollar auf Immuntherapie - warum Eli Lilly und Co. die Zelltherapie neu erfinden wollen

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Die nächste Generation der Immuntherapie nimmt Gestalt an - und Big Pharma ist bereit, dafür Milliarden zu investieren. Novartis (ISIN: CH0012005267) hat mit dem chinesischen Biotechunternehmen Abogen Biosciences einen Lizenz- und Optionsvertrag geschlossen, dessen Gesamtwert bei erfolgreicher Entwicklung rund 7,8 Milliarden US-Dollar erreichen kann. Im Mittelpunkt steht ABO2203, ein experimenteller mRNA-kodierter T-Cell-Engager, der T-Zellen gegen krankheitsrelevante B-Zellen richten soll. Novartis zahlt dafür zunächst 575 Millionen Dollar. Parallel investiert Eli Lilly (ISIN: US5324571083) Milliarden in In-vivo-CAR-T-Technologien, bei denen therapeutische T-Zellen direkt im Körper entstehen sollen. Dahinter steckt ein größerer Trend: Die Pharmaindustrie versucht, die Wirksamkeit moderner Immun- und Zelltherapien mit einfacheren, skalierbareren Verfahren zu verbinden. Für Anleger rücken dadurch auch Unternehmen wie Mesoblast (ISIN: AU000000MSB8) in den Blick, die bereits mit allogenen Zellprodukten arbeiten und ihre Technologie gleichzeitig in Richtung einer neuen Generation weiterentwickeln.

575 Millionen Dollar sofort - bis zu 7,8 Milliarden Dollar insgesamt

Der neue Novartis-Deal zeigt, welche Summen inzwischen selbst für frühe Immuntherapieplattformen aufgerufen werden. Abogen erhält zunächst 575 Millionen Dollar. Werden sämtliche Optionen ausgeübt und alle vereinbarten Entwicklungs-, Zulassungs- und kommerziellen Meilensteine erreicht, können weitere Zahlungen von rund 7,2 Milliarden Dollar hinzukommen. Zusätzlich sind Lizenzgebühren auf mögliche spätere Produktumsätze vorgesehen. Novartis erhält eine weltweite Exklusivlizenz für ABO2203 und Optionen auf weitere Programme aus Abogens RNA-Plattform. Die enorme Maximalsumme ist deshalb nicht der Preis eines bereits zugelassenen Medikaments. Novartis sichert sich vielmehr frühzeitig den Zugang zu einer Technologie, aus der bei erfolgreicher Entwicklung mehrere therapeutische Programme entstehen könnten.

Der Körper soll die Immuntherapie selbst produzieren

Technologisch ist ABO2203 bemerkenswert. Statt einen fertig produzierten bispezifischen T-Cell-Engager regelmäßig zu verabreichen, wird mRNA über Lipidnanopartikel in den Körper gebracht. Diese enthält den Bauplan für einen CD19xCD3-T-Cell-Engager, der anschließend vorübergehend im Körper produziert werden soll. Der Wirkstoff soll CD3-positive T-Zellen mit CD19-positiven B-Zellen zusammenbringen und dadurch eine B-Zell-Depletion ermöglichen. Abogen untersucht den Ansatz bereits klinisch bei B-Zell-Lymphomen; Novartis richtet den Blick insbesondere auf Autoimmunerkrankungen. Das langfristige Ziel ist ein sogenannter "Immune Reset" - also eine tiefgreifende Neuordnung krankheitsrelevanter Immunreaktionen. Ob ABO2203 dieses Ziel tatsächlich erreicht, müssen weitere klinische Studien erst zeigen.

Eli Lilly geht bei CAR-T noch einen Schritt weiter

Novartis ist mit dieser Suche nicht allein. Eli Lilly vereinbarte im April die Übernahme von Kelonia Therapeutics für bis zu sieben Milliarden Dollar. Davon sollen 3,25 Milliarden Dollar vorab gezahlt werden. Kelonia verfolgt einen In-vivo-CAR-T-Ansatz: Speziell entwickelte lentivirale Partikel sollen T-Zellen direkt im Körper genetisch verändern, sodass dort CAR-T-Zellen entstehen. Das führende Programm KLN-1010 befindet sich in Phase I bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom. Auch hier ist ein späterer Zulassungserfolg keineswegs garantiert. Bemerkenswert ist vielmehr, dass Lilly bereit ist, Milliarden für eine Technologie zu investieren, die einen zentralen Teil klassischer CAR-T-Verfahren verändern könnte: die aufwendige Bearbeitung von Patientenzellen außerhalb des Körpers.

Warum die Branche nach neuen Zelltherapie-Modellen sucht

Klassische autologe CAR-T-Therapien haben bei bestimmten Blutkrebserkrankungen beeindruckende Behandlungserfolge ermöglicht. Gleichzeitig ist ihre Herstellung komplex. Für jeden Patienten müssen eigene T-Zellen entnommen, genetisch verändert, vermehrt, geprüft und anschließend zurückgegeben werden. Produktion, Logistik und Behandlungszentren werden damit selbst zu einem Teil der Therapie. Dass Skalierung keineswegs trivial ist, zeigte zuletzt auch Bristol Myers Squibb: Der Pharmakonzern beendete seine Zusammenarbeit mit Cellares zur automatisierten Herstellung von Breyanzi, nachdem die Plattform nach Angaben des Unternehmens die Anforderungen für eine kommerzielle Produktion von Breyanzi nicht erfüllt hatte. Das bedeutet nicht, dass klassische CAR-T-Therapien vor dem Aus stehen. Es erklärt aber, warum Unternehmen parallel an In-vivo-, allogenen und anderen leichter skalierbaren Ansätzen arbeiten.

Aus einer Therapie wird ein Technologiewettbewerb

Damit verändert sich der Wettbewerb. Die Frage lautet nicht mehr ausschließlich, welche Zell- oder Immuntherapie klinisch am stärksten wirkt. Entscheidend wird auch, wie reproduzierbar sie hergestellt, wie schnell sie Patienten zur Verfügung gestellt und wie breit sie eingesetzt werden kann. Novartis setzt mit Abogen auf mRNA und eine im Körper erzeugte Immuntherapie. Lilly versucht mit Kelonia, CAR-T-Zellen direkt im Patienten entstehen zu lassen. Andere Unternehmen entwickeln allogene Zellprodukte aus Spenderzellen, die im Gegensatz zu individuell hergestellten autologen Therapien als standardisierte Produkte bereitgestellt werden sollen. Die nächste Entwicklungsstufe könnte deshalb gerade aus der Verbindung von klinischer Wirksamkeit und industrieller Skalierbarkeit entstehen.

Mesoblast verfolgt seit Jahren einen anderen Zelltherapie-Ansatz

Genau hier kommt Mesoblast ins Spiel. Das Unternehmen arbeitet mit allogenen mesenchymalen Stromazellen aus Spendergewebe. Mit Ryoncil besitzt Mesoblast bereits das erste von der FDA zugelassene MSC-Produkt in den USA. Die Therapie ist für pädiatrische Patienten ab zwei Monaten mit steroidrefraktärer akuter Graft-versus-Host-Erkrankung zugelassen. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Ryoncil nach Unternehmensangaben rund 115 Millionen US-Dollar Nettoumsatz; der Gesamtumsatz von Mesoblast erreichte rund 120 Millionen Dollar. Mesoblast befindet sich damit an einem anderen Punkt als viele der derzeit teuer gehandelten frühen Technologieplattformen: Ein Zellprodukt hat den regulatorischen Weg bereits bis zur Zulassung und Kommerzialisierung durchlaufen.

Die FDA-Entscheidung vom September betrifft genau die Skalierungsfrage

Ende September erreichte Mesoblast einen weiteren, eher technischen, aber strategisch relevanten Meilenstein. Die FDA genehmigte einen zusätzlichen Potency Assay für kommerzielle Ryoncil-Chargen. Der Test soll Veränderungen der biologischen Aktivität erkennen können, die unter anderem durch Änderungen am Herstellungsprozess oder durch die Produktion an neuen Standorten entstehen könnten. Für klassische Medikamente klingt das unspektakulär. Bei lebenden Zellprodukten ist eine reproduzierbare biologische Aktivität über kommerzielle Chargen hinweg jedoch ein zentraler Bestandteil der Qualitätskontrolle. Die FDA-Entscheidung bedeutet weder eine neue Indikationszulassung noch automatisch höhere Umsätze. Sie stärkt aber die regulatorische Grundlage der bestehenden kommerziellen Produktion.

Mesoblast entwickelt selbst bereits die nächste Zellgeneration

Noch interessanter für die aktuelle Branchenentwicklung ist ein Schritt aus dem April. Mesoblast sicherte sich eine exklusive weltweite Lizenz für eine CAR-Technologie, mit der die eigenen mesenchymalen Stromazellen gezielter zu krankheitsrelevanten Geweben gelenkt werden sollen. Anders als klassische CAR-T-Verfahren sollen dabei also nicht T-Zellen zur direkten Zerstörung von Zielzellen programmiert werden. Mesoblast will CAR-Strukturen nutzen, um die Zielspezifität seiner MSC-Produkte zu erhöhen und deren immunmodulatorische sowie regenerative Eigenschaften gezielter einzusetzen. Die Technologie befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Mesoblast nennt unter anderem entzündliche Erkrankungen als mögliche zukünftige Einsatzfelder. Ein klinischer Erfolg ist bislang nicht bewiesen.

Ryoncil muss jetzt zur Plattform werden

Parallel arbeitet Mesoblast daran, aus der bestehenden Zulassung weitere Wachstumstreiber zu entwickeln. Ryoncil soll auch bei erwachsenen Patienten mit steroidrefraktärer akuter Graft-versus-Host-Erkrankung untersucht werden. Mit rexlemestrocel-L befindet sich zudem eine zweite allogene Zellplattform in fortgeschrittener Entwicklung. Im August wurde die Behandlung von 350 Patienten in der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie bei chronischen Rückenschmerzen infolge entzündlicher degenerativer Bandscheibenerkrankung abgeschlossen. Die Top-Line-Ergebnisse werden Mitte 2027 erwartet. Diese Studie ist für die Investmentstory wesentlich wichtiger als frühe Plattformfantasie: Erst positive klinische Daten könnten zeigen, ob Mesoblast neben Ryoncil tatsächlich einen zweiten großen Werttreiber aufbauen kann.

Warum Big Pharma jetzt Milliarden auf unterschiedliche Technologien verteilt

Der Novartis-Deal macht deutlich, dass sich Big Pharma nicht auf einen einzigen Weg festlegt. ABO2203 ist keine Zelltherapie im klassischen Sinne, sondern ein mRNA-kodierter T-Cell-Engager. Lilly wiederum setzt Milliarden auf In-vivo-CAR-T. Andere Unternehmen arbeiten weiter an klassischen autologen CAR-T-Verfahren oder allogenen Ansätzen. Gemeinsam ist diesen Strategien die Suche nach einer Möglichkeit, das Immunsystem präziser zu steuern und gleichzeitig die praktische Anwendung zu verbessern. Die hohen Dealwerte sind dabei kein Beweis dafür, dass eine dieser Technologien klinisch gewinnen wird. Sie zeigen aber, welchen strategischen Wert große Pharmakonzerne Plattformen beimessen, die bei Erfolg auf mehrere Krankheiten und Produkte übertragen werden könnten.

Fazit

Bis zu 7,8 Milliarden Dollar für Abogens RNA-Plattform und bis zu sieben Milliarden Dollar für Lillys Kelonia-Übernahme zeigen, wie intensiv die Pharmaindustrie nach der nächsten Generation von Immun- und Zelltherapien sucht. Dabei geht es nicht nur um stärkere medizinische Wirkung. Produktion, Verfügbarkeit, Standardisierung und Skalierbarkeit werden zunehmend zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Novartis versucht, einen T-Cell-Engager direkt im Körper produzieren zu lassen. Eli Lilly will CAR-T-Zellen direkt im Patienten erzeugen. Mesoblast (ISIN: AU000000MSB8) verfolgt mit allogenen, standardisierten Zellprodukten einen anderen Weg und hat mit Ryoncil bereits eine FDA-Zulassung erreicht. Entscheidend wird nun sein, ob sich daraus tatsächlich eine breitere Plattform entwickeln lässt. Die laufenden Phase-III-Programme und langfristig die neue CAR-MSC-Technologie werden zeigen, ob Mesoblast aus seinem ersten kommerziellen Zellprodukt weitere Wachstumstreiber entwickeln kann.


Quellen:

Abogen Biosciences - Abogen Announces Licensing and Option Agreement with Novartis to Advance mRNA-Encoded T-Cell Engager and other potential RNA programs, 2. Oktober 2026
https://www.abogenbio.com/news/company/news2026/277.html

Reuters - Novartis strikes up to $7.8 billion mRNA deal with China's Abogen, 2. Oktober 2026
https://www.reuters.com/legal/litigation/novartis-strikes-about-78-billion-mrna-deal-with-chinas-abogen-2026-10-02/

Abogen Biosciences - Preliminary First-in-Human Clinical Results for ABO2203 in R/R B-NHL, 20. April 2026
https://www.abogenbio.com/news/company/news2026/269.html

Eli Lilly - Lilly to acquire Kelonia Therapeutics to advance in vivo CAR-T cell therapies, 20. April 2026
https://investor.lilly.com/node/54136

Reuters - Eli Lilly to buy Boston's Kelonia for up to $7 billion in cancer push, 20. April 2026
https://www.reuters.com/legal/litigation/eli-lilly-advanced-talks-acquire-kelonia-therapeutics-over-2-billion-wsj-says-2026-04-19/

Mesoblast - FDA Approves New Potency Assay for Commercial Ryoncil, 24. September 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/asx-announcements

Mesoblast - MSB Annual Financial Results and Operational Update, 27. August 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/news-releases/news-release-details/msb-annual-financial-results-and-operational-update-2

Mesoblast - Major Milestone Treatment Completed in P3 Trial for CLBP, 17. August 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/asx-announcements

Mesoblast - Mesoblast Acquires Chimeric Antigen Receptor (CAR) Platform Technology for Precision-Enhanced Cell Products, 15. April 2026
https://investorsmedia.mesoblast.com/static-files/223699d4-0d65-42f7-9530-f5fe7131a89a

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Mesoblast Limited

Land: Australien / ISIN: AU000000MSB8

https://investorsmedia.mesoblast.com

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