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Elektrifizierung, E-Mobilität, Wärmepumpen und Digitalisierung verändern die Anforderungen an Europas Stromsystem. Nach einer langen Phase weitgehend stagnierender Stromnachfrage in den Industrieländern erwartet die Internationale Energieagentur (IEA) für die Europäische Union bis 2030 wieder einen durchschnittlichen Anstieg des Strombedarfs von 2,3 Prozent pro Jahr. Gleichzeitig wächst die wetterabhängige Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenkraft. Beides stellt neue Anforderungen an Netze, Speicher und flexible Kapazitäten.
Für den Wirtschaftsstandort wird damit nicht nur die verfügbare Strommenge wichtiger, sondern auch die Frage, ob die notwendige Infrastruktur mitwächst. Die EVN AG (ISIN: AT0000741053) will bis 2030 jährlich rund eine Milliarde Euro investieren. Rund vier Fünftel der Investitionen sollen nach Niederösterreich fließen. Zu den Schwerpunkten zählen Netzinfrastruktur, erneuerbare Erzeugung und Batteriespeicher.
Europas Strombedarf wächst wieder
Die IEA erwartet für die EU zwischen 2026 und 2030 einen durchschnittlichen Anstieg des Strombedarfs um 2,3 Prozent pro Jahr. Insgesamt könnte die Stromnachfrage innerhalb dieser fünf Jahre um rund 300 TWh zunehmen. Die Treiber sind breit verteilt. Zusätzlicher Verbrauch entsteht unter anderem durch Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen, Rechenzentren und eine erwartete moderate Erholung des industriellen Strombedarfs. Allein Elektrofahrzeuge könnten den Strombedarf in der EU bis 2030 um mehr als 100 TWh erhöhen. Für die Energieinfrastruktur entsteht daraus eine doppelte Aufgabe. Einerseits muss ein wachsender Strombedarf zuverlässig gedeckt werden. Andererseits nimmt die Stromerzeugung aus wetterabhängigen erneuerbaren Quellen weiter zu. Netze, Speicher und weitere Flexibilitäten werden deshalb wichtiger, um Erzeugung und Verbrauch zeitlich und räumlich zusammenzubringen.
Windkraft-Ausbau für die Versorgungssicherheit
Wie strategisch die Stromversorgung inzwischen für große Unternehmen wird, zeigt ein aktuelles Beispiel aus den USA. RWE (ISIN: DE0007037129) hat mit Oracle (ISIN: US68389X1054) einen virtuellen Stromabnahmevertrag (VPPA) über 433 MW aus den bestehenden Windparks Panther Creek I, II und III in West Texas geschlossen. Dies zeigt, welchen strategischen Stellenwert eine verlässliche Stromversorgung für Unternehmensinvestitionen - und im Speziellen für Rechenzentren - international einnehmen kann.
Auch die EVN leistet mit dem kontinuierlichen Ausbau der Windkraft einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Österreich. Bis 2030 soll der Strombedarf des Landes - bilanziell über das Jahr gerechnet - vollständig aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Dafür müssen jedoch weitere Erneuerbaren-Projekte umgesetzt werden. Daher leisten die Windparks der EVN einen wichtigen Beitrag zur erneuerbaren Stromversorgung in Österreich. Vor diesem Hintergrund verzichtet die EVN bewusst auf den Abschluss exklusiver langfristiger Stromlieferverträge für einzelne Industrie- oder Technologieunternehmen.
EVN investiert rund eine Milliarde Euro pro Jahr
Für Österreich stellt sich die Infrastrukturfrage breiter. Hier geht es darum, den Wirtschafts- und Lebensstandort mit einer leistungsfähigen Energieinfrastruktur zu unterstützen und gleichzeitig die Transformation des Energiesystems voranzutreiben. Die EVN befindet sich dafür bereits in einem umfangreichen Investitionszyklus. Bis 2030 will der Konzern jährlich rund eine Milliarde Euro investieren. Etwa vier Fünftel sollen nach Niederösterreich fließen. Allein in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 investierte der Konzern mehr als eine halbe Milliarde Euro - laut EVN ein Rekordniveau für diesen Berichtszeitraum. Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Stromerzeugung. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Netzinfrastruktur. Die Netz Niederösterreich investiert im laufenden Geschäftsjahr rund 520 Mio. Euro in den Ausbau ihrer Infrastruktur. Bis 2034 sollen unter anderem rund 55 Umspannwerke neu errichtet oder ersetzt werden. Zusätzlich sind jährlich rund 700 Trafostationen und etwa 1.000 Kilometer Mittel- und Niederspannungskabel vorgesehen.
Der Hintergrund ist auch der starke Ausbau dezentraler Erzeugungsanlagen. Strom aus Wind- und Photovoltaikanlagen entsteht nicht zwangsläufig dort und zu dem Zeitpunkt, an dem er gerade verbraucht wird. Die Netze müssen deshalb hohe Einspeiseleistungen aufnehmen und den Strom zu den Verbrauchern transportieren können.
1.800 MW Erzeugung - zehn Stunden später null
Wie stark die erneuerbare Stromerzeugung innerhalb kurzer Zeit schwanken kann, zeigte sich Anfang 2026 in Niederösterreich. Nach Angaben der EVN gab es im Jänner Stunden mit einer Windstromerzeugungsleistung von 1.800 MW im Netzgebiet der Netz Niederösterreich. Wenige Stunden später lag die Windstromerzeugung zeitweise bei null. Davon klar zu unterscheiden ist der Stromverbrauch: Als Höchstlast auf Verbraucherseite nennt die EVN rund 1.600 MW. Erzeugung und Verbrauch sind unterschiedliche Größen und müssen im Stromsystem jederzeit ausgeglichen werden.
Neben leistungsfähigen Netzen gewinnen deshalb Speicher und weitere Flexibilitäten an Bedeutung. Die EVN will ihre Batteriespeicherleistung bis 2030 auf 300 MW ausbauen. Gleichzeitig soll die Windkraftkapazität von aktuell 570 MW auf 770 MW steigen, bei Photovoltaik liegt das Ausbauziel bei 300 MWp.
Windkraft für die erneuerbare Stromversorgung
Der Ausbau der Windkraft ist ein wichtiger Bestandteil der erneuerbaren Stromerzeugung der EVN. Durch die jüngsten Erweiterungen stieg die Windkraftkapazität des Konzerns auf 570 MW. Die Anlagen sind Teil des Ausbaus der erneuerbaren Stromerzeugung und damit der Transformation des österreichischen Energiesystems. Dass zusätzliche Erzeugung allein nicht genügt, zeigt der parallele Ausbau der Netze und Speicher. Je höher der Anteil wetterabhängiger Erzeugung wird, desto wichtiger wird es, Stromerzeugung, Verbrauch und Speicherung aufeinander abzustimmen. Die EVN bezeichnet Batteriespeicher deshalb als Schlüsseltechnologie für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.
Versorgungssicherheit wird zum Wettbewerbsfaktor
Für Unternehmen zählt am Ende nicht allein, wie viel erneuerbare Erzeugungskapazität installiert ist. Entscheidend ist eine sichere Versorgung: Strom muss dann verfügbar sein, wenn er benötigt wird, und über leistungsfähige Netze zu den Verbrauchern gelangen können. Ein steigender Strombedarf erhöht damit die Anforderungen an das gesamte System. Gleichzeitig müssen zusätzliche Wind- und Photovoltaikanlagen integriert und Schwankungen ihrer Erzeugung ausgeglichen werden. Neue Erzeugungsanlagen, Netzausbau und Speicher erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen. Erst ihr Zusammenspiel schafft die Voraussetzungen dafür, zusätzlichen Verbrauch aufzunehmen und gleichzeitig einen steigenden Anteil wetterabhängiger erneuerbarer Stromerzeugung in das System zu integrieren.
Fazit: Die Infrastruktur entscheidet
Der RWE-Oracle-Vertrag zeigt international, welchen Stellenwert eine verlässliche Stromversorgung für große Unternehmensinvestitionen inzwischen einnehmen kann. Dies gilt auch für die EVN und Österreich, wobei die EVN eher nicht auf langfristige Stromlieferverträge setzt. Der Konzern baut Infrastruktur für die Transformation und Versorgung des österreichischen Energiesystems aus. Bis 2030 sollen jährlich rund eine Milliarde Euro investiert werden. Gleichzeitig will die EVN ihre Windkraftkapazität auf 770 MW, ihre Photovoltaikkapazität auf 300 MWp und ihre Batteriespeicherleistung auf 300 MW erhöhen. Hinzu kommen umfangreiche Investitionen in die Stromnetze.
Wenn Europas Strombedarf in den kommenden Jahren wieder wächst, wird deshalb nicht allein entscheidend sein, wie viel Strom erzeugt werden kann. Ebenso wichtig sind leistungsfähige Netze, Speicher und flexible Strukturen, die Erzeugung und Verbrauch zusammenbringen. Für den Wirtschaftsstandort Österreich wird eine sichere und leistungsfähige Strominfrastruktur damit zunehmend zum Wettbewerbsfaktor - und für die EVN AG (ISIN: AT0000741053) zu einer zentralen Investitionsaufgabe.
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Quellen:
EVN
- EVN - Geschäftsverlauf in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025/26, 27. August 2026 - Investitionsprogramm, Investitionsschwerpunkte sowie Ausbauziele
für Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeicher
EVN - Q1-Q3 2025/26
- EVN - Zwischen Windspitzen und Dunkelflauten, 1. Februar 2026 - Windstromerzeugung und Verbrauchslast sowie Investitionen und Ausbau der Netzinfrastruktur in
Niederösterreich
EVN - Zwischen Windspitzen und Dunkelflauten
RWE
- RWE - RWE Signs 433 MW Virtual Power Purchase Agreement with Oracle, 17. September 2026 - virtueller Stromabnahmevertrag mit Oracle und bestehende
Panther-Creek-Windparks in Texas
RWE - 433 MW VPPA mit Oracle
Internationale Energieagentur (IEA)
IEA - Electricity 2026: Demand, 6. Februar 2026 - Entwicklung des Strombedarfs in der Europäischen Union bis 2030 und wesentliche Nachfragetreiber
IEA - Electricity 2026: Demand
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