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77 Milliarden Euro für Stromnetze: Iberdrola und E.ON investieren massiv - EVN will regulierte Kapitalbasis fast verdoppeln

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Europas Energiekonzerne richten ihre Investitionen zunehmend auf den Ausbau der Stromnetze aus. Iberdrola (ISIN: ES0144580Y14) will bis 2028 insgesamt 37 Milliarden Euro in Übertragungs- und Verteilnetze investieren. E.ON (ISIN: DE000ENAG999) plant für die Jahre 2026 bis 2030 rund 40 Milliarden Euro für sein Netzgeschäft. Die beiden Investitionsprogramme zeigen, welche Bedeutung die Stromnetze für die langfristige Planung großer europäischer Energieversorger gewonnen haben. Neben neuen Wind- und Solaranlagen rückt die Infrastruktur, die den erzeugten Strom zu Haushalten und Unternehmen transportiert, stärker in den Mittelpunkt.

Auch für die EVN AG (ISIN: AT0000741053) ist diese Entwicklung von zentraler Bedeutung. Der niederösterreichische Energieversorger will seine regulierte Kapitalbasis im heimischen Stromverteilnetz bis 2030 deutlich ausbauen. Beim Capital Markets Day Anfang Oktober hat der Konzern seine Investitions- und Ergebnisziele bis zum Ende des Jahrzehnts vorgestellt. Das Netzgeschäft nimmt darin eine Schlüsselrolle ein.

Iberdrola setzt auf 37 Milliarden Euro für regulierte Netze

Die spanische Iberdrola S.A. hatte im September 2025 einen Investitionsplan mit einem Gesamtvolumen von 58 Milliarden Euro bis 2028 präsentiert. Davon entfallen 37 Milliarden Euro auf das Netzgeschäft. Rund 25 Milliarden Euro sind für Verteilnetze und zwölf Milliarden Euro für Übertragungsnetze vorgesehen. Besonders stark investiert der Konzern in Großbritannien und den USA. Nach Unternehmensangaben sollen insgesamt 85 Prozent der geplanten Investitionen in Länder mit einem A-Rating und - aus Sicht von Iberdrola - stabilen regulatorischen Rahmenbedingungen fließen.

Das Ziel ist ein stärker reguliertes Geschäftsprofil. Iberdrola erwartet, dass seine regulierte Netzkapitalbasis von rund 49 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf etwa 70 Milliarden Euro bis 2028 steigt. Der Anteil des Netzgeschäfts am Konzern-EBITDA soll dann rund 55 Prozent erreichen.

Damit wird deutlich, weshalb regulierte Infrastruktur für Versorger an Bedeutung gewinnt. Während die Ergebnisse aus der Stromerzeugung unter anderem von Marktpreisen, Wetterbedingungen und Vermarktungsstrategien abhängen, orientieren sich die zulässigen Netzerlöse an regulatorisch festgelegten Rahmenbedingungen. Das schafft eine andere Form der Planbarkeit, beseitigt jedoch weder Investitionsrisiken noch regulatorische Unsicherheit.

E.ON plant 40 Milliarden Euro für seine Netze

Einen ähnlichen Schwerpunkt setzt die E.ON SE. Ende Februar 2026 kündigte der deutsche Energiekonzern ein Investitionsprogramm von insgesamt 48 Milliarden Euro für den Zeitraum 2026 bis 2030 an. Rund 40 Milliarden Euro davon sollen in das Netzgeschäft fließen. Der Investitionsbedarf entsteht nicht allein durch zusätzliche erneuerbare Erzeugungsanlagen. Auch Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, Batteriespeicher und neue industrielle Verbraucher verändern die Anforderungen an die Verteilnetze. Hinzu kommen Rechenzentren, deren Strombedarf regional erhebliche zusätzliche Anschlusskapazitäten erforderlich machen kann. Für E.ON ist die wirtschaftliche Umsetzung des Programms eng mit den regulatorischen Rahmenbedingungen verbunden. Investitionen in Netze werden nicht automatisch in beliebiger Höhe vergütet. Entscheidend ist, welche Kosten anerkannt werden und welche Verzinsung die zuständigen Regulierungsbehörden für das eingesetzte Kapital zulassen.

Die angekündigten 40 Milliarden Euro von E.ON und die 37 Milliarden Euro von Iberdrola sind dabei nicht als unmittelbar vergleichbare Jahreswerte zu verstehen: Die Programme beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume, Märkte und Netzportfolios. Zusammen zeigen sie jedoch die Größenordnung der europäischen Investitionswelle.

Warum die regulierte Kapitalbasis entscheidend ist

Im Netzgeschäft ist die regulierte Kapitalbasis, häufig als Regulatory Asset Base oder kurz RAB bezeichnet, eine wichtige wirtschaftliche Kennzahl. Vereinfacht umfasst sie das in jene Vermögenswerte investierte Kapital, das nach den jeweiligen regulatorischen Regeln für die Berechnung der zulässigen Vergütung anerkannt wird. Investiert ein Netzbetreiber in neue Leitungen, Umspannwerke oder andere anerkannte Infrastruktur, erhöht sich die Basis. Die daraus resultierenden Erlöse hängen jedoch vom jeweiligen Regulierungssystem ab. Neben der zulässigen Kapitalverzinsung spielen beispielsweise Abschreibungen, anerkannte Betriebskosten und Effizienzvorgaben eine Rolle.

Eine wachsende Kapitalbasis schafft im Normalfall die Grundlage für höhere regulierte Erträge. Zweiter wesentlicher Parameter dafür ist die Höhe der Rendite, die von der Regulierungsbehörde festgesetzt wird und die Verzinsung der Kapitalbasis bestimmt. Hier handelt es sich um einen regulatorisch festgesetzten Zinssatz, der sich an der Finanzierungsstruktur und den Kapitalkosten orientiert.

EVN will ihre Netzkapitalbasis bis 2030 deutlich erhöhen

Für die EVN bildet das niederösterreichische Netzgeschäft einen wesentlichen Bestandteil ihrer langfristigen Planung. Nach den beim Capital Markets Day vorgestellten Zielen soll die regulierte Kapitalbasis des heimischen Stromverteilnetzes von rund zwei Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2024/25 auf etwa 3,9 Milliarden Euro bis 2030 steigen. Hinter dieser Entwicklung steht ein umfangreicher Ausbau- und Modernisierungsplan. Zusätzliche dezentrale Erzeugungsanlagen müssen an das Netz angeschlossen werden. Gleichzeitig verändern neue Verbraucher und die zunehmende Elektrifizierung die Belastung einzelner Netzabschnitte. Investitionen in Leitungen, Umspannwerke und die Digitalisierung sollen die Infrastruktur auf diese Anforderungen vorbereiten. Für die EVN bedeutet der Ausbau zunächst einen erheblichen Kapitaleinsatz. Der Konzern plant bis 2030 jährliche Investitionen von rund einer Milliarde Euro. Ein großer Teil davon soll in Niederösterreich erfolgen.

Parallel strebt das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2029/30 ein Konzern-EBITDA von rund 1,2 Milliarden Euro an. Mit dem Ausbau der regulierten Kapitalbasis soll auch die wirtschaftliche Bedeutung des Netzgeschäfts innerhalb des Konzerns zunehmen. Anders als bei der Stromerzeugung stehen hier weniger kurzfristige Marktpreisschwankungen im Vordergrund, sondern die Entwicklung der regulierten Vermögensbasis und der zugrunde liegenden Vergütungsbedingungen.

Investitionssicherheit hängt auch von der Regulierung ab

Die Ausbauprogramme von Iberdrola, E.ON und EVN zeigen, dass Stromnetze zu einem zentralen Investitionsfeld der europäischen Energiewirtschaft geworden sind. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass jedes zusätzliche Netzprojekt automatisch die Rendite eines Versorgers erhöht. Steigende Bau- und Finanzierungskosten, Verzögerungen bei Genehmigungen sowie Änderungen regulatorischer Parameter können die Wirtschaftlichkeit beeinflussen. Hinzu kommt, dass sich die Vergütungssysteme zwischen Österreich, Deutschland, Großbritannien, den USA und anderen Märkten unterscheiden. Für Anleger sind deshalb neben den angekündigten Investitionssummen vor allem drei Entwicklungen relevant: Wie schnell werden die Projekte umgesetzt? In welchem Umfang erhöhen sie die anerkannte regulierte Kapitalbasis? Und welche Ergebnisbeiträge lassen sich daraus tatsächlich erzielen?

Mit dem geplanten Ausbau ihrer Netzkapitalbasis auf rund 3,9 Milliarden Euro bis 2030 setzt die EVN AG (ISIN: AT0000741053) auf ein langfristig angelegtes Infrastrukturgeschäft. Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, wie sich die hohen Investitionen auf die regulierte Kapitalbasis und die Ergebnisse des Konzerns auswirken.


Lassen Sie sich in den Verteiler für EVN oder Nebenwerte eintragen. Einfach eine E-Mail an Eva Reuter: e-reuter@dr-reuter.eu mit dem Hinweis: "Verteiler EVN" und/oder "Nebenwerte".

Quellen:

Iberdrola - Iberdrola will invest €58bn to 2028 to accelerate growth in US and UK networks, 24.09.2025

https://www.iberdrola.com/press-room/news/detail/iberdrola-invest-58-bn-to-2028-accelerate-growth-networks-us-uk

Iberdrola - Strategic Plan 2025-2028

https://www.iberdrola.com/about-us/iberdrola-strategic-plan

Iberdrola - Investments in Networks in UK and US deliver 11% increase in Adjusted Net Profit, 29.04.2026

https://www.iberdrola.com/documents/20125/5883079/260429-investments-networks-uk-and-us-deliver-11-per-cent-increase-adjusted-net-profit-to-1865-million-euros.pdf

E.ON - Sustainability Factbook 2025, veröffentlicht 2026

https://annualreport.eon.com/content/dam/eon-annualreport/documents/en/EON%20Sustainability%20Factbook%202025.pdf

Reuters - Germany's E.ON dials up spending to $57 billion, shares near 15-year high, 25.02.2026

https://www.reuters.com/business/energy/eon-raises-investments-57-billion-expand-modernize-energy-grids-2026-02-25

EVN - Capital Markets Day 2026, Präsentation vom 01.10.2026

https://www.evn.at/getmedia/b1846423-8b2e-471e-8d61-27a34275da65/Capital-Markets-Day_FINAL.pdf

EVN - EVN Capital Markets Day 2026: Erfolgreich im Energiemarkt von morgen agieren, 01.10.2026

https://www.eqs-news.com/de/news/corporate/evn-capital-markets-day-2026-erfolgreich-im-energiemarkt-von-morgen-agieren/0d894fca-0e5c-4f26-82cc-a0a3d178c73f_de

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