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Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Technologiebranche, sondern zunehmend auch die Energieversorgung. Für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle werden immer leistungsfähigere Rechenzentren benötigt. Diese verbrauchen enorme Strommengen - und stellen Energieunternehmen, Netzbetreiber und Hersteller von Netztechnik vor neue Herausforderungen.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur stieg der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren im Jahr 2025 um 17 Prozent. Damit wuchs er erheblich schneller als die globale Stromnachfrage insgesamt, die um rund drei Prozent zunahm. Bis 2030 könnte sich der Stromverbrauch der Rechenzentren auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. In Europa erwartet die IEA gegenüber 2024 einen Anstieg um mehr als 45 Terawattstunden beziehungsweise rund 70 Prozent.
Für Unternehmen wie Siemens Energy (ISIN: DE000ENER6Y0), E.ON (ISIN: DE000ENAG999) oder Schneider Electric (ISIN: FR0000121972) entsteht daraus ein wachsender Infrastrukturmarkt. Benötigt werden nicht nur zusätzliche Strommengen, sondern auch Netzanschlüsse, Umspannwerke, Transformatoren, Speicher und digitale Steuerungssysteme. Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) investiert langfristig in Netze und weitere Energieinfrastruktur, die für einen steigenden und zunehmend komplexen Strombedarf benötigt wird.
Rechenzentren werden zum neuen Großverbraucher
Der Strombedarf von Rechenzentren wächst bereits seit mehreren Jahren. Durch KI-Anwendungen beschleunigt sich diese Entwicklung jedoch deutlich. Besonders sogenannte beschleunigte Rechensysteme benötigen hohe Leistungen, die an einzelnen Standorten konzentriert und rund um die Uhr verfügbar sein müssen.
Die IEA geht davon aus, dass der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren zwischen 2024 und 2030 durchschnittlich um rund 15 Prozent pro Jahr wächst - mehr als viermal so schnell wie die Stromnachfrage aller übrigen Sektoren. Rechenzentren könnten 2030 knapp drei Prozent des globalen Stromverbrauchs ausmachen.
Auch die Europäische Union will ihre Rechenzentrumskapazität deutlich erweitern. Die Europäische Kommission nennt das Ziel, die Kapazitäten in der EU bis 2035 zu verdreifachen. Gleichzeitig arbeitet sie an gemeinsamen Effizienz- und Nachhaltigkeitsstandards, da der Ausbau der digitalen Infrastruktur ohne leistungsfähige Netze und eine bessere Integration in das Energiesystem kaum möglich sein wird.
Der eigentliche Engpass liegt häufig beim Netzanschluss
Neue Stromerzeugungsanlagen allein lösen das Problem nicht. Große Rechenzentren benötigen oft Leistungen, die mit denen ganzer Städte oder großer Industriebetriebe vergleichbar sind. Diese Strommengen müssen über Leitungen, Umspannwerke und Transformatoren zuverlässig an den jeweiligen Standort gebracht werden.
Siemens Energy verweist darauf, dass lange Wartezeiten beim Netzanschluss bereits heute den Ausbau neuer Rechenzentren bremsen. Netzbetreiber und Rechenzentrumsunternehmen versuchen deshalb, Planungs- und Anschlussprozesse früher aufeinander abzustimmen.
Die Europäische Kommission reagiert ebenfalls auf diese Entwicklung. Im Juni 2026 verständigten sich 14 europäische Branchenverbände darauf, ein Modell für Vereinbarungen zwischen Rechenzentrumsbetreibern, Energieunternehmen und öffentlichen Stellen zu entwickeln. Damit sollen Rechenzentren besser in Stromnetze und regionale Wärmesysteme integriert werden.
Siemens Energy und E.ON bauen ihre Kapazitäten aus
Der wachsende Strombedarf digitaler Infrastruktur spiegelt sich zunehmend in den Investitionsprogrammen großer Energie- und Technologiekonzerne wider.
Siemens Energy profitiert von der hohen Nachfrage nach Transformatoren, Schaltanlagen und weiteren Komponenten der Stromübertragung. Im Februar 2026 kündigte das Unternehmen Investitionen von einer Milliarde US-Dollar in zusätzliche Produktionskapazitäten in den USA an. Ausgebaut werden unter anderem Kapazitäten für Netztechnik und Gasturbinen, die auch für die Versorgung großer Rechenzentren benötigt werden.
E.ON plant für den Zeitraum von 2026 bis 2030 Investitionen von rund 48 Milliarden Euro. Etwa 40 Milliarden Euro davon sollen in den Ausbau und die Digitalisierung der Energienetze fließen. Im ersten Quartal 2026 investierte der Konzern bereits 1,4 Milliarden Euro, vor allem in europäische Energieinfrastruktur.
Für Netzbetreiber entsteht damit ein wachsendes Geschäftsfeld. Neben klassischen Haushalten und Industriebetrieben müssen künftig vermehrt Großverbraucher angeschlossen werden, deren Bedarf innerhalb kurzer Zeit stark steigen kann.
Auch die EVN investiert in leistungsfähige Infrastruktur
Auch die EVN verfolgt einen langfristigen Ausbau ihrer Netze und weiterer Versorgungsinfrastruktur. Im Rahmen ihrer Strategie 2030 plant das Unternehmen durchschnittliche Investitionen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Rund vier Fünftel der Mittel sollen in Niederösterreich eingesetzt werden. Zu den Schwerpunkten zählen Stromnetze, erneuerbare Erzeugung, Batteriespeicher, Wasserinfrastruktur und weitere Versorgungsbereiche.
Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 investierte die EVN 328,9 Millionen Euro in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen, das entspricht einem Plus von 3,5% gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das unterstreicht das hohe Investitionstempo des Konzerns.
Mit der fortschreitenden Digitalisierung und Elektrifizierung steigen die Anforderungen an eine leistungsfähige Energieinfrastruktur. Der Zusammenhang ist daher ein infrastruktureller: Wenn Strombedarf, Anschlussleistungen und dezentrale Einspeisung wachsen, steigen auch die Anforderungen an Verteilnetze, Speicher und digitale Steuerung. Genau in diesen Bereichen baut die EVN ihre Infrastruktur aus.
KI wird auch für Energieunternehmen zum Investitionsthema
Für Anleger entsteht dadurch eine neue Perspektive auf den KI-Boom. Im Mittelpunkt stehen nicht mehr ausschließlich Halbleiterhersteller, Cloudanbieter oder Softwarekonzerne. Auch Unternehmen, die Strom erzeugen, transportieren, verteilen oder die dafür erforderliche Technik liefern, könnten stärker in den Fokus rücken.
Der Ausbau von Rechenzentren benötigt langfristig verfügbare Energie, leistungsfähige Netzanschlüsse und eine stabile Infrastruktur. Davon profitieren insbesondere Anbieter von Netztechnik sowie Energieunternehmen mit umfangreichen Investitionsprogrammen.
Gleichzeitig bleibt die Entwicklung mit Risiken verbunden. Der tatsächliche Ausbau hängt unter anderem von Genehmigungen, Netzkapazitäten, Effizienzfortschritten und der Standortwahl der Rechenzentren ab. Nicht jedes Energieunternehmen wird deshalb gleichermaßen vom wachsenden KI-Strombedarf profitieren.
Fazit
Der KI-Boom entwickelt sich zunehmend zu einer Infrastrukturgeschichte. Bis 2030 dürfte sich der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren mehr als verdoppeln. Für Netztechnikhersteller und Energieunternehmen entstehen dadurch hohe Investitionsanforderungen - aber auch neue Geschäftsmöglichkeiten.
Siemens Energy erweitert seine Produktionskapazitäten für Netztechnik, während E.ON bis 2030 rund 40 Milliarden Euro in Energienetze investieren will. Auch die EVN AG (ISIN: AT0000741053) baut ihre Netze, Speicher und weitere Versorgungsinfrastruktur langfristig aus. Damit ist das Unternehmen ein Teil jener Infrastruktur, auf die eine zunehmend digitalisierte und stromintensive Wirtschaft angewiesen ist.
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Quellen:
EVN
EVN Ganzheitsbericht 2024/25
https://www.evn.at/getmedia/7d759ba3-20d7-42cf-8095-34987047fc50/EVN-GHB-2024-25_online.pdf
EVN Aktionärsbrief 1. Halbjahr 2025/26
https://www.evn.at/getmedia/83f439f5-48ed-4e25-8f2c-a24d446e3493/AB_HY1_2025_26_DE.pdf
EVN Investor-Relations-Publikationen
https://www.evn.at/home/investor-relations/publikationen
Internationale Energieagentur
Energy and AI - Energy demand from AI
https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/energy-demand-from-ai
Energy and AI - Executive Summary
https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/executive-summary
Data centre electricity use surged in 2025
https://www.iea.org/news/data-centre-electricity-use-surged-in-2025-even-with-tightening-bottlenecks-driving-a-scramble-for-solutions
Electricity 2026 - Demand
https://www.iea.org/reports/electricity-2026/demand
Europäische Kommission
Energy performance of data centres
https://energy.ec.europa.eu/topics/energy-efficiency/energy-efficiency-targets-directive-and-rules/energy-efficiency-directive/energy-performance-data-centres_en
EU-wide rating scheme for data centres
https://energy.ec.europa.eu/news/rating-scheme-data-centres-eu-commission-launches-call-feedback-2026-03-27_en
Digitalisation of Europe's energy system
https://energy.ec.europa.eu/news/commission-presents-measures-digitalise-europes-energy-system-while-ensuring-sustainable-2026-06-03_en
New impetus for energy efficiency
https://energy.ec.europa.eu/topics/energy-efficiency/new-impetus-energy-efficiency_en
E.ON
E.ON investiert 48 Mrd. Euro von 2026 bis 2030
https://www.eon.com/en/about-us/media/press-release/2026/eon-continues-growth-path-in-2025-and-delivers-on-energy-transition.html
Energy Grids
https://www.eon.com/en/energy-grids.html
Siemens Energy
Eine Milliarde US-Dollar für zusätzliche Produktionskapazitäten
https://www.siemens-energy.com/global/en/home/press-releases/siemens-energy-is-investing-1-billion-and-creating-highly-skill.html
The race to connect data centers to the grid
https://www.siemens-energy.com/global/en/home/stories/ai-data-center-grid-connection.html
Data Center Power Solutions
https://www.siemens-energy.com/global/en/home/products-services/solutions-industry/data-center.html
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