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Neue Materialien lassen sich selten über Nacht in etablierten Industrien durchsetzen. Besonders deutlich wird das bei Schutzbeschichtungen für Stahlkonstruktionen. Bevor ein neues Additiv auf Offshore-Anlagen, Bergwerken oder Industrieanlagen eingesetzt wird, müssen Hersteller über Monate und teilweise Jahre belegen, dass es unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig funktioniert.
Genau diesen Prozess hat Sparc Technologies (ISIN: AU0000115750) mit seinem Graphen-Additiv ecosparc durchlaufen. Im Videointerview erklärt Managing Director Nick O'Loughlin, warum die Entwicklung mehr als sechs Jahre beanspruchte, weshalb Feldtests unverzichtbar sind - und warum er die kommerzielle Einführung gemeinsam mit AkzoNobel inzwischen als Wendepunkt für das Unternehmen betrachtet.
"Wir entwickeln unser ecosparc-Graphen-Additiv für Schutzbeschichtungen inzwischen seit mehr als sechs Jahren und haben in dieser Zeit umfangreiche Tests und Versuche durchgeführt", erklärt O'Loughlin.
Sechs Jahre Entwicklung für eine dünne Schutzschicht
Schutzbeschichtungen werden vor allem dort eingesetzt, wo große Stahlkonstruktionen dauerhaft gegen Korrosion geschützt werden müssen. Besonders anspruchsvoll sind Bereiche mit hoher Feuchtigkeit, Salzwasser oder aggressiven Industriebedingungen.
Genau auf solche Anwendungen konzentriert sich Sparc. ecosparc soll bestehenden kommerziellen Beschichtungen zugesetzt werden und deren Korrosionsschutz verbessern.
Die Entwicklung ist inzwischen durch neun Runden zyklischer Korrosionstests gegangen. Ein einzelner solcher Test kann laut O'Loughlin bis zu sechs Monate dauern. "Über mittlerweile neun Runden zyklischer Korrosionstests hinweg konnten wir zeigen, dass ecosparc die Korrosionsbeständigkeit bestehender kommerzieller Beschichtungen kontinuierlich verbessert."
Warum benötigt eine solche Qualifikation trotzdem Jahre?
O'Loughlin nennt dafür einen erstaunlich einfachen Grund: "Korrosion ist zunächst einmal ein langsamer Prozess." Selbst unter beschleunigten Laborbedingungen müsse man Monate warten, bis sich Unterschiede zwischen verschiedenen Beschichtungen zuverlässig beurteilen lassen.
Hinzu kommen Feldversuche. "Feldtests sind ebenfalls sehr wichtig, um das Risiko eines neuen Produkts zu reduzieren", sagt der Sparc-Chef. Erst wenn eine Formulierung nicht nur im Labor, sondern auch unter realen Umgebungsbedingungen funktioniert, steigt die Bereitschaft großer Industrieunternehmen, sie kommerziell einzusetzen.
AkzoNobel macht aus Tests ein kommerzielles Produkt
Besonders sichtbar wird dieser Prozess bei AkzoNobel (ISIN: NL0013267909). Sparc arbeitet nach Angaben O'Loughlins seit mehreren Jahren mit dem internationalen Beschichtungskonzern zusammen. Vor rund zwei Jahren begannen Feldtests mit Interzone 954.
Die Ausgangslage war anspruchsvoll: Interzone 954 ist bereits seit rund 25 Jahren am Markt und wird weltweit eingesetzt. Sparcs Aufgabe bestand daher nicht darin, eine schwache Beschichtung zu reparieren. ecosparc musste ein bereits etabliertes und leistungsfähiges Produkt zusätzlich verbessern.
"Wir haben über mehrere Testzyklen gezeigt, dass wir die Korrosionsschutzleistung eines Produkts verbessern können, das bereits sehr weit verbreitet ist und auf einem hohen Leistungsniveau arbeitet", beschreibt O'Loughlin die Zusammenarbeit.
Anschließend folgte der entscheidende Schritt. AkzoNobel brachte in Australien eine graphenverstärkte Variante von Interzone 954 auf den Markt, die ecosparc enthält.
Für O'Loughlin ist das weit mehr als eine technische Bestätigung. "Das ist ein wirklich bedeutender Schritt. Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich um die erste weit verbreitete Schutzbeschichtung eines globalen Großherstellers, die Graphen enthält."
Noch deutlicher wird er bei der wirtschaftlichen Bedeutung: "Es ist ein echter kommerzieller Wendepunkt für unser Unternehmen."
Jede verkaufte Beschichtung kann für Sparc zum Absatz werden
Die Bedeutung dieser Aussage liegt im Geschäftsmodell. Sparc verkauft keine eigene Farbe. Das Unternehmen liefert das Additiv für das Produkt eines Beschichtungsherstellers.
O'Loughlin formuliert den Zusammenhang entsprechend klar: "Jede Einheit graphenverstärktes Interzone 954, die AkzoNobel verkauft, bedeutet für uns eine entsprechende Menge verkauften Additivs."
Damit beginnt für Sparc eine neue Phase. Während die vergangenen Jahre von Forschung, Korrosionstests und Feldversuchen geprägt waren, soll sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf den kommerziellen Rollout verschieben.
AkzoNobel ist dabei nicht der einzige Ansatzpunkt. Nach der Produkteinführung in Australien folgte eine weitere Kommerzialisierung mit dem vietnamesischen Beschichtungshersteller PV Paint. O'Loughlin sieht darin Hinweise darauf, dass sich Graphen in der Branche breiter etabliert: "Wir sehen einen echten kommerziellen Schwung bei der Integration von Graphen in Schutzbeschichtungen."
Partnerschaften reichen vom Graphenlieferanten bis zum Anlagenbetreiber
Entscheidend für Sparcs Strategie sind dabei Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Auf der Anwenderseite hat das Unternehmen unter anderem mit BHP (ISIN: AU000000BHP4) und Santos (ISIN: AU000000STO6) an Feldversuchen gearbeitet. Hinzu kommen Beschichtungshersteller wie AkzoNobel, Dulux und PV Paint.
Upstream arbeitet Sparc wiederum mit HydroGraph Clean Power (ISIN: CA44888K2XXX) zusammen. HydroGraph kann Graphen als Ausgangsmaterial liefern, das Sparc anschließend für bestimmte Beschichtungsanwendungen weiterverarbeitet.
"Als Technologieunternehmen halte ich strategische Partnerschaften für enorm wichtig", sagt O'Loughlin. Gerade während der Entwicklungsphase würden Industriepartner helfen, Technologien zu validieren und gleichzeitig den späteren Markteintritt vorzubereiten.
Die Zusammenarbeit mit HydroGraph erfüllt dabei eine andere Aufgabe als die Kooperation mit AkzoNobel. "Für uns geht es darum, Graphen-Rohmaterial von westlichen Lieferanten mit sehr starken Qualifikationen abzusichern", erklärt O'Loughlin.
Sparc versucht damit bewusst, nicht sämtliche Stufen der Lieferkette selbst abzudecken. Das Unternehmen konzentriert sich auf Auswahl, Formulierung und Integration des Graphens, während spezialisierte Produzenten das Ausgangsmaterial herstellen und Beschichtungskonzerne das fertige Produkt zum Endkunden bringen.
20 laufende Tests sollen die nächste Produktgeneration liefern
Wie breit der Ansatz inzwischen geworden ist, zeigt die Entwicklung der Kundenpipeline. Nach Angaben O'Loughlins hat Sparc diese insbesondere in den vergangenen 18 Monaten stark ausgebaut.
Das Unternehmen arbeitet mittlerweile mit fünf der acht größten Beschichtungshersteller der Welt an der Evaluierung seiner Graphen-Technologie. Insgesamt laufen rund 20 aktive Test- und Entwicklungsprogramme mit großen, regionalen und kleineren Marktteilnehmern.
Bemerkenswert ist dabei eine Aussage des CEO über die bisherigen Erfahrungen potenzieller Kunden. "Viele der Unternehmen, mit denen wir heute arbeiten, hatten Graphen zuvor bereits ausprobiert und es nicht zum Funktionieren gebracht."
Für O'Loughlin erklären Geduld und Spezialisierung deshalb einen Teil des Fortschritts: "Vieles davon hat schlicht mit Beharrlichkeit und Zeit zu tun."
Sparc erweitert die Arbeit inzwischen zudem über klassischen Korrosionsschutz hinaus. Mit SparcES entwickelt das Unternehmen Graphen-Additive für elektrostatisch ableitfähige und elektrisch leitfähige Beschichtungen.
Jetzt muss aus Validierung Skalierung werden
Die Geschichte von ecosparc zeigt eindrucksvoll, warum bei neuen Industriematerialien zwischen technologischer Entwicklung und kommerziellem Erfolg unterschieden werden muss. Sechs Jahre Entwicklungsarbeit, neun zyklische Korrosionstests und mehrjährige Feldversuche waren notwendig, bevor aus dem Graphen-Additiv ein Bestandteil eines kommerziellen Produkts eines globalen Herstellers wurde.
Mit der Markteinführung von Interzone 954 in Australien hat Sparc eine wesentliche Hürde genommen. Gleichzeitig beginnt damit der nächste Test.
Denn aus erfolgreichen Laborwerten müssen nun Absatzmengen werden. Aus den rund 20 laufenden Testprogrammen müssen weitere Produkte entstehen. Und aus ersten Kommerzialisierungen müssen möglichst wiederkehrende Bestellungen folgen.
O'Loughlin sieht Sparc genau an diesem Übergang angekommen: "Wir haben inzwischen eine Reihe dieser Hürden überwunden und befinden uns heute eindeutig in der kommerziellen Rollout-Phase für ecosparc."
Damit verändert sich auch die entscheidende Frage rund um das Unternehmen. Es geht nicht mehr ausschließlich darum, ob Graphen den Korrosionsschutz verbessern kann. Nach sechs Jahren Entwicklung und ersten kommerziellen Produkten lautet sie zunehmend: Wie weit lässt sich diese Technologie nun in einer globalen Beschichtungsindustrie skalieren?

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Quellen:
https://small-microcap.eu/sparc-technologies-interview-mit-nick-oloughlin-ceo-s1e2/
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