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15 Elektrolysemodule mit jeweils 20 Megawatt Leistung, zusammen 300 Megawatt: So soll eine der größten neuen Wasserstoffanlagen Südeuropas jährlich rund 45.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie industrielle Wasserstoffproduktion heute geplant wird - mit enormer elektrischer Leistung, großen Elektrolyseuren und entsprechender Energieinfrastruktur.
Sparc Technologies (ISIN: AU0000115750) verfolgt über seine 36-prozentige Beteiligung an Sparc Hydrogen einen fundamental anderen Ansatz. Sonnenlicht soll möglichst direkt Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen. Ein klassischer Elektrolyseur wäre bei der photokatalytischen Wasserspaltung nicht notwendig.
Sparc-Managing-Director Nick O'Loughlin bringt den technischen Unterschied auf einen einfachen Satz: "Die Technologie benötigt keinen Strom, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Diese Arbeit übernimmt ein Photokatalysator."
Noch liegt zwischen dieser Idee und einem 300-MW-Industrieprojekt eine große Entwicklungslücke. Genau deshalb ist der Vergleich interessant.
thyssenkrupp nucera zeigt, wie groß Elektrolyse geworden ist
thyssenkrupp nucera (ISIN: DE000NCA0001) liefert für Moeves Onuba-Projekt in Andalusien 15 standardisierte 20-MW-Module seiner alkalischen Wasserelektrolyse. Die Gesamtleistung beträgt 300 MW. Geplant ist eine jährliche Produktion von etwa 45.000 Tonnen grünem Wasserstoff.
Das Projekt zeigt, wie weit klassische Elektrolysetechnologie inzwischen skaliert ist. Im August 2026 meldete thyssenkrupp nucera, dass sich der Auftragseingang in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres nahezu verdoppelt hatte. Das große spanische Wasserstoffprojekt war einer der wesentlichen Treiber.
Die Technologie hat aber eine unvermeidliche Systemlogik. Zunächst muss erneuerbarer Strom erzeugt werden. Anschließend benötigt die Anlage elektrische Infrastruktur, Leistungselektronik und den Elektrolyseur selbst. Erst am Ende dieser Kette entsteht Wasserstoff. Genau diesen Aufbau versucht Sparc Hydrogen zu verkürzen.
Der Weg von der Sonne zum Molekül ist erstaunlich lang
Wird Wasserstoff mit Solarstrom hergestellt, beginnt der Prozess normalerweise auf einem Photovoltaikmodul. Dieses wandelt Licht in elektrische Energie um. Anschließend wird der Strom gesammelt, transformiert und zum Elektrolyseur geleitet. Dort wird elektrische Energie erneut in chemische Energie überführt.
Jede Stufe benötigt Hardware, Fläche, Verkabelung und Investitionskapital. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie effizient ein Elektrolyseur arbeitet. Ebenso wichtig ist, wie teuer das komplette System zwischen Sonnenstrahl und Wasserstoffmolekül wird.
Photokatalytische Wasserspaltung versucht einen anderen Weg. Ein lichtaktives Material absorbiert Photonen und treibt unmittelbar die Reaktion an, durch die Wasserstoff und Sauerstoff entstehen.
Theoretisch lässt sich dadurch ein Teil der elektrischen Infrastruktur umgehen. Praktisch entstehen dafür andere Herausforderungen: Photokatalysatoren müssen effizient, langlebig und kostengünstig sein, während Reaktoren große Mengen Sonnenlicht aufnehmen und verarbeiten müssen.
Fortescue verfolgt bemerkenswerterweise beide Wege
Fortescue (ISIN: AU000000FMG4) macht den Vergleich besonders interessant. Der australische Rohstoff- und Energiekonzern hält ebenfalls 36% an Sparc Hydrogen und ist damit neben Sparc Technologies einer der beiden größten Anteilseigner des Joint Ventures.
Gleichzeitig investierte Fortescue massiv in klassische Elektrolyse. In Gladstone eröffnete das Unternehmen eine 15.000 Quadratmeter große Produktionsstätte mit einer geplanten Kapazität von mehr als 2 GW PEM-Elektrolyseur-Stacks pro Jahr.
Fortescue setzt damit nicht auf eine einzige Technologie. Einerseits kann der Konzern bereits etablierte Elektrolyseure herstellen und in großen Wasserstoffprojekten einsetzen. Andererseits unterstützt er über Sparc Hydrogen eine Technologie, die den Elektrolyseur langfristig teilweise überflüssig machen könnte.
Gerade diese Parallelstrategie ist bemerkenswert. Ein Unternehmen mit eigener Elektrolysekompetenz beteiligt sich gleichzeitig an einer alternativen Route zur Wasserspaltung.
Die Pilotanlage muss zeigen, ob weniger Infrastruktur wirklich funktioniert
Sparc Hydrogen betreibt seine SHARP-Pilotanlage im südaustralischen Roseworthy. Dort wird konzentriertes Sonnenlicht auf Reaktoren gelenkt, in denen unterschiedliche Photokatalysatoren unter realen Bedingungen getestet werden.
Die Anlage erreichte inzwischen sechs Monate kontinuierlichen Betrieb. Sparc Hydrogen berichtet von autonomem Start und Abschalten, anhaltender Wasserstoffproduktion beim maximalen Auslegungsdruck des Reaktors und Betrieb während Außentemperaturen von bis zu 46 Grad Celsius.
Diese Ergebnisse belegen noch keine kommerzielle Wettbewerbsfähigkeit. Sie verschieben das Projekt aber von einer reinen Laboridee hin zur Frage, welche Wirkungsgrade und Kosten ein solches System unter realen Bedingungen erreichen kann. Seit August gibt es dafür einen weiteren Test.
Mehr als 10% Solar-to-Hydrogen verändern die nächste Fragestellung
Sparc Hydrogen vereinbarte eine Technologiekooperation mit SunHydrogen (ISIN: US86738R1086). Bei vorläufigen Tests in Sparc Hydrogens Labor erreichten Module des US-Unternehmens einen Solar-to-Hydrogen-Wirkungsgrad von mehr als 10%.
Noch interessanter: Die Module produzierten bei höherer Lichtkonzentration mehr Wasserstoff. Genau darauf basiert Sparc Hydrogens Reaktorkonzept - Sonnenstrahlung zu konzentrieren, um auf einer kleineren Reaktorfläche eine höhere Produktionsrate zu erreichen.
Nun folgen weitere Labortests. Werden vereinbarte technische Meilensteine erreicht, sollen die Module anschließend an der SHARP-Pilotanlage unter realem Sonnenlicht getestet werden. Danach ist eine gemeinsame technoökonomische Analyse vorgesehen.
Damit kommt erstmals die Frage in den Vordergrund, die für die spätere Kommerzialisierung entscheidend ist: Nicht nur, ob Wasserstoff entsteht, sondern zu welchen Gesamtkosten.
300 MW zeigen die Messlatte
Die 300-MW-Anlage von thyssenkrupp nucera zeigt, gegen welche Realität neue Wasserstofftechnologien antreten. Elektrolyse funktioniert, ist industriell verfügbar und wird bereits in Projekten mit zehntausenden Tonnen Jahresproduktion eingesetzt.
Sparc Hydrogen muss deshalb keine wissenschaftliche Theorie schlagen. Es muss langfristig ein etabliertes Industriesystem wirtschaftlich herausfordern.
Der mögliche Vorteil liegt ausgerechnet darin, weniger Hardware zu benötigen. Wenn Sonnenlicht unmittelbar den chemischen Prozess antreibt, könnten Photovoltaik, Teile der elektrischen Infrastruktur und der klassische Elektrolyseur aus der Prozesskette verschwinden oder stark reduziert werden.
Ob daraus tatsächlich niedrigere Wasserstoffkosten entstehen, müssen Pilotdaten und technoökonomische Analysen erst zeigen.
Doch genau darin liegt die interessante Technologiefrage. Die Wasserstoffindustrie beschäftigt sich derzeit intensiv damit, Elektrolyseure größer, billiger und effizienter zu machen. Sparc Hydrogen stellt eine noch grundlegendere Frage: Was wäre, wenn man einen der teuersten Bausteine des Systems langfristig gar nicht mehr benötigt?
Quellen:
https://www.thyssenkrupp-nucera.com/de/newsroom/pressemitteilungen/thyssenkrupp-nucera-liefert-elektrolyseure-fuer-moeve-zum-bau-des-groessten-gruenen-wasserstoffprojekts-suedeuropas
https://www.fortescue.com/en/articles/fortescue-officially-opens-gladstone-electrolyser-facility
https://www.sparchydrogen.com/post/a-note-from-the-ceo-world-hydrogen-summit-2026
https://www.sparchydrogen.com/post/sparc-hydrogen-and-sunhydrogen-enter-into-an-agreement-for-technology-integration
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