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Von 70 auf 18% Bewuchs: Warum Graphen Fischfarmen sauberer machen könnte

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Eine Lachsfarm besteht nicht nur aus Fischen, Futter und Wasser. Unter der Oberfläche beginnt bereits nach kurzer Zeit ein biologischer Wettbewerb: Algen, Muscheln, Seepocken und andere Organismen besiedeln Netze und Käfigstrukturen. Dieses sogenannte Biofouling ist kein kosmetisches Problem. Der Bewuchs kann den Wasseraustausch behindern, Netze schwerer machen und regelmäßige Reinigungsarbeiten notwendig machen.

Wie groß der Unterschied durch ein neues Material ausfallen könnte, zeigen aktuelle Versuche von Sparc Technologies (ISIN: AU0000115750). Bei unabhängigen Tests im australischen Port River waren herkömmlich beschichtete Polymerproben zu rund 70% mit Biofouling bedeckt. Bei einer mit der Graphen-Technologie biosparc modifizierten Polymerbeschichtung waren es lediglich rund 18 %.

Das entspricht keiner Garantie für kommerzielle Fischfarmen. Die Versuche zeigen aber, weshalb Sparc sein Graphen-Know-how inzwischen weit über klassische Korrosionsschutzfarben hinaus ausdehnt.

Ein Netz wird unter Wasser zur biologischen Oberfläche

Biofouling beginnt, sobald sich Mikroorganismen auf einer Oberfläche ansiedeln. Daraus entstehen Biofilme, auf denen sich größere Organismen festsetzen können. Bei Aquakulturkäfigen kann der Bewuchs schließlich einen beträchtlichen Teil der Netzöffnungen verschließen.

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung zu Lachsfarmen bezeichnet regelmäßige Netzreinigung deshalb als erheblichen Kostenfaktor für Arbeit und Treibstoff. Eine andere aktuelle Übersicht beziffert die direkten Kosten der Biofouling-Kontrolle auf etwa 5 bis 10% der gesamten Produktionskosten in der Aquakultur.

Die technische Herausforderung ist dabei paradox: Das Netz muss robust genug sein, um Fische sicher im Käfig zu halten, gleichzeitig aber möglichst viel Wasser hindurchlassen. Wächst die Oberfläche zu, nimmt der Wasseraustausch ab. Gleichzeitig erhöhen zusätzliche Masse und Strömungswiderstand die mechanische Belastung der Konstruktion. Damit beginnt ein ständiger Kreislauf aus Bewuchs, Kontrolle und Reinigung.

AKVA Group bekämpft das Problem mechanisch

Wie etabliert dieser Markt bereits ist, zeigt AKVA Group (ISIN: NO0003097503). Der norwegische Aquakulturtechnologie-Anbieter verkauft unter anderem spezielle Systeme zur Unterwasserreinigung von Fischernetzen.

Moderne Anlagen arbeiten mit rotierenden Reinigungsscheiben und großen Mengen Meerwasser. AKVA beschreibt für schonende Reinigung typische Drücke von etwa 65 bis 90 bar bei hohen Wasserdurchflüssen. Ältere Verfahren arbeiteten teilweise mit mehr als 200 bar, was wiederum erheblichen Verschleiß an den Netzen verursachen konnte.

Das Geschäftsmodell zeigt die etablierte Lösung des Problems: Wenn Biofouling entsteht, wird es möglichst effizient entfernt. Technologische Fortschritte konzentrieren sich deshalb unter anderem auf Automatisierung, Robotik und schonendere Reinigungsmethoden.

Sparc setzt einen Schritt früher an. biosparc soll nicht besser reinigen, sondern dafür sorgen, dass sich von Anfang an weniger Organismen festsetzen.

Für Mowi ist jedes Netz Teil eines riesigen Produktionssystems

Die wirtschaftliche Dimension wird deutlicher, wenn man auf Mowi (ISIN: NO0003054108) blickt. Der weltweit größte Produzent von gezüchtetem Atlantiklachs erreichte allein im zweiten Quartal 2026 ein Rekord-Erntevolumen von rund 150.000 Tonnen. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen etwa 600.000 Tonnen. Mowi betreibt Lachszucht in sieben Ländern und erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 5,7 Mrd. Euro.

Bei solchen Größenordnungen wird die Qualität der Unterwasserinfrastruktur zu einem operativen Faktor. Mowi bezeichnet Fischgesundheit und Tierwohl ausdrücklich als langfristigen Werttreiber. Dazu gehören auch Wasserqualität, Krankheitsprävention und die kontinuierliche Überwachung der Produktionsbedingungen.

Zwischen Mowi und Sparc besteht keine bekannte Zusammenarbeit. Der Konzern zeigt jedoch, welche industrielle Dimension moderne Aquakultur erreicht hat. Ein Material, das Reinigungsintervalle verlängert, den Wasseraustausch verbessert oder die Lebensdauer von Netzen erhöht, adressiert deshalb kein Randproblem.

Sparc versucht aus Graphen eine Oberfläche zu machen, die Organismen nicht mögen

biosparc basiert auf graphenverstärkten Polymeren. Sparc entwickelt die Technologie gemeinsam mit der Flinders University und erhielt dafür Unterstützung im Rahmen des Australian Government Economic Accelerator Program.

Die Idee unterscheidet sich von klassischen biozidhaltigen Antifouling-Beschichtungen. Statt Organismen chemisch abzutöten, soll Graphen die Eigenschaften der Oberfläche so verändern, dass sich Biofilme und größere Organismen schlechter ansiedeln.

In den bisherigen Port-River-Versuchen lag die Bewuchsquote bei der Standardpolymerbeschichtung bei rund 70%, gegenüber etwa 18% bei der biosparc-Variante. Sparc untersucht zusätzlich, ob Graphen Festigkeit und Haltbarkeit des Netzmaterials verbessern kann.

Das Projekt befindet sich allerdings noch deutlich vor ecosparc. Während Sparcs Korrosionsadditiv bereits in kommerzielle Beschichtungsprodukte integriert wurde, laufen bei biosparc weiterhin Labor- und Feldversuche. Prototypen werden mit Unterstützung eines australischen Aquakulturunternehmens getestet.

Aus 52 Prozentpunkten Unterschied muss jetzt ein Geschäftsmodell werden

Die Zahl 70 zu 18 macht die Technologie interessant, aber sie beantwortet noch nicht die wirtschaftlich entscheidenden Fragen. Wie verhält sich das Material über komplette Produktionszyklen? Wie häufig müssen Netze weiterhin gereinigt werden? Was kostet eine biosparc-Beschichtung? Und wie verändert sie die Lebensdauer des Netzes? Genau diese Daten müssen die nächsten Entwicklungsstufen liefern.

Für Sparc ist biosparc dennoch strategisch bemerkenswert. Das Unternehmen zeigt damit, dass sein Wissen über Graphenauswahl und Dispersion nicht zwingend an Schutzfarben gebunden ist. Bei ecosparc soll Graphen verhindern, dass aggressive Umgebungen Stahl erreichen. Bei biosparc soll dasselbe Grundmaterial dazu beitragen, dass sich Organismen schlechter an Polymeroberflächen anheften.

Das industrielle Problem ist völlig anders. Das technologische Prinzip bleibt ähnlich: Nicht Graphen allein erzeugt den Wert, sondern die Fähigkeit, die richtige Graphenqualität so in ein bestehendes Material einzubauen, dass daraus eine konkrete neue Funktion entsteht.

Sollte sich der Unterschied zwischen 70 und 18% unter kommerziellen Bedingungen bestätigen, könnte aus einem zunächst kleinen Forschungsprojekt deshalb ein weiterer eigenständiger Anwendungsbereich für Sparcs Graphenplattform werden.


Quellen:
https://sparctechnologies.com.au/biosparc/
https://mowi.com/corporate/record-high-revenues-and-volumes-for-mowi-in-the-second-quarter/
https://www.akvagroup.com/net-cleaning/net-cleaning-rigs
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0044848626004692

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Sparc Technologies Limited
Land: Australien
ISIN: AU0000115750
https://sparctechnologies.com.au/corporate-information/

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